Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1920)
- Date
- 1920-03-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 2 Nr. 9 ■ v 1 Der Israelis. 4. März 3920 Streben sein, Landwirte für Erez-Jisroel auszubilden. Will aber einer in Deutschland bleiben oder in Ungarn, wo viele fromme Gutsbesitzer sind, daun schadet das auch nicht. Dann können sowohl in Europa als auch in Erez- Jisroel Lernc-elegerihetterr, entstehen. Hierbei möchte ich auf Kalifornien aufmerksam machen, wo die Ausbildung für Erez-Jisroel ganz besonders in Betracht kommt, da Lage und Klima dieselben finb wie die Erez-Jisroels! Wenn wir in Erez-Jisroel nicht von den freien Elementen, Gott behüte, an die Wand gedrückt werden wollen, und das wird der Fall sein, wenn wir uns nicht endlich einmal zur fatschen, kecken Tat znsammenreißen, dann muß für uns jetzt die Losung heißen: Sch afft landwirtschaftliche Lehrstellen! Das geht nun aber nicht im Handumdrehen, wohl aber bei systematischem und großzügigem Vorgehen. Es geht alles, wenn man ernstlich will. Ich schlage daher folgendes vor und bitte, meine Anregung zu prüfen und bei Gutbefund zu unterstützen, sowohl ideell als materiell. Es wäre zu wünschen, daß letztere Forderung nicht als Kaltwasserdusche wirken möchte. Im Rahmen der Agudas Jisroel ist eine landwirtschaftliche Zentrale zu schaffen. Diese muß größere Geldmittel zur Verfügung haben und folgende Aufgaben lösen: 1. Verbreitung des Gedankens unter den Juden, sich wieder der Landwirtschaft und ihren verwandten Berufen zuzuwenden/ wie Gartenbau, Wein- und Obstbau, Geometrie, Geologie usw. 2. BeraturW^Fer, die Interesse für diese Berufe, besond^WMdWirtschaft haben. 3. Schaffung MDW^cZanifierung der landwirtschaftlichen LehrsteMl. 4. Gewinnung duldsamer christlicher Landwirte zwecks Aufnahme jüdischer Lehrlinge. 5. (Karrptpunkt) Gewinnung von jüdischen Kapitalisten zwecks Gründung von Lehrgütern. 6. Leitung und Kontrolle der praktischen und wissenschaftlichen Ausbildung der jüdischen jungen Landwirte mit nachfolgender Prüfung. 7. Vermittlung von Beamtenstellen und von Darlehen zur Selbständigmachung Hand in Hand mit einer orthodoxen Palästinabank. 8. Bearbeitung und Organisierung aller Länder in geeigneter Weise. . 9. Errichtung von Zweigstellen in diesen Ländern. Weitere Punkte wären eventuell noch festzulegen. Voraussetzung für e.me fruchttragende Tätigkeit gedachter Organisation wäre natürlich, I daß die gesamte Orthodoxie aller Länder tatkräftig mitarbeitet, aber nicht nur in Gedanken, sondern in erster, zweiter und dritter Linie mit — dem Geldbeutel,' um den kommen wir. halt leider nicht herum. Es wirkt ungewollt abstoßend, den Mammon immer und immer wieder zu erwähnen, es geht aber ohne ihn wirklich nicht. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn auch die der Orthodoxie ferner stehenden Kreise, besonders die Logen, gemeinsam mit ihr in dieser Richtung arbeiten würden, handelt es sich doch auch um Schaffung von Landwirten für Deutschland. Und es wäre sehr zu bedauern, wenn .es an dem Punkte scheitern sollte, daß die ganze Organisation und die von ihr geschaffenen Institutionen nur in streng religiöser Weise geleitet werden müssen, und die Obsorge hierfür nur in orthodoxen Händen liegen können. In jeder anderen Beziehung aber kann friedliches Zusamrncnarbeiten stattfinden. — Der beste Weg zur Schaffung tüchtiger jüdischer Landwirte ist und vleibt .das jüdische Lehrgnt! . Möchte endlich einmal, energisches, zielbkwußtes und großzügiges Handeln auch in dieser Beziehung in unseren Reihen beginnen. Das Ziel ist ein dankbares und der Mühe unserer Besten wert. Jedoch das sind alles nur ehrlich gemeinte Worte und aus solchen allein sind noch niemals große Werke entstanden. Daher sage ich: genug der Werte, jetzt laßt die Taten reden! Wochennmdschaii. Ser -S«ni> gesehesttelm Gemeinden" Die an andrer Stelle gemeldete Gründung des „Bundes gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands" ist ein bedeutsames Ereignis, das jeder einsichtige Freund einer Aufwärtsentwicklung im deutschen Judentum mit freudiger Genugtuung begrüßen sollte. Schon die Tatsache, daß sich Gemeinden unter dem offen entrollten Banner der G e s e tz e s tr eu e vereinigen, bedeutet eine moralische Stärkung der jüdischen Sache, während andererseits die Zugehörigkeit zum „Bunde" jeder einzelnen Gemeinde das Bewußtsein in jedem Augenblicke neu belebt, daß nur in der treuen Wahrung der überlieferten Lehre die jüdische Gemeinschaft bestehen, die Einzelgememde die Dauer ihres Bestandes sichern kann. Für den Augenblick bedeutet die Gründung 'des „Bundes" vor allem eine Sicherung der Orthodoxie gegen die drohende geistige, Vergewaltigung durch eine von den liberalen I Großgemeinden beherrschte Gesamtorgantsation' denn in demselben Augenblicke, in dem etwa diese sich als einzig berechtigte Vertretung der jüdischen „Religionsgemeinschaft" vor bem Staate und der Oeffeutlichkeir ausgeüen wollte, würde der neue „Bund" den Anspruch erheben können, die selbständige Vertretung der gesetzestreuen jüdischen Religionsgemeinschaft in Deutschland zu sein. Es scheint uns heute noch glicht an der Zeit, die Probleme, die sich an e ne solche Entwicklung anknüpfen, im einzelnen zu erörtern. Nur das eine sei hervorgehoben. Wenn es dem „Bunde" gelingt, allmählich auf Grund eifriger Werbearbeit und vor allen Dingen positiver Leistungen alle diejenigen Gemeinden ohne Ausnahme in sich zu vereinigen, die nach ihrem Charakter als gesetzestreue gelten können, so würde er zu einepi wichtigen Faktor zur friedlichen Lösung der die Gemüter beherrschenden Organisationsfragm werden können. Die Orthodoxie bedarf des Kraftgefühls und der inneren Sicherheit, um unter Wahrung ihrer Prinzipien und ihrer geistigen Eigenart auf sozialem oder politischem Gebiet mit den Vertretern anderer Weltanschauungen im jüdischen Kreise zusammenartzetten zu können. Beides kann ihr der neue „Bund" gewähren und in diesem Sinne sollte seine Gründung in allen Lagern als Fortschritt begrüßt werden. DerMrachiimd die ZerusalenmAniveksliät Vom Londoner Zentralbüro der Mtsracht geht uns ein Abdruck der in Amsterdam gefaßten Resolutionen zu, mit dem Hinzufügen, daß man hier den „authentischen Text der zur Veröffentlichung bestimmten Resolutionen" übermittle und „für andere Veröffentlichungen jede Verantwortung ablehnen müsse." Wir konstatieren nun die auffallende Tatsache, daß in dieser authentischen Zusammenstellung die Resolution zur Unutzerfitätsfrnge völlig fehlt. War sie „nicht zur Veröffentlichung" bestimmt oder will man sie in London nachträglich desavouieren? Gegen die letztere Vermutung spricht, daß in der jetzt stattgehabten Sitzung des zionistischen Aktionskomitees laut Zeitungsberichten auch Rabbiner Dr. Schönfeld selber das Nniversitäts- Projekt begrüßt und das englische College-System empfohlen haben soll. Erstaunlicher Weise soll, nach dem gleichen offiziellen Sitzungsberichte, Hermann Struck für die sofortige Berücksichtigung der jüdischen Wissenschaft (neben den mehr technischen Disziplinen) elu getreten seinalso grade für diejenige Richtung der Entwick, Was wir erkennen sollen. (Zu den ausgezeichneten Sabbaten.) Jirmesvhu sogt es uns (Kap. 7, Sätze 18—19), wessen sich der "Mensch, .von. Gaben begnadet, zu rühmen hat. ^?,v2N2 L2N ^s, es rühme sich der Kluge nicht seiner Klugheit, imis;! TQ:n, auch nicht rer Starke seiner Kraft, am allerwenigsten der Reiche seines Reichiums, HSTZ LS '2 ^nnö" ^niv, sondern damit rühme sich, wer sich schon rühmen will, wirr daß er gelernt har, mich zu erkennen usiv. Klugheit, Stärke und Reichtum! Könnten nicht diese Worte als Uebcrschrist dienen für die bis heute uns als Herolde eine? neuen Lenzes erschienenen drei hcheiitvuhcn äSüßßöfg, dkM» Rufe öök Rech? Usch (garen: Hahlel ilicbcnfii RMttM ZW j Za «argekchW ZMtzMÄW f§MH. Wcr SgiUMMSt!8 Hrroprfache: „Der Reiche ist ÜS? Tslk Nicht Nt?ß^ »ah har Ärare üläji weniger". Hier ober sieht es an letzter Stelle: „es j rühme sich der Reiche nicht seines Reichtums". ( Sochauv zeigt uns in Verbindung mit dem Purimwunber, daß nicht äußere Zahl, Kraft und erdrückende Uebermacht den Endsieg entscheiden, daß sich Gewalt am Recht bricht, auch wenn dieses von einer Minderheit nur vertreten wird. Hier aber heißt es an zwerier Stelle: „es rühme sich nicht der Starke seiner Kraft". Poro spricht heute von der Weisheit letztem Schluffe, der auch einem Salomo verschlossen bleibt. Sprach er doch als er vergebens seinen Witz an der Ergründung des Paragesetzes erprobre: nvsnrr w.fcx npWTl sw. „Ich dachte, ich wäre weise und sehe, die Weisheit ist weil entfernt von mir". Da denken wir an des Propheten erstes Wort: „es rühme sich i Kluge nicht seiner Klugheit". Reichtum bringt Kraft und diese führt zur Selbstüberhebung. zu der selbstgefälligen Anschauung von rm b'nn 'h'rw^ N' Däjn 'n2. Damit wäre der logische Ausbau der viv2L> — gegeben. Allein in den Worten des Propheten steht die Weisheit — und die Unzulänglichkeit unserer Sinne, bis zur letzten Pforte der Weisheit zu gelangen — an erster Stelle. Nicht Klugheit, nicht Kraft, auch nicht Reichtum heißen die Wege, die zu den Lebens höchsten Zielen führen, sondern 'ms y*m hivn, das Erkennen, daß 'n es ist, der px2 eetpcn ivn nm, Liebe und Recht auf Erden übet. (Aus der Purim-Mappe.) l. In Beantwortung eines Geschätzten . . Sie fragen, lieber Herr Krittler, warum wir in der jüngsten Nummer zu Purim nichts erlebt und erlauscht hätten und behaupten, dadurch sei Ihnen die ganze Purirnfreude genonunen worden. Ganz einfach, lieber Herr Krittler — weil es die Tragik des jüdischen Zeitungschronisten, der die Stimmung zum bestimmten Termin zu liefern hat, ist, immer die Stimmung um ein paar Tage voraus zu empfinden .... So mutz er beispielsweise am Erew Jomkippur über Sukko und Lulow referieren, am Tischobeaw über Nach amu schreiben .... Das geht alles noch bet einigem guten Willen. Aber wie und wo, frage ich Sie, lieber Herr Krittler, soll er acht Tage bevor der Lisch zur Purimseuda gedeckt ist, die nötige Purimstimmung herbekommen? Die besten Purrmwitze fallen auch ihm natürlich erst dann ein, wenn sich die Grenze zwischen „Voruch MordkHai" und „Drur Homorr" zu »erwischen beginnt .... ünh daun ist es leider zu spar —'auch für bis WMschMMxiw-Ikururner! --- ■-- sllsö NWtz £2 Mg MWS hf^Saral für sich ßrchälfeN, 8KM, S8§ M&fgß M? fßm glaube«, fallt ihr» MeM mm r , , , '