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Der Israelit · 1920-02-26 · Heft 8 (26.2.1920) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 8 (26.2.1920)
Date
1920-02-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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26. Februar 192ö DerEraeUt. Nr. 7 Seite 0 Personalien. Esther Carlebach Lübeck, 14. Febr. Noch kein Jahr ist verflossen, seitdem mir das Haupt unserer Gemeinde, unseren unvergeßlichen Rabbiner Dr. Salomon Carlebach ^'27, zu Grabe getragen haben, und schon trifft uns ein nicht minder schmerzlicher Verlust. Mit dem Morgengrauen des 23. Schewat durcheilt eine Trauerkunde alle Häuser: Esther Carlebach, die Rabbinerin unserer Gemeinde, die verehrungswürdigste Iran, die wir besaßen, ist plötzlich verschieden. Als Tochter des noch in lebendiger Erinnerung stehenden Rabbiners Alexander Adler in Moisling bei Lübeck herangeblüht, reichte sie in jungen Jahren dem 1870 als Nachfolger ihres Vaters nach Lübeck zum Rabbiner gewählten Gatten die Hand zu einem vorbildlich gewordenen Lebensbunde. Acht Söhnen und vier Töchtern hat sie das Leben geschenkt und im Verein mit ihrem Gatten deren Erziehung so geleitet, daß sie alle ohne Ausnahme tm wahrsten Sinne des Wortes zu Zierden des Judentums geworben sind, auf die nicht nur unsere Gemeinde, sondern die gesamte Judenheit mit berechtigtem Stolz blickt. Selten wie je, hatte das Rabbinerpaar das Glück, sogar die Enkelkinder in ihrem Geiste heranmachsen zu sehen, als edle Menschen und Juden ganz im Sinne des Btbelwortes. Wer einmal Gelegenheit hatte,, an der Stätte ihrer häuslichen Wirksamkeit auch nur für wenige Augenblicke zu weilen, oder gar an einem Sabbat oder Jesttage, dem mutzte sich das Bild innigsten Familtenzusammenhanges, kostbarsten Jamilienglückes, edelsten Menschen- und Judentums unauslöschlich einprägen. ES war ein Zauber, der von diesen Menschen ausging und jeden veredelte, der in ihren Bannkreis trat. Mit welcher Liebe und Verehrung , umgab, sie den Gatten in Freud' und Leid des Lebens! Welches Verständnis zeigte sie für sein rabbtnischeS und literarisches Wirken und wie unterstützte sie ihn dabei, als von Gotr gesandte 11U2 iw. Eines Sinnens und eines Herzens wirkten fie gemeinsam am Webstuhl der Zeit und übten ihren heilsamen Einfluß auf Gemeinde und Welt. Salomvn und Esther Carlebach, wer will dem Einzelnen die Palme des Verdienstes reichen! Sie gehörten beide zusammen. Wie sie durch eigene Tätigkeit über den Rahmen unserer Gemeinde hinaus wirkte, ist der Welt bekannt. In allen jüdischen Häusern finden sich chre gemütsvollen Dichtungen „für's jüdische Haus" und „der Tochter Zions Liebe und Leben". Ihr Wirken innerhalo unserer Gemeinde war ein reiches und von Gott gesegnetes. Sei es, daß sie als Lehrerin an der jüdischen Schule die Kinder unterrichtete, im Israelitischen Frauenverein in erster Reihe Humanitär wirkte, in der Frauen-Chewra als hilfsretche Schwester uns zur Seite stand, sei es, daß sie auf allen andern Gebieten des sozialen und Gemeindelebens in frohen und glücklichen Stunden uns Führerin wurde und zu jeder Zeit Stütze uud Halt gab, überall sind die Spuren ihrer gottbegnadeten Wirksamkeit anzutreffen, sie werden uns und unseren Kindern unvergeßlich bleiben. Hat fie doch an allen Lebensbegebenheiten eines jeden einzelnen in unserer Gemeinde innigsten Anteil genommen. Eine Freundin in der schönsten Bedeutung deS Wortes hat ein jedes jüdisches Haus verlören. Im Trauerhause umstanden die Bahre alle Kinder und nebst dem Hamburger Oberrabbiner Dr. Spitzer und Rabbiner Diamant, Hamburg, viele auswärtige Freunde des Hauses, soweit sie bei der Kürze der Zeit herbeieilen konnten. Die Beerdigung fand bereits heute, Freitag den 24. Schwat statt. Den allgemeinen Schmerz brachten in zu Herzen gehenden Worten zum Ausdruck die Söhne Semtnardtrektor Rabbiner Dr. Carlebach, Köln, Realschuldirektor Rabbiner Dr. Carlebach, Leipzig, Rabbiner Dr. Hartwig Carlebach, Berlin, Alexander Carlebach, Lübeck, (den vorjüngsten Sohn, Gymnasialdirektor Dr. Joseph Carlebach, Kowno, konnte die Trauernachricht noch nicht erreichen), von den' Schwiegersöhnen: Rabbiner Dr. Rosenak, Bremen. Den Dank der Gemeinde sprach in tiefbewegten Worten im Namen des Gemeindevorstandes, der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Landau, aus. Auf dem Friedhof in Moisling würdigte der Schwiegersohn Bibliothekar Direktor Dr. Stern, Berlin, die geschichtliche Bedeutung unseres unvergeßlichen Rabbinerpaares. 12122 npns *>27. Mühlheim a. M-, 23. Febr. Am Rausch-Chaudesch Adar entschlief in Offenbach bet ihrer Schwiegertochter Frau Regina Rotlmann Wwe., tm Atter von 93 Jahren. Mit ihr zog eine Frau von dännen, die noch von echt jüdischem Geiste beseelt war und bis in die letzten Jahre regen Anteil nahm am religiösen Leben m unserer Gemeinde. Ein zahlreiches Gefolge gab ihr das letzte Geleit .und am Grabe würdigte Herr Rabbiner Dr. Dienermann nochmals ihre Verdienste während ihres arbeitsreichen Lebens.l"2SM Ainderecke» Prolog zu einer purimfeier. Von Sara Boudi. .w, (Purim als Bajazzo verkleidet, aber statt der Pritsche eine Megiliah in der Hand). Ich bin her Purim, ein lustiger Mann, Man sieht mich für keinen Jomtow att- Doch steht es ja in der Megilah drin, Warum man mich feiert, und was ich bin! Soll ich beginnen, Euch vorzulesen, Von den Leuten, die damals in Schuschan gewesen? Aber ich denk' es wird Euch zu lang, Auch kennen die meisten den ganzen Hergang. Und aus der Schule plaudern darf ich wohl nicht s Doch — ich glaub', Ihr hört später noch von der Geschicht!. Erzählt ich noch viel, Hab' Angst, ich müßt hören, Ihr würdet mich gar für langweilig erklären. Das ist der Purim nicht, soll er nicht sein, Frau Unterhaltung stelle dich ein, Heut' sollt Ihr tanzen, jubeln, singen, Vor Freud' tn alle Lüfte springen! Den Bauch Euch halten schier vor Lachen, Auch einen Purzelbaum könnt' Ihr machen! Trinkt man heute nicht viel Wein? Es ist Mtzwo, Purim schicker zu sein. Seid Ihr nicht all' aus die Purim-Sude erpicht? Bin ich darum ein Jomtef oder nicht? Drum heiter, fröhlich, hopsa, hurrah, Ich hin der Purim, und ich bin da! Gin purimspaß. Von Heinrich Einstädter. Salme Schneider, der beliebteste Mann in Etersheim, hatte das Glück, daß sein Häuschen niemals leer wurde von fröhlichen Menschen, die sich über die trockenen Spässe des heiteren Witzboldes fast krank lachten, und das Pech, daß seine Hühner »verlegten." Das bedeutet, daß sie nicht gleich anderen an Ordnung gewöhnten Angehörigen ihrer Gattung hübsch artig die Eier ins Nest brachten, sondern sie bald in der Scheine, bald im Stall, oft sogar an recht schwer zugänglichen Orten absetzten. War das schon an und für sich nicht angenehm, so kam in diesem Falle noch der erschwerende Umstand hinzu, daß Salme kurzsichtig war. Wenn er auf dem Schneiderrisch hockte und seine Witze machte, dann stand ihm die Brille aus der Nasenspitze gar nicht schlecht. Wenn er aber damit in Scheune und Hof umherstteg, dann bot er ein Bild, das er gern seinem lachlustigen Publikum vorenthielt. Salme war ein vermögensloser Mann, aber ein guter Haushalter. Seine Miete, seine Steuer, sein Holzgeld sparte er sorgfältig zusammen, und er wußte es so einzurichten, daß der erforderliche Betrag immer schon einige Wochen vor der Fälligkeit bereit lag. Ja, einmal hatte er die Aprtlmiete schon Ende Februar beisammen, und oft machte er sich nach Feierabend das Vergnügen, den kleinen Schatz nachzuzählen. So konnte es kommen, daß sein kleiner Bub einen Fünfzigmarkschetn erwischte, als der Vater gerade von einem Nachbarn ans Fenster gerufen worden war, und ihn kurzerhand in den Ofen warf. Das war ein Schrecken für den armen Schneider. Er arbeitete nun abends noch länger, und seine Familie verzichtete von vornherein auf Purimkuchen und neue Sommerkleider. Doch den zahlreichen Freunden Salmes, besonders den jugendlichen, rat es leid, den armen Schneider so darben zu sehen, und da sie es nicht wagen durften, ihm ein Geschenk anzubieten, beschlossen sie, den Schaden durch einen PurtmscheiH wieder gut zu machen. Am Purimmorgen besuchte Salme natürlich die Synagoge, und da er wußte, daß zum Kaffee der Kuchen fehlen werde, beeilte er sich nicht, nach dem Gottesdienste das Frühstück einzunehmen, sondern er setzte seine Brille auf und ging in den Hof, die frtschgelegten Eier zu holen. Im Hühnerhaus fand er krtne, wie er schon erwartet hatte. Darum öffnete er das Scheunentor und suchte dort in allen Winkeln. Und sieh! Da leuchtete schon etwas Weißes im Stroh. Doch als Salme sich danach bückte, da ergriff er ein Papier, und einen Augenblick kam es ihm vor, als wäre aus dem Hintergrund ein verhaltenes Kichern ertönt. Doch das mußte ja Täuschung sein. So suchte er dann weiter, und bald entdeckte er wieder einen weißen Punkt. Diesmal war es ein Et, aber — ein tönernes. Wieder ein kaum unterdrücktes Lachen! Salme knurrte etwas von „losen Buben" und wollte schon mißmutig das weitere Suchen aufgeben, als ganz in seiner Nähe ein heller Gegenstand seine Aufmerksamkeit anzog. Er nahm ihn auf und hielt — einen kleinen Briefumschlag mit fünfzig Mark Inhalt in der H^nd.- Salme lief und suchte nach den „losen Buben", aber vergebens. So kam es, daß dem lustigen Spaßmacher gerade am Purim eine Träne in den Bart rollte. purim-Msel. Bon Heinrich Eiustädter. Wenn sie (?) zum König wär' gekommen, er hätt' den^Kopf ihr abgenommen, zu gleicher Zeit als froher^Zecher ihr dargereicht den vollen Becher. — (?) Und sie hätt' wohl mit holdem Danke genippt von jenem edlen Tranke, alsdann den Fuß sich abgesäget, an seine Stell' den Kopf geleget. Uno, so sich in den Mund genommen, den Becher, den sie erst bekommen, zurückgertcht den Fürsten allen. — (?) das hätt' dem König dann gefallen. ftuflöfung des Räffeis in Rr- 6: ijr)iW> -ivp p2Dy inv ab ny ipi7i »r« tone» JV2 *737 finam .SW 21Ö1 "l „1127,, f2l7 p]D2 "->12 „ -pm -jin-12 .*]twi ->p2 uns nwnn p 1'vpo no'in, p» 2V»1B j^bb 1»x»ßK p» b& wan ronoD 2ivi ,,-p" nWfl 2.17 "17" Btt fllHBJ^I 111*7 p^in „“7" sBAI ' 1212 pen mix nx .nroxi sw D2i Kreuznach. E. Agulnik 1127 Gedenke. 112 Ofen. 12 Lamm. 11 zart. 17 Krone. 17 rein. Richtige Lösungen sandten ein: Leo Lehmann, Ernst Nebenzahl, Eli, Jakob und Eri, Posen, Ludwig Rapp, Karl und Ina Stern, Jako Rothschild, Tilli und Trude Schachnowitz, Adelhei Kulb, Eva Friesländer, alle in Frankfurt a. M. - Esra-Mädchengruppe 11, Willi Stern, Else Wechsler, all in München. — G. Jaffe, Tilsit. - Jakob Strauj Hamburg. — Fanny Goldschmidr, Halberstadt. - Fanny und Henriette Strauß, Karlsruhe. — Herman und Jeanette Bondi, Wien. — Hermann Oppenheime Mina Openhetmer, Hanau a. M. — Alfred Herzber Hedwig Willmer, Nürnberg. — Renate Kahn, Bopfinge — Jsa Frank, Altona. — Siegfried Stein, Harbur — Siegmund Erlebacher, Goldbach. — Ruth Loei Viernheim. — Nachim Schterenbuch, Basel. — H. Wei Max Ansbacher, Sophie Landau, Frankfurt a. M. - David Warszomski, Fürth.

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