Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1920-02-26 · Heft 8 (26.2.1920) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 8 (26.2.1920)
Date
1920-02-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450088-2450096--68069-2525149
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

fl 26, geEtüftt 1920 _^ dabeinochdie" GlelchLeLechLiAun g, von BiheiDttMs Md jüdischer GütteSLreue ÄS höchste E r r« n g e n f ch s f i |« — erhoffen sich erkühnt! OL die Herren, die doch in mancher stillen Stunde mit ihrem Gotte, mit ihrem jüdischen Gewissen Zwiesprache halten, sich nicht einmal fragen, wohin die Reise weiter gehen fbll? Ob sie nicht vor dem Weg erschrecken, den sie selbst in wenig Jahren zurückgelegt und den nun — das ist nur die natürliche Konsequenz — die hoffnungsvolle Misrachi-Jugend, derlenige Teil dieser Jugend, dessen „Zionismus größer ist als seine Gesetzestreue", als noch viel zu rückständig angeklagt!! Denn dies ist das Bemerkenswerteste: Die Amsterdamer Konferenz hat neben der unglückseligen Universitäts-Resolution einen von anderem Geiste erfüllten anerkenneswerten Beschluß gefaßt) der die völlige Trennung und Autonomie des orthodoxen Schulwesens in Palästina fordert und die selbständige Durchführung dieser Trennung auch gegen den Willen der zionistischen Gesamtorganisation — allerdings zunächst nur bis zur Entscheidung'des palästinensischen Kongresses — androht. Gegen diesen Beschluß regt sich nun eine offenbar aus die Kreise um Dr. Rabin zurückgehende Opposition jugendlicher Misracht-Mitglieder, die in der „Jüdischen Rundschau" gegen die Misrachi-Leitung polemisieren und ihr eine Politik vorwerfen, die — horribile dictu — zur . „Agudas Jisroel führe. Die „Jüdische Presse" weift demgegenüber darauf hin, „daß die gesamte Lehrerschaft der orthodoxen Schulen in Klagen über die Behandlung ihrer Schulen durch^den (gegenwärtig einheitlichen) Waad hachinuch einig sei", daß die Teilung der Schulkommissionen unter Verzicht auf einen Oberbau von der Londoner Leitung bereits zügesagt war, und daß man sich angesichts der Majoritätsstellung der Orthodoxie im gesamten jüdischen Volk unmöglich mit % der Sitze in einem gemeinsamen Waad begnügen könne. „Im einheitlich enWaad,, — heißt es dann wörtlich weiter — „hätten unsere Vertreter davon ausgehn müssen, daß sie die Verantwortung für das gesamte dem Waad unterstehende Schulwerk ' mittragen^, was schließlich zu ewigen Kämpfen und zum Exodus einer Seite führen müßte. Wir wollen heute nicht fragen, warum dieser Gedanke der Mitverantwortung den Misrachi nicht auch in seinem Gesamtverhältnis zur zioniMchen Organisation und ihrem großen Verweltlichungswerk am jüdischen Volke bewegt — viel wichtiger und trauriger ist die Tatsache, daß aus dem „Misrachi" selbst heraus zwar die _Krr ABratik.__ mannhafte Haltung in der Schulsrage LMvrpft, ja duß sogar deshalb die Legitimität der AmsLerdamer Verssmmlrrug MM*#** wird, daß man aber von einer Unzufriedenheit mit der schwer begreiflichen Universitäts-Resolution bisher nicht das geringste wahrnehmen kann. Das läßt für die weitere Entwicklung nichts Gutes erwarten. Die Reise scheint weiter nach links zu gehen, und Sokolow, Wetzmann und Genossen als Erzieher werden, so fürchten wir, wie bisher auch künftig von innen heraus größeren Einfluß auf die Psyche der misrachistischen Parteifreunde auL üben als diese auf den Gesamtgeist der Organisation. Ein nationales Heim im aradischen Palästina? Aas Knde eines politischen Wersteckspieks. Seit Monaten bilden die Beziehungen des maßgebenden arabischen Politikers und künftigen Königs von Arabien, des Emirs Faisul, zu den leitenden zionistischen Männern, insbesondere zu Weizmann, den Gegenstand einer erregten Polemik zwischen der englisch-jüdischep Wochenschrift „Jewish Chronicle" und der offiziellen zionistischen Leitung. Der arabische Prinz hatte schon vor einem^Jahre widersprechende Verlautbarungen über seine Stellung zu den jüdischen Palästina-Ansprüchen in die französische Preffe gelangen lassen und war abwechselnd einmal in schroffster Weise gegen das „nationale Heim" aufgetreten, um das andere Mal wieder voll, liebenswürdigsten Entgegenkommens seine restlose Uebereinsttmmung mit der Politik der Zionisten zu bekunden. „Jewish Chronicle" veröffentlichte oann Ende 1919 ein Interview, mit dem Emir, das den Juden für heute und alle Zeit das Recht auf ein Staatswesen jüdischen Charakters in Palästina absprach, ja sogar die unbegrenzte Einwanderung negierte, kurz Palästina für die Araber als legitimierte Mehrheitsnatton in Anspruch nahm. Das Interview erregte in zionistischen Kreisen ungeheuren Anstoß, und kein Geringerer als Herbert Samuel erklärte es in öffentlicher Versammlung für „ein Mißverständnis." In der Tat, der liebenswürdige Emir Faisul schrieb nach acht Tagen Herbert Samuel einen Brief, es liege „ein Mißverständnis" vor — er sei in vollster Harmonie mit den zionistischen Führern. Das, Londoner zionistische Bureau läßt den Emir-Brief als Propaganda - Drucksache mit Herbert Samuels Rede verbreiten — Jewish Chronicle aber bleibt dabet, daß sein Jnterwiew durchaus zuverlässig und vom Emir nach Inhalt _ ' Sk. 8. Seite 3 ttttb Form genau geprüft nutz genehmigt war. Offen Med demnach, vb der Prinz den Mantel nach dem Winde hing, oder üb Wetzrncmn — das wagte selbst Jewish Chronicle nur vorsichtig anzudeuten — in der Tat seinerseits durch weitgehende Verzichte die „Harmonie" mit des Emirs Politik hergestellt habe. Nun erscheint in der letzten Nummer des „zionistischen Züricher Wochenblattes" ein neuestes Interview mit dem Prinzen, das wie eine Sensation wirken muß. Bet der weittragenden Bedeutung des Gegenstandes halten wir uns für verpflichtet, das Interview im Wortlaut wiederzugeben. Der Interviewer war Herr H. A. Gutmann aus London, der denPrinzen am 20. Januar in Damaskus aufsuchte. „Wie ist die Haltung der arabischen Friedensdelegation in Bezug auf Palästina und die eventuelle Schaffung , eines jüdisch-nationalen Heimes daselbst?" war die erste Frage, die ich an den Prinzen stellte. „Ich habe meine Ansichten über diese Frage bereits der Friedenskonferenz dargelegt und den Gegenstand auch mit den zionistischen Führern behandelt. Die Araber betrachten Palästina als ein Land, das von Arabern bewohnt und daher ein Teil des arabischen Königsretches ist. Wenn ich dies sage, so wünschen wir keinen Augenblick, die Juden von Palästina auszuschlteßen. Wir betrachten sie als unsere Vettern, ja sogar als Stammesbrüder. Die Araber glauben, daß sie jedes moralische und materielle Interesse haben, mit den Juden aufrichtig zusammen zu arbeiten und in Palästina als Brüder zusammen zu leben, wo sie gemeinsame Interessen, gemeinsame Pflichten und gleiche Rechte haben. Das „National Home", von welchem die Juden sprechen, kann nur als Freiheit für die Juden ausgelegt werden und als Recht, ihre eigene Kultur und Sprache zu pflegen." „Will Euer Hoheit damit sagen, daß die Juden nur kulturelle, aber keine politischen Rechte in Palästina haben sollen?" „Ich meine," erwiderte der Prinz, „daß die Juden in Palästina dieselben kulturellen und politischen Rechte genießen sollen, wie ihre arabischen Landsleute, nicht mehr und nicht weniger. Indes ist es erforderlich, daß die Juden für uns dieselbe Sympatte hegen, wie wir für sie. Die Juden müssen mit den Arabern, welche, bereit sind, sich mit ihnen nicht nur hier, sondern auch in anderen Ländern zu verbinden, um ihre Rechte zu erlangen, zusammen arbeiten. Solidarität zwischen den Juden und den Arabern ist eine Verständnis aufklärle und ihm ausdrücklich sagte "l'üwnb 13*1203 '2 und noch hknzufügte .... V'12P^> 1^>N1 131203", da sah erst der König ein, wie sehr er von Haman getäuscht wurde. Daher seine Entrüstung ,/0 io*? irHo im ... . nt xin". Diese Entrüstung war echt und nicht gekünstelt und des Königs Zorn be« gretsttch. Durch diese Erklärung ist auch eine scheinbar schwierige Raschistelle leicht zu verstehen. Anknüpfend an die Worte der Megillah: „Mordechai aber wußte alles, was geschah", fragt der Talmud (Megillah 15 s): „WaS hat er gewußt"? Darauf antwortet Raschi, er wußte, daß Haman Oberhand über Achaschwerosch ge, wonnen hat. Dazu bemerkt Nascht 121*? in1? ix^Str» pinprix 2*7 by nby xte no, eine Bemerkung, die an und für sich schwierig ist. Durch die Erklärung des “ppix versteht man erst den tiefen Sinn, der in der kurzen Bemerkung Raschis enthalten ist, mit Leichtigkeit. (Fortsetzung s. ®. w. am nächsten Purim). (Die „Sendung Semuels in Berlin)". Es war unter politischen Gestchtspunkten wenig klug, gerade jetzt, da >der Haß in der Hauptstadt Welle auf Welle treibt, Äirch Aufführung des Zwetg'schen Stückes, der Preffe soviel Stoff zur Rede und Gegenrede zu« geben. Es ist nun im „Deutschen Theater" im Rahmen einer Nachmittagsaufführung „Jungdeutfchlands" ge. schehen und ttun widerhallt wieder einmal der Berliner Blatterwald von „Judenariikeln". Sehr ärgerlich, klagt die „Deutsche Tageszeitung": „Reizvoll war nur der Blick ins Publikum. Die große Mehrheit ging htngeriffen mit, wie im Jiddischen Theater von Warschau oder New-Aork, wie im Potsdamer Straßenfilm. Alle judenhetzertschen Gemeinheiten empörten die Seelen, jedes vernichtende Hohnworl Zweigs stieß auf Herz. liches Verständnis und auch Ergriffenheit, Rührung rc. blieben bei den sich reichlich bietenden Gelegenheiten nicht aus. Zückte eS nicht manchem Anwesenden in den Fingern, die finsteren Bäsewichte, den Unter, suchungsrichter, den Jstoczy, auch den Dnody ein bißchen zu verkeilen?" Die Rollenbesetzung scheint auch nach dem Berichte ernster zu nehmender Zeitungen keine glückliche gewesen zu sein. Sie -war antisemitisch und stülpte damit das Stück um. Während stumpfe Schauspieler, die sich nicht übertrugen, die Juden gaben, spielte Emil JanninaS den Untersuchuttgsreferendar Bary aus seinem Blut heraus. Er gab den Bimzen als Antisemiten aus Blondheit und Körperkraft. Selbst Ernst Deutsch spielte insofern gegen die Tragödie, als er sicherer den Ton des verratenden, als den des ringenden Moritz Scharf traf. (Die Tat eines Feldrabbiners). Am 28. August 1914 hatten die Geschosse in Traintrux in den Vogesen eine Scheune angezündet, die als Ambulanz gedient hatte. Während man die Verwundeten fvrtschaffte, sah einer von ihnen den Großrabbiner von Lyon, Abraham Bloch, der Feldrabbiner des 14. Armeekorps war, glaubte, daß er katholischer Feldkurat sei und bat ihn um ein Kruzifix, das er vor dem Tooe küssen wolle. Der Großrabbiner belehrte nicht oen Sterbenden über dessen Irrtum, sondern ging, ohne auf dre rings um ihn ntederfallenden Geschosse zu achten, zu einem katholischen Priester, der in der Nähe Sterbenden den letzten Trost darbrachte, machte ihm Mitteilung vom Wunsche des Soldaten und führte ihn zum Sterbenden. Fast im selben Augenblick wurde er selbst von einem Geschoß getroffen und starb nach kurze, Zeit. Er wurde im Friedhof von Satnt-Die begraben, v wo in Anbetracht der Umstände kein Grabmaler, richtet wurde. Das Zentralkonsistorium der Union israelitischer Kultusaffoztationen von Frankreich und Algier hat die Initiative zu einer öffentlichen Sa.nm. lung ergriffen, deren Erträgnis für ein Gravmonument zu Ehren Abraham Blochs verwendet werden soll. Es soll darauf der Bericht seines heroischen Todes und eine Ehrung seiner dankbaren Glaubensgenossen ~ eingraviert werden. Um der Manifestation ihren eigentlichen Charakter zu geben und um allen, auch den ärmsten Juden zu ermöglichen, daran teilzunehmen, wurde auf Beschluß des Zentralkonststoriums festgesetzt, daß jeder Beitrag an dieser Sammlung nicht 10 Francs überschreiten dürfe. Die Beiträge strömten trotzdem so zahlreich ein, daß die Kosten für ein Monument bald gedeckt waren und daß man daran denken konnte, in Lyon in der Nähe der Synagoge ein Denkmal zu errichten. Dieser Vorschlag wurde von nichtjüdifchen Kreisen gemacht, fand jedoch bisher im Konsistorium einigen Widerstand. ü Geschäftliche Mitteilungen. Von den Werken von Maxwod, dem Träger des letzten Fontanepreises, ist soeben eine einheitlich ge« bundene Ausgabe erschienen. Der Verfasser behandelt in seinen Büchern die tiefsten und wichtigsten Probleme unserer Epoche. Wir machen unsere Leser auf das in der heutigen Nummer erscheinende Inserat der Firma Karl Block, Buchhandlung, Berlin SW., Kochsir. 9, aufmerksam. &

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.