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Der Israelit · 1920-02-26 · Heft 8 (26.2.1920) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 8 (26.2.1920)
Date
1920-02-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 No. 8 Der JSraeltt. Ä6. Kebrüar 1936 conditio sine qua non für den Frieden und dhn Fortschritt der Zivilisation in Palästina." „Aber, Euer Hoheit", ertigegnete ich, „welche Garantien haben wir in Anbetracht der heutigen antijüdischen Bewegungen in Syrien und im arabischen Staate, daß die arabische Majorität' in Palästina nicht versuchen würde, die jüdische Minorität daselbst zu unterdrücken?" „Wir haben alle Ursache, die Niederlassung der Juden in Palästina zu unterstützen," entgegnete der Fürst, „sie werden europäijche Erfahrung und Zivilisation mit sich bringen. Aber wenn da eine Furcht bei Ihnen in Bezug auf die von ihnen zu erhaltenden Minoritätsrechte vorhanden sein sollte, so könnte eine Klausel in den Friedensvertrag eingeschaltet werden, welche den Juden in Palästina die gleichen Minoritätsrechte gewährleisten würde, wie sie sie jüngst in Polen und Rumänien empfangen haben. Wir freilich finden eine solche Klausel für unnötig, weil für uns absolut kein Grund besteht, die Juden zu unterdrücken." „Dann muß ich das so verstehen, daß die arabische Friedensdelegation zu keiner Verständigung mit den Leitern der zionistischen Bewegung gekommen ist?" „JmGegente i l", war die Antwort des Prinzen Faisul, „ich habe die ganze Frage genau mit Dr. Weitzmann, Herrn Herbert Samuel und anderen zionistischen Führern diskutiert. Es besteht ein Vertrag zwischen Dr. Weitzmann und mir, in welchem die ganze Materie von jedem Standpunkt aus bis ins einzelne behandelt ist." „Vielleicht könnte mir Euer Hoheit einige Einzelheiten dieses Vertrages angeben, von dem '.ich sicher bin, daß sie von dem schärfsten Jnteresie für die Juden der ganzen Welt sein würden." „Ich bedaure«, erwiderte der Prinz, „der Vertrag oder vielmehr die Verständigung ist privater Natur und kann augenblicklich nicht veröffentlicht werden. Das kann ich jedoch sagen, daß sie harmonisch und vollständig ist und daß die zionistischen und arabischen Friedensdeleg atioyen sich jetzt in Uebereinstimmung befinden." „Nehmen wir an, die Konferenz in Paris entscheidet sich im Friedensvertrage mit der Türkei dahin, daß die eventuelle Schöpfung eines jüdischen nationalen Heimes in Palästina sowohl in politischem wie kulturellem Sinne offen gelassen wird, wie wird dann die Haltung des arabischen Staates gegenüber Palästina sein?" „Wir können nicht begreifen, wie es möglich ist, einen jüdischen Staat in Palästina durch friedliche Methoden zu schaffen. Es wird die Pflicht der Araber in Palästina sein, zu arbeiten, ihr Land zu kultivieren und ihre Kinder zu erziehen. Wenn sie dies tun, wie können die Zionisten einen jüdischen Staat in Palästina erhalten, wenn sie sehen, daß sie nur eine äußerst kleine Minorität sind und für lange Zeit sein werden. Wir müssen den Juden überlassen, zu tun, was sie für das Beste halten. Wir wünschen eine brüderliche Haltung zwischen unserem Volke und dem Eurigen und zu diesem Zwecke müssen die Extreme auf beiden Seiten, sowohl jene Zionisten, welche wünschen, daß die palästinischen Araber ihre Häuser auf ihre Kamele packen und Palästina verlassen sollen, wie auch jene Araber, welche jede jüdische Niederlassung in diesem Lande verhindern wollen, ausgeschaltet werden. Zusammen müssen wir arbeiten, um das heilige Land zu einem Zentrum des Friedens, des Fortschritts und der Zivilisation zu machen." Soweit das Interview. Hiernach kann es keinem Zweifel unterliegen, daß „Jewish Chronicle" vollkommen im Rechte war, daß Wetzmann sich mit kulturellen Minderheitsrechten für die Juden in einem arabisch-englischen Palästina abgesunden hat, und daß man sich begreiflicher Weise bisher nur scheut, diese Tatsache, die sich natürlich noch durch allerleiFormalten einigermaßen frisieren läßt, den Massen einzugestehen. Wer nüchtern geblieben ist und sich durch die offiziellen Uebertreibungen der zionistischen Blätter nicht hat imponieren lassen, wird über dieses etwas magere Ergebnis der zionistischen Politik, das einfach von der Wucht der Tatsachen bedingt ist und daher an sich für nie münden einen Vorwurf bedeutet, weder enttäuscht sein, noch deshalb etwa die Flinte ins Korn werfen. Chikanenlose Einwanderungsmöglichkeit, rechtliche und wirtschaftliche Sicherheit und religiöse Freiheit im weitesten Sinne brauchen wir vor allem in Erez Jisroel, wenn aüch das Golus-Ende damit nicht wesentlich näher ge rückt ist. Mit Politik und Menschenklughett allein wird das jüdische Volk nun einmal nicht erlöst werden, und diejenigen, die triumphierend glaubten, der altväterische Messiassehnsuchts- Wahn könne als entbehrliches Goluswerkzeug nunmehr in der Rumpelkammer mittelalterlicher Romantik verschwinden, sind rascher, als zu erwarten war, eines besten belehrt worden. Zum Glück ist das innere Verhältnis der jüdisch gebliebenen, vom politischen Zionismus noch nicht berauschten und veräußerlichten Massen zu Erez Jisroel nicht von den ephemeren Scheinerfolgen des zionistischen Abenteuers abhängig, und auf diesem Kern des jüdischen Volkes allein ruht die Hoffnung unserer Zukunft, der Zukunft des jüdischen Volkes und des jüdischen Landes. Lorrefponbenzen und Aachrichten. Derrtsttze« Steid}. Dom HodiMiuIanfilemiftsmus. gäMttin, 20. Febr. Zu de» betrüblichsten Erscheinungen unserer Tage gehört es, daß ein Teil unserer gebildeten Jugend den Straßenantisemitismus rüdester Art nicht nur nicht ablehnt, sondern sogar lustig mtir^acht, und sich zuweilen sogar zur Bannerträgerin des Haffes und der Hetze in einer Weise macht, die für die Zukunft keine gerade erfreullchePerspekttve eröffnet. Auf die beschämenden Vorgänge in Karlsruhe folgt nun ein Einstein-Skandal in Berlin. Einstein gilt als Kapizität der Relativitätstheorie, und er hat das Bestreben, seine Theorien einem weiten Kreise zukommen zu lassen. Aus diesem Grunde werden zu seinen Vorlesungen auch Nichtstudenten zugelassen. Der Studenten-Ausschuß ist jedoch für die Absperrung, er will eine Bildungssperre für alle, die aus irgendeinem Grunde nicht regelrecht imatrikuliert werden können. Als Einstein in einer Vorlesung seinen liberalen Standpunkt auseinandersetzte und in höflichen Worten den Begriff der Lehrfreiheit auch im Sinne der Lernfreiheit deutete, wurde er von den Herren Kommilitonen mit einer solchen Flut von Beschimpfungen empfangen, daß die Vorlesung unterbrochen werden mußte. Die Tumultszenen trugen einen a nt es e m itisch en Charakter und es war zu merken, daß der Aerger der alldeutschen Studentenschaft hier nur einen Vorwand gesucht hatte, um sich Luft zu verschaffen. Professor Einstein sah sich nun gezwungen, seine Vorlesungen fürs erste etnzustellen. Das „Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung" ist jedoch der Meinung, daß man wegen einiger antisemitischer Radaubrüder aus dem akademiichen Pöbel sich einen Gelehrten vom Range eines Einstein nicht' entgehen lassen darf, und so teilt es mit, daß es auf allseitigen Wunsch dem Forscher freigestellt habe, vor dem von ihm selbst gewünschten Forum-zu Worte zu kommen. Die Vorlesungen finden in Zukunft ganz öffentlich in einem Raume oer Universität, aber nicht als akademische Privatvorlesung, statt. Man muß zugeben, daß das Ministerium ebenso klug wie würdig gehandelt hat. Welcher Geist heute in der Berliner Studentenschaft überhaupt herrscht, geht übrigens zur Genüge aus der Wahlkampagne für die Studentenvertretung an der Berliner Universität hervor. Im ganzen wären 100 Vertreter zu wählen und diese hundert Mandate möchte der Berliner Waffenrtng der schlagenden Verbände, der mit allen anderen anderen rechtsstehenden Gruppen sich zu einem Block vereinigt hat, für sich allein in Sicherheit bringen. Die Wahlparole heißt: „Zusammenschluß aller national empfindenden Studierenden" und, „KeineStimme denJuden undJnternationalisten!" In einem Erlaß des Unterrichtsmtntsters Haehnisch werden unter Hinweis auf all diese Strömungen und ihre Folgen für die Volkserziehungi und öffentliche Moral die Hochschulbehörden aufgefordert, gegen alle Auswüchse im akademischen Leben energisch aufzutreten und bei all ihren Maßnahmen sich -vom Geiste der staatsbürgerlichen Rechte leiten zu lassen. Her verbsnS 9er öeuMen Iu9en- Berlin, 20. Febr. Der „Verband der deutschen Juoen" gibt sein Programm für seine Hauptversammlung am 2. Mai bekannt. An erster Stelle steht ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Nobel über: „Die Idee der Völkerversöhnung im Judentum." Auf der Tagesordnung steht ferner die Beratung der Satzungsänderungen) möglicherweise kommt auchdte Frage der Gesamtorganisation zur Verhandlung. In letzterer Sache arbeitet der Verband Hand in Hand mit dem Deutsch- Israelitischen Gemetndebund. Berlin, 20. Febr. Die Berliner Gemeindebehörden haben beschlossen, aus den Kreisen der - jugendlichen Gemetndemitglteder Helfer für die sozialen Einrichtungen der Gemeinde heranzuziehen. Zur Erreichung dieses Zweckes hat sich die Gemeindeverwaltung mit den Jugendorganisationen in Verbindung gesetzt, die ihre Mitwirkung zugesagt haben. Die Hauptaufgabe der Helfer soll sich auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege erstrecken. Auch weibliche Personen werden zu diesen Hilfsarbetten herangezogen. U. a. wird auch die Ein- und Durchwandererfürsorge in den Aufgabenkreis der Helfer und Helferinnen fallen. 3£*xU*t. rnamusmloraung- Warschau, 18. Febr. Eine erfreuliche Nachricht kommt aus Warschau. Der Minister für die Volksverproviantierung hat auf Vorstellung einer jüdischen Delegation unter Führung von Herrn Rabbiner Dr. Perlmutter das Versprechen gemacht, der jüdischen Bevöllerung 32000 Sack Mehl von dem »amerikanischen Einfuhrmehl, das sich bereits in Danzig befindet, für Mazzoszwecke der jüdischen Bevölkerung in Polen und Galizien zur Verfügung zu stellen. Der Minister stellte in Aussicht, daß spätestens in 14 Tagen das ganze genannte Quantum in Warschau verfügbar sein wird. Man hofft, mit dieser Zuweisung in Galizien wie in Polen zur Not auskommen zu können. . Ungarn. " Aus gern ungarifdien kexenkellel. Budapest, 18. Febr. In der Ungarischen Nationalversammlung hielt der Ministerpräsident Hußar eine Rede, die sich zu einer wahren Hetzrede gegen die Juden gestaltete. Er spricht von der Macht einer degenerierten Rasse, und im Publikum wird unter Bravo und Händeklatschen das Wort weiter ergänzt mit dem Rufe : „Der Abschaum der Juden!" In seinem Nachruf auf die Opfer aus

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