Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 7 (19.2.1920)
- Date
- 1920-02-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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IS. Februar 1920 Ber JSraetU. rtr. 7 Gebe b Pack, das unser liebes deutsches Vaterland ins Unglück stürzte. Es gibt nur eine Auflösung des deutschen Volkes oder ein Totschlägen des Judenvolkes. Wir sind keine Phrasenhelden, sondern wir schassen durch Taten. Zeigen wir, daß wir Deutsche sind und stark genug, uns zu befreien. Das in Strömen geflossene Blut von Millionen Deutschen und die deutsche Blutsgemeinschast verpflichtet jetzt alle Deutschen zum gemeinsamen Totschlag der Juden. - Um dieses von Jud n herausgeforderte Blutbad zu vermeiden, müssen die ^uden aufgefordelt werden, Deutschland sofort bis spätestens 30. Dezember 19 9 zu verlassen." , Die „Deutsche Vereinigung" erfreut sich zwar glücklicherweise nicht des Einflusses des ihr geistesverwandten persischen Ministerpräsidenten aus der grauen Vorzeit, aber sie scheint mindestens in der Wahl ihrer Termine in seinen Fnßtapfen zu schreiten. 3ur SckulksggL. Würzöurg, 5. Febr. Aus einem -^Elternabend der Würzburger privaten Erziehungs- und Unterrichtsanstalt wurde nach Ansprachen der Herren Schuldirektor Mandel bäum, Seminarlehrer Anfänger u. a. m. eine Resolution angenommen, wonach die Umwandlung der Anstalt in eine öffentliche Volksschule seitens derErziehungsberechtigten im Sinne der Verfassung gefordert wird. Oie Kehillö-nJahlen in Minsk- Minsk, 6. Februar. Bei.den Ende Januar stattgehabten Wahlen zur jüdischen Gemeinde stimmten nicht ganz ein Drittel aller W.rhiberechtigen ab. Die Wahlen hatten folgendes Ergebnis: Agudas Jsroel 13, Handwerker 13, Kaufleute 6, Zionisten 19, Mtsrachi 3, Koale Zion 6, Zeire Zion 5, Verschiedene 7. Warschau, 10. Febr. Vertreter der Schlaume Emune Jisroel, die in Sachen der Zwangs - sonntagsruhe beim Landtagsmarschall vorstellig waren, haben den Eindruck gewonnen, daß Erleichterungen für die sabbathaltenden jüdischen Kaufleute zu erreichen sind. flmerihanifdie Hiife- Warschau, 10. Febr. Vertretern jüdischer Zeitungen gegenüber äußerte sich der Vorsitzende des Zentralhilfskcmmitees Dr. Bog en, der zur Zeit in Warschau wellt, sehr hoffnungsvoll über die amerikanischen Hilfsaktionenalle Juden Amerikas, ohne Rücksicht auf Stand und Partei seien mit ganzem Herzen dabei. Die Orthodoxie, die gewaltige Mittel auföringt, führt diese an das Zentralhllfskommitee ab, alle anderen Parteien haben ihre eigenen Sammelzentralen, die gemeinschaftlich das große Werk zur Ausführung‘ bringen. Dr. Bogen ist von einem Stab von 23 erfahrenen Mitarbeitern begleitet, die sich „Urberseeische Expedition N. 1" nennen. Das DamoblesftfiEoerf 9es Sremöengefefces in Polen. Warschau, 12. Febr. Die jüdischen Landragsabgeordnetm in Polen erlassen ein.m Aufruf an all die vom neuer; Gesetze Betroffenen, in dem diese aufgefordert werden, sich Ausweispapicre über die Dauer ihrer Ansässigkeit in Polen zu beschaffen und diese dann einzeln mit einem entsprechenden Gesuche dem Ministerium des Innern einzureichen. Die Unzweckmäßigkeit und Unzulänglichkeit dieser Maßnahme erhellt aus der Tatsache, daß es sich hier um hunderttausende solcher einzelner Gesuche handeln würde, für deren Prüfung die Negierung einen gewaltigen Beamtenappckrat in Bewegung setzen müßte. Im besten F.,lle würde sich diese Prüfungsarbeit auf viele Monate ^strecken, eine lange Zeit des Hangens und Bangens für unzählige Existenzen, die einem unbestimmten Schicksal entgegensetzen. Inzwischen geht das Registrierungswerk seinen raschen und sicheren Gang, das darauf berechnet ist, schon in viel kürzerer Frist, die „Fremden" auszuquartieren" und möglicherweise auch des Landes zu verweisen. Aus diesen Gründen tritt „der Jud" sehr entschieden für ein Kollektivgesuch ein. Verhängnisse, die Massen betreffen, können nicht von Einzelnen auf eigene Frist abgewendet werden. Die Maßnahme muß geschlossen und zentralisiert durchgeführt werden. Wie dieses Kollektivgesuch gedacht ist, wird an Hand beachtenswrrter Vorschläge deutlich gezeigt. Es dürfte in der Tat dem Landtag ungleich leichter fallen, hunderttausend Elnzeleingallen einzeln nach und nach abschlägig zu erledigen als ein Gesuch, das von hunderttausend Unterschriften bedeckt ist, glatt abzuweisen. Darum sollte der Vorschlag des orthodoxen Organs in den maßgebenden Kreisen ernste Beachtung finden hanOeskonferen? Ser 6guSa§ Jisroei. Warschau, 12. Februar. In Warschau wird vom 2.—4. März eine Landeskonferenz der Agudas Jisroel (Szloms Emune Jisroel) von Polen und GUizien ftattfinden. Im Zusammenhänge damit werden am 29. Februar und 1. März auch eine Rabbinerkonferenz und eine Konferenz der orthodoxen Stadtratsmitglieder stattfindm. Die Rahbinerkonferenz wird aus ihren drei Sitzungen u. a. folgende Punkte behandeln: Organisierung der Orthodoxen; Stärkung des Glaubens und Hebung des Thorastudiums,' die Kehilloth-, Kaschruth- und Erziehungsfragendie Lage der Rabbiner in Polen- Wahl eines Rabbinerzentralrites, dem 25 Rabbiner augehören sollen. Die Konferenz der Stadtratsmitglieder, die nur eine Sitzung umfaßt, enthält u. a. folgende Punkte: 2'rt und Weise der politischen Taktik der orthodoxem Ratsmänner, Aufgaben des Zentralrates und Wahlen in denselben. Die Landeskonferenz der Agudas Jisroel, wird in 5 Sitzungen u. sa. folgende Fragen behandeln: Die gegenwärtige politische Lage - die Frage der Chedorim und der Knaben- und Mädchenerziehung- Gründung eines Erziehungsfonds- Palästina- und Emigrattonsftage-Wiederaufbau der zerstörten Städte und Institutionen mittels der Unterstützungen aus dem Auslcmde- Organisations- und Agitationsfragen- Wchhlen in den Zentral-Waad. Die Juöenenfrecfifung. Warschau, 13. Febr. Trotz allen Versprechungen auf Aufschub und Milderung gehen die Registrierungen im Eiltempo vor sich. Eine neue Verordnung besagt, daß jeder Fremde, der sich bis zum, angegebenen Termin nicht zur Registratur meldet,unnachsichtlich interniert wird. Der Erlaß der seinerzeit alle seit 1909 im Lande wohnenden als Bürger erklärt/ ist durch die neue Verordnung annulliert. Befreit von der Registratur sind Angehörige der Länder Livland, Estland und Finnland. Zweck der Registratur ist, die „Fremden" ihrer Wohnungen zu berauben und sie womöglich baldigst des Landes zu verweisen. Lin erfolg Der englischen Orffioöoxie. London, 6. Februar. Die große Bewegung zur Schaffung des jüdischen Krtegs-Ge dächtnisfonds von einer Million Pfund, der das jüdische Bildungs- und Gemeindewese n aus sichere Grundlagen stellen soll, zieht weiter ihre Furchen. Die neu gegründete„Organisationge'fttzestrsu--traditkoneller Juden von Groß-Britaunien und Irland" hat mit der Leitung des Fonds eine Vereinbarung dahin getroffen, daß die Beiträge der Gesetzestreuen für Erziehungszwecke gesondert verwaltet und entweder von einer paritätisch zusammengesetzten Commission durch freieUeberetnkunft verwendet oder der orthodoxen Organisation ausgehändtgt werden. . In die Commission wurden die "Herren Dr. Duschtnsky, Capt. Fredman, Abrahams, Trost, Goldstetn, W. Schiff und Sklanowitz gewählt. Ein für alle religiösen Beschlüsse der Organisation maßgebender rabbinischer Rat wird gebildet werden. In der Versammlung wurden von einigen Anwesenden gleich fünfundzwanzighundert Pfund für den Fvnds gezeichnet. Schließlich nahm die Versammlung eine Resolution an, welche die energische Bekämpfung der liberalen Propaganda im Londoner Ostens fordert. Iöei?mann über 3en »ITlisradii* London, 13. Febr. In einer am Sonntag stattgehabten großen Versammlung äußerte sich Weizmann in wenig freundlicher Weise über die Wünsche des „Mtsrachi" auf dem Gebiete des Erziehungswesens, in Palästina. Der „Mtsrachi" gleiche einem „verwöhnten Kinde". Die zionistischen Schulen seien garntcht irreligiös. Wenn die Mtsrachisten darauf ausgingen, ein „Spezial- Judentum" zu etablieren, so werde ihnen das nicht gelingen. Hiernach scheint man dem verwöhnten Kind statt des Zuckerbrots jetzt die Peitsche zeigen zu woll'w. Erstaunlich ist nur die Unverfrorenheit, mit der ein an oberster Stelle wirkender politischer Führer des Zionismus das hisstortsche Judentum als neu erfundenes Spezial-Judentum zu denunzieren sich erlaubt.' Rm Yorabenö 8er enffcheiöung. ff London, 13. Febr. Man erwartet für nächste oder übernächste Möwe die Entscheidung der nun hier tagenden Friedenskonferenz über das türkische Problem, insbesondere aber auch über das Schicksal Palästinas. Wetzmann hat in einer für die Presse unzugänglichen Versammlung eine dreistündige Rede über das Palästina - Problem gehalten, ohne dabei jedoch positive Mitteilungen -darüber machen zu können, ob man unter Zurückweisung der arabischen Ansprüche die Mandatarmacht verpflichten wird, den allmählichen Aufbau eines jüdischen Staatswesens unter englischer Oberhoheit vorzubereiten, oder ob es bei einem englisch-arabischen Palästina mit begünstigter jüdischer Einwanderung und kultureller Minderheits-Autonomie bleibt. Auch Nordau, der bekanntlich den politisch-maximalistischen Standpunkt das Jewish Chromele teilt, hat sich über diese Frage in einer diese Woche gehaltenen öffentlichen Rede ausgeschwlegm. Aus Cairo meldet man dagegen eine neue allarabische Kundgebung das vielgewandten Emir Faisul, die keinerlei Caneessionen an den zionistischen Standpunkt erkennen läßt. kine Sitzung 9er Rngio-Üemisb fiffociafion. Stellung zum Nationalismus. — Die Minderheitsrechte in Polen. London, 13. Febr. Wie vorauszusehen war, hat der Ausschuß für „auswärtige Angelegenheiten" der Anglo Jewish Assoeiatton beschlossen, dem Beschlüsse des Board os Depuücs aus Entsendung von Vertretern in das Comitee der Nattonalräte in Paris nicht nachzukommen, sondern die Ausführung zu vertagen. Nachträglich stellt sich heraus, daß eine Einladung zur Entsendung von Delegierten gar nicht ergangen war. Der Ausschuß erwartet den genauen Wortlaut der neuerdings in Polen beschlossenen Gesetze zu Ungunsten der Juden, um gegebenenfalls bei der englischen Regierung wegen Verletzung des Fnedensvertrages Beschwerde zu führen. PaWinrr. IlTomenfbitöer aus der heiligen Sfadf. Jerusalem, 7. Schewat. Ueber dm gegenwärtigen Stand des Wettbewerbs zwischen den verschiedenen Organisationen