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Der Israelit · 1920-02-19 · Heft 7 (19.2.1920) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 7 (19.2.1920)
Date
1920-02-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 No. 7 18. Februar 1920 dischen Disziplinen zu gründen und die vorhandenen Jeschiwaus tatkräftig zu unterstützen. Es muß immer wieder darauf hingewiesen werden, doß von der Art der Erziehung, die das in Palästina Heranwachsende Geschlecht genießt, die ganze Zukunft des Landes abhängt. Zur Bereitstellung der Mittel ist der Jawneh - Verein bestimmt. Des wetteren kommt es daraus an, in den jüdischen Siedelungen das jüdische Recht durchzuführen, ganz besonders jedoch das jüdische Eherecht. Wir weisen auf die Heiligung des Sabbats hin, sowohl im Berufswie im Verkehrsleben, auf die praktische Durchführung des Schmittogesetzes in der Landwirtschaft und auf die Ausgestaltung der sanitären Verhältnisse. Es bedarf kaum einer ausführlichen Begründung daß für die Vorbereitung der Organisation aller dieser Dinge, große Geldmittel erforderlich sind. Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel veranstaltet daher, in der Zeit vom 28. Februar bis 13. März in ganz Deutschland ErezJisroelwochen, in denen Sammlungen für die Erez Jtsroel-Arbeit der A. I. abgehalten werden. Besonders sollen in ihnen Mitglieder für den Jawneh-Verein geworben werden, auf dessen Bedeutung wir oben hingewiesen haben. Möge ein Jeder nach Kräften zu dem Gelingen dieses Werkes beisteuern. Ehedem erging in diesen Tagen an ganz der Ruf zur Schekel- Spende, auf daß mit dem Herannahen des Frühlingmonats die Opfer im Tempel schon von der neuen Gabe des gesamten Volkes dargebracht werden konnten. Der Tempel ist nicht mehr, aber neues Leben soll in Erez Jisroel erblühen. Sorgen wir dafür, daß dieses neue Leben vom Hauche der min durchzogen ist. Sorgen wir, daß nicht nur das Land der Väter aufs Neue ersteht, sondern, daß auch der alte Geist dort wieder seinen Einzug hält. Israel wurde einst aus seinem Lande vertrieben, weil es die min nicht gehalten hatte, deren Beobachtung allein ihm den Besitz dieses Landes verbürgte. Soll dem jüdischen Volke aus einer neuen Besiedlung von in** Httl ersprießen, so muß es stets dieser Tatsache eingedenk sein und mit der ,min im Arm den heiligen Boden betreten, um ihre Gesetze dort reiner und besser zu befolgen. Die Agudas Jisroel und die Mecho-Slovakei. Von Prof. Dr. Eugen Lieben in Prag. Auf die „Frage" des Herrn Dr. Kanter über die Vernachlässigung der Tschecho-Slowakei durch die Leitung der Aguda (Nr. 3 ds. Jahrg.) hat schon die Redaktion eine richtige Antwort erteilt. Bei der Wichtigkeit des Gegenstandes sei es jedoch gestattet, einige Bemerkungen hinzuzufügen. Ob die neuerdings an die Aguda angeschlossene slovakische Orthodoxie in den Sudetenländern eine Werbetätigkeit zu entfalten gedenkt, steht dahin. Jedenfalls müßte sie sich dort anderer Mittel bedienen, als in der Slovakei. Dort scheint sie es nämlich — das muß einmal offen herausgesprochen werden — wenigstens nach dem offiziellen Organ, dem „Machasike Hadas" zu schließen, als eine Hauptaufgabe zu betrachten, die nationaljüdische Bewegung zu bekämpfen. Nun braucht man wahrhaftig kein Zionist zu sein (ich erinnere an WohlgemuthS Artikelserie im vorjährigen „Jeschurun" und insbesondere an Wolfsbergs Aufsatz in der letzten Nr. des „Israelit", und kann sich doch ruhig eingestehen, daß die national-jüdische Bewegung nicht in Bausch und Bogrn zu verwerfen ist und ihre Anhänger nicht generell als 2^12 oder gar als Nif rmsp 'iilp gebrandmarkt werden dürfen. Ich kenne persönlich einige slovakische Studenten, die fromme Jehudim sind und doch auf die Fahne des Zionismus schwören. Es hat doch keinen Zweck p.Ti7. Sehr zu begrüßen wäre es daher, wenn die Orthodoxie sich entschließen wollte, den Kampf gegen Äe Der Israelit. Gedankenwelt eines Achad Haam wohl mit aller Entschiedenheit — und Vornehmheit —weiterzuführen, sonst jedoch das Hauptgewicht auf positive aufbauende Arbeit zu legen. — In Böhmen und Mähren freilich ist heute überhaupt nur ein sehr geringer Erfolg zu erwarten. Vor 70—80 Jahren gab es in diesen beiden Ländern ein blühendes Judentum. Nicht nur in Prag, an vielen kleinen und kleinsten Orten gab es frdmme Jehudim und, was noch mehr wiegt, tüchtige min ^2. DaL ist nun ganz anders geworden. Hauptsächlich infolge der Vernachlässigung des Jugendunterrichtes sowie der Unterweisung der Erwachsenen ist das jüd. Wissen und dadurch auch das religiöse Leben in entsetzlichem Maße zurückgegangen. Von den schönen kleinen nr?np bestehen nur mehr die Friedhöfe, kaum daß sich hie und da ein alter Mann noch ein? schwache Erinnerung an die wirklich gute, alte Zeit bewahrt hat. Es ist in Mähren bester als in Böhmen, aber, wie glaubwürdige Berichterstatter melden, nicht um sehr viel bester. Die überwiegende Mehrzahl der Juden auf dem Lande und auch in den großen Provinzstädten ist in religiöser Hinsicht völlig indifferent, ja wett, weit mehr geneigt anr6i TSKrVn pn»i viniÄ als 1)ir227>l Was hier durch Jahrzehnte vernachlässigt worden ist, läßt sich, wenn überhaupt, so nur äußerst langsam wieder gutmachen. Vor allem müßte die Vorbildung der Rabbiner und Religionsiehrer umgestaltet. Da nun in unserem Staate die Trennung von Kirche und Staat, die Abschaffung des obligaten Religionsunterrichtes, damit aber auch eine völlige Umbildung des jüdischen Gemetndestatuts in wenigen Monaten zur Tatsache werden dürfte, wäre es zwecklos, jetzt ein Werk zu beginnen, dessen Voraussetzungen in kurzer Zeit geändert sind. Etwas besser liegen die Verhältnisse in Prag, wo immerhin noch ein kleines Häuflein GesetzeStreuer und ein etwas größerer Kreis „konservativ Gesinnter" besteht. Hier bemüht sich der vor zwei Jahren gegründete Verein „Sinai" das, was an „Jüdischkcit" noch besteht, zu erhalten. Er hält Schiurim und Vorträge für Herren und Damen und sucht durch Versammlungen und Veranstaltungen das Zusammengehörigkeitsgefühl zu bewahren. Er steht auch mit der Agudalettung in regem Kontakt, hat z. B. seinerzeit zur Züricher Konferenz zwei Delegierte entsendet. In ähnlicher Weise könnte nun auch in den wenigen übrigen Orten der Sudrtenländer vorgegangen werden, wo für uns noch etwas zu retten ist:' intensive Arbeit am Orte selbst und direkter oder durch den Prager Sinai vermittelter Verkehr mit der Agudaleitung. ZurSchaffung etnesLandes- Verbandes jedoch fehlen, Gott sei's geklagt, die Vorbedingungendaran könnte auch die Entsendung eines noch so redegewandten Delegierten nichts ändern. (Siehe Wochenrundschau). Somfponvenzen und Nachrichten. UM Derrtschs» Heid?. Die Dargänge in Ser Karlsruher Hodifdiule. Karlsruhe, 10. Februar. Die Zwistigkeiten, die zwischen dem Senat der technischen Hochschule und der Studentenschaft wegen der Berufung des Professors Max Mäher aus Berlin ausgebrochen sind, haben nun zu eimm Streik der Studentenschaft geführt. Die Studenten lehnen Mayer ab, weil er Jude ist. Sie erklärten dem Senat, daß sie an ihrem Standpunkt sesthalte, woraus der^Senas dem Ausschuß des StudevtenverbandeS mitteilre,. daß er ihn. nicht mehr anerkenne und als Maßregel das chemische Institut schließe. In einer heute vormittag stattgefundenen Versammlung des Studentenausschusses wurde nun beschlossen, in den Generalstreik einzutreten. Die Studenten blieben heute von den Vorlesungen fern. Professor Mayer hat die Berufung infolge der Vorgänge abgelehnt. Das Kultusministerium hat der Studentenschaft seine Mißbilligung ausgesprochen und erklärt, daß durch dieses Vorgehen der Studenten der Technischen Hochschule eine hervorragende Lehrkraft verloren gegangen sei. Wie inzwischen von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, hat Direktor Dr. Max Meyer den Ruf an die Technische Hochschule Karlsruhe, unabhängig von der Stellungnahme der Studentenschaft, ganz aus persönlichen Gründen abgelehnt. Die amerlftanlfdien Lebensmittel. Merlin, 10. Febr. Hoover,der „europäischeLebensmitteldiktator" hat ein großes Htlfswerks für das hungernde Deutschland angekündtgt,' in Amerika haben sich etwa 20000 Banken zur Annahme von Spenden bereit erklärt, und diese Spenden sollen, wie auS Amerika mitgeteilt wird, bereits sehr reichlich fließen. Am 4. v. M. ist der erste amerikanische Dampfer mit 4000 To- Mehl und 50 000 Kisten Milch in Homburg eingetroffendrei andere Dampfer sind unterwegs. Es sollen nur zwei Arten von Liebesgabenpaketen gepackt werden: das 10 Dollar-Paket mit 24 engl. Pfd. (450 Gramm) Weizenmehl. 10 Pfd. Bohnen, 8 bis 10 Pfd. Fett und Speck und 6 Dosen Milch. Und das 50-Dollar-Paket mit 150 Pfd. Mehl, 48 Dosen Milch, 16 Pfd. Fett, 60 P,d. Bohnen und 20 Pfd. Corned Beef. Für rituell lebende jüdische Empfänger wird Fett durch Oel ersetzt. Das Htlfswerk soll in engem Zusammenhang mit der Arbeit der Quäker für die hungernden deutschen Kinder durchgeführt und etwa Ende des Monats begonnen werden. Merlin, 10. Febr. Die Repräsentantenversammlung der Jüd. Gemeinde nahm eine Vorlage des Vorstandes auf Steigerung der Syna gogenplatz-Mieten um 50—100 Prozent gegen eine opponierende Minderheit an. Sum eltten fl9ar! Merlin, 12. Febr. Der „Vorwärts" bringt folgenden Auszug aus einem antisemitischen Hetzblatt, das vor einigen Wochen im Reiche verteilt worden ist: „Wenn die Schriften aus E. Behrs Verlag, Leipzig, und die „Deutsche Bereinigung" für eine sofortige restlose Judenaustreibung eintreteu, so sollen Blutvergießen vermieden werden und der Freistaat erhalten bleiben. Die Juden müßten diese Forderung auch von ihrem Standpunkt aus als die vorteilhafteste ansehen, denn ihre restlose Ausmerzung durch Tötung steht ihnen andernfalls sicher bevor, und zwar spätestens am 1. März 1920 aus deutsche» Arbeiterkreisen. — Das freche unverantwortliche Treiben der Juden hat die Volkswut herausgefordert; die Arbeiterschaft fühlt sich mit Recht betrogen und sieht auch ein. daß ihre jüdischen Führer sie aus dem Hexenkessel nicht wieder herauSühren können. In aller Sirlle hat sich ein „Verein der Aermsten der Armen" gebildet, der nur schlechtbezahlte und arbeitslose Arbeiter und Arbeiterinnen als Mitglieder aufnimmt. Dieser Verein chat eine straffe Leitung und zählt bereits Hundertausende von Mitgliedern über ganz Deutschland hinweg. Diese haben ich verschworen, am 1. März 1920 spätestens alle Juden und Judenstämmlinge zu töten, falls diese nicht bis dahin freiwillig Deutschland verlasien haben. Dem vertraulichen Rund- und Werbeschreiben sind folgende Sätze entnommen: „Mit einem letzten Appell, uns in unserem Kampfe gegen das Judentum zu unterstützen, wenden wir uns an Sie. Der Tag der Abrechnung mit den Juden naht; die Vorarbeiten sind tm vollen Gange. Ein heißes Ringen tm offenen Kümpfe wird es gebenviel Blut wird fließen, um das Judenpack auszurotten, Sollen wir etwa noch länger warten, bis unser liebes deutsches Vaterland, bis die letzten Deutschen dem Judenjoche unterworfen sind? Weit genug ist es bereits gekommen, eS wird höchste Zeit, daß wir es abschütteln. Mit Papierprotesten kommen wirnicht weiter. Auf zur Tötung, auf zum offenen Kampfe - gegen die Blutsauger, gegen Raubtiers gegen das

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