Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 7 (19.2.1920)
- Date
- 1920-02-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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19, Februar 1920 _„ n |-^im ii niw witfiw mwwiii i [■ixi'winriinniiiinffniiirn ml hi m iw —n «MB genen Paragraphen tn Frage stellen laffen, son. dern will nur von „Ausschüffen" reden, die vom Vorstand eingesetzt und dirigiert werden. Der Charakter des neuen D. I. G. Bwird also umnichts weniger zentralistisch sein und nichtweniger an innerer Unwahrhaftigkett kranken als der alte, zumal er das ganze Gebiet der religiösen, wissenschaftlichen, kulturellen Fragen, auf. dem sich geschichtliches und liberales Judentum in schroffster Gegensätzlichkeit gegenüberstehen, in den Bereich seiner Tätigkeit einbeziehen, will. Wie man glauben kann, daß die Orthodoxie auf dieser Grundlage auch nur in eine Verhandlung eintreten kann, ist uns vorerst unverständlich. Prag—-reßdurg Wir veröffentlichen in dieser Nummer einen kurzen Artikel von Prof. Eugen Lieben in Prag, dessen Ausführungen ein Bild von den derzeitigen Stimmungen in der Tschecho-Slowakei geben. Dort ist es den Zionisten und Nationalisten glücklich gelungen, einen Keil in die Orthodoxie zu treiben, fodaß man nun vor dem erbaulichen Schauspiele steht, Mitglieder der alten Prager Familie Lieben als Anwälte des zionistischen Nationalismus gegenüber dem Block der organisierten, ihrer historischen Stellung bewußten Orthodoxie öffentlich auftreten zu sehen. Ganz ebenso wie unser geschätzter Mi'arbeiter hat ein anderes Mitglied der gleichen Familie einen „offenen Brief" gegen die slowakische Orthodoxie veröffentlicht, der nun mit Triumphgeheul durch die zionistische Presse aller Länder geschleppt wird, um die Thoragrößen des ungarischen Judentums— ganz entgegen den inneren Wünschen des Briefschreibers natürlich — in den Augen der Menge, der Jugend insbesondere, verächtlich zu machen und den verweltlichten Nationalismus in die Himmel der Himmel zu erheben. Das Unheil begann bereits, als das kleine^ Häuflein Prager Orthodoxer aus Gründen, die man an sich durchaus begreifen kann und ehren muß, sich dem sogenannten „Nationalrat" anschloß, um dort den berechneten Liebenswürdigkeiten der von dieser Mithilfe begeisterten politischen Nationalisten zum Opfer zu fallen. Die Herren Dr. Lieben können im Nationalrat einfach alles durchsetzen — kein Wunder: Parts ist noch immer eine Messe wert —, aber diese Tatsache hat den Herren offenbar das Solidaritätsgefühl gegenüber der anders wie sie denkenden Gesamtorthodoxie ihres Landes geraubt und sie blind gegen den QVN b)bn gemacht, den dieser Gegensatz in der weitesten Oeffentltchkett heraufbeschwört. Sind es die Rabbinen in Preßburg und Pöslyen, in Waitzen und selbst in Munkaez nicht wert, daß man etwaige Met, Der J-raeM. - i nungsverschiedenheiten fm engeren Kreise zu erörtern sich bemüht und notfalls lieber schweisgt, als den Feinden des orthodoxen Judentums; Wasser auf ihre Mühlen zu treiben?; Es sind gewiß höchst bedauerliche Ueöertreibungen und Verallgemeinerungen, wenn ein orthodoxer Artikelschreiber sämtliche Zionisten kurzerhand als „Gottesleugner" oder gar als „Götzendiener" bezeichnet hat — wir kennen den Artikel nicht, in dem dem das geschehen sein soll —, aber man pflegt sich im Osten nun einmal etwas saftiger auszudrücken als tn den wissenschaftlich temperierten westeuropäischen Kreisen, und sicherlich ist es nicht zum wenigsten die Erbitterung der Orthodoxie über die Unterstützung des gegnerischen Lagers durch gesetzestreue Persönlichkeiten, was vor allem geeignet ist, die Ruhe der Nerven zu stören und zur Gegenwehr in schärfster Tonart herauszufordern. Wer einen gesunden Frieden will, der muß vor allem eine einheitliche, absolut solidarische Orthodoxie wollen. So lange die Erreichung dieses Zieles an der Schwäche, der Disziplinlosigkeit oder der mangelnden Einsicht eines Teiles der Orthodoxie scheitert, solange wird das Liebäugeln mit links auf der einen immer wieder Maßlosigkeiten nach rechts auf der anderen Seite Hervorrufen, und Leid tragend ist der entweihte Gottesname. Wenn nun insbesondere Herr Dr. Eugen Lieben der slowakischen Orthodoxie empfiehlt, den Achad-Haamismus zwar zu bekämpfen, nicht aber die nationaljüdische Bewegung, so ist das ein Rat, den man nur als weltfremd bezeichnen kann. Die Volksmenge, die den natürlichen Widerwillen gegen das neue verweltlichte Judentum des Zionismus und gegen die Halbheit des Misrachismus einmal ein gebüßt hat, die wird auch nie und nimmermehr die Gedankenwelt Achad Haams verneinen — subtile Unterscheidungen sind nun einmal nicht Sache des Volksgetstes. Man soll den einzelnen Zionisten, der bewußtermaßen seinen Pflichten als gesetzestreuer Jehudi nachzukommen bemüht ist, in brüderlicher Liebe als gleichberechtigt werien und sein Abgleiien ins gegnerische Lager zu verhindern suchen, auch eine praktische Zusammenarbeit zwischen zionistischen und orthodoxen Körperschaften scheint uns auf weiten Strecken denkbar — aber dir „Bewegung", wie sie ihrem Wesen und ihrer Entwicklung nach heute ist, kann die Orthodoxie nur ohne Wenn und Aber als gefährlichsten geistigen Gegner betrachten und bekämpfen. Nr. 7. Seite 3 Wer die Ausgaben der Agudas Wroel bei der Sefiedelnng des heiligen Landes. Von Dr. Nied. Willy Hofmann in Frankfurt a. M. Die kolonisatorische Arbeit in Erez Jlsroel steht zur Zeit im Vordergründe des Interesses. Einerlei, welche politische Gestaltung Palästina in der nächsten Zeit erfahren wird, so viel scheint fest zu stehen, daß in' irgend einer Form die Möglichkeit gegeben wird für jüdische Siedlungen im größeren Stile. Da wenigstens dir innere Verwaltung dieser Sied-ungen in jüdischen Händen ruhen wird, so tritt damit an jede Organisation, die praktische Paiästtnaarbeit leisten will, die Notwendigkeit heran, sich mir der Ausgestaltung des gesamten Lebens tn einer solchen Siedelung zu befassen. Ein ganz besonderes Augenmerk aber muß die Aguda auf die hier zu lösenden Probleme richten. Ist sie doch als Wächterin darüber bestellt, daß das neue Kulturleben, daS in Erez Jisroel im Werden begriffen ist, sich im Geiste der min entwickeln kann. Es handelt sich, kurz gesagt, um nichts mehr und nichts weniger als um den Ausbau sämtlicher Zweige des bürgerlichen und öffentlichen Lebens nach den Vorschriften des altüberlieferten Gottesgesetzes. Wenn Erez Jisroel wirklich ein heiliges Land werden soll, wenn die heute in so reichem Maße in fast allen jüdischen Kreisen neu aufflammende Liebe zum Boden der Väter nicht ein Flackerfeuer ist, sondern die Fortsetzung der alten plan rcn mit der unsere Väter einstmals hinauswanderten ins Exil, dann darf diese Liebe kein bloßes Phantom sein, sondern muß sich anlehnen an den Grift der JYliCö T'-riV', die ja nur eine aus dem Kranze der NlLv ist, mit dem der Jude sich schmückt. Es gibt kein Gebiet des öffentlichen Lebens, bet dem es nicht darauf unkäme, dem Thoragesetz Rechnung zu tragen. Die Agudas Jisroel, die es sich zum Ziele gesetzt hat, die thoratreue Judenheit der gesamten Welt selbständig zu organisieren, mußte, wenn sie diese Aufgabe voll und ganz durchführen wollte, die Fürsorge für Erez Jisroel mit in ihr Programm aufnehmen. Sie hat demgemäß für die einheitliche Leitung ihrer Erez Jisroelarbeit tn Deutschland eine deutsche Palästina-Zentrale mit dem Sitze in Frankfurt a. M., ins Leben gerufen. Diese soll sich speziell auch mit dem Studium der für Erez Jisroel zu schaffenden Einrichtungen befassen. Einer der wichtigsten Punkte ist das Erziehungswesen. Es handelt sich darum, sämtlicheBtldungsanftalten vom Kindergarten an, bis zur Akademie für die talmu- Wie der „böse Bub'", der, auch da wo er garnicht dabei war, alles gemacht haben mutz .... Mein Holzhändler liefert mir das Holz gegen teueres Geld obendrein noch so schlecht und naß, daß es viel Rauch und gar kein Jener ergibt. „Ja, die Valuta"! zuckt er resigniert mit den Achseln. Ich mache ihm klar, daß auf dem Wege vom Stadtwalde zu meiner Mahnung in der Oststadt kein Land mit Jrankenwährung liegt. Er bleibt dabei: „Die Valuta"! . . . Meine Jüngste kommt mit ihrem Groschen-Taschengeld die Woche nicht mehr aus. „Die Valuta"! klagt sie. Und denkt sich unter diesem Namen irgend eine böse Tante oder gar einen unheimlichen Geist, der nächtlicherweise im Hause herumspukt und ihren Sparkassenbestand vermindert . . Ich möchte indes hier von etwas anderem reden. In einem Lehrinstitut, wo Dutzende von Knaben m der schulfreien Zeit mit viel Eifer und Liebe dem Gemorolernen obliegen, sitzen sie zu dritt oder zu viert über eine« Folianten gebeugt, der so vergilbt und abgegriffen ist, daß die Kleinen sich wie auf Glatteis bewegen und auf Schritt und Tritt über Hindernisse stolpern. Neue Gemoraus sind nicht aufzutreiben. Eine, die ich sah — ein altes leidlich gevundenes, dünnes Schulexemplar — trägt auf dem ^°rderblaite die Bleististbezeichnnng 2,30 Mk. Die stammt von 1914 her. Das Jahr 1919 hat noch Aull, darangehängt. Was sie 1920 kostet, weiß Ich nicht, Ich ha»? mehr gesagt .... Natürlich ist wieder die Valuta schuld! .... den Buchhändler am Platze wohl nicht all« Schuld, sein Lieferant usw. . . . . der erste Lieferant von GemorauS wohnt ja Aber «rarmtermatzen nicht tn der Schweiz, noch in Holland, I noch in Spanien, sondern im Lande der Rubel oder der Krone n, die nicht viel höher in der Achtung stehen als die Mark. Und dennoch: Valuta! . . . . Da sprechen wir schon lieber deutsch und sagen: Wucher — der schlimmste aller Wucher: der mit dem täglichen Brot des Geistes .... Rabbi Meiir hat um wenige Dinarim eigenhändig heilige Bücher abgeschrieben und vom geringen Verdienste einen Teil noch denjenigen zukommen lassen, die aus diesen Büchern lernten. Josua ben Gamlas wird „zum Guten gedacht", weil er in schwerer Zeit Schulen gegründet uüd diese genügend mit Lehrbüchern versorgt hat. Josua ben Gamla war der Gatte der reichen Martha bath Batsus, der er Amt und Würde verdankte. Und zur Zeit dieser Dame — was im Talmud Gittin 56 nachzulesen ist — stand die Valuta — nicht nur des Papiergeldes — so tief, daß man buchstäblich das Wort des Propheten Jirmejohu anwandle: „Ihr Silber und ihr Gold werfen sie auf die Straßen" .... Wo sind heute die R. MeitrS und Ben Gamlas, die daran denken, daß unserer Jugend, unserem einzigen Zukunftsgut, mit dem Eifer auch die Freude am Lernen erhalten bleiben muß? .... Heute ist die Valuta an allem schuld. Und zuweilen muß ich befürchten — richtig: hoffen —, daß es doch eines Tages der vtelverleumdeien Valuta zuviel wird und sie sich von ihrer liefen Gesunkenheit erhebt, um all denen, die sie alS Deckmantel für ihre eigenen- Schandtaten gebrauchen, kräftig ins Gesicht zu schlagen .... (Inzwischen hat sich ein Ben Gamla gefunden, der für besagtes Lerninstitut neun nagelneu«. Gemoraus gestiftet hat.) . - (Rockfeller für die Ostjuden). John Rockfeller hat sich an Oberst Grnsburg, den Letter der Hilfsaktion für die Ostjuden, mit folgendem Brief gewandt: Obwohl wir annehmen, daß nur Geldsammlungen von Juden beabsichtigt sind, würden mein Vater und ich es uns zur Ehre anrechnen, wenn man auch uns gestatten würde, zugleich mit unseren jüdischen Mitbürgern zum Gelingen dieser Aktion betzutragen. Wenn also das geehrte Komitee nichts dagegen hat, erlauben wir uns, als Spende 75000 Dollar (mein Vater 50000 und ich 25 000) anzubteten. (Biblisches Ouartetlspiel). Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß tm Jahrhundert des Kindes, auch .peztell deö jüdischen Kindes gedacht wird. Jeder Jugendbildner weiß aus Erfahrung, welch' wichtiger Faktor in der Erziehung gerade das Spiel ist, und freudig ist es daher zu begrüßen, daß ein Pädagoge wie Lehrer S. Unna die Mühe nicht scheute, ein biblisches Quartettspiel zusammenzustellen. In 12 Serien vermittelt uns dieses Spiel gehaltvolle Sprüche aus T'nach und wird dadurch der Methode gerecht, dem Kinde im Spiel Wissen zu vermitteln. Auch unserer Heranwachsenden Jugend wird es Freude machen, ein Spiel in die Hand zu bekommen, doS ihr geistige Anregung bietet und mit Stolz wird sie zeigen, daß sie auch etwas dabei lernen kann. ES wäre zu wünschen, daß dieses jüdische Spiel, das in der Idee wie tn der Ausführung gleich gnt gelungen ist, rasch Eingang in jüdischen Kreisen finde. Familiennachrichten. Geburte«. Ein Sohn: Moritz Löb und Frau Johanna geb. Rothschild, Dieburg. Verlobte. Hedwig Wechsler geb. Stein, Hamburg mit Heinrich Bachrach, Eassel.