Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 7 (19.2.1920)
- Date
- 1920-02-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Bette S Nr. 7 - hüHMMw— 'Samson Raphael Hirsch’s groöen Pentateuch Commentar in neuer Auflage erhalten die Abonnenten des „Israelit“ (auch neu hinzutretende) als Prämie rooil i. 25-usier di Ladenpreise zu Mk. 36.— statt Mk. 60.—. Lieferung in 15 Heften zu je Mk. 2.40, auf Wunsch auch bandweise. Wir bitten um eifrige Propaganda für den „Israelit“ in Freundeskreisen. Vertreter gegen Provision überall gesucht. Frankfurt a. M. Verlag des „Israelit“ G. m. b.H. Gruppe in der zionistischen Organisation von der Macht und Bedeutung des Misrachi sich unmöglich mit der Errichtung eigener religiöser Institutionen und mit der Fortführung einer ohnmächtig-religiösen,weil durch Abhängigkeit schon a priori paralysierten Politik begnügen. Der Mrsrachi darf dem neuen Babel-Turmbau im heil'gen Lande nicht schweigend zuschauen. Er muß, wenn die jüdische Religion auch für ihn nicht nur Schmuck und Flitter, sondern Hirn und Herz des Judentums .bedeutet, mit leidenschaftlicher Unbeugsamkeit zu einem Abwehrkampfe gegen den neuen Judaeo-Hrllenismus sich rüsten. Wie gesagt: Ich habe weder die Berechtigung, noch die Absicht, den Misrachi aus dem zionistischen Lager fort- und ins orthodoxe Lager hineinzulocken. Es liegt mir auch vollkommen fern — auch das sei hier mit nachdrücklichster Deutlichkeit gesagt — den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas durch das Schüren von Gegensätzen und Streitigkeiten auch nur im geringsten zu beeinträchtigen. Die Wiederaufbauarbeiten müssen von der gesamten Jndenheit unbeirrt und tat kräftig st geführt werden! Aber wenn die heidnischen Juden es versuchen sollten, ihre rebellische Axt an dem Stamm der jüdischen Religion — und noch dazu im jüdischen Lande — zu legen; wenn ihr Stumpfsinn gegen die altjüdische Geistigkeit und ihr Wahneifer für ’*V 1V Sa mm mm Ein Nachwort zn Sabbat Schekolim. Bon Rabbiner Tr. M. Lewin in Wreschen Als der Jrühkingsherolde ersten grüßen wir all* jährlich mit der Neumondsmeihe des freudige Erinnerungen' und beseligende Hoffnungen werkenden Adars den Sabbat Schekolim. Das bleibt so jüdische Art und jüdisches Wesen, mitten in den Stürmen des Winters auf das Wehen lauer Lenzeslüfte zu hoffen, in dunkler Nacht an den Sieg des Lichtes zu glauben. Während wir aber den Wandel in der Natur nur als das Werk einer ewig sich gleichbleibenden Güte und Allmacht, als dem Zeugen des frei schaltenden und waltenden Gott in der Höhe preisen, sind wir alle samt und sonders berufen, mit Hand ans Werk zu legen, um den Völkerlenz, den Menschheitsfrühling herbetzuführen. Las ilr der Sinn des Schekelabschnittes, der dem Sabbat seinen Namen und seine Bedeutung verleiht. Der Reiche soll nicht mehr und der Arme nicht weniger als einen halben Schekel penden. Damit ist vor allein gesagt, daß des Reichen Ksr Asraelit. __ die materialistische Europakultur alle Grenzen uoerichreiten sollte, dann müssen auch alle jüdischreligiösen Parteien nicht anstehen, in die Judenhrit hinauszuschreien, daß in dem zusammengesetzten Worte Erez-Jisroel das erstere immer nur Mittel aber nicht Ziel sein kann ynd darf! Sie müssen es im Namen des jüdischen Volkes und seiner viertausendjährigen Leiden für jüdisches Leben und j ü d i s ch e Eigenart hinausschreien, daß sie nicht gesonnen sind, dem jüdischen Lande ein heidnisches Gepräge aufdrängen oder aufreden zu taffen. Schon geschehen in Palästina öffentlich und systematisch so manche jedes treujüdische Herz mit Schmerz und Trauer erfüllende Ereignisse. Schon fühlt auch der Misrachi tn Palästina die Unnatürlichkett des Auf-zwei-Seffe!n-Sitzrns imb ist in so manchen wichtigen Fragen (siehe Frauenwahlrecht!) zur Inkonsequenz verurteilt. Der Misrachi wird — früher oder später — in religiösen Fragen (es liegt schon in der Natur der Sache) mehr scharf, mehr konsequent und mehr unbeugsam sein müssen. Er schaue zu, daß nicht aus dem „später" ein „zu spät" werde . . . Wochenrundschau. Ser neue Srganisatlonsplan. Die Verfassung des deutschen Reiches bestimmt ln Artikel 137, daß wenn mehre „öffentlich-rechtliche Religionsgesellschaften", also Einzelgemetnden, sich zu einem Verbände zusammenschiteßeri, dieser Verband ebenfalls eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes ist. Auf Grund dieser Bestimmung möchten „Verband der Deutschen Juden" und „Deutsch-Jsraelitischer Gemeindebund" der bisher nur im idealen Sinne vorhaudenen „jüdischen Religionsgemeinschaft" in Deutschland einen Rechtskörper schaffen und zwar durch die Umwandlung des D. I. G. B. in einen öffenilich-rechtltchen Verband. Der nunmehr vorliegende Sotzungsentwurf besagt in seinem wichtigsten ersten Paragraphen Folgendes: § 1. Der Bund bezweckt die Zusammenfassung aller Kräfte im deuschen Judentum zur Pflege seiner Interessen, insbesondere ». rur Hebung des religiösen Lebens unter Wahrung der Selbstbestimmung der Gemeinden (§ 6), b. zur finanziellen Unterstützung leistungsschwacher Bundes.qemeinden, v. der Schaffung und Unterhaltung oder Unterstützung gemeinsamer Einrichtungen und Anstalten und 19. Februar 1VM | d. zur Vertretung aller der jüdischen Religionsgemeinschaft im deutschen Reich gel meinsamen Angelegenheiten nach außen. •. Förderung der rechtlichen und wirtschaftlichen Stellung der jüdischen Gemeindebeamten, insbesondere durch Einrichtungen zur Versorgung dieser Beamten und zur Fürsorge für deren Hinterbliebene." Da ein gesetzlicher Zwang zum Beitritt für keine Gemeinde besteht, so ist es klar, daß der in diesem Paragraphen angestrebte Zweck zwar an gestrebt, aber dem Staate gegenüber niemals als erreicht bezeichnet werden darf. Der „Bund", der bisher als Körperschaft des Privatrechts bestand, mag fortan juristisch als Körperschaft des öffentlichen Rechtes geliert, er wird aber darum doch nimmermehr das Recht haben, sich als legitimiert „zur Vertretung aller der jüdischen Religionsgemeinschaft im deutschen Reiche gemeinsamer Angelegenheiten" auszugeben, solange auch nur eine jüdische Gemeinde sich fernhält und die Legitimation bestreitet. Denn die jüdische Religionsgemeinschaft ist nur oie Summe aller ihrer Glieder, und niemand kann gegen seinen Willen von einem Dritten vertreten werden.^ Wir möchten, bevor wir in die Diskussion des nunmehr aktuell werdenden Problems eintr-ten, vor allem diese grundlegende Tatsache feststellen, weil man sich -ihrer im liberalen Lager offenbar nicht bewußt ist — und daher lediglich durch gerazu grotesk wirkende Kleinlichkeiten die Zustimmung der Orthodoxie zu dem neuen Plane zu sichern sucht. Der Paragraph, durch den das Ganze der Orthodoxie schmackhaft gemacht werden soll, lautet: §25. „Zur dauernden Bearbeitung bestimmter Geschäftszweige werden Ausschüsse eingesetzt. Solche sind insbesondere zu bilden: 1. Für den Kultus, und zwar für jede re-, ligiöse Richtung besonders, soweit dies vom Bundestag für erforderlich gehalten oder von mindestens 10 Mitgliedsgemeinden beantragt wird- 3. Für den Unterricht nach dm Grundsätzen zu 1. 3. Für die Wiffmschaft des Judentums. 4. Für die Wohlfahrtspflege. 5. Für kulturelle Fragen. 6. Für Rechtssachen. Die näheren Bestimmungen über die Zusammensetzung, die Wirksamkeit und die Geschäftsordnung der Ausschüsse trifft der Rat." Der „Verband der Deutschen Juden" will die Fiktion der Religionseinheit nicht einmal durch diesen, von dem D. I. G. B. vorgeschla- Gabe allein nicht ausreicht und immer nur ein halber Schekel bleibt, den erst die tätige Mithilfe des anderen zu einem vollen macht. Und auch die Gabe des Schwachen und Armen, wenn sie voll geleistet wird, wiegt auf der Wage des Heiligen gleichfalls einen halben Schekel. Diese Lehre von der Gleichheit aller Menschen, deren verkörperndes Symbol der halbe Schekel ist, ist die Grundlage, auf der sich der Menschheitsfrühling aufbauen kann. Sie will die Kluft zwischen den verschiedenen Ständen und Klaffen überbrücken, den Begüterten und Glücklichen zur Demut mahnen und in den Schwachen und Dürftigen -das Selbstbewußtsetn wecken und den Geist der Eintracht und Harmonie über die Menschen ausgießen. Unser Schekelabschnitt zeigt uns daher auch das Verkehrte und Utopistische der Weltbeglücker in unseren Tagen, die die Gemeinsamkeit der Rechte in der Anteilnahme an den Bodengütern verkünden, ohne die Gleichheit der Pflichten zu fordern. Mit allem Nachdruck lehrt das Thorawort wiederholt: onpsn Pp "Qip Po nw n: „Geben sollen sie jeder, der zu den Gemusterten hinübergebt" Leisten, wirken, ist die Vorbedingung für das Gellen und Gezähltwerden. Wer gezählt werden will, muß seinen vollen halben Schekel auf die Wage des Heiligen niederlegen. Die Freiheit und Gleichheit der Menschen, die den Bölkerlenz auf die Erde bringen soll, gibt sich nicht kund in der rückhaltlosen Austeilung deffen, was dem andern glehört derweil dieser es ererbt oder erworben hat. G eich sein mögen wir vor allem in unfern Leistungen, in unserem Streben für dte .Erleuchtung der Mensch en und die Veredlung der Welt. Unsere Freiheit sollen wir bekunden tn unserm Streben nach Hohem und Reinem, in unserem Drange, uns Gleichstrebenden, Gleichgesinnten, uns rückhaltlos anzuschließen. So sind Freiheit und Gleichheit nicht nur Schlagwörter, mit denen die Maßen geblendet und zur Raserei entj flammt werden, sondern sie lösen die reinsten Triebe und Kräfte in den Menschen aus und entfesseln den heiligsten Wetteifer im Dienste des Heiligen und Guten... Eine Feuermünze, sagen unsere Lehrer, zeigte der Serr dem Mose, als er die Forderung vom halben chekel ausstellte. Die Lehre vom halben Schekel, wenn sie nicht verstanden und begriffen wird, niutz die rechte Begeisterung als dte Quelle edler Taten allenthalben wecken. Möchte sie nicht nur in unseren Reihen beherzigt werden, sondern auch auf dem großen weiten Erdenrunde überall willige Ohren und empfängliche Herzen finden, daß auch mitten im Dunkeln unserer Zeiterlebnisse die Hoffnung auf einen neuen Menschheitslenz aufstcahle. Uns aber, Israels Kindern, werde der halbe Schekel eine eindringliche Mahnung, in Treue und Beharrlichkeit zusammenzuhalten, damit wir die Stürme unserer-Tage überdauern und unsere Gesamtheit der Zeit entgegenreife, wo sie als das „Licht der Menschheit" anerkannt und gewürdigt wird und sich als „den Propheten unter den Völkern" bewährt. Keines feuiUefon. Erlebtes und Erlauschtes. IV. Die arme „Valuta". Was nicht heute alles der Valuta zur Last gelegt wird.