Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 6 (12.2.1920)
- Date
- 1920-02-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 6 Nr. 6 Ler JSraem Oltuut i-VÄV 3. Misrachi - Welt- Konferenz verlangt, .daß der in den Proposals vorgeschlagene „Jewish Council" so definiert werde, daß möglichst alle großen jüdischen Organisationen, die sich am Aufbau Jerez-Jisroels als jüdisch-nationalem Heim beteiligen wollen, dem Jewish Council bei- "treten können. * 4. Die Misrachi-Welt-Konferenz spricht den dringlichsten Wunsch aus, daß in den Vorschlägen, die die Zionistische Organisation der Friedenskonferenz vorlegt, gefordert werde: a. daß das Zivilgerichtsverfahren zwischen Juden und Juden in Erez-Jisrvel auf dem Boden des jüdischen Zivilgesetzes stehen sollb. daß das jüdische Ehegesetz in offizieller Weise als das emzige Ehegesctz für die Juden in Erez-Jisroel anerkannt werde/ a. daß der Sabbat als der gesetzliche Ruhetag in Erez-Jisroel eingesetzt werde. Der Bericht 9er Srieöensdelegation. London, 6. Febr. Aus der Feder von Lnc-.en Wolf ist nunmehr der offizielle Schlußbericht über die Tätigkeit der jüdisch - britischen Delegation beim Friedenskongreß erschienen. Der Bericht zeigt, daß die Delegation tatsächlich fast alle ihre Formulierungen hinsichtlich der Minoritätsrechte der Juden in Polen, Rumänien, Tschecho- Slowaketz Jugosiuvren durchsetzen konnte, und daß die Texte der betreffenden Friedensverträge nahezu wörtlich den gestellten Anträgen entsprechen. Das involviert natürlich auch ein hohes Maß von Verantwortung ffa: die praktische Ausführung dieser vertragsmäßigen Versprechungen und es ist anzunehmen, daß die englische Judenheit sich dieser Verantwortung bewußt sein wird. Amerika. Bk Pogrome in 9er Ukraine. Saag, 31. Jan. Aus New Jork wird gemeldet: Wilson hat dem Senat einen Bericht des Generals Jackwin über die Pogrome in der Ukraine zugehen lassen. Danach waren üm 9. September v. I. nicht weniger als 29000 Juden den Verfolgungen zum Opfer gefallen. Man warf den Juden vor, daß sie eine große Rolle in der bolschewistischen Bewegung gespielt hätten. Wilson teilte ferner mit, daß er den Admiral Me. Cully als Vertreter des Staatsdepartements nach Südrußland gesandt habe, damit er von dort aus über die Lage berichte. kine JTIillionenunfernüßung für ortho9oxe ' ösoe&e aus fimeriha. Ilerv-VorK, 20. Januar. Das Zentralhilfskomitee der orthodoxen Juden in Amerika hat dem „Bereinigten Hilfskomitee" eine Million Dollar übergeben als Resultat der Sammlungen für die Zwecke der gesetzestreuen Institutionen im früheren Rußland. Es ist bereits die fünfte Million, die das genannte Komitee für diese Zwecke unter den Orthodoxen in Amerika zusammengebracht hat. Ueber die Verteilung wurde folgender Beschluß gefaßt: 400000 Dollar für die notleidenden Juden in Polen, 100,000 Dollar zum Zwecke der Mazzosversorgung in Polen, 200,000 Dollar zur Unterstützung der österreichischen Juden, 20,000 Dollar fließest den Jeschtwoths in Litauen und Weiß Rußlands zu und 130,000 Dollar sind für Palästina bestimmt. Der Rest des Geldes gelangt in anderen Ländern zur Verteilung. sich Marx ^"87, durch unermüdlichen Fleiß und durch ehrlich-redliches Streben zu Wohlstand und Ansehen emporgearbeitet. Diesen seirten Wohlstand nützte er in seiner Anspruchslosigkeit nicht für sich, sondern fand Befriedigung und Freude darin, Tön r&’D2 im jüdischen Sinne zu üben. Am Grabe schilderte Lehrer Sulzbacher mit tiefempfundenen Worten die Größe des Verlustes für die Htmerbliebenen, für die jüdische Gemeinde und besonders auch für die Armen. Das Andenken dieses bescheidenen Mannes und echten Jehudi wird in unserer Gemeinde immer weiter leben. Töplitz-Schönau, 16, Jan. Am Mittwoch NI'v 72 ist nach langem, schweren Leiden Hermann M and l gestotben. Der gottergebene Lebenslauf dieses Mannes mutz von einem besonderen Gesichtspunkte aus gewertet werden. In Proßnitz (Mähren), der damaligen Hochburg des Abfalls vom Thorajudentume, geboren, war er' in der Jugend selbst ein Kind seiner Zeit und seiner Umgebung. Die Gattin — eine fip'VS Preßburger Abstammung — hat wahre Wunder gewirkt, wenn sie durch ihren Einfluß den Gallen zum unversülschten rDHPn machre, der in seinem Kreise wie ein lebender Einspruch gegen die zersetzenden Wirkungen der Reform wirkte. Wer den Zurückgekehrten im Proßnitz er seine Tagesarbeit mit rn'Sfl beginnen und beenden sah, die Art wie er mt? irret? hielt, n"p2 und ne; übte, weiß, daß ein echter Frommer dahingegangen ist. Die 'rS fand in Teplitz mn 'S NVp unter zahireiPer Beteiligung aller Familienmitglieder uns seiner Freunde stau. n"s^n. Fürth, B. Febr. Am 5. Februar wurde hier das Jubiläum des Herrn Waisenhausdirektors Dr. Deutsch gefeiert. Die Finther Zeitung vom 3. Februar schreibt dazu u. a„Der Jubilar kann an diesem Tage auf eine an Arbeit und Erfolgen reiche Tätigkeit zurückblicken. Seine Bemnteniaufbahn begann er als Lehrer in Frankfurt a. M. Von dort'kam er als Distriktsrabbiner nach Burgreppach, wo er als Leiter der dort bestehenden Prnparnndenschule vielfach Gelegenheit fand, sein pädagogisches Geschick und feine organisatorische Begabung zu beweisen und sich die Anerkennung der Behörden zu erwerben. Seine im Jahre 1893 erfolgte Wahl zum Oberrnbbiner von Altona und Schleswig-Holstein schlug er aus. Im Jahre 1895 wurde ihm das Amt eines Watsenhausdtrektors hier übertragen. Was nun Tr. Deutsch in den seitdem verflossenen 15 Jahren in unermüdlicher Hingebung für die Waisenanstalt geleistet hat, ist nur den vertrautesten Mitarbeitern voll bekannt und läßt sich in wenigen Worten nicht zur Darstellung bringen. Neben seiner eigentlichen Berufstätigkeit übt Dr. Deutsch durch Unter ttchtserteilen, öffentliche Vorträge und Lernkurse, hervorragenden Einfluß auf Alt und Jung aus und seine Geltung innerhalb der Jsraelitengemeinde ist darum groß und bedeutend. Dort fördert er neben den kulturellen Einrichtungen auch alle auf Erhaltung des konfessionellen Friedens in der Bürgerschaft gerichteten Bestrebungen, wozu er oft schon auch das Wort in diesen Blättern gekommen hat. In weiten .Kreisen der Bürgerschaft ist er darum gekannt und geachtet". — Die Feier fand unter Teilnahme der Gesamtgemeinde und der wesentlichsten Vereine statt. In der mit Blumen und Ehrengaben geschmückten Wohnung des Gefeierten erschien Deputation auf Deputation, um in herrlichen Reden und Gegenreden Gefühle des Dankes und der Verehrung auszusprechen. Auch auswärtige Schüler hatten sich zu diesem Zwecke eingefunden. Das Ganze bildete eine echte Bewahrheitung des Salomonischen Satzes (Spr. 3,45): N122 1VN2' 2'V2N. Biebrich, 3. Febr. Am N2V a"2 verschied dahier Herr Samuel Marx. Mit ihm ist ein äußerst schlichtes, aber wackeres Mitglied unserer Gemeinde von hinnen gegangen. Aus einer einfach?«, echt fromrnen Familie stammend — deren tief-jüdischer Sinn sein ganzes Leben hindurch ihm Vorbild war ~ hatte s Berlin, 39. Januars Am 29. Januar sprach Herr Dr. Nathan Birnbaum in der hiesigen Ortsgruppe der Agudda vor einem überaus zahlreichen Publikum, das sich auZ allen Kreisen der gesetzestreuen Bevölkerung zusammensetzte, über den „Sinn des Judentums". Der Redner stellte zunächst den Begriff der Religion überhaupt — mit ihrer Anerkenntnis--der Begrenztheit menschlichen Denkens — dem Hochmut und der Anmaßung atheistischer und materialistischer /^Weltanschauung gegenüber. Er zeigte ferner die' Unhaltbarkeit der modernen, religwnsivissenschaftlichen Hhpothcse über die allmähliche Entwicklung monotheistischer Religionsformen aus den heidnischen Göttervorstellungen und ging schließlich ausführlicher auf die grundlegenden Unterschiede ein zwischen Judentum und den beiden anderen monotheistischen Religionen, die er, wegen ihrer Entlehnungen aus dem Judentum als judaistische bezeichnet. Das Spezifische des Judentums ist vor allem das ReligtonZgesetz, das mir seinen steten, unablässigen Anforderungen, allein einem Zerflattern der religiösen Gefühle Vorbeugen und ihre bewußte Zielstrebigkeit gewährleisten kann. Das zweit-bedeutsamsre Merkmal ist die Woranstellung des Gerechtigkeitsb-- grisfes in der. jüdischen Lehre. Die Liebe könne nicht als Höchstes im Verhältnis von Mensch zu Mensch gefordert werden, weil sie ihrer Natur nach individuell erwählend sei; wohl aber könne und müsse Gerechtigkeit allen Betätigungen des Einzelnen gegenüber fernen Mitmenschen ohne Rücksicht ans persönliche Neigung oder Abneigung als höchste Forderung HeS Judentums gelten. „Liebe Deinen Nächsten wie. Dich selbst" heiße , darum: ,-handle Deinem Mitmenschen gegenüber so, als ob Du.Pn liebtest"^— Die . geistvollen, tiefen . Ausführungen Herrn Dr. Birnbaums entfesselten einen überaus starken Beifall. Den tiefen Eindruck, den die Zuhörer empfingen, vermochte auch die wenig ersprießliche Diskussion, in der ein Poale-Zionist der deutschen Orthodoxie in beleidigenden Worten den Vorwurf mangelnder sozialer Betätigung machte, nicht zu verwischen. Sachlich gab Herr Rabbiner Dr. Munk Ergänzungen zu den Ausführungen des Redners über die Stellung des Religionsgesetzes. . BreSlau, 12. Jan. Die hiesige Orts- und Jugendgruppe der „Agudas Jisroel" kann Mrs einen außerordentlich erfolgreichen Abend .zurückblicken. Dr. Nathan Birnbaum, Zürich, sprach vor einer den großen Börsensaal füllenden, stark interessierten Versammlung über „die Wege des Gottesvolkes^. Gerichtet war das Referat an die Gläubigen unseres Volkes und die es bedauern, ihre Gläubigkeit verloren zu haben. Nach Definierung des Volksbegriffes als des Auserwählungsgedankens in der "Entwicklung der Geschichte entrollte der Redner ein großzügiges Geschichtsbild, a. s dem unser Anderssein sich mit zwingender Gewalt ergab und als dessen hervorstechende Charaktermerkmale das Religionsgesetz und die messt«- nische Idee anzusehen sind. Nicht für sich allein sei das Individuum verantwortlich, sondern ein jeglicher trägt zum Gelingen oder Mißlingen des Werkes bei und deshalb nruß die reine Idee des Judentums sich in der Tat zeigen; dazu aber bedarf es der Einigkeit aller Juden, die die Berpflichtungckraft der Thora anerkennen. Für's Goluth als auch in Palästina muß dieser Gesichtspunkt im Vordergründe aller Arbeit stehen. Dann wird Gottes Volk trotz aller Hemmnisse die sich ihm entgegenstellen, auch Gottes Volk bleiben. Reicher Beifall folgte den Ausführungen Nachan Birnbaums, dessen Worte mitunter von wuchtigem Phatos und tiefer Eegriffenhest zerchen. Diesen von hoher Begeisterung für unsere Ideale getragenen Ausführungen folgte ein hoffentlich wirkungsvoller Appell des Vorsitzenden, dem Aufruf des Jeschurun zur kräftigen Unterstützung der Wiener hungernden Kinder Folge zu leisten. Hannover, 5. Febr» Um das dringendste Zukunstoproblem unserer Zeit, die Heranziehung eines kräftigen und sozial wertvollen Geschlechtes zu fördern, hat die Verwaltung des Israel. Simonschen Waisenhauses, das in erster Reihe für Kinder aus Stadt und Provinz Hannover bestimmt ist, sich entschlossen auch aus anderen Lanüesteilcn Waisenkinder aufzunehmcn und ihnen die Wohltat einer geregelten, liebevollen Erziehung "zuteil werden zu lassen. Nähere Auskunft erteilt der Vorsitzende, Rabbiner Dr. Freund. Königsberg i. Pr., 3. Febr. Am 29. Januar fand unter Leitung des Herrn Geheitnrar Prof. Dr. Falkenheim eine öffentliche Versammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens statt. Der große Börsensaal war bis auf drn letzten Platz gefüllt, auch die antisemitische Sprengkolonne des deuischvölkischen Bundes fehlte nicht. Herr Prof. Lie. D. Stärk, Jena, hielt einen wissenschaftlichen Vocirag über „Judentum und sittliche Kultur", der starken Eindruck auch auf die zahlreichen christlichen Zuhörer machts. Die Frage: „Hat das Judentum als Träger einer spezifischreligiösen Weltanschauung ein lebendiges Verhältnis zur sittlichen Kultur"?, beantwortete der Redner mit einem kräftigen .Ja". Die jüdische ^Religion ist für die Bewältigung der großen Probleme unserer Zeit eine bedeusame Kraft, die man ja nicht unterschätzen soll. In der darauffolgenden freien Aussprache versuchten zwei Antisemiten das hohe wissenschaftliche Niveau der Versammlung durch antisemitische Hetzreden berabzudrücken, wurden aber durch den Sozialisten H. Schäfer, dem Proseffor der Theologie, Herrn Dr. L ö h v, Herrn Stadtrat Dr. Licht und den Referenten so gründlich abgeführt, daß die antisemitische Sprengkolonne es zu größeren Radauszenen nicht zu bringen vermochte. Der Abend gestaltete sich zu einem bedeutsamen Erfolg des Zentralvereins und des Judentums. Geburten. Ein Sohn: Jos. Löbensteirst (Emanuel) Hamburg. . Barmizwoh-Feier. Eli, Sohn des Menko Betlinger (Weichselbaum), München, Ltebherrslr. 19. a'Bsva raw a n Tt Anfang Datnr« Ausgang Uhr jMiu. Uhr >Min. 19S80\ 5680 13. 21.Scheb. Frankfurt a. M, 5 10 Feb. 6 SS Berlin .... 5 10 s 57 München . . . 5 15 s U StrastbnLg . . — — — — Stuttgart. . , — — — Posen . . . . — ’ — — — Nürnberg. . . § 10 S iS Hambneg . . . 6 18