Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1920-02-12 · Heft 6 (12.2.1920) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 6 (12.2.1920)
Date
1920-02-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450088-2450094--68045-2525123
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

\ 12? Februar 192V! ans verschiedenen Gründen, nicht zuletzt religiöser Art, kaum zu Gute. Es ist darum Pflicht der deutschen Juden, auch ihrerseits in ausgedehnterem Maße als bisher dazu beizutragen, die jüdische Bevölkerung, besonders die Kinder Wiens, welche am meisten zu leiden haben, vor dem Untergange vor den verheerenden Wirkungen des Hungers zu retten. Sicherlich könnte eine große' Anzahl jüdischer Kinder aus Wien in Deutschland auf denr Lande, besonders in den jüdischen Ferienkolonien und in den jüdischen Kinderheilstätten in Dürrheim, Colberg, Duhnen, Elm?n, Bad Kissingen, Nauheim, Norderney, Sassendorf, Königsdorf usw. in einem gewissen Zahlenverhältnisi, ohne daß den deutschen Kindern viel Abbruch geschieht, während der Sommermonate untergebracht werden. Noch nie ist wohl an diese Institutionen eine dringlichere, eine ernstere Aufgabe heran getreten, als gerade in diesem Falle. Diejenigen jüdischen Vereine, Logen, Ferienkolonien, Ktnderheilstätten, welche sich an diesem wahrhaft Humanitären Ltebeswerke beteiligen wollen, mögen so rasch als möglich — die Not und die Zeit drängen zur Eile — an den Verfasser die Mitteilung gelangen lasten, wann, auf wie lange und wieviele Kinder aus Wien sie aufnehmen bereit sind, damit alles Weitere rechtzeitig in dieWege geleitet werden kann Sorrewonpenzen und AachrMen. - MsMLsrhs« MeUH. Aerkin, 6. Febr. Die - Hauptversammlung des „Verbandes der deutschen Juden" zur Gründung einer Gesamtorganisation jüdischer Gemeinden ist nunmehr auf den 2. Mai festgelegt worden. 3ur flusiieferungsfrage. Berlin, 9. Febr. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gegen das Auslieferungsbegehren gestaltete sich eine stark besuchte Versammlung des Centralvereins deutscher Staatbürgerjüdischen Glaubens, Ortsgruppe Berlin Westep, in welcher Herr Rabbiner Dr. Lange, Esten sprach. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt jDr. Alexander, gab der Empörung, die alle Deutschen unterschiedslos ergriffen habe, über das Auslieferungsverfahren "Ausdruck und betonte, daß sich sicherlich kein Deutscher, welchen Glaubens oder Stammes er auch sei, jemals bereit finden würde, deutsche Volksgenossen an fremde Mächte zur Aburteilung auszultefern. Oesterneirh. fiüifsaftfiin in Men. Wie«, 10. Febr. (Telegr.) Die als Abgesandte des niederländischen Hülfskomitees hier weilenden Herren Rabbiner Leiter und Joseph Onderwyzer aus Amsterdam beriefen eine Konferenz der hervorragendsten Vertreter der Orthodoxie, in der die Gründung einer orthodoxen Hülfskommission beschlossen wurde, um der Zurücksetzung der r eligsösen Kreise, von der sich die ausländischen Vertreter überzeugten, ein Ende zu machen. — Dank der unermüdlichen Tätigkeit von Frl. Lorbeerbaum ist es der Jugendgruppe der Agudas Jisroel gelungen, eine große Zahl der aus Ungarn vertriebenen Palästina-Flüchtlinge nach Erez Jisroel heimzubefördern. Wer Israel»,. Polen. Die £nfredifungsfifeiing. Warschau, 1. Febr. Die denkwürdige Sitzung des Landtages, die das Schandgesetz über die Fremden angenommen hat, ging in verhältnismäßiger Ruhe vor sich. Der Berichterstatter Glombinski empfiehlt die Annahme des Projektes. Der Deputierte Grünebaum weist auf die Ungerechtigkeit und Unmöglichkeit des Projektes hin und'auch darauf, daß es dem Sinne .des bereits ratifizierten Friedensvertrags widerspricht. Er beantragt die Annahme einer Zusatzbestimmung, wonach all denen die .Bürgerschaft zuerkannt wird, die während des Krieges in Polen gewohnt haben. Hirschhorn unterstützt den Zusatzantrag und sagt, die polnische Judenheit empfinde das Gesetz als in all seinen Teilen gegen sie gerichtet. Auch Ratmann Schipper spricht sich gegen das Projekt aus. Glombinski polemisiert gegen die Vorredner und verteidigt nochmals das Projekt. In der darauf folgenden Abstimmung werden sämtliche Zusatzanträge der jüdischen"Deputierten abgelehnt, das Projekt selbst mit großer Stimmenmehrheit angenommen. Darauf gaben die Vertreter der Orthodoxie sowie der Volkspartet Erklärungen ab, in welchen sie betonten, daß das Gesetz die jüdische Bevölkerung Polens entrechtet und gegen die Bestimmung der Versailler Verträge verstößt. In der gleichen Sache haben sich die jüdischen Deputierten Hirschhorn und Färbst ein zu dem Ministerpräsidenten Skulski begeben, die ihn auf die Folgen des Gesetzes für die Juden aufmerksam machten. Sie wiesen auch darauf hin, daß die Registrierung der Wohnungen dieser „Fremden" bereits im vollen Gange sei. Der Ministerpräsident gab eine ausweichende und „beruhigende" Erklärung und versprach zuletzt, daß das Gesetz nicht sofort mit aller Schärfe durchgeführt werden wird. Die Registrierung der Wohnungen verfolge z. Zt. andere Zwecke. Nichtsdestoweniger wird von anderer Seite mitgtzteilt, daß die Registrierungen mit solchem Eifer vor sich gehen, daß die Portiers, die die Aufgabe haben, die Namen der Fremden anzugeben, gemeinschaftlich gegen die ihnen zugemutete Arbeit .und die Kürze des angesetzten Termins protestiert haben. Neue Husfcfirelfungen gegen Oie Juöen. Warschau, 5. Febr. Am Samstag mittag sind wiederum ernste Judemxzesse vorgekommen, die von bewaffneten Soldaten, den sog. „Posenern" ausgingen. Die zur Abfahrt bereiten Soldaten stürzten sich auf die den angekommenen Zügen entstiegenen Inden, um sie grausam zu mißhandeln. Nach erhaltener Mitteilung über die Vorkommnisse begaben sich sofort die orthodoxen Deputierten, Rabbiner Halpern und Trockenheim zu dem Hauptmann der Gendarmerie, mit dem Erfolg, daß sogleich eine Reiterabteilung nach dem Tatorte abkommandiert wurde, um Ordnung zu schaffen. Es ist auch angeordnet worden, daß der Zug mit den „Posenern" auf dem Weg zum Ziele keine Haltestellen mache, damit den Soldaten keine Gelegenheit zu neuen Ausschreitungen gegeben werde. gitanen* Die erste Konferenz Oes jüOifdi-lifauifchen nafionalrafes- Kowtt-, 3. Febr. Nach achttägiger Beratung schloß die Konferenz (Stehe Nr. 4 des „Israelit") mit einer Reihe von Resolutionen, die dem Sinne nach hier wiedergegeben sein mögen: Der Beschluß über dieGemeindeorganisarion umfaßt sieben Punkte. Er macht der Gemeinde zur Pflicht, dieRechte derMinderheit zu schützen. DieGemeinde ist a religiös. Oberstes Organ ist der Nationalrat, der von sich aus ein AklionSkommitee bildet, welches seinen Sitz in der f»x. 6 Sette 5 Landeshauptstadt haben muß. Der jüdische Minister handelt in allen Fällen mit dem Natjonalrate, welchem die Initiative und das Vetorecht zustehen. Es soll die sofortige Legalisierung der Gemeindeorgariisation bewirkt werden. Alle Gesxtzesprojekte werden auf dem Plenum des Nationalrates behandelt. ' Zum allweltlichen jüdischen Konaretz» nahm die Konferenz eine Resolution an, wonach alle Bestrebungen nach dieser Richtung hin unterstützt werden. Zugleich stellt die Konferenz im Einvernehmen mit der jüdischen Gemeinschaft ihre Forderungen auf Palästina und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Balfournote bald zur völligen Verwirklichung gelangen wird. Zur Leitung der ökonomischen Aufbauarbeit in Litauen wird ein Oekonomisches Departement gebildet, welches alle für die Juden Litauens bestimmten Gelder zu verwalten hat. Für die nächsten Arbeiten sollen die zu diesem Zweck in Libau und Berlin sich befindenden Gelder verwendet werden. In Litauen sollen zentrale und örtliche Volksbanken gegründet werden. Von den einlaufenden Unterstützungsgeldern dürfen nicht mehr als 25"/g für die notleidenden Gemeinden verwendet werden. lOOOOO Mark sollen sofort für die jüdischen Hetmlosen in den Grenzstätrcn verwendet werden. Für die zu erwartenden Rückwanderer aus Rußland, die sich schon im kommenden Frühling auf 60000 Seelen wohl belaufen werden, müssen große Mittel flüssig gemacht werden. Zum Zwecke ihrer Versorgung müssen mit Hilfe der Regierung Aufnahmestellen an der Grenze gegründet werden. Die ganze Rückwandererfürsorge geht aus der Militärverwaltung in die Hand der Zivilliehörden über. Zum Zwecke des Wiederaufbau der zerstörten Gemeinden in Litauen sollen alle erforderliche»! Institutionen, wie Hypothekenbanken usw. geschaffen werden. Das Feuerverstcherungswesen muß möglichst ausgebaut werden. Die Häuser und Wohnungen der noch Abwesenden muffen in Verwaltung der Gemeinde genommen und vor weiteren Beschädigungen geschützt werden. Die Gemerndeverwaltungen werden verpflichtet, die Kriegs schaden der jüdischen Bevölkerung zu registrieren und der Nationalrat wird die Schadenersaysorderungen vertreten. Es sott ferner alles aufgeüoten werden, um das jüdische H a n d m e r k in Litauen zu heben. Auch ist der jetzt sich überall bemerkbar machende Drang zur Landwirtschaft möglichst auszunntzen. Dem Handel und der In d u st ri e sind alle Wege zu ebnen, besonders durch energische Bekämpfung des Schleichhandels und der Spekulation. Die jüdischen Arbeiter müssen in den Kommunnlverrvaltungen entsprechend vertreten sein. Der furchtbaren Arbeitslosigkeit und ihren Folgen soll mit gemeinsamer Kraft entgegengetreten werden. Ans deui Gebiete des Schulwesens muß vor ollem auf absolute Gleichheit in der Aufnahme und Behandlung der Schüler gesehen werden. Die litauische Sprache sei unter der jüdischen Jugend möglichst zu verbreiten, ebenso fetter Anteil der Juden an' der litauischen Armee zu heben. Eine eigene Organisation hat die Aufgabe, den unteren jüdischen Schichten die Hochschulbildung zu erleichtern. Die Emigration ist zur Entlastung der Massen und zur Milderung der jüdischen Not in Litauen von größter Bedeutung. Darum wird die Regelung der Auswanderung zu den höchsten Aufgaben des Nationalrates gehören. Ein eigenes Departement wird die Bedingungen in den Einwanderungslündern genau studieren, die Emigranten vor Ausbeutung schützen und den ganzen Auswanderungsstrom in das richtige Bett leiten. Zuletzt wurde noch eine Resolution gefaßt, die einen flammenden Protest gegen die Judenexzesse inPoniwesch enthält, bei deren Untersuchung und Ahndung bisher die Behörden an Eifer und Ernst gänzlich fehlen ließen. gjtfücmfr. Die Befcfolüffe 9er JTIisradiifiönferen?. Amsterdam, 10. Febr. Unserem Berichte seien noch folgende von der Konferenz gefaßte Resolutionen angesügt. 1. Die Mtsrachi-Welt-Konferenz spricht den politischen Führern der Zionistischen Organiscrsation ihren tiefen Dank aus für ihre unermüdlichen und erfolggekrönten politischen Bemühungen und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß sie in naher Zukunft die diesbezüglichen Verhandlungen zum gewünschten Resultate führen werden. 2. Der Anspruch des jüdischen Volkes auf Erez-Usroel beruht auf den göttlichen Verheißungen der Hüligen Schrift. Nie ist aus dem Bewußtsein des Volkes das Vertrauen auf dieses historische Recht geschwunden. Deshalb fordert die Mtsrachi-Welt-Konferenz, daß von Erez- Jisryel bei der Errichtung der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk die Grenzen im Sinne der Verheißungen der Heiligen Schrift festgestellt werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.