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Der Israelit · 1920-02-12 · Heft 6 (12.2.1920) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 6 (12.2.1920)
Date
1920-02-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sette 4 No. 6 Eine Revision -es Friedlnsverttages in der Bibel. Bon Dr. Felix Kanter in Zwittau (Mähren). Bei Beginn und auch später während des Krieges wurde die heilige Schrift sehr oft zitiert und als Beweis für die Richtigkeit und Berechtigung mancher diplomatischer und kriegerischer Taten und Handlungen herangezogen. Nach Beendigung des Krieges, seit Abschluß des „Friedens", hört man im politischen Leben und aus diplomatischen Gründen so gut wie nichts mehr von der Bibel, so daß es den Anschein hat, als wüßte die heilige Schrift nur von Kriegen und nicht aber auch von Frieden zu berichten. Und doch wäre es im Interesse sowohl der Sieger als auch der Besiegten, wenn auch bei und nach Abschluß des Friedensvrrtrages das Buch der Bücher mehr berücksichtigt worden wäre,' manche Grausamkeit und Härte hätte leicht vermieden, werden können. Aber auch j-tzt, nach Inkrafttreten des „Friedensvertrages" wäre zu wünschen, daß die Sieger sich mehr mit der heiligen Schrift befaßten, um daraus zu lernen, wie ein einseitig geschloffener, dem Besiegten aufgezwungener Friede auch nachträglich abgeändert, revidiert und korrigiert werden könne. Bon einer solchen Revision oder genauer Korrektur eines Friedens- Vertrages wird im Buche der Richter Kapitel 21 ausführlich erzählt. Diese nachträglichen Friedensverhandlungen, wie auch der ihnen vorangegangene mörderische Bruderkrieg, dessen Ursache und Veranlassung haben eine frappante Aehnlichkeit mit dem fünfjährigen Weltkriege, der solch namenloses Elend über die Menschheit gebracht, und dem Frieden, der dazu angetan ist, ganze Völker und Staaten noch weiter dem Elend preiszugeben. Dieser Bruderkrieg ist in der Heiligen Schrift unter dem Namen „Die Schanotat in Gibea" (im Stamme Benjamin) bekannt. Die Schandtat als solche und der Umstand, daß die Benjaminiter sich weigerten, die mit Recht geforderte Genugtuung zu geben, empörte das Volk Israel derart, daß „das ganze Volk sich wie ein Mann erhob" (Kap. 20,8), um die Uebeltäter und ihre Mitschuldigen und Helfershelfer zu bestrafen und „das Böse aus Israel auszurotten" (das. V. 13). Dieser Krieg wurde mit wechselndem Glücke geführt und nach wiederholten empfindlichen Niederlagen gelang es den Israeliten, einen vollständigen Sieg über die feindlichen Benjaminiter davon zu tragen. Das begangene Unrecht der Benjaminiter, die verhält- Und nun erwachte ich und erschrak über mich. Ich habe dem Sohn, dem Bräutigam, dem Einsamen sein Einziges und Alles geraubt, den Bleistifts Ich fuhr zum Rabbiner hinüber und bat ihn, bei feinem nächsten Besuche im Gefangenenlager, den Bleistift dem Eigentümer wiederzugeben. Zu spät! Die jüdische Mannschaft war bereits abkommundtert, unbekannt wohin, wohl auf verschiedene Russenlager verteilt..... So besitze ich den Bleistift heute noch. Seine Sprache klingt nicht mehr so wehmutsvoll w e früher. Aber er weckt immer noch unangenehme Erinnerungen .... Die „Russen" sind — ich hoffe es — längst bei ihren Lieben daheim und erzählen dort mündlich, was ihnen in Feindeslands alles widerfahren ist. Sicherlich auch von dem, der eines Tages ungebeten kam und ihnen ihr Bestes und Höchstes nahm — den Bleistift! .... Mimomdes zu der Ausltesermigsfrage. Im npmn *i’ des Maimonides rvm*r ’iiv’ wä-t 'D 'n ist wörtlich zu lesen: O'vod an1? ne» ox pi 'ad3 hw oo^3 ama nfc oxi irm-oi aov nnx w im un mn arß innrn oxi bxirp'a mx »ca an1? reo’?xi p pb pio pxi an'? mix vw nwo o’ino^n ax 'lai’Ji^a tpcj an1? 1*100’ dxi .im» nxi’o 3'n v'x oxi .^xilp’o rtn» „Wenn die Bedränger von der Gemeinschaft die Auslieferung eines — unbestimmten — JSraeltten unter Lobesdrohungen fstr die ganze Gemeinde fordern, so hat diese eher den Tod auf fich zu nehmen, als daß Der JSraelit._• ntswäßig lange Dauer des Krieges und die ungeheueren Verluste, die die Israeliten erlitten (mehr als 60,000 Mann, vergl. 'Kap. 20, v. 21, 25 und 31), steigerte die Wut und den Zorn der Sieger derart, daß sie einen Eid leisteten, „Niemand soll seine Tochter den Benjaminitern zum Weibe geben." Der besiegte Feind soll vollständig vernichtet und für die Zukunft unschädlich gemacht werden. Doch war bald der Zorn der Sieger verraucht, das Gefühl der Rache und Vergeltung verwandelte sich bald in das Gefühl des Mitleides und des Erbarmens mit den Besiegten, und das ist eben nicht mehr konventionell, sondern biblisch, mosaisch. „Das Volk versammelte sich in Bet- El und verweilte dort bis zum Abend . . . und sie erhoben ihre Stimme und weinten bitterlich. Und sie sprachen: Warum, o Gott, ist d es in Israel geschehen, daß von heule ein Stamm tn Israel fehlen sollte?" (Kap, 21, 2 und 3). Die Sieger also beklagten das Los der Besiegten, die Sieger beweinten die Besiegten, und die Kinder Israels bereuten, was sie gegrnBenjamtn, ihren Bruder beschlossen hatten, und sie sprachen: heute ist ein Stamm von Israel abgebrochen." (das. V, 6). Und nun berieten die Sieger, wie sie ihren Beschluß mildern und den Besiegten helfen sollten (V. 7). Und die Sieger sind es auch, die den Besiegren die Hand zum Frieden bieten) (V. 13) „und es kränkte das Volk wegen Benjamin, daß Gott einen Riß gemacht hatte in den Stämmen Israels (V. 15). Dieser Ausdruck DnJ (-bereuen, sich kränken) kommt zweimal in diesem Kapitel vor — ein Beweis dafür, daß das Volk fett en im Rausche des Sieges und im Gefühle des Zorns gefaßten Beschluß innig und aufrichtig bereute. U d abermals berieten die Aeltesten der Gemeinde wegen der Benjamiter, um sie nicht dem Untergänge preiszugeben, sie zu erhalten, „damit nicht ausgerottet werde ein Stamm aus Israel." (V. 16, 17). Ihren geleisteten Schwur durften sie unter keinen Umständen brechen, aber die .Einhaltung des Schwures bedeutete die vollständige Vernichtung des besiegten Feindes. Da war guter Rat teuer. Aber wo ein guter Wille ist, ist es nicht schwer einen Ausweg zu finden. Und dieser Ausweg war auch bald g funden: Eine kleine Revision, eine einzige Korrektur — und alle Härten sind gemildert und Milde und Versöhnung treten an Stelle von Rache und Vernichtung. Aus den Willen kommt es hauptsächlich an, auf das ernste Bestreben, dem besiegten Feinde zu helfen und beizustehen, ihn nicht gänzlich dem Untergange und Verderben Pretszugeben. Der Friedensvertrag kann trotzdem bestehen bleiben, er kam u b darf so heilig 12. Februar 18IG gehalten werden wie der von den siegreichen Israeliten geleistete Schwur. Eine Korrektur könnte aber jeder Friedensvertrag, den der Sieger dem Besiegten aufgezwungen, trotzdem erfahren, eine Korrektur oder auch eine Interpretation zu Gunsten der Besiegten. Diese Erzählung von der Schandtat in Gtbea, dem darauffolgenden Kampfe und Siege füllt drei Kapitel des Buches der Richter. Sie wird einzeleitet mit der Bemerkung, daß es damals keinen König in Israel gab und schließt mit derselben Bemerkung. Es wäre zu wünschen, daß die Völker sich mehr mit der Lektüre der Heiligen Schrift befassen. Sie könnten noch viel aus der alten jüdischen Bibel lernen zu ihrer Ehre, zum Ruhme des Sieges, wie zum Wohle der Besiegten. Pflichten der Stim-e. Zwei Anregungen. Von Dr. P. Münz in Bad Kisfingen. Der Aufmerksamkeit weitester Kreise gestatte ich mir zwei Anregungen zu unterbreiten, die aus der Not des Krieges hervorgegangen sind. In kurzer Zeit soll in Oberschlesien und in gewissen Teilen West- und Ostpreußens, sowie in Kempen (Posen) eine Volksabstimmung stattfinden, von deren Ausgang das Schicksal jener Landesteile aöhängt. In jenen Landstrichen wohnen aber viele Juden, die es als geradezu katastrophal betrachten, gerade jetzt dem Polenreich; einverleibt zu werden. Nun wecken Tausende in diesen Bezirken stimmberechtigte Juden auswärts, besonders in den Großstädten. Bei der Abstimmung kommt es auf jede Stimme an, von jeder einzelnen hängt das Schicksal der dort zurückbleibenden Bevölkerung ab. Die in Frage kommenden auswärts wohnenden Juden müssen es darum als heilige Ehrensache, als eine Frage vaterländischer Gesinnung betrachten, am festgesetzten Termin in die Heimat zu reisen, um ihre Stimme in die Wagschale der Entscheidung zu werfen. Schon jetzt müßte in jeder jüdischen Gemeinde von beteiligter Sette eine dahingehende Aktion eingeleitet werden. Die zweite Anregung -erstreckt sich auf das humanitäre Gebiet. Wir alle, zum Teil ja selbst Leidensgefährten, kennen die entsetzliche Not in Deutsch- Oesterrerch, welche der dortigen Bevölkerung der jüdischen nicht weniger als der christlichen, Verderben und Untergang bringt. Ueberall regt sich das Mitleid und in geradezu rührender Weise werden auch in Deutschland Hilfsaktionen zur Linderung der Not veranftaktet. Diese Hilfsaktionen kommen jedoch der jüdischen B völkrung fte einen aus ihrer Mitte dem Tode preisgtbt. Haben »der die Feinde einen bestimmten Namen genannt, so darf dieser nnr dann ausgeckefert werden, wenn er auch nach jüdischem Gesetze die Todesstrafe verdient hat, (eigener Gerichtshof). Indes auch in diesem Falle darf die Auslieferung nicht freiwillig geschehen. Wo sich aber der Verlangte nach eigenem Gesetzte keiner direkten Todrssünde schuldig gemacht hgt, mutz er von der Gemeinschaft mir ihrem eigenen Leben gedeckt werden." Die Quelle, aus der Rambam hierbei schöpft, befindet sich in der Mischna 'n p*a monn und in Jerufchalmi zu dieser Mischna. Letzterer führt eine Reihe konkreter Fälle an, die diese Frage restlos klären. Es ergibt sich eine Meinungsverschiedenhe t zwischen R. Jochanan und R. Loktsch. Maimonides entscheidet hier wie R. Loktsch. Es lohnt sich, die angegebenen Quellen nachzulesen. Wo tfl er? Bon B. Kalchmann. Ich sehe ihn: Gewiß, mit gekrümmtem Rücken; eingefallener Brnst; dürren Beinen; hohlen Wangen» Bon Beruf: galtzischer Dorfgeher. Täglich bis 11 Uhr fasten; l1/* Stunden „dawenen".-— Der Dorsbucher. Ich sehe ihn: Beladen mit Pack. Nach der Stadt? (zmet Stunden Weg). Einkäufe machen? — L'schem Mizwoh?-Weiß schon. Dem jüdischen Schneider feh'r eine Nadel für die Nähmaschine.-Er selbst kann nicht hingehen . . . Goldenes Kind . . . Teueres Kind . . . Bon Ruthenen — na» drato genannt; von Polen — na»z Berku; von dev Dorfjuden — teueres Kind. — — — Ciner fin die Sechsund' dreißig... Verschwunden das Bild .... K. u. K. Soldat -Ist das möglich? - — Ganz echt. Mit Büchse mit Ledergurt; mit Patronentaschen. Crake mit großem gelben Knopf: F.J.l, Schirm bebedt gänzlich bo§ Gesicht — Alles zu weit; furchtbar weit. — Alles zu groß; furchtbar groß. — — k^lasr Berku.-Nas drato-. ’ Er: „Wundert's dich"?-Wollte nicht flüchten vor dem Russeneinfall in Galizien. Wohin flüchten? Wer mag Flüchtlinge? Lieber von Russen drangsaliert. — — Dreizehn Monate unter Ruffenherrschast. — Kosaken — Tscherkessen — Kazapen. In Lebensgefahr vielmals. — — Ruffenabzug. Mitnahme aller Wehrfähigen. — — O laßt ihn doch, baten die Polen, to nasz Berku. — Nasz drato, riefen die Ruthenen ihrem Bruder Moskal zu. — Teueres Kind, sagten die Dorfjuden und gaben viel Geld.- K. w. K. Musterungskommission-: geeignet. Zunächst ohne Waffe. Bekam sie aber doch. — Wachsordat. —-Etappe.-Front.-Italien. — --Karst.-- Doberdo-Plateau.- Jsonzo. — Jawohl, Jsonzo. — — Zehnte Jsonzo. schlacht.-- Sturmangriff. —-(Unten ist das Meer).-Wo?-Wo ist er??-i Wollte nicht flüchten. — Wohin flüchten? — Wer mag Flüchtlinge?-Wo ist nasz Berku? fragen sie, die Pollaken; nas drato, wo ist? fragen die Ruthenen goldenes Kind — die Dorfjuden.-- —

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