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Der Israelit · 1920-02-05 · Heft 5 (5.2.1920) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 5 (5.2.1920)
Date
1920-02-05
Page
– (sequence 15)
Language
German
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aber die Thora bezeugt mehrfache plötzliche Veränderungen, von denen die beiden hier und Kap. 4 genannten plötzlichen Erkaltungen, hingegen die Sintflut 150 Tage lange Erhitzung und darauf Kap. 8, V. 22 wiederum ungeheure und schnelle Erkaltung voraussetzen lassen, sodaß in k urzer Zeit dieselben geologischen Wirkungen erzielt wurden, deren Feststellung den Unwissenden oder besser nicht wissen Wollenden zu den unhaltbarsten und widerspruchsvollsten Theorien führt. Schon Euvier, Ansichten von der Urwelt, deutsch von Nöggerath, S. 106, schreibt: „Wmn man genau untersucht, was auf der Oberfläche der Erde vorgegangen ist, seit sie zum letzten Male trocknete und die Kontinente ihre damalige Gestalt erhielten, so steht man deutlich, daß diese letzte Revolution und folglich auch die Bildung des jetzigen menschlichen Ge^ schlechts, nicht sehr alt sein kann. S. 197: Wenn irgend ein Gegenstand der Geologie feststeht, jo ist es der, daß die Oberfläche unserer Erde eine große und Plötzliche Revolution erlitten hat, deren Epoche nicht viel über 5—6000 Jahre hinausreichen kann." 18. Offenbar sind Hin pp bisher nicht gewachsen. Die Kräfte sind bisher dem Menschen geweiht und die Säfte haben ihm Frucht gereicht. Jetzt erst behält die Pflanze ihre Kraft und gestaltet sich dem Menschen gegenüber zum Feind, indem sie ihn verletzt oder als Klette ihn zurückhält, wenn er forteilen möchte. Kraft und Zeit werden ihm geraubt, während er bisher mühelos sein Brot verzehren durfte, wie es ihm von der Natur genußf rtiq gereicht wird. Schon der Form wegen 122KT können wir diese zweite Ber-Hälfte nicht in Parallele mit der ersten Hälfte setzen. Werden doch hier die zukünftigen Gestaltungen in der ganzen Periode der Verse 17—19 mit dem Imperfektum ausgedrückt und 1^281 lst inmitten dieser imperfecta die einzige Form des Perf e un>s wrt Waw convers. Ist doch ichon bisher 20 I. 29 die Speise des Mensä-en gewesen — neben den Baumfrüchten, und würe aus diesem Grunde der Lers ja schon keine S.rafe enthalten, wenn wir ihn übersetzen würden als wäre-228li 1*2281 „du wirst essen." Wir glauben täher nicht fehl zu gehen, wenn wrr in diesem Ausdruck eine Bezugnahme auf die Vergangenheit erblicken und übersetzen: „während du bisher doch gegessen hast." 19. Hirsch weist darauf hin, daß "J’BK und nicht “pfl dtft Anstrengung als nicht blos kör perl che Arbeit begreifen läßt. Wird doch 2'L8 II. 7 als Sitz der Seele gebraucht. Wenn wir nun noch hmzunehmen, daß nach Beroch 57 b d.r Schweiß für den Kranken ein Vorteil und, ein gutes Zeichen der Funktionierung der Poren usw. ist, dann können wir erkennen, daß auch hier im Fluch der äußeren Verhältnisse ein innerer Segen sich offenbart. Findet die Tierwelt überall gedeckten Tisch, wie es der Psalmist so schön (Ps. 104) zu singen weiß, so erscheint es paradox und bekundet die Bestrafung des Menschengeschlechtes, wenn der Mensch (ebendas. V. 23) zu seiner Arbeit jeden Morgen ausziehen muß und zu seinem Dienst bis zum Abend." Der Mensch, das geistig höchst stehende Wesen, sollte sich um das Stückchen Brot nicht so quälen müssen. Zeit und Kraft könnte er' höheren Dingen weihen. Und doch wird uns hier gesagt, daß 11112 seine Gesundung bedeutet. Die Sorge um das Materielle begrenzt gleich seine Macht und die Kraft, die das körperliche vom Körper absorbiert, schwächt das körperliche Begehren und bringt dem Menschen seine Ohnmacht zum Bewußtsein. Die Beschäftigung mit der Materie erhebt ihn über dieselbe und läßt ihn auch als geistiges und beherrschendes Wesen fühlen. Wir begegnen hier zum ersten Male dem Worte Bn'?- Brot gab es bis dahin nicht. Die ganze Natur arbeitete für den Menschen, sie reichte ihm sein Brot dar. (.11)8 VTTö)- Jetzt ist sie ihm feindlich, er muß es sich erkämpfen. „Der Kampf ums Dafein" beginnt. „Die Natur läßt das Getreide wachsen. Sov'.el Gtr,h und Spreu und — verborgen in der Krone nur ein kleines Körnchen, das die Frucht einschließt. Welche Arbeit, um es herauszuholen, zu befreien, zu mahlen, zu backen! Natur und Gesellschaft wetteifern darum, das Brot, das für jeden gewachsen ist, jedem zu entziehen, der Mensch muß es - sich, was ihm doch zukommt und was er besitzen muß, in heißem Lebenskamperobern. Und nicht nur für eine gewisse Zeit, der ein ruhiger Lebensabend sicher folgt, nicht nur eine Schule der Erziehung zum Leben tf: dieser Lebenskampf. Er ist eine Schule für das Leben drüben — denn er endet erst *"1? 12181 28 mit der Rückkehr zum Erdboden, über den der Mensch sich — wie die Sünde bewies, nicht erheben konnte. So liegt in *ip eine Linderung der Strafe und deren zeitliche Begrenzung. Zu seinem Vorteil soll der sündige Mensch nicht vom Baum des ewigen Lebens genießen. Vor der Sünde hat er es nicht getan, nachher soll er es nicht mehr. Und doch, möchten wir fragen, fällt es schwer den Menschen für die Tauer an die Materie gefesselt zu sehen, da wir doch wissen, er wurde von dem leichten Staube geschaffen (II. 7 12181 f2 1S2). Es ist zudem nach den Tonzeichen die zweite Satzhälfte hinter 12181 eingeschaltet zu denken, sodaß niP2 1)22 '2 als Paranihese zu betrachten ist uno d e Hoffnung und das Vertrauen lehrt, daß dereinst eine Wiederkehr zum löp — nicht 12181 —stanfindet und dann die LetdenSschule bei DY“ 21 rmn — denn darauf bezieht sich die zweite Schaffte 2W1 ißl? b#\ 118 IBP '2 — zu Ende ist. (Midr. Rabb. 1'1P812 20,26). Heißt es doch nicht *|21 sondern 21iri und bedeutet: „bis du wieder nach der Rückkehr zur 1218/ (o. h. noch dem Tode,) zur Staubhülle (zu neuem Erdenleben) zruückkehrst, von der du dereinst genommen wurdest", — um im Staube Mensch zu bleiben. 20. Also war zum Manne gesprochen und dann war tnr F'au die Versicherung gegeben, daß ihre Kinder fortan in der L^ge sein werden, den Lockungen der Schlange zu widerstehen — der Verführer und der Verführte werden sich feind werden — wie so häufig hinterher der Helfershelfer oder Anstifter den Genossen des B rbrechers verrät. Beroch. 33a zeigt s2 8)')1 '1 '8211 eine Schlange, die in der Gegend gehaust uno viele Menschenleben gefährdet hatte. Er hielt unerschrocken seinen Fuß auf das Loch ihrer Höhle. Sie kroch heraus, biß und starb. Der Meister hob sie empor und zeigte sie im Lehrhaus, um den Gedanken zu beweisen: Nicht die Schlange, die Sünde tötet. Der Mensch kann Herr der Wesen bleibm, wenn er sein eigener Herr zu bleiben versteht — als reiner Mensch. Niemand braucht dem Schlangenbiß der Verführung zu unterliegen. Besonders dann wird — wie Raschi im Namen 5)122,1 hinzugefügt — die Jugend vor Vergiftung geschützt, wenn sie an der Quelle der reinen Göltest »re gesessen, bevor die Natter ihr nahet. Sind bS Jünglinge — und heute auch die Jungfrauen — erfüllt von der Lebenskraft des Wissens und des reinen Wollens, dann entgehen sie der Gefahr. Jed?r Versuch muß dann mißglücken, sie für die Alltagsweisheit der schmalstirnigen Schein-Philosophie des Auges — und der Hand — zu gewinnen. So war die Feindschaft zwischen den zum Guten Bestimmten und den von Natur Bösen die sicherste Garantie für ihr Fernbleiben von einander und das Gute blteb gerettet und erhalten. Nachdem nun noch die Schlange auch körperlich so mißgestaltet war, daß ein Zusammenleben mir dem Menschen für alle Zeiten verhindert schien, erhob sich der Mensch. 20. Besser als eine Reue, wertvolle als ein Sündenbekenntnis ermannt er sich und baut die Zukunft neu. Er grollt dem Weibe nicht, reicht ihr vielmehr die Hand zum neuen Bunde, erblickt und klagt in ihr nicht die Schlechtigkeit und die Sünde an, sondern lobt im Begreifen ihrer Entsagung, im Verständnis für ihre Zurückhaltung ihr Wesen, worauf ihm die 83e* biirjjungf zum Weiterleben der Menschheit, der reinen Menschheit, der n i e m e h r von anderen Wesen zu besiegenden sittlich freien Menschheit gegründet scheint, ja mehr noch, erfaßt die Höhe, zu der das Weib gelangt, die es befähigt, stets mit ihm zu steigen und nie mehr mit ihm zu fallen, 'geschweige denn ihn zu Fall zu bringen; von nun ab ist das Weib die Krone, zu ihr darf der Mann Vertrauen fassen. Alles Gute, das im Manne schlummert, fördert sie zur Reife urch läßt alles Schlechte darunter verkümmern. (Spr. Salom. Kap. 31) (Ketnb. 61a) (Midr. Rabb. 1Y 8“12 20,27). Du, ch den Fall lin ist das Weib „geworden", was es nie zuvor gewesen, was es nie hatte werden können. Die Bedingung, die Mutter aller kraftvollen Lebensbetätigung des Mannes und des Sohnes ist sie. Wie konnte nur bei solch klarer Sachlage, die ein äußeres Unglück eines Menschen für sein sittliches Emporwachsen schafft und in tausendfacher Wiederholung im Leben uns vor Augen geführt wird, eine Mißachtung des Weibes im Fortwirken ■ des Sündenfalles Tausende von Jahren die herrschende Anschauung des größten Kreises der Kuliurmenschheit bleiben! 21. Ist doch nur bei .solcher Auffassung der Zusammenhang dieser beiden Verse 20 und 21 mit dem Vorhergehenden zu verstehen. Dem aufrechtgebliebenen Menschen, der nicht zerknirscht in dumpfes Sinnen verfällt, sondern zu neuem Leben erwacht, fertigt Gott selbst die Kleider — daß er einen neuen Menschen anziehe — um seine alte Blöße zu decken. „Gewänder für die Haut(Genet. vbj.) werden dem , Menschen , geschenkt. Aus welchem Stoff sie waren, ist unwesentlich. Aber die Geschichte des Menschenkleides und seine Lehre ist so bedeutsam, daß, seine „Erfindung" göttlich, es den Geboten und Lebens ge setzen gleich von Gott gegeben ist. Denn Gott reicht nicht nur das Gewand, Er bekleidet auch den Menschen damit. Und die Kleidung wird damit zu einem Gottesgebot, auf das man auch dem Gesetze gleich 821 ppDin 82 auw nden könnte, wenn die Verlängerung und die Verkürzung der Mode den Zweck? hat, 'das Suchen nach der Blöße zu erwecken, die gerade mit dem Gewand bedeckt sein soll. Wenn Sota 14 a diese Bekleidung als Vorbtid von ION 112'2) geschildert wird, so ist durch das Wesen der Thorah als Gesetz für das Wirken unter Menschen gezeichnet. Dieses Wirken ist aber Mit Wohltätigkeit nicht identisch, mit Geld ist es nicht erschöpfend erfüllt, gegen den Menschen, nicht nur gegen den Armen ist Liebenpflicht als persönliche Tat gefordert und als Beispiel mitgeteilt. Auch der Reiche, auch der Tote erwartet diese persnöliche Anteilnahme. Sie unterschiedslos bezeugt, ist das Licht, das der Welt aus der Bedeckung jeder hilflosen Blöße, jedes egoistischen Tuns, entgegenstrahlt., In diesem Sinne begreifen wir, wenn in der Sefer Thora des R. M'tr 118 1)12 zu lesen stand. (Midr. Rabb. 1'2812 20/29). (Forts, folgt.) Senken und Seien. (Fortsetzung). Wir haben versucht, den Ernst der „logischen und metaphysischen" Gedanken des Morgengeietes uns zu vergegenwärtigen, das uns Stufe 'ür Stufe aus eine Höhe der Lebensavschauung irachte, daß wir den Lebensbegriss in einer Weise erfaßten, der buchstäblich alles J.dische — ein- 'chließlich des Lebens selbst — tief unter sich ieß — und das alles von menschlich-phtlophischem Standpunkt aus. Als Lehrmeister in dieser Welt- und Lebensauffassung sprachen wir sodann die 1111 an. Was liegt da näher, als ihr eine Lehre der Weltflucht und eines Pessimismus sondergleichen und in einem Maße zu: zuschreiben, daß man unwillkürlich fragen müßte-

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