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Der Israelit · 1920-02-05 · Heft 5 (5.2.1920) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 5 (5.2.1920)
Date
1920-02-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Eine Weltanschauung, die bewußt theoretisch Gatt leugnet, kann sozial nicht zum Ziel kommen. Sie tappt im Dunklen, macht Versuche und schlägt jedesmal srhl. Eine rein menschliche Weltanschauung, die sozialen Segen stiften will, muß sich positiv orientieren. Sie braucht keine irgendwie gearteten religtösenodergarkirchltchenFormen anzunehmen,braucht sich auf kein konfessionelles System einzuschwören, aber sie muß Gott anerkennen wollen. Und sie darf daheute, ohne sich wieder der Ungelehrtheit überführen zu lasten. Der Pragmatismus der Geschichte ist in unserer Zeit auf so engen Zeitraum zusammengedrängt worden, daß viel dazu gehört, nicht sehen und nicht lernen zu wollen. Jeder soziale Wille sollte beim Judentum in die Schule gehen, um bloß Geschichtsauffassung kennen zu lernen und braucht nur die Augen für die Ereignisse der letzten Vergangenheit zu öffnen als Exempel aus die Rechnung. DaS Produkt kann nicht anders heißen: Gott im Leben. Ein gottzentrisches System ist der Ariadnefaden, der uns allein aus dem Labyrinth der komplizierten Gedankengänge der Ueberlegungen htnausführr. Aber Gott, nicht als Begriff, sondern als Lebenswahrheit, als Lenker der Geschickte, als Herr der Menschheit, als Vater aller Menschen. — In der Begründung, die den großen jüridischen und sozialen Richtlinien im Li. und 28. Kapitel des zweiten Buches MoseS betgegeben ist, lesen wir im unmittelbaren Zusammenhang: Wer Göttern, außer Gott allem, dient, soll getötet werden. Einen Fremden sollst du nicht beleidigen und nicht bedrücken. Wenn wir dieses Gebot der Fremdenbehandlung, das mehr als zwanzig mal in der Thauro wiederholt ist, mit der Schmach vergleichen, die hem jüdischen Volk seit rausenden Jahren angetan wird, dann ist die wahre Lösung jeder sozialen Frage gegeben. Nur der einzige, rein geistige Gott — und er ist nur einzig, wenn er geistig ist, da alles Körperliche geteilt werden kann — kann Gott aller Menschen sein. Mit dem Augenblick, wo der Gedanke an eine Gottheit sich poyltheistisch zersplittert oder dogmatisch geteilt wiro, da haben wir sofort mehrere Einheiten, denen die Menschen wahlweise, nach Neigungen geteilt, sich anschließen können. Anschauungen und Gefühle stehen sich gegenüber. Die Verschiedenheit der religiösen Empfindungen bewirkt den Anschluß an verschiedene Ideale. Und die Dissentierung in den Ansichten wächst zur Gegnerschaft aus. Religionshaß, Nationalitätenha'ß bringen statt Frieden uno Liebe Feindschaft und Totschlag in die Welt. Das Abwetchen von dem Eiuzigkeitsbewußtsein Gottes prägt Freund und Feind, Bürger und Fremde. Nur wo ein Gott die Welt beherrscht, da sind alle Menschen' seine Kinder, da .ist der Mensch Weltbürger, da hat d^r Mensch als solcher sein Recht verbrieft. Bei allen Fragen nach dem Schuldigen am Weltkrieg sollte man sie nicht zuerst in den Reihen der Diplomaten suchen. Die Zeit war infiziert durch das Getstesgift der falschen Propheten. Vor dem Richterstuhl der Ewigkeit haben die Pseudophilosophen Darwin und Haekei sich mehr zu verantworten, als ein Reichskanzler und Minister. Und die Schänder der Bibelwisftnschaft, die Kritiker ohne Zahl, die geistlos aus Judenhaß das eine Ziel verfolgten, „dem jüdischen Volk den Nimbus zu nehmen" — wiewohl Schritt für Schritt die Zeugen alter Zeit, die den Trümmerhaufen verschütteter Paläste und Tempel wie geisterhafte Gespenster entstiegen, die Echtheit der biblischen Berichte breiteten — sie stehen da mit Verantwortung ohnegleichen belastet. Die Buchstaben, deren Lebendigkeit sie töteten, haben fich gerächt und haben Menschenleben nach Millionen gefordert. Die alten Römer haben Talmud studiert, sie waren objettiv genug, das Beste vom Besten mit Bieneneifer für ihren oorpns jurio zusammrnzusuchen. Jahrtausende leben wir unter den modernen Wirtsvölkern, und niemand hält es ]üx de^ Mühe wert, zu fragen, was ist/" was will das Judentum? Wenn irgendwo und irgendwann ein auch dem Judentum verlorenes Individuum einmal hin Unrecht begeht, das von keinem so verurteilt wird als von der Judenhett, dann kennt man den Juden, um ihn zu verdammen, aber um von ihm zu profitieren, um zu fragen, was gibt dem schwachen und zerstreuten, winzigen'Israel die Lebenskraft, was ist sein Wesen, dazu ist man zu träge, zu blind haffend. Wie weit wäre die Welt, wenn sie gelernt hätte, statt zu tadeln, wenn sie bescheiden, statt hochmütig gewesen wären! Nach dem Muster von Thora und Talmud hätte sie gewährt, statt fich abtrotzen zu lassen, hätte sie erzogen, statt zu schießen, hätte sie aufgebaut, statt zu vernichten, Leben gemehrt, statt Blut in Strömen streßen zu lassen. Mit welchem Hohnlachen wäre der empfangen worden, der eine Mrütardenanleihe eingebracht hätte zu sozialen Zwecken. Der Wehrbeitrag konnte in patriottjcher Begeisterung bewilligt werden. Für soziale Fürsorge in großem Styl war nie Geld vorhanden, aber unzählige Milliarden, ein ganzes Nat onulvermögen wurde verpufft, um Menschen zu vernichten und Länder zu verwüsten, Kultur und Zivilisation brach zu legen und Elend und Leid, Hunger und Zwietracht in die Menschheit zu säen. , Noch nicht genug der Erfahrung? Verklebt eure Augen nur weiter, um nicht zu sehen, wendet eure Ohren nur weiter ab um nichts zu hören und keine Einsicht zu gewinnen. Wollt ihr aber, so könnt ihr lernen. Den Gott Israels und der Menschheit könnt ihr schauen, wenn ihr wollt und die sozialen Wege lernen und beschreiten, die er in seinem Buch gelehrt. Nur mit diesem Buch könnt ihr Eurem Fühlen einen Inhalt, Eurem Streben eine Grundlage geben. Wenn ihr wollet, wollet, kehrt zurück und kommet. Die Sünde des Menschen. Cap. III. 12. -ivv'l. Das Jf. der beiden vorhergehenden Verse steht nicht mehr. Adam ist kleinlaut geworden, er ist überführt. Er weiß sich nur noch durch eine Entschuldigung zu retten, die ebenso schwach, wie undankbar ist. „Weil oie Frau, die Du mir gegeben hast, mir gab, darum aß ich". Die Schwäche, der er unterlag, enthält keine Rechtfertigung, sondern ist ja gerade die Ursache seiner Sünde. Bei jeder Sünde liegt eine persönliche oder sachliche Verleitung vor. Und je höher der Verführer steht, desto erfolgreicher ist sein Werk. Infolge essen ist die Unterstreichung des Umstandes, daß Gott ihm die Frau ja selbst gegeben (nnf)3 mit n energtic.) und daß diese Frau ihm völlig gleichgestellt ('*!&#) wurde, und daß diese, so ausgestattete, ihm von Gott beigegebene Frau, selbst X'fk zur Sünde veranlaßt, nur eine Undankbarkeit, eine Bekräftigung seiner Schuld und keine Entlastung. Hat er mit diesem Hinweis doch höchstens ausgesprochen, daß er jeden Tag wieder in die gleiche Lage kommen und unterliegen könnte (Mtdr. Rabb. fptfriOS 19, 22). 13. Wieder und nicht w- Auch die Frau wird nicht direkt angeredet. Das 7» kann auch darum gewählt sein, weil der Vorwurf n'W 17KT no auch Adam gilt. Es wäre dann analog der Stelle IV. 5, 21, wo nach einer Bemerkung von 7>"XT 'V'löKir in dem ausgesprochenen Fluch auch der 7>W3 einbegriffen ist, wie aus ,£2 und B. 22 im Gegensatz zu dem "]31D2 und •pY B. 21 hervoraeht. (S. Raschi zu V. 22). Oder 7» steht in strafendem Sinne I. 27,81, 32, 34 steht vor dem Zeitwort und auf chm liegt der Nachdruck. Nicht jedem Tier hätte sie gehorcht, - sondern weil es die „Schlangenweisheit" ÄttÄilwnjiTi (31. V.), daher ließ sie sich täuschen. 14. Da dieser Fluch der Schlange allein gilt, sehen wir die Präposition 7>J* gebraucht. Die Tonzeichen malen die Anrede an die Schlange, ohne deren Rechtfertigung abzuwarten. Die Handlung wird alsTatfachefmi flW unterstellt. Daß als Komperativ zu fassen ist, wurde schon zu Beginn dieses Kapitels bemerkt. 'Sonst hätte es entweder nam oder ttltpfr fi'N heißen müssen, da die Schlange nur einer Art angehört. Die Herabminderung der Kräfte der gesamten Tierwelt darf nicht Wunder nehmen, denn die ganze Umgestaltung soll ja gerade den Menschen treffen und läuft weniger auf eine Bestrafung der Tiere, selbst der Schlange, hinaus, da ja auch bei der Anrede der Schlange hier der Name 'Y genannt ist und dieser nur wegen de- Menschen gebraucht wird. Zum Inhalt des Fluches vergt. Hirsch. - Es wäre noch zu bemerken, daß gleichzeitig mit dem Fluch des mangelnden körperlichen Geschmackes das Unterlcbeidungsvermögen überhaupt aushört. Wie das Kind mit erwachendem Bewußtsein auch körperlichen Geschmack bekommt und zu essen beginnt, so würde auch hier beides Hand in Hand gehen und sich daraus der Verlust der Sprache und dadurch der Klugheit bei der Schlange erqeben. Wenn in Berach. 61a aus der Reihenfolge der gegen die Schlange, Adam und gegen das Weib gerichteten Flüche gefolgert werden soll, daß wie bei der fD"n beim Größten, so bei der 7m? beim Unwürdigsten begonnen wird, so kann drese Folgerung nur aus der Anordnung und der Reihenfolge geschloffen werden, die die Thora den Reden gibt. In der Tat ward aber damals der Inhalt der V. 17 ff. dem Menschen sofort nach seiner Rechtfertigung V. 12 und der Frau der Inhalt deS V. 16 sofort nach ihrer Entschuldigung V. 13 mitgetetlt wmden, wie unabweisbar aus den Formen "iek d?e als plusquanapcrfecta anzusprechen sind, V. 16 und 17, hervorgl ht. 16. Da der Inhalt dieser Rede ausscbl'eßlich der Frau gilt, fi det sich wieder 7>K. p35W , ' an sich bedeutet die Entsagung überhaupt, die auch dem Menschen B. 17 auferlegt ist. Nur von dec Frau wird sie in noch weiterm Umfang verlangt. ist ein „Hero-dia-duoin“ und dürfte am richtigsten wiedergegkben werden durch: „D^e Entsagung während deinerSchwangerschaft". „Der Zwiespalt zwischen der Erscheinung und dem, wozu das Ding bestimmt, der Widerspruch in der Verneinung der Last, die doch den Rücken krümmt," ist das Dilemma der Frauennatur. Von ihr selbst hängt eS ab, den Fluch des Körpers zum Segen der Sitte zu wandeln und die Lippen zu verschließen, wo das Herz sprechen möchte. Das nttPMC ist die edelste Blüte dieser Verurteilung. 17. Der Menschen wegen.wird die Natur — mcht der Mensch — verändert. ist um des Menschen willen dem Erdboden geflucht, so lassen sich die Verheißungen. begreifen, daß sich mit der sich wieder erhebenden Menschheit die Natur wieder verjüngt. Die Erde ist um des Menschen willen da. Ihm ist sie dienstbar. Sie welkt mit dem Trauernden und blüht mit dem Frohen. Zur Sache bemerken wir an der Ausführung dieses Fluches in den beiden folgenden Versen, daß eine ungeheure Veränderung des Erdbodens vor sich gegangen sein muß. Solcher Veränderungen bemerken wir noch zwei. Der Fluch Kap. 4, B. 11 u. 12 nach dem Brudermorde und die Sintflut mit ihren Wirkungen mit der in diesem Verse genannten Plötzlichen Veränderung zusammen begründen genügend die Funde der Geologie und Paläontologie, zu deren Entwicklung die menschliche Forschung Millionen von Entwicklungsjahren annehmen zu müssen glaubt, vergl. „Jüd. Volksfreund" Jahrg. 4, Nr. 19: „Die Geologie und die ersten Blätter der Genesis". Nunwohl in einer langsamen Entwicklung könnten wir die Jahrmtllionen nicht entbehren,

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