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Der Israelit · 1920-02-05 · Heft 5 (5.2.1920) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 5 (5.2.1920)
Date
1920-02-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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I Gelte 12 No. 5 Minderecke. Das Neujahrsfest der VSume. Ein Märchen von Max Tpeier (Schluß.) Aber in das Geplauder hinein,'das wohl ein halbes Stündchen gewährt haben mochte, rauschte unvermutet der Apfelbaum mit feierlichem Klang und sprach in gehaltenem Ernst: „Liebe Genosten, Nachbarn und Freunde! Liebe Kinder, Brüder und Schwestern! Vergeht über der Freude des Wiedersehens nicht, daß heute unser Rcmschhaschonoh ist, der Tag, an dem wir uns erinnern sollen, was wir im vergangenen Jahr an Gutem und Schönem erfüllt haben und was wir im kommenden Jahr reicher und trefflicher vollbringen wollen. Nichts auf der Welt kann aus eigener Kraft gedeihen und groß werden, auch wir nicht. Alles wird stark und groß, trägt Blüte und Frucht, spendet Schatten und Segen auf Gottes Geheiß und nach Gottes Willen. Und was den Menschen der erste Tischri ist, das ist für unS der fünfzehnte Schwat. So wollen wir uns denn erzählen, wie wir das Jahr verbracht und ob wir es wert sind, weiter lustig zu grünen und zu blühen und uns des lieben Sonnenscheins zu erfreuen und deS befruchtenden Regens. Wohlan denn, Du Weinranke, beginne, Deine Beeren sind vor allen wertgeschätzt!" Die Rebe summte: „Ende August war'S. Ich war üppig voll behängt und meine Trauben waren von einem Saft und von einer Süßigkeit, daß ich selbst ganz entzückt davon war. Und die Sonne brannte mir immer weiter auf den Rücken, ich kochte einfach. Dc ging eines Mittags ein klemes, schwaches Kin durch meine Reihen. Es schlich Langsam auf einen Krückstock gestützt, und eüi zartes, feines Mädchen führte es. Die kleine Begleiterin war wie Rosenrot und Himmelsblau, von duftig überhauchten Bäcklein und schimmernden Aeugletn. Sie beugte sich so sanft und freundlich zu der armen Freundin nieder, sie reichte ihr so zierlich und behende die Aermchen, ich war außer mir vor Seligkeit, soviel Liebe walten zu sehen. Das kranke Mädchen sandte warme, verlangende Blicke nach meinen Früchten, die wie schwere, dunkle Perlen aufgeschnürt waren. Ich hielt mit meinen Ranken das Kind aus Rosenrot und Himmelsblau fest. Man konnte fast meinen, daß es mich verstand. Da, brich meine Trauben, wollte ich ihm sagen, da, schichte sie auf zu dichtem, fröhlichem Haufen und erquicke Deine arme Freundin. Das Mägdelein sah mich lange an. „Ich möchr' schon gerne," sagte sie silberstimmig, „aber ich meiß nicht recht, ob ich darf. Die Trauben werden doch gebraucht. Man macht doch so klaren, köstlichen Wein daraus, mit dem dann der Vater den Sabbath segnet. . . . doch es gibt ja noch mehr", rief sie plötzlich beherzt, pflückte die besten meiner Sprößlinge vom Laub und reichte sie der Kleinen. Das arme Kind tat sich gütlich. Ich aber bat unfern Herrn droben, er solle meiner lieblichen Freundin lohnen, was sie Gutes getan, und solle mit diesem Sinne und mit diesem Herzen sie weiter emporbiühen lassen." „Ich mische mich lieber unter die kichernde gesunde Gesellschaft" rief der Nußbaum ftb:I von seiner Höhe herab. „Mir knackts in allen Gliedern, wenn ich so eine Kinderschar hier herumtollen sehe. Pardauz — mach' ich und fall' ihnen vor die Füße. Vielmehr ich bleibe grad und aufrecht, nur meine Nüsse schick ich ihnen, daß sie damit in der Sukkoh Häuflein spielen und sich deshalb noch einmal so gern an das liebe, lustige Laubhüttenfest erinnern. So gehi's bei mir ein Jahr um das andere, ich erleb' nicht viel Neues, aber ich freue mich meinrs Daseins und werde mich freuen, solange es' Gott gefällt." „Umer mir baben ein Vater und eine Mutter lange, ernste und nachdenkliche Rast gehalten, zu der ich lindernden und kühlenden Schatten gespendet habe", Hub der Kastanienbaum langsam an. „Ich Hab' von schweren, herzbrechenden Sorgen und von tiefer, zehrender Kümmernis ehöhrt. Sie haben zwei Kinder, einen Knaben Der Israelit. und ein Mädchen. Und sie haben immer ihr Trachten darauf gerichtet, sie in Gottesfurcht und in Gottesliebe großzuziehen. Und sie hatten gejauchzt bei jedem Keim und Reis, das sie entdeckt, und sie hatten gejubelt bei jeder Blüte, die ihrer Obhut entsprossen war. Nun sind die Blüten vernichtet und abgefallen, denn die Kinder sind in die Fremde gegangen und haben Goties Wort und der Eltern Lehren schnell vergessen. Und nun saßen die alten Leute traurig zusammen und haben sich mit bitteren Tränen gefragt, wozu sie auf der Welt noch nütze seien. Das Mitleid hat mich gepackt, als ich das hörte, daß durch mich ein Rauschen ging, wie vom tiefsten eigenen Herzeleid." „Paperlapap, nicht immer so sentimental!" fuhr hitzig der Ktrschbaum in die schwermütige Stimmung, die die ganze Versammlung ergriffen hatte. „Mich hat ein Mädchen angefaßt, ein Mädchen mit Lippen, so rot wie meine Kirschen, und hat mich gerüttelt und sich daraus einen Kranz in ihr schwarzes Haar gemacht aus meinen roten Früchten und ist hin und her getanzt und hat übermütig dazu gerufen: Starmatz, pfeif' 'mal, jetzt giebts bald Hochzeit! Ktrschbaum, guck mal, waZ ich schön bin! Und ich — Hab gewackelt vor lauter Lachen über die Munterkeit!" „Leichtfuß", sprach gemessen der Apfelbaum, und der Rosenstrauch reichte ihm verstohlen die dornige Hand. „Bist nicht gut beraten, wenn du meinst, der Uebermut und die Schönheit allein tun's. Schön ist das Lachen, beim Himmel, wer möcht es missen? Und herrlich ist die Schönheit, wer möcht ihr Prangen entbehren? Aber Schönheit und Lachen können schnell vorübergehen — des Herzens Reinheit und der Seele heitere Freude, sie sollen uns durchs ganze Leben geleiten. Wie ich unter den Bäumen des Waldes, wie die Rose unter den Dornen — so sollte Israels Jugend blühen unter den Völkern. Süll blüht die Rose und möchte schamhaft ihren Kelch vor Menschenaugen schließen, den Kelch, den sie nur Gott und Seinem blauen Himmel frei zuwendet. Und, mit zarten, rosigen Blüten übersäet, bin ich ein Wohlgefallen dem klaren Blick und mit meinen leckern Früchten feine, duftige Labe dem Kranken, dem Genesenden, den Geheilten. Klar aber muß der Blick sein, der mich anschaut, und nur mit reinen Lippen wollet! meine Früchte berührt sein." „Aus der Jugendz it — aus der Jugendzeit — klingt ein Lied mir immerdar. — O, wie liegt so weit, >0, wie liegt so weit — was mein einst war!" zwitscherte eine muntere Stimme. Es ' war gar nicht so traurig und hoffnnngslos, wie's die Worte hätten vermuten lassen, was das Esrog sang. „Ich bin allerdings eingemacht in sauer und süß", unterbrach's sich, wie um Entschuldigung bittend, „es ist mir auch manchmal recht bitter zu Mut, wenn ich so künstlich und übermütig verzuckert werde. Doch das geht halt so und muß ertragen werden. Ja, ich Hab' mal in ganzen Wäldern geblüht und geleuchtet, dort wett über'm Meer, im hriligen Laude, woher man mich geholt hat. Mein Stamm hat stolze Inden gesehen und aufrechte Gottesdttner und hat den Scharen fröhlichen Gruß entboten, die hingewallt sind zum Tempel und sich dort Befreiung geholt von Sorgen und von Sünden. Und dann, viele Jahrhunderte lang, ist mein Stamm fast verdorrt von all der Einöde, die ihn umgab, und von dem schweren Wehdas er erlitt, weil er, trotz allem sehnlichen Auslugen, nichts wahrnehmen, konnte, als Trümmer und Wüstenei. Nun wächst er erfrischt und erfreut neu empor, weil er wieder fröhliche Lieder hört von heimischen Zungen, und wett sich wieder rührige Hände regen und zu ackern beginnen und zu pflügen, zu pflanzen und zu jäten, um die Wüstenei mit Gottes Hilfe wieder urbar zu machen und die Einöde mit seinem Beistand umzuwandeln in geselligen jüdischen Menschenboden, bis Gottes ganzer Segen sich ausgießt über unser Heimatland und Gottes ganzer Segen uns dort versammelt. Ach, K.nder, ich bin so glücklich darüber und bin so selig, daß man mich hätschelt und hochträgt mit stark, n Armen am heiligen Sukkothfest!" 5. Februar 1826 Die Mandel sprengte ihre Schale vor Lust über das Bekenntnis des' Esr^gs. „Prüderlein, ich umarme Dich! Aus leblosem Holz, das nicht meines Stammes war, bin ich emporgebiüht in AhronZ Tagen als Zeichen der Wunderwaltung und der Liebe des Herrn. An geweihtester Stätte hat man mit meinem Abbild die goldene Menauroh verziert, die dem Glück Israels leuchtete und ihm Geist und Herz erhellte. Nun sind wir und unsere Lieblinge in der Fremde. Dieses Jahr hier — in Schnee und Winter. Im kommenden Jahre in Jerusalem — in Sonne und ewigem Frühling!" Ehrfürchtig neigten alle Bäume ihre Häupter und stimmten einträchtig an: ' ,/Führet der Herr heim Zions Gefangne, Füllt sich mit Lachen Wieder der Mund. Füllt sich mit Jubrl Unsere Zunge Sprechen die Völker: Großes wirkt G»tr!"- Der Schneemann wartete keine Aufforderung ab. Er sputete sich von selbst, um schleunigst dir neuverwehten Pfade zu säubern, damit die Schar heimkehren konnte. Uno der Garten lag wieder in tiefer Stille im Schein deS Vollmonds. Seine Freudrn. Er besucht gleich Euch die Schule, ist gleich Euch ein munterer Junge, freut sich gleich Euch mit einer guten Speise, einem schönen Buche, einem anregendem Ausfluge, aber feine Hauptsreud.en sind so besonderer Art, daß sie nicht nach jedes Kindes Geschmack find. An jedem Morgen geht er zur Synagoge. Wenn ihn aber einmal sein Vater recht früh weckt, so daß er noch vor dem Anfang beim Gottesdienst erscheinen kann, das macht ihm Freude. Er erhält wöchentlich von seinen Eltern ein kleines Taschengeld und manchmal von der Mutter, der er viele Besorgungen erledigt, noch ein paar Pfennig extra. Diese Schätze wandern zum Teil Montag und Donnerstag in die Zedoko-Büchse, zum Teil werden sie von ihm dazu verwendet, seiner Umgebung gelegentlich kleine Geschenke zu machen. Das sindseineFreuden. Er versäumt trotz seiner großen Aufgaben nie den Gemoro-Schiur, den er unter den Unterrichtsfächern am höchsten bewertet. Wenn nun gar noch die dafür festgesetzte Zahl der Wochenstunden um eine vermehrt wird, das macht ihm Freude!' Infolge des regelmäßigen Besuchs des Gottesdtenstts und des guten'jüdischen Unterrichts den er genossen hat, sind ihm die üblichen Melodien die in der Synagoge gesungen, und die mannigfaltigen Gebräuchr, die dort geübt werden, wohl vertraut. Wenn da z. B. der Vorbeter am Roschchodesch Schewar schon den Schabbos Schekoltm andeutet, der am Ende des Monats gefeiert wird, dann ruft die bekannte Weise alleUei liebe Vorstellungen in dem guten Jungen wach, dann strahlt sein Gesicht, dann fühlt er Freude! H. E. Lösung der Aufgabe in No. 3. 4821 r^BR (Schonung) 43132 nor6o (Krieg) 4312 nbno (Krankheit) 423 nc6 (Warum) 421 HÖR (Tonne) 218 dr1? (Brot- Richtige Lösungen sansren ein: Rosa Messermann, Cüstrin. — Recha Mannes, Schwabach. — Moni Landau, Gunzenhausen. - David Wärzawski, Fürth i. B- — Mina Oppenheimer, Hanau a. M. — Jonas Cohn, Hamburg. — Jehudo Mannes, Schwabach. — Emanuel Wolf, Cöin. — Jsok Cohn, Jsak Schöuberg, Sofie und Hanna Landau, Ida Reich, Grete Gutmann, Henny Sulzbach, Sophie Rich, Siddy Weil, Jetta Rosenhetm, Tilli Schachnowttz, Julie Bamberger, Max Ansbacher, Ludwig Rapp, Jakob Felsensteln, Leo Lehmann, Ernst Rebenzahl, Hansi und Else Roos, alle in Frankfurt. - Dora Fsänkel, München. — Herrmann und Jeanette Bondi, Wien. — Bertha Mannes, Schwabach. — Betti Wild, Treuchtlingen. ,6

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