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Der Israelit · 1920-02-05 · Heft 5 (5.2.1920) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 5 (5.2.1920)
Date
1920-02-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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s. Februar 1930 Der ISrüeUs. Nr. 6 Weite L sxuvmtm-jsseuatmar*.' Geste^eiLh. Soziale Sürforoe. Wim, 28. Januar. Die SchiMul - Kreise haben unter Leitung der rührigen Fräulein Lorbeerbaum eine Zentralstelle für soziale Fürsorge errichtet, die sich zur Zeit hauptsächlich der heimkehrenden Palästinenser annimmt, aber auch weitere Aktionen u. a. die Einrichtung einer großen Mittelftandsküche plant. i Ungarn. 3eidien 9er einhehr bei 9er rieologie. Budapest, 27. Jan. Alle Symptome deuten daraus hin, daß im geistigen Leben des ungarischen Judentums eine Besserung im Anzug? ist. Das ungarische Blatt „Mult es tzövö" („Vergangenheit und Zukunft"), h6t vor drei Wochen die Anregung des Abonyer jüdischen Arztes Dr. Hirn, den Hinauswurf der jüdischen Professoren und die jüdische Prozentuorm an der Universität mit der Gründung einer jüdischen medizinisch-naturwissenschaftlichen Akademie, etwa nach dem Muster des Berliner „Kaiserin Friedrichhauses" zu beantworten, veröffentlicht und dieser Ruf hat sowohl unter den jüdischen Professoren, als auch unter der wohlhabenden Judenschait ein Echo gefunden, das zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. In der kurzen Zeit wurden für eine jüdi-che allgemeine Universität nahezu 4 Mill. Kronen aufgebracht. Dos jüdische Spital der Budapester Kultusgemeinde wird bereits von den aus den Hörsälen und Laboratorien verdrängten jüdischen Hörern bestürmt und ist im Begriffe, sich als Forschungszentrum aus zu gestalten und auf diese Weise der zu grindenden jüdischen Hochschule vorzuarbeiten. Selbst der überzeugte assimilatorische Politiker Paul Sandor schlägt vor, daß die ungarischen Juden von der ungarischen Regierung jenen viele Millionen betragenden Kontribntionsbeitrag zurückfordern, dessen Zahlung den Juden im Jahre 1848 von Hahnau auferlegt und. der später vom König Franz Josef für jüdische Kuliurzwecke freigegeben wurde. Teilbeträge dieser Kontribution wurden den beiden israelitischen Landeskanzleten, bezw. für Zwecke des Budaprster Rabbinerseminars' und der Preßburger Jeschiüah zur Verfügung gestellt, ein großer Betrag soll sich aber, nach Meinung Sandors, in der Verwaltung der ungarischen Regierung bestnden. Diese Summe wäre nun seiner Ansicht «ach als Grundkapital für die Errichtung einer jüdischen Technischen Hochschule zu verwenden. Auch viele andere Zeichen sprechen für ein endliches Erwachen des neologeu ungarischen Judentums. vorgkhalten, das sich die Juden des Westens ausschließlich zum französischen, zürn englischen oder zum amerikanischen Volk bekennen. Nun wird hierbei absichtlich übersehen, daß diesen; Bolksbegrrff dieselbe Bedeutung zukouimt, die er beispielsweise in der Begleitnote Clemenceaus zu den Friedensbedingungen vom 2. September 1919 hat. in der wiederholt vom „österreichischen Volk" die Rede ist, worunter selbstverständlich alle Staatsangehörigen ohne Rücksicht auf ihre Nationalität oder „Rasse" verstanden werden, daß man also im Westen mir dem Worte „Volk" nicht eine nationale Gemeinschaft, sondern die staatliche Zugehörigkeit bezeichnet. Erst bis die Juden Englands sich als Angelsachsen erklären werden, werden sie sich in jener geistigen und moralischen Verfassung befinden, in welcher sich manche österreichisch-israelitische Herren als Deutsche bezeichnen. Den Begriff Volk oder Nation in unserem Sinne kennt man eben im Westen nicht, und wo der Jriedensvertrag diesen Begriff benötigt, umschreibt er ihn im deutschen Text mit „Nasse" und im französischen Text gleichfalls mit diesem Wort oder dem Begriff der „ethnischen — d. h. völkischen 77 Zusammengehörigkeit". Wenn dem so ist, dann 'Kc!,,t-eS ttucD öon den deutschen Zionisten purer wenn sie sich auf eine Sonder°„Nation" versteifen, statt es mit Franz Oppenheimer und Götzen bei der „Nationalität" oder beim „Siamrn" bewenden zu lasse-'. Denn auch Deutschland ist ja ein nationaler Einheitsstaat, mindestens so sehr wie Die Orthodoxie bei 9sn Lan9fßQsnjah(en. MraLisksva, 3. Februar. In der hiesigen Preßburger Zeitung spricht sich Oberrabbtner Weber der Präses der orthodoxen Landeskanzlei, gegen die Unterstützung der Von den Zionisten geschaffenen „Jüdischen Partei" bet den Landtagswahlen aus. .Eine jüdische Fraktion könne es höchstens aus zwei oder drei Abgeordnete bringen, sei also einflußlos, während man durch Unterstützung anderer Parteien sich dreißig bis vierzig Vertreter, die für jüdische Interessen eintreien, sichern könne. Eine ausgesprochen südliche Parteibildung könne höchstens bei den Ksmmunalwahlen nützlich sein. nmerihanifche ünlerlMuns Warschau» 28 Jan. Dem Warschauer Komitee sind wicherum 100000 Dollar aus Amerika für die JeschiwüS und Schulen in Mimk und Umgebung zugegangen. Rabbi Elieser Rabbinowitz in Minsk ist wit der Verteilung der Gelder (mir Hilfe einer Kommission, bestehend aus orthodoxen Mitgliedern) bktraut. Eine Woche früher erhielt die gleiche Summe und zum gleichen Zwecke auch der Wtlnaer Bezirk. Die Hol in Dfisalfrien. Krakau, 20. Jan. Eine Interpellation im polnischen Parlament berichtete: Dw (ukrainisch-jüdische) Bevölkerung Ostgaltztens stirbt in Massen. Es sind ganze Dörfer aus gestorben und die polnische Regierung gewährt gar keine Hilfe, liefert nicht einmal Holz zur Heizung der Spitäler, keine Kohlen für die Desinfektionsanstalten und kein Geld zur Bekämpfung der Epidemie. In. Stanislau sind die KrankeÜ in Hotels untergebracht. Bisher sind 100000 LyphuSfälle fkstgestellt, darunter 10 000 mit tödlichem Ausgang. Diese Statistik ist jedoch ungenau, weil die wenigen Aer^te, die gegen.wärtig in Ostgalizien vorhanden sind, in die entlegenen Dörfer nicht gelangen können. Um die dort Erkrankten kümmert sich niemand. In Tarnopol sterben täglich 70 Personen an Typhus. KsNand. ITIisrschi-Könferen?. Amsterdam, 28. Januar. Am zweiten Tage berichtete Färbst e in über Polen, Rom über die Schweiz unter den üblichen Ausfällen gegen „Agudas Jisroel" in diesen Ländern. Prof. Dr. Pick berichtete namens der Kulturkommission, die Hauptschwierigkeit fei in Erez- Jisroel die Gewinnung geeigneter Lehrkräfte, weshalb der amerikanische Misrachi ein Lehrerseminar in Jerusalem plane. „Wir bedauern, auf dem Gebiete des Schulwesens unabhängig von der zionistischen Organisation Vorgehen zu müssen". Sollte binnen zwei Monaten nicht ein gesonderter Waad hachinuch für die Mtsrachisten geschaffen sein, wie es in London bereits zugesagt war, so werde der Misrachi seine Gelder für diese Zwecke zurückbehalten müssen und selbständig Vorgehen. Dr. R abin - Frankfurt warnt vor der von Dr. Pick als unvermeidlich betrachteten Spaltung auf kulturellem Gebiete - alles, was sich im jüdischen Volke entwickelt, müsse respektiert werden. Die profanen Fächer könnten einem gemeinsamen Waad-Hachinuch überlassen bleiben. Rabbiner Dr. V. Schönfeld, London will dem Gedanken entgegentreten, als würde nicht alles getan werden, um auf friedlichem Wege eine Lösung zu finden. Bei allen Gelegenheiten hat er auf Ausführung deS Londoner Beschlußes gedrängt. Alle Mitglieder des Zentralkomitees waren darüber einig, daß diesis geschehen sollte. Allein man muß bedenken, wie schweres ist, gegen einen Mann wie Ussischkin eS aufzunehmen. Letzterer hat in einer Begründung seiner Vorschläge geschrieben, daß diese das weitgehendste Entgegenkommen seinerseits enthielten. Auf weitere Konzessionen würde er sich unter keiner Bedingung einlaffen. Unser Antrag wird vermutlich zur Folge haben, daß das Aktionskomitee wieder einen Appell än Ussischkin richten wird, um die Londoner Beschlüsse auSzuführen und daß Ussischkin sich daran wieder nicht halten wird. Und dabei wird es bleiben. Man muß dies wohl wissen, um hinterher nicht enttäusch! zu werden. Wenn wir den Antrag annehmen, so tun wir dieS für unsere Lebensrettung, denn wenn wir unsere Kinder nicht für unser Judentum behalten können, so ist der Sinn unseres Lebens geschwunden. Wenn wir unsere Anträge ausführen, so wird dies keineswegs einen Riß in der Bewegung bedeuten. Schulen außerhalb der Staatsaufsicht kommen in vielen Ländern vor. Die Furch', daß wir durch die Trennung in dem Unterricht den Einfluß auf den nicht-religiösen Unterricht verlieren werden, ist vollkommen unl egrüdet, gerade das Gegenteil ist wahr. Rabbi Trunk, Kn In o , P o len, ist gegen den Antrag Pick. Er warnt davor, daß die Konsequenz der Trennung im Unterricht Trennung in der Bewegung ist. Rabbi Meyer Berlin bringt die Misrnchikonferenz in Berlin, nach dem Kulturkampf aus dem zehnten Kongreß in Basel in Erinnerung: Der MtS, rachi war damals gegen jede Einmischung der zlonlltisch-n Bewegung tu Kultur-Arbeit, cr war jedoch in der Minorität geblieben, Redner ist damals zu? sammen mit Farbstein zu dem engeren Aktionskomitee gegangen und hat das Kompromiß , ingegangen, nach welchem in jeder sür die Kulturarbeit bestehenden Körperschaft de-. Mrzrachi öv \ der Sitze haben sollre. Damals haben wir diese« als ein großes Opfer betrachtet, wählend der Mizrachi noch schwach war und daL Kulturproblem hauprsächl-'ch nur von akademischer Bedeutung war. Jetzt, wo eSstim die jüdische Seele, jüdisches Leben und jüdischen Geist geht, und man uns nur ein Drittel geben will, sollten wir ruhig zuschen? Bei u 3 ist die Thora keine Konfession, sondern vielniehr umspannt sie das ganze Judentum in all seinen Aeußeruugen. Deshalb kann es uns auch durchaus nicht gleich stin. wer den profanen Unterricht er. teilt. Wenn Herr Dr. Rabin ermahnt hat, auf Gott und auf die Kraft unserer Idee zu vertrauen, so erwidert Redner ihm, daß gerade, weil wir vertrauen wir handeln muffen. Die Versammlung erklärt einstimmig, mit dem Inhalt des Antrages Pick etnverstanven zu sein. Der definitive Text wird nach später festgestellt werden. Es wird beschlossen, das rmsrachistische Unterrichtswesen mit Real- und Fachschulen, sowie das von dem amerikanischen Misrachi zu begründende Lehrerseminar unter die Leitung eines erfahrenen Pädagogen als Leiter des Misrachi-Schulwesens in Palästina zu stellen. Eine besondere Debatte galt der Propaganda sür den Nati o n al son ds, wobe> R. M. Berlin über Zurücksetzung des „Misrachi" bei der Verwaltung in Amerika klagt. Rabbi Fischmann kommt auf die Unterrichtsfrag? n zurück,' Prof. P i ck bringt' eine Resolution ein, worin zur Unterstützung der JeschiwoZ und Talmud-Thoraschulen tn Erez Jtsroel aufgesordert wird. Jedoch sollerr nur solche Anstalten gefördert werden, welche Hebräisch als Unterrichtssprache benutzen. Zur Universttätsfrage referierte Dr. Pick,' er zeigt die für den Misrachi vorhandenen religiösen Schwierigkeiten, namentlich hinsichtlich der jüdischen Fächer und glaubt, daß drei Modalitäten Vorlagen, um trotzdem die wünschenswerte Beteiligung des Misrachi an der Universilätsgründung zu ermöglichen: Das englische Kolleg-System: Jede Fakultät wird finanziell und moralisch durch eine interessierte Gruppe getragen. 2. D-«s holländische System: Die Universität ist für beinahe alle Fakultäten eine Einheit, von der Behörde eingestellt und bezahlt. Doch sür einzelne Lehrfächer können interessierte Gruppen sich gleichsam bei der Universität anschließen. 3. Eine Abänderung des deutschen Systevls, eine ganze durch die Behörde eingestellte Universität mit Ausnahme der jüdischen Fächer, die speziell angewiesen sind, auf zwei Arten doziert zu werden und deren Kosten auf die interessierten Gruppen fallen. Auf eine dieser Arten kann der Misrachi ohneGewiffensbedenken an den Universitätsarbeiten teünehmen. Referent beruft sich für seine Ansicht auf Rektor Dr. Hoff mann-Berlin, den er befragt habe. Schließlich wurde folgende Resolution Barth- Frankel angenommen: „Die Mizrachi-Welt-Kouferenz spricht ihre Freude aus über den Anfang der Gründung einer hebräischen Universität zu Jerusalem durch die zionistische Organisation. Sie trägt der Leitung ihrer Organisation

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