Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 5 (5.2.1920)
- Date
- 1920-02-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Gc&e 4 No. S Der Israelit. S. Februar 1SSG Arbeit teilnehrnen. In dieser Gchicksalsstunde unseres Volkes, bei dem drohenden Zusammenbruch und der unaufhaltsamen Auflösung unserer Landgemeinden appelliere ich zunächst an meine Kollegen, die Lehren, die bet der Berufswahl unserer Jugend in vielen Fällen einen bestimmen-' den Einfluß haben, an die Rabbiner, an die KultusvorstLnde, an die Führer, unsere Gelehrten, au die Leiter der vielen Vereinigungen und Verbände und nicht zuletzt an all die'studentischen Korporationen mit der Bitte: Helfet alle mit bei Schaffung einer Organisation mit dem Wahlspruch : Heraus aus der Rot der Stadt, heraus auS dem nervenzerrüttenden Handel, herein in die muskelstarke Landwirtschaft. Dann nehmen wir doppelten Anteil an dem Wiederausbau unseres verarmten und versklavten Deutschland. Und wenn, w z ich annehme, durch unsere Werbearbeit im kämmenden Frühling nur 10 Prvzrnt unserer schulentlassenen Jungen sich dem Acker- Garten- und Obstbau zrtwcndert, dann erweisen wir unserem Vaterland einen großkn, dem Judentum aber den allergrößten Dienst. — Lorresponsenzen an- Aachrichten. De# Deuffch-ftollänflifdie PsMlns-Verwsliung. Arankfurt a. M., 30. Jan. Die D?utsch-holländische Palästina-Verwaltung schreibt uns: In einem Berichte über die M srachistenkonferenz in Amsterdam finden wir eine Mitteilung des Inhalts, daß bei einer Beratung zwischen Vertretern unserer Verwaltung und denjenigen des Misrachi beschlossen worden sei, die Schulen der Deutsch-holländischen Palöftna- Verwaltung dem Misrachi zu unterstellen. Diese Mitteilung ist unrichtig. Grgrnstand der Beratung war die Frage, ob für drei Jerusalemer Anstalten der Deutsch-holländischen Palästina Verwaltung und zwar die stfardrsche Doresch Ztonschule, die Talmud-Thora der Jemeniten und die Jeschiwas Zion, eine gemeinsame Verwaltungskommission aus Vertretern der Amsterdamer Psikidimverwaltung und deS Misrachi, unabhängig von der zionistischen Frühland, FrühltugSiaud! Ernstes Land und SchönheitSland! j Mit mancher rveitz-zebauten Ortschaft. Mit Kuppeln, j Brunnen, Gräbern, zerfallenen Toren. Nah' das blaue Mittelmeer — und die Berge JudaS. Düfie, Reichtum — und steinige Wucht. Ernstes Land und Gchönheitsland I Frühland! j JrühltngSland! Judenland! * Ich sah bei Bethar die Bergfeste, wo Barkochba, der Grern-msohn genannt, Aufruhr trug wider das Raubtier Rom. Gimson und Barkochba steh'n mit am Eingang des Ahnenlandes: Aufrecht-Verwegene: Nackevgewaltige. Gleichnisbilder für das wundersaur ungebeugteste Volk. Verbrannt, gemartert, erschlagen, geknechtet — dennoch untötbar. Juden. * Zweitausend Jahre danach dürfen sie, lange von Bestien umsperrt, endlich'über die Mauer klettern. Gie springen aber, die Herrlichen, die Srehaufmänner, nicht schüchtern senkrecht hinab — sondern fliegen gleich vom Rand in die vorderste Reihe. Sie haben alle Scheiterhaufen überwährt. Sie haben allen Seelenschlächtern getrotzt. Und wuchten die Welt vorwärts — nach zweitausend Jahren. Ich habe die Klagemauer mit meiner Hand berührt; mit meiner Stirn berührt. Quadern, hohe zeitzerfressen-gewaltige sind es. Wie Bäuerinnen sehen die hebräischen Frauen davor auS. Absonderlicher Klang erschüttert das Herz; rin Krauenwetlien; tiefes Schluchzen. Gie kamen von weit. Erzalte Männer, güligbärtiger Schlag, Augenbrauen wie eine weiße Bürste, Manche Gxeise haben Organisation, gebildet werden könne. Von einer Unterstellung der Schulen unter den MiSrachi war niemals die Rede. Zu einem endgültigen Ergebnis haben auch diese Beratungen nicht geführt, da sich die Amsterdamer Pekidimverwalturrg für ihre Entschlüsse die Zustimmung der deutschen rabbinischen Konsulenten der Pektdim Vorbehalten mußte. Da auch der MtSrachi einen ähnlichen Vorbehalt machte, war ausdrücklich beschlossen worden, über die im Gange befindlichen ünd im Ergebnis ungewissen Verhandlungen vorläufig nichts zu veröffentlichen. Hntifemitismus un9 flrbeiferfchaff. Kertttt, 1. Febr. Der Zen tr alvere tn deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltete om 27. Jan. in Berlin in der Bötzow-Brauerei eine von ca. 1800 Personen besuchte Versammlung mit dem Th?ma: „Antisemitismus und Arbeiterschaft". R. A. Dr. Wertheim leitete die Versanlmlung. Als erster Redn er sprach Herr Oswald Riedel, Generalsekretär des Allgemeinen EisenbohrisrverbLndes. Vom Parteivürstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands sprach Herr Adolf Ritter. Als letzter Redner sprach für die Fraktion der 11. S. P. in der Nationalversammlung Herr Fritz Zubeil. Alle lehnten den Antisemitismus in entschiedenen Worten ab. Zum Schluß ergriff Dr.Wi euer vom Zentralverein das Wort, um die neuesten Nachrrchten vom antisemitischen Kriegsschauplatz mitzuteilcn. Es hat sich eine neue Partei gegründet, die sich deutschsoziale ^reth eitspartei nennt und mit großen Geldmitteln arbeitet, um die Arbeiter an sich heranzuzichen. Außerordentlich bedenklich ist es, daß die Verhetzung in der Jugend einen besonders hohen Grad erreicht hat. Dem Schw'igestretk in Halberstadt hat sich ein solcher in Augsburg angeschlossen, demzufolge sich die christlichen Schüler weigern, mir jud scheu Schülern zu sprechen. Die Nachrichten, dir aus Hamborn vorliegen, zeigen, daß von den dortigen Plünderungen hauptsächlich jüdische Geschäfte betroffen worden sind. Auch die Berichte aus Ostpreußen ze-.gen, bis zu welchem Grad die Verhetzung in der jetzt leider ab ^schnirtenen Provinz, gediehen sind. Ans allrdcm geht hervor, daß ein Zusammenschluß der deutschen Juden in dieser gefährlichen Zeit wichtiger ist als je. Nach einer längeren Debatte, die keine wesentlich neuen Gesichtspunkte ergab, wurde die Versammlung um 11 Uhr geschloffen. lieprösentanienliDurig Ser üüflifchen SemelnSe- ZSerli«, 25. Januar.' In der ersten Sitzung des neuen Jahres wurde Geheimrat Minden, zum Vorsitzenden, die Herren Prof. Kalt sch er und Gewerberat Plotke zu stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Eine Vorlage betr. Teuerungszulagen an Hilfslehrkräfte wird bewilligt und ferner eine neue Kommission gebildet, welche prüfen soll, wie das Beamtenheer der Gemeinde verringert werden kann, um die Verbleibenden besser zu besolden. Werlin, 3. Februar. Am Sonntag, den 1. Febr. fanden die Wahlen zum Vorstand und RepräsenLa'ntenkollegtum der hiesigen Sy nago gen-Gemein de (Adaß Jisroel) unter lebhafter Beteiligung statt. Es wurden gewählt: als Vorsteher für die Dauer von 6 Jahren die Herren Martin Boudi, Moritz Kntzller, Naftali Stern, Ludwig Bierals Vorstands- Stellvertreter die Herren Lehmann Weichselbaum, David Rofenblüth, Edmund Lewy: in Stichwahl kommen die Herren Hermann Posen und James Halberstadt. Als Repräsentanten für die Dauer von 3 Jahren wurden gewählt dis Herren Dr.E.Biberfeld,MkyerStraüß,JosefWeichselbaum, Moritz Merzöach/ in Stichwahl kommen die Herren Jsi Geis, Gustav Lewandowski, Simon C. Knoller und Hugo Psllak; als Repräsentanten» Stellvrrtreter wurden gewählt die Herren Dr. A. Barth, Heymann Offenberg, Moritz Posen, Abraham David und H. Pollak. Das UJür?burgpr Diflrihfsrabblnaf. Würzörrrg 28. Januar. Die zwischen Orthodoxen mb Liberalen, Landkreis undStadigemeinde, geführten schwierigen Verhandlungen über die Neubesetzung des hiesigen Rabbinats haben ein Ergebnis erzielt. Man wird bei dem bevorstehenden Wahlakt wohl ohne Opposition mit der Wahl des Herrn Rabbiner Dr. Hannover aus Cöln zu rechnen haben. Herr Dr. Hannover ist ein Schüler des Berliner Rabbinerseminars. Wreskau, 25. Januar. Di? R Präsentantenwahl ist aus den 7. März festgesetzt. — Die Neuregelung der Rabbinatsgehälrer wurde mit einer Veränderung der Titel verbunden: fortan heißen der konservative und der liberale Gemeinderabbiner „Oberraötner", während die stellvertretenden Rabbiner schlechtweg „Rabbiner" tituliert werden. das Haupt umhüllt mit Tüchern. Mäntel von mm Samt. Manche steh'n in violettsamtenem Gabbatrnantes. Knaben mit rundem schwarzen Jndenhut. Mauer der wehesten, über diesen Stern Erde schwellenden Sehnsucht. Ich habe sie mit meiner Stirn berührt. Sic beten dort: „Wegen d.-s Palastes, der wüste liegt, — sitzen wir einsam und weinen". Dann: „Wegen der Priester, die gestrauchelt haben, — sitzen wir einsam und weinen". Zuletzt aber: „Möge Friede und Wonne einkehren in Zion — und der Zweig Jsais aufsprossen zu Jerusalem". Aus meinem Herzen klingt es tausend, tausendmal: „Möge Friede und Wonne etnkrhren in Zion". * Als ich zum ersten Mal einstens aus Frankreich heimkam, ging ich, am Abend war es, an's Klavier: spielte Schumann (.); spielte Beethoven: Akkorde, Pausen, Schweigungcn, Stillen, Fragen, Rufe dieses L. von Beethoven, — und wußte, daß ich ein Deutscher bin. Ich habe auch in Jeruschalajim gewußt, daß ich ein Deutscher bin. Und daß wunderbar das Schicksal mit mir svielt, weil es nach drei Jahrtausenden, vom Davidsschloß wich hinübertrug in ein Klängereich, ein mittelsommerliches: aus der tiefsten Urglut unseres Sterns zu einem nördlichen Edeloolk mit versponnener Musik: in das unsterblich dahinklingende, jetzo von mir geliebte Deutschland. Abseits liegt gen Morgen am Meer, fromm versunken, ein Land. w—■—um i >.»!-"> ■'■■»"»»'"■"■■■■■■■'""■■.i.iiima.inijom Mit Jeruschalajim, der Bergstadt zwischen Meeren Heiligstes Land. Fern verblaßt nun der Körperling und Bauer Simson. Barkochba jedoch, als welcher um die Freiheit rang, ledt.. Nahel, die holde Braut Jakobs lebt. Mirjant lebt, .... Wir alle leben. O Land voll Zitronenduft. Steinig und strahlend. Furchtbar und lieblich. .... Felsland und Sonnenland. Trotzland und Leuchtland. Wüftenland und Brunnenland. Küwpferlaud und Rahelsland. Judenlaud. Seelenland. (Vsm K«ukas»is nach Palastma zu Futz). In Jerusalem ist vor zmei Wochen etu kaukasischer Jude namens Aron Gawrielow angekommen, der den Weg aus seiner kaukasischen Heimar nach. Palästina zu Fuß zurücklegte und auf der ganzen Reise sich niemals eines Vehikels bediente. Er brauchte zur Absolvierung dieser Fußpartie genau ein Jahr, wobei die Sabbate und jüdischen Festtage in Abrechnung kommen. Gawrielow, der die Reise in Erfüllung eines Gelübdes unternommen hat, nahm seinen Weg über Persien, Bagdad, Jerusalem. > . (Dee Streit um Wvrte). Der Wiener zionistische Gemeinderat Dr. Ehrlich schreibt zur Widerlegung! des Einwandes, daß die westeuropäischen und amerikanischen Zionisten garnicht daran dächten, ihre Zugehörigkeit zur Gtaatsnation ihres Landes in Frage stellen zu lassen, folgendes: Wenn wir für uns das Recht d:s freien Bekenntnisses zur jüdischen Nation verlangen — den Unionsherren bleibt es auch weiter überlassen, Germanen zu bleiben —, wird uns oft