Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1920-02-05 · Heft 5 (5.2.1920) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 5 (5.2.1920)
Date
1920-02-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450088-2450093--68026-2525103
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

5, Februar 1930___ Bereinigung von MWb und W1LA doch wohl nicht ganz reif ist. Dagegen ist die Entschiedenheit anzuerkennen, womit man den selbständigen misrachistischen^ „Waad Hachinuch" verlangt, den Ussischktn deretteln möchte. Die Möglichkeit eines Zusammenwirkens mit anderen gesetzestreuen Organisationen bei dem Aufbau eines gefetzestreuen Schulwesens im neuen Palästina hängt allerdings nicht davon allein ab, sondern von dem Willen zu redlicher, von Partei-Ehrgeiz freier Arbeitsgemeinschaft. Unseres Erachtens wird sich dieses Ziel nur unter einer völlig „neutralen" Flagge in Form eines eigens zu gründenden orthodoxen Schulvereins für Palästina erreichen lassen, der auf dem Boden des gemeinsamen Bekenntnisses zur B'öVrJ (Ö N"ID seine Arbeit in Uebereinsttmmung mit den führenden Rabbinen des heiligem Landes vollzieht. Diese letztere zu erlangen, ist heute unter gewissen Voraussetzungen zweifellos möglich, ohne sie kann das Werk keinen Segen bringen. — i. m Sie Gründung von Ansäffigmachung-gkseSschafien. «on Hauptlehrer Frendenberger in M«Kb»ch. Unter dieser Ueberschrist habe ich in Nr. 15 des „Israelit" vom 11. April 1918 eine Abhand, lung veröffentlicht. Unter Hinweis auf die damals schon herrschende Wohnungsnot in den Städten, die großen Ernährungsschwierigkeiten und den drohenden Zerfall der Landgemeinden forderte ich auf zur Gründung von Siedlungsge-ellschaften, zwecks Erlernung und Ausführung der Landwirtschaft mit ihren Nebenbetrteben, der Viehzucht, dem Garten- und Obstbau. Gleichzeitig gab ich damals folgenden Entwurf über die Zusammensetzung und Bildung der Ansässigmachungsgesellschaft: Sämtliche Gemeinden eines Distriktsrabbinates bilden eine Bezirksorganisation, die Bezirksorganisationen sind wieder vereint in den Krttsoraanisationen und diese schließen sich zu einem Landes- und Retchsverband zusammen. Innerhalb der Organisationen bilden sich verschieden« Kommissionen. Die Mittel werden durch Beiträge, Anteilscheine und freiwillige Zuwendungen aufgebracht. Die vielen mir damals zugegangenen zusttmmenden Erklärungen aus allen Gegenden Deutschlands, von allen Ständen, -sind der beste Beweis für die Richtigkeit meiner Ausführungen/ die vielen Anfragen von jungen Leuten, die die Landwirtschaft erlernen wollten -und eine Reihe von Angeboten von verkäuflichen Anwesen sind der untrüglichste Beleg für die Notwendigkeit und das Bedürfnis für die Schaffung der von mir geschild rten Organisation. d. h. seine Festsetzung und die dauach erfvlgte Berechnung der Festtage in die Hände gelegt. In der bekannten Streitsache zwischen Rabban Gamliel und Rabru Iosua, da aus letzteren der Zwang ausgeübt wird, am Tage, auf den seiner Ueberzeugung nach Jomkippur fällt, vor dem Nässt *5 Werkragsausmachung zu erscheinen, wird der Seelenschmerz Rabbi Josuas von seinen Kollegen mit dem Hinweis darauf gemildert, bah Gon m vom Ae*dtu verkündeten Festtage auch bann heiligt, wenn diese Berkunbigung aus einer irrtümlichen Berechnung beruhen sollte, ors« wpn '7 hjhb n1?« (Auch „Altem" gelesen). Resümieren wir nun das Obengesagte so, datz der Sabbat von den ersten Tagen her von Gott selbst al» Denkmal derWeltschöpfung geheiligt und gesegnet ist, derSabvat somit über Israel steht, während hingegen die Festtage Israel zuliebe und ihm zum Nutzen festgesetzt sind, so verstehen wir es, warum in der Sprache des Gebetes Sabbat vor Israel, dagegen dieses vor den Festtagen genannt wird. Die Reihenfolge lautet: ■’JüTm natfn tP'ipö. Und verständlich wird nun das Jestgebet, das sagt: „Du hast uns auserwählt öi*en Völkern usw." Dann gabst du uns in Um Festtage zur Freude usw." Der Israelis. Durch den militärischen, politischen, wirtschaftlichen Zusammenbruch Deutschlands im Herbst 1918 wurde die Ausführung meines Planes vereitelt. Diese Verzögerung ist im Interesse der Sache sehr zu bedauern, da unseren Zwecken durch anderweitigen Verkauf in der Zwischenzeit viele landwirtschaftliche Besitzungen verloren gegangen sind. Die Verhältnisse sind seit einem Jahre bedeutend ungünstiger geworden. Die Wohnungsnot in den Städten ist beängstigend, die Lebensmittel- und Kohlennot katastrophal. Die drohende Sozialisierung und Kommunalisierung vieler Betriebe,der durch den Tiefstand unserer Valuta erschwerte Bezug von ausländischen Rohstoffen, der kommende genossenschaftliche Absatz vieler Produktionsmittel, die ungünstige Aussicht von Handel und Gewerbe begünstigen in hohem Maße die Bestrebungen zur Ansiedlung auf dem Lande. Auch in weiten jüdischen Kreisen lebt die Sehnsucht nach ländlichem Wohnsitz und die Neigung zur Erlernung der Landwirschaft. Wie lösen wir dieses Problem? Das ist die schwierige Frage. Wir knüpfen an das bereits Vorhandene an und beginnen mit der Jugend. Die jüdischen Viehhändler auf dem Lande betreiben fast ausnahmslos Landwirtschaft teils ftlbst, teils mit Hilfe von Dienstboten und Taglöhnern. Durch Vermittlung unserer Organisationen und Leistung von Bethülfen bringen wir Knaben unter der Bedingung der ausschließlichen Verwendung zur Erlernung der Landwirtschaft bei diesen Grundbesitzern unter. Ich habe gegenwärtig einen Zögling, der bei einem hiesigen nichijüotschen Bauern unter Befreiung von jeglicher Arbeit an den Sahbat- und Feiertagen die Landwirtschaft erlernt. Auch auf diese Weise könnten wir eine Reihe von Lehrlingen unterbringen. Aber auch Erwachsene können die Landwirtschaft noch erlernen. Das haben wir an unseren Kriegsgefangenen gesehen. Viel?Lehrer, Kcuflcute, Fabrikanten, Ingenieure, Industriearbeiter, die sich früher nie um die Landwirtschaft gekümmert haben, gelangten bald durch Uebung zur Fertigkeit ui d Selbständigkeit. Ich habe es bei mir selbst erlebt. Als in den ersten Augusttagen 1914 so viele landwirtschaftliche Güter ihrer Hilfskräfte beraubt wurden, da legte ich Buch und Feder weg, nahm Sichel, Sense und Hacke in die Hand. Nicht achtend der sonnenverbrannten Gesichtes und der Schwielen in den Händen, die mir die ungewohnte Arbeit verursachte, half ich unverdrossen mit, und sieh:! Erging. Bald arbeitete ich mit allen Landarbeitern in Schritt und Tritt. Die täglichen Aufforderungen zur Mithilfe von verwaisten Gütern sagten mir, daß meine Arbeit Erlebtes und Erlauschtes. II Schweige». Wenn die Sprache des Menschen in gehobenen Momenten einen höheren Schwung nimmt, dann wird sie zum Gesang. In höchster GemütSauswallung aber erreicht sie die edelste Form des Ausdruckes: die des Schweigens-—. Ein bedeutender Mann ist nach einem Leben voller Taten und Verdienste von dannen geschieden, und keiner ließ eS sich nehmen, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Im Hause und am Grabe sprachen sieben Redner und verkündeten das Lob des Verschiedenen. Nach der dritten Rede dachten schon die Leute daran, wer von den Drei wohl schöner gesprochen hätte. Nach der siebenten vergaßen sie aber ganz den traurigen Anlatz und' sprachen nur noch davon, wer von den Sieben der beste Redner sei ... . Und als noch zum Schluß ein Achter zu einem „kurzen Worte" auf's Podium trat, da iahen die Leute ungeduldig nach der Uhr und ärgerten sich darüber, datz sie mindestens um eine halbe Stunde zu spät zu ihrem Millagsmahle gelangten. Die Abendblätter brachten schöne Nachrufe auf den verdienten Mann. Und die Leute lasen und wogen und prüften die wohlgesetzien Zeilen und stritten Rr. 5. Seite 3 Anklang fand. Wäre ich in den nächsten Kriegsfahren nicht durch Uebernahme der hiesigen Marktge«eindeschreiberet und durch vermehrte Schularbeit an der Fortsetzung meiner Tätigkeit verhindert gewesen, dann wäre ich heute gewiß ein ausgelernter Landwirt. Wohl sind mir die Zweifel und Bedenken an derAusführbarkett meines Planes tnden Herzen vieler nicht unbekannt, auch ich unterschätze keinesfalls die Schwierigkeiten. Das eine jedoch steht zweifellos fest: die Beschäftigung in der Landwirtschaft ist, wenn auch schwer, sodoch eine solche, die jeder leisten kann, der seine gesunden, geraden Glieder besitzt. Aus eigener Erfahrung weiß ich sodann, daß durch die vorhandenen Organisationen für theoretische Belehrung und Aufklärung in der Landwirtschaft b-sser gesorgt ist, als in irgend einem anderen Stand. Durch meine schon 20 jährige Zugehörigkeit zum landwirtschaftlichen Verein in Bayern und zum bayerischen Landesverband für Obst- und Gartenbau, sowie dürch meine langjährige Tätigkeit im hiesigen Darlehenskassenverein ist mir wohl bekannt, wie in den wöchentlichen Vereinsblättern und Versammlungen immer wieder überall Fragen des Feld- und Gartenbaues, über Weinbau, Vieh-, Geflügel- und Bienenzucht, über Obstbaumpflkge, künstlichen Dünger u. a. m. von berufenen Fachmännern sachgemäße Ratschläge und Aufklärung erteilt werden. Jeder landwirtschaftliche Schüler kann diese Organe lesen und die Versammlungen besuchen. Also auch nach dieser Seite ist bestens gesorgt. Darum fort mit jedem Kleinmut und Pessimismus! Bet gutem und festem Willen wird und muß das Werk gelingen. In jedem Falle ist der Preis des Einsatzes wert. Wir alle fühlen den furchtbaren Ernst der Zeit. Innere Parteikämpfe schwächen unsere Kraft und Stärke. Dazu kommt noch die zügellose antisemitische Hetze von skrupellosen Elementen, die für die eigene schwere Schuld einen bequemen Blitzableiter suchen. In dieser Not müssen wir alle unsere Kräfte vereinen, müssen wir alles Trennende und Scheidende zurückstellen. Auf der völlig neutralen Plattform unseres Bamrnprogramms können wir alle einträchtig und segensreich Zusammenwirken. U"sere geplante Organisation hat ein weites Arbeitsfeld. Neben der Sorge für geeignete Unterbringung von Lehrlingen im Feld-, Garten- und Obstbau, dem Erwerb von paffenden Anwesen zur Ansiedlung, wird sie auch die Frage der Ausbildung von Mädchen und Frauen in der Haushaltung und im Gartenbau ln den KreiZ ihrer Tätigkeit miteinschlteßen. Um unsere Ausgabe im rechten Geiste zu lösen, um unser Ziel zu erreichen, müssen die besten Kräfte an dieser . 1 " 11 darüber, wer von den Zeiiungen am schönsten geschrieben bat... . An den Toien selbst hatte kaum noch jemand gedacht. Da ging ich gegen Abend ins Trauerhaus. Dort saß ganz tief zu Boden eine Frau, der der Schmerz einen Zug um den Mund gezogen hatte, als wollte er sich nie mehr auftun. Die Frau sprach k°iu Wort. Und bei diesem Schweigen kam es mir erst wieder zum Bewußtsein, daß ein großer Mann und - ein Mensch gestorben sei. Jerusalem.*) Gelobtes Land. Selige Gelände zwischen Jaffa und Jerusalem, wenn man das Meer verlassen hat. Palmen. Ein süßester, stärkster Duft von Orangenblüten; alles, alles blühr weiß in frischem Grün. Frische der Orangengärten/ fruchtbar, hold. O Palmen und Orangenblüten im April. .Kanaan ist lieblicher als Aegypten, das gelbliche Lehmreich. Ich sah die Ebene Saron. Dahinter Bergketten, blauende des alten Schicksalslandes. In, es ist bald: ich wußte nicht, daß es Saron war und fand es hold. Dickstämmig alter Olivenwald! Eine Meile lang, eine Meile breit. Räumige Kakteen; Berberfeigen. Ein Oelmald — und steht wie auf Ackererde. Weiße, gelbe Blumen, Feige,'-bäume, von saststrahlender Frühlingssrtsche, keuchend. Ein reiches Land; ein Weideland. *) Aus einem im Dezemberheft der „Neuen Rundschau" veröffentlichten Aussatz von Alfred Kerr, unter dem Titel „Jerusalem".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.