Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1920-02-05 · Heft 5 (5.2.1920) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 5 (5.2.1920)
Date
1920-02-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450088-2450093--68025-2525102
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Btia 2 Nr. * Der Israelir. S. Februar 1SW. Haben Sie bestellt? Samson Raphael Hirsch’s großen Pentateuch-Commentar in neuer Auflage erhalten die Abonnenten des „Israelit" (auch neu hinzutretende) als Prämie nnd Mit. Liitir im Liisipnisi zu ALL 26— statt Mk. 60.—. Lieferung in 15 Heften zu je Mk. 2.40, auf Wunsch auch bandweise. Wir bitten um eifrige Propaganda für den „Israelit“ in'Freundeskreisen. Vertreter gegen Provision überall gesucht. Frankfurta. M. Verlag des „Israelit" G. m. b.H. lassen dürfe und werde, wie sie sich zur türkischen Zeit mit den roten abfand. Die ganze Aktual tat dieser Erklärung tritt deutlich zutage, wenn man den Artikel liest, mit dem die „Jüdische Rundschau" auf unsere vor vierzehn Tagen an dieser Stelle veröffentlichten Ausführungen eingeht. Während die Zionisten auf der einen Seite auch hier wieder beteuern, daß sie nicht sich und ihrer Partei, sondern dem «ganzen jüdischen Volke zu dienen wünschen, wird doch ganz uv.verhüllt der Anspruch erhoben, auch gegen den Willen breiter Massen der jüdischen Gesamtheit diese letztere bei der englischen Regierung zu repräsentieren und auch nach innen das Heft in Palästina machtherrlich in der Hand zu behalten. Um diesen Anspruch mit einem Schein von Recht zu umkleiden, niuß natürlich der „Misrachi" herhalten, dann aber vor allem das abgebrauchte Schlagwort von der splendid isolation der sogenannten „Trennungs-Orthodoxie". Was den „Misrachi" betrifft, so bedeutet dessen organisatorische Einordnung in die zionistische Partei allerdings eine furchtbare Schwächung der Orthodoxie als Vertreterin einer einheitlichen Weltanschauung, und man kann es den'Zionisten nicht verdenken, wenn sie diese Waffe weidlich ausnützen und durch übertreibende Darstellung d«r misrachistischen Propaganda-Erfolge sich selbst 1 als Legitimierte Vertreter des Klall Jisroel 8 aufzuspielen suchen. "Allein der „Misrachi" selbst führt ja öffentlich Beschwerde über Zurücksetzung und mangelnde Berücksichtigung in den zionistischen Vertretungsorganen, denen heute somit gewiß das Recht fehlt, auch nur die Minderheit der -Orthodoxie zu vertreten, die im Misrachi organisiert ist. Mit dem Schlagwort „Frankfur t" aber wird man weder die Millionen treuer Juden in Littauen, Polen, Weißrußland, der Tschecho- Slomatei, ja nicht einmal dle Taufende in England s e l b st aus dec Welt schaffen, die sich kategorisch weigern, die Partei-Tyrannei einer bei aller Aktivität zur Vormundschaft gewiß'nicht berufenen Gruppe von Politikern anzuerkennm. Der Hinweis auf die jüdische Kongreßbewegung, die nach zionistischer Auffassung angeblich der Orthodoxie Gelegenheit gegeben haben würde, Einfluß auf die palästinensischen Angelegenheiten zu erlangen, ist kaum ernst gemeint. Die Monnnre, die für Deutschland den ganzen Kongreßgedanken von vornherein jedem ernsthaften und verantwortungsbewußtenPoiitiker als unmöglich erscheinen lassen mußten, haben wir oft genug und glückiicherweise mit Erfolg dargelegt. An einen jüdischen Weltkongreß aber zur Regelung jüdischen Einflusses auf Palästina glaubt die zionistische Presse gew ß selber nicht mehr. Was die Orthodoxie somit verlangen muß — und zwar vor allem die Orthodoxie in ,den,Ententeländern — das ist die prinzipiell gleichberechtigte Zulassung aller an Erez Jisroel religiös oder national interessierten Gruppen des jüdischen Volkes zum wirtschaftlichen und kulturellen Aufbau des Landes, insbesondere zur Einwanderung und ihrer Regelung. Wir sind die letzten, d:e etwa einer regellosen, überstürzten Immigration nach Etez Jisroel das Wort reden. Und wir billigen es auch vollkommen, wenn man verhüten will, daß etwa bolschewistische Stürmer Etez Jisroel zum. Boden ihrer lebensgefährlichen Experimente machen. Aber die Stellen, die über däs Wohl und Wehe der nach der heiligen Scholle Zurückstrebenden zu befinden haben, dürfen nicht zum Gegenstand eines zionistischen Parteimonopols gemacht werden, wie es heute den Anschein hat. Wir möchten die englische Regierung sehen, die einem solchen historisch und ethisch gleich fest begründeten Verlangen tu voller Kenntnis der wirklichen Lage im jüdischen Volke, die Erfüllung 1 weigern könnte! Es handelt sich hier um eine elementare Rechtsforderung, die nnr schmalftirn iger Parieifanatismus bekämpfen kann. Für den Ausgang des großen Kampfes, der auf dem Boden Erez Jisroels zwischen den Trägern des historischen Judentums und dem konfessionslosen Zionismus entbrennen wird, werden natürlich letzten Endes noch ganz andere Momente entscheidend sein. Sie Mrrachl-Konferenz. Die in Amsterdam stattgehaöte Konferenz des Misrachi, ü-er die wir an anderer Stelle berichten, legt unleugbar Zeugnis ab von der numerischen und materiellen Erstarkung der Fraktion, die insbesondere in Amerika, dank der Energie und dem Geschick R. Metr Berlins, eine reichlich sprudelnde Quelle finanzieller Mittel und politischen Einflusses gefunden hat. Hier wie in England waren es naheliegende politische Erwägungen, die eine ganze Anzahl bisher fecnstehenoer Rabbinen zum Anschluß bewogen haben, daneben auch die unbestimmte Furcht, daß grade angesichts des Avancements des Zionismus zum Instrument der offiziellen Politik, die Orchodorie ihren Einfluß auf Erez Jisroel verlieren könnte, wenn sie nicht mitmacht. Die entgegenftehenden religiös-prinzipiellen Erwägungen waren gerade in den Westrändern naturgemäß niemals starkgewesen—und eine selbständige org an isierte Orthodoxie— die Ursachen sind bekannt—hat dort nicht existiert. Weniger hoch sind die Erfolge in Polen und Littauen eiuzuschätzen, wo die Heranziehung einiger weniger Rckbbinen gegenüber der geschloffenen, zum Teil erbitterten Gegnerschaft der nach Hunderten zählenden rabbinischen Führer und ihrer Millionen von Anhängern nicht viel besagen will. Erfreulich war an der Tagung, daß mit Ausnahme zweier Herren, die nun einmal auf das Verspeisen der Orthodoxie eingeschworen sind, die übrigen Delegierten, insb (sondere die englischen und amerikanischen, einen gewissen Wert darauf zu legen schienen, ihre Solidarität mit dem Gesamtkörper der Orthodoxie nicht ganz zu Gunsten der zionistischen Bruderschaft zu verleugnen. Auch die palästinensischen Vertreter, vor allem der Chacham-Baschi von Jaffa, Usiel, waren sich ihrer Verpflichtung gegenüber den Autoritäten der jüdischen Grsetzeslehre, die den Misrachismus ablehnen, offensichtlich bewußt und mahnten zur Zurückhaltung. Den breitesten Raum nahmen naturgemäß die Kulturfragen ein. Daß man — offensichtlich unter dem Einfluß einiger deutscher Akademiker^ die dabei von den besten Absichten beseelt sind — das Univerfitätsprojekt um jeden Preis mitmachen will, dürste dem „Misrachi" unseres Erachtens im Osten teuer zu stehn kommen, wo man für diese Abgebrühtheit gegen die brüderliche Zm Menstaai kr Waren. In der heutigen Nummer beginnen wir mit dem Abdruck des neuen Nomanes unter obigem Titel, in dem sich ein Stück bedeutsamer jüdischer Geschichte aus dem achten Jahrhundert an Hand von Einzelschicksalen, die mit dem Leid und Leben ihrer Zeit eng verknüpft sind, vor reu Augen der Leser abspieit. Einige Bemerkungen zum Zehngebot. Im zweiten Gebot heißt es: vntirr '« 'w *6 vv 7y. Das soll wohl in Verbindung mit dem ersten Gebote so verstanden werden: Nachdem ihr es, gesehen und erlebt habt, daß ich euch aus Mizrajim gebracht, daß ich euer Schicksal im Großen und Im Kleinen, das der Gesamtheit wie eines jeden Einzelnen in die Hände genommen und zum Guten, bis zur Erlösung, geleitet habe, nachdem euch mithin Gott an jedem Tage, in jeder Stunde und jeder Minute eures Lebens gegenwärtig sein mutz, US bv, so dürfet ihr, schon rein logisch g.dacht, keine anderen Götter neben mir haben. Die anderen Völker, die es nur dunkel ahnten, daß irgendwo hoch oben ein Gott wirkt und waltet, habert die Gotteshilfe in ihrer eigenen Geschichte UU) am eigenen Leibe nicht in dem Matze erlebt kein Wunder eben, daß sie in der Meinung, diese oberste himmlische Instanz bekümmere sich um des Menschen kleines Leid und Wohl nicht, sich Zwischengölter schufen, die das Be. hülmrs zwischen Gott, Welt und Mensch vermitteln sollten. Diese Mittlerlehre durfte aber bei Israel schon von Anfang an nicht Fuß fassen. Mutzte doch das Sinai-Erleben ihm stets warnend und mahnend vor Augen bleiben, in seiner Reinheit und Alleinheit n ihm immer gegenwärtig vo bv, bleiben. Im vierten Gebot heißt es: Töl^n Sv r« ~iö* IBHpb. „Gedenke des Savbates, ihn zu heiligen"! Der Sabbat ist an sich heilig, wie es schon in der vorwöchentlichen Std-a bei Anlatz des Manna heißt 'öi 'n 12N "wx an. Bis dahin hatte die Welt nur einen Gottessabbat, mit dem Er seiner Schöpfung das Siegel aufgedrückt hartes nun aber sollte der Sabbat in Israels werktätigem Leben zum ersten Mal in Erscheinung treten, und es wird dieses mit den Worten proklamiert: 'n irn nt?« «in. Es ist dies der Sabbat, von dem Gotr schon seinmal — auf dem ersten Blatt seiner Thora — gesprochen hat. pröV '17 BHJ5 JDSP. Ein Ruhetag für eüch, wie er bis jetzt ein heiliger Sabbat für Gott war Dieser Gedanke kommt auch hier sehr deutlich zum Ausdruck mit den an der Spitze des Sabbatgebstes stehenden Worten: "öl “löt. „Gedenket des Savbates, ihn z« heiligen"! Er ist an sich von den Tagen der Schöpfung an heilig und nicht erst Israels wegen geschaffen. Wäre diese Institution einzig dazu da, um dem arbeitenden Bolke eine Ruhepause zu gewähren, so wäre eigentlich nur das verboten, was wirklich Arbeit und Last ausmacht, Anstrengung und Kraftverbrauch koste:. Jede andere Tätigkeit wäre aber in diesem Falle nicht nur nicht untersagt, sondern sogar geboten und empfohlen. Wissen wir aber, daß der Sabbar als Denkmal der Schöpfung wett älter ist als Israeldag er als Gottessabbat in Israels Leben heiligend, veredelnd und alles in seinen Srrahlenglanz ziehend, tritt, so ergibt sich daraus, daß jede Arbeit, auch die geringste, auch diejenige, die gar keine Anstrengung kostet, sondern nur Genuß bereitet, strengstens verboten ist, verhören des Sabbates selbst wegen und des Schöpfers wegen, der diesen Sabbat errichtet und geheiligt hat. Darum in der Fortsetzung des Gebotes- 7p!?« "A na» 'p'3L>n Li". Der siebente Tag ist Sabbat — nicht für dich — deinem Gott, (bei dem ein Unterschied zwischen leichter und schwerer Arbeit nicht gemacht werden kann), woraus sich ergibt, daß ,“ö«7a ö, n&vn «7, „du kein er lei Arbeit verrichten darfst, weder du, noch dein Sohn, noch deine Tochter, dein Knecht, deine Magd". Zur Begründung für den göttlichen Charakter des Savbates schließt nun das Gebot mit dem Berichte über seine Entstehung: „denn in sechs Tagen usw., darum segnete Gott den siebenten Tag und heiligte ihn — - — Hierin unterscheidet sich der Sabbat von den Festtagen ganz wesentlich. Denn diese letzteren sind tatsächli ch Israels wegen da, was schon durch die Freigabe geringer Arbeiten WS2 bvx zum Ausdruck kommt. Schon in Anknüpfung an das Wort: Vinn 22!? mn bemerken unsere Weisen: „Euch ist der Monat"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.