Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 4 (29.1.1920)
- Date
- 1920-01-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Organ des Sundes gesehestreuer jüdischer Kehrer Deutschlands. c.v-k. 11 Vakanzen in Ostpreußen. Wir haben für Nenn u stelluugkn u u v 9te uD erträg e bei den indischen Se in e i uöe« in O ft p r e u st e 11 bestimmte N o t st a uds - M i n d e st s o r d e r u n g e n anfgestellt, ohne deren Bewilligung kein jüdischer Lehrer und Kultnsbeamter in unseren Gemeinden pkehr Anstellung finden darf. Um unsere Verhandlungen mit den Gemeinden nicht zu erlchweren, bitten'wir alle Kollegen, vor jeder Bewerbung auf eine nusgeschriebene 'Knltusbenmtenstelle in Ostpreußen bei uns <utz »frage n ob die betreffende Gemeinde die Vereinsbedingungen bereits bewilligt hat und die Stelle Don uns zur Bewerbung frei gegeben ist. Wir rechnen auf treues Zusammenhalten aller Kollegen im Reiche. Die Gemeinde Branitsberg in Oftpr e nß.en hat sich geweigert, nufere Notstands-Mindestforderungen anzuerkenaen. Wir sehen uns daher genötigt, die Sperre über die Gemeinde B r a n n s b e r g zu erklären und ersuchen auch Kollegen, die etwa schon mit der Gemeinde in Verhandlung getreten sind, diese äbzubrechen und die Stelle nicht anzunehmen, bis wir die.Erfüllung unserer Forderungen seitens der Geineinde bekanntgeben. Vorstand des Vereins jüdischer Religionslehrer Ostpreußens. P e r i tz, Vorsitzender. Anteil der israelitschen Lehrer des Regierungsbezirkes Laffel am Weltkriege. Nachstehende ans durchaus zuverlässigen Unterlagen beruhenden Zusammenstellungen wollen durchaus nicht die betreffenden Lehrer „glorifizieren"; wissen wir e§ doch ganz gut, daß die Lehrerschaft allerorts ihre bolle Schuldigkeit in dem berflosfenen schweren Jahrfünft getan hat. Sie mochten vielmehr dazu anregen, daß auch in anderen Provinzen und Gliedstaaten des Deutschen Reiches derartige Aufstellungen gemacht werden. Damit konnte zunächst einmal frier fetzigen Generation gezeigt werden, luie stcli die jüdische Lehrerschaft ^draußen" und „daheim" in den schicksalsschweren Kriegsjahreu betätigt hat; znm andern kann aber auch ein derartiges Material gegebenen Falles den Beweis erbringen, daß man in der Zeit der Rot Juden ans bis dahin ihnen mtetfr u'cht zugängliche Posten stellte und daß sie sich in denselben bewährt haben. Bei der von der Lehrerschaft aufznstellenden Bilanz unterscheiden wir einen Frontdienst und .'inen „ oft nicht minder beschwerlichen — Heimatdienst. Beim Ausbruche des Krieges amtierten im Regierungsbezirke Eaffel 78 Volksschullehrer, 8 Religio nslehrer und 5 seminarifch vorgebildetr KuttuSbeamte l^-91), von denen 44 (=48q/o) das kriegspflichtige v(fter bereits überschritten hatten. Von den verbleibenden 47 ' 52o/n) wurde ein überaus großer Teil bereits in den ersten Kriegstagen emaezogeu, und zwar nicht nur kurz vorher zur Reserve entlassene junge Leute, sondern auch viele ältere Lehrer u. a. ein Kollege, den nur wenige Wochen von der. Grenze der Militärpflichtigkeit trennten. Die übrigen, die zum großen Teile an nichtjüdischen (Ortsnnd Nnchbar-iSchulen verwendet wurden, traten nach ii'tö itrtrf) unter die Fahnen. Im ganzen dienten 64 Lehrer, d. i. 37% der Gesamtlehrcrschaft oder 72L'n bev militärpflichtigen Lehrer, von denen 16 in Friedenszerten ausgebildet und 18 als ungedienter Landsturm eingezogen worden waren. A» der Front standen 15 (—44% der Eingezogenen), die übrigen wurden in Standorten und in der Etappe verwendet. Von unseren Lehrersoldateii wurde» 9 zu Gefreiten, 6 zu Unteroffizieren. 1 zum Unterzahlmerster und 1 zum Leutnant der Landwehr befördert (==50%). -- Mit dem Eis. Kreuz n. Kl. wurden 5 derselben ausgezeichnet. Erkrankt waren 4 Amtsgenossen, schwer verwundet 2; auf dem 7Felde der Ehre fielen in der Blüte ihres Lebens 4 junge Amtsbrüder und 1 zum Heeresdienst eingezvgener Seminarist. Die Zahl der Verwundeten und Gefallenen beträgt mithin 47% der Frontsoldaten, einschließlich der Erkrankten sogar 73%! (Der Vollständigkeit halber sei noch angeftchri, daß 7 Lehrer den Heldentod fürs Vaterland starben, deren Wiege im .Hessenlande gestanden, die aber in Nachbarprovinzeu amtierten.) Fast sämtliche nichteingezogene, noch militärpflichtige, Lehrer waren von der Schulaufsichtsbehörde für die Berwenduna im heimischen Schuldienste reklamiert worben: in 2 Fällen mußte die Einberufung wegen schwerer Erkrankung unterbleiben. Recht schwierig war auch der Dienst der in der Heimat gebliebenen Lehrer: 47 derselben hatten — wie bereit? erwähnt r das dienstpflichtige Alters bereits überschritten; eine Anzahl war — wie ebenfalls schon angeführt — während der ganzen Kriogsdaner zmnckgestellt worden: wieder andere waren erst in den Soldatendienst eingetreteii, nachdem sie kürzere oder längere Zeit ihren Friedensberuf hatten ausübcn können — 49 derselben waren an fremden Volksschulen beschäftigt. Eine Spezifikaiton dieser Vertretungen ergibt, daß 23 Kollegen an 1 Schule, 13 an 2'schulen. 4 in 3 Schulen, 2 in 4 Schulen und 1 in 5 Schulen beschäftigt waren. 4 dieser Lehrer hatten außerdem noch den Unterricht an Fortbildungsschulen zu erteilen. Eine große Anzahl derselben ' (22) mußte auswärtige Gemeinden — und zwar waren dies nicht immer Nachbarorte — mit Religionsunterricht (zuweilen auch noch mit der Sch'chitah) bersvrgeu. Mehrere Lehrer unterrichteten eigen? aus „Ferienkindern" gebildete Klassen; eine r jüdischen Schule wurden etwa zwanzig Schüler au? der überfüllten Ortsschule zugewiesen. Von den V o l ks schnllehrern haben unseres Wissens nur 7 weder am Kriege teilgeuommeu, noch an fremden Schulen unterrichtet: aus 42 derselben mußte die Schulbehörde wegen schwerer Erkrankung, auf einen anderen Herrn wegen seines hohen Alters verzichten; bei den anderen lag kein Bedürfnis zu anderweitiger Verwenvung vor. Die Fülle dieser Arbeitslast kann nur derjenige ermessen, der in media%res gestanden hat; der 1. die Klassenfreguenz der nichtjüdischen Sehulen mit denen der jüdischen Schulen vergleicht (Schulzucht, Heftekorrekturl), der 2. die persönliche« Verhältnisse vieler Lehrer kennt (Alter, G^undlftitszustuud!), dem 3. die teils zu Fuß, teils mit der Bahn zurückzulegenden Entfernungen bekannt sind. (Witterungs- und Verkehrsverhältnisse'.) Man muß staunen, wie manche Lehrer diese Anstrengungen haben aushalten können, zudem sie doch in ihren Gemeinden (wo ja allerdings oftmals die isr. Volksschule ausgelöst worden war) den Religionsunterricht zu erteilen und das vielverzweigte Kultusamt zu versehen hatten und oftmals auch noch im Hilfsdienste stark beschäftigt waren! Hingewiesen sei auch noch aus die Sorgen, die in die Häuser vieler Lehrer (einkehrten, deren Söhne der Todesgefahr ausgeseht waren oder die schwer verwundet dem Leben nur langsam wieder geschenkt wurden, oder die gar irr fremder Erde ihre letzte Ruhestätte gcfrrnden haben (7). Unter solchen Umständen sich die geistige Spannkraft zu erhalten und das seelische Gleichgewicht zu bewahren, ist ern Heroismus, vor dem'man sich in stiller Andacht beugen muß! Im Zusammenhänge mit vorstehenden statistischen Feststellungen seien noch einige andere Fragen gestreift. Viele Lehrer erteilten Unterricht in sämtlichen Fächern außer Religion; in anderen Orten brauchten sie auch den Gesang- und Turnunterricht nicht zu übernehmen; in zwei uns bekanntgewordenen Fällen lag auch die Erteilung des Religionsunterrichtes selbstverständlich nur die biblischen Geschichten des alten Testamentes — in ihren Händen. Soweit der Berichterstatter hat ermitteln können, sind sowohl die Schulaufsichtsbehörde alv auch die Eltern der Schüler mit der Uuterrichtstätigkeit der jüdischen Lehrer durchaus zustreden gewesen; in bielen Gemeinden wurde es bedauert, daß ihrer dauernden Anstellung au den Ortsschulen gesetzliche Hindernisse im Wege stehen, lieber die Stellungnahme der Mischen Lehrer zu dieser Frage kann man ftch vorerst noch kein abschließendes Urteil bilden; die gemachten Erfahrungen sind verschiedenartig: varm sind jedoch alle Lehrer einig, hie wir dieserhalb befragt haben, daß sie von den Ergebnisse« des Religionsunterrichts in ihren Schulen nu Vergleiche zu normalen Zeiten durchaus unbefriedigt waren. — Sehr buntscheckig gestaltet sich eine Zusammenstellung der den israelitischen Lehrern für ihre Vertretung an fremden Schulen gewährten Vergütung. Nach den bestehenden Gesetzen mußte eine solche erfolgen, wenn das Stellengehalt frei war; im anderen Falle war sie in das Belieben der Schttluuterhaltuugspflichtigen gestellt. In den ersten Jahren des Krieges ivurden die Gemeinden zur Zahlung der Wegegebühren — 20 Pfg. für das Kilometer — ang'halten, was aber mit »er Längs d^r Zeit ebenfalls ihrem Wohlwollen überlasten blieb. In- 36 Fällen erfolgte gar keine Zahlung; in 10 Fällen wurden die Wegegebühren vergütet: 16 Lehrer erhielten eine Vergütung in verschiedener Höhe; einem an einer städtischen Mittelschule verwendeten pensionierten Lehrer wurde der Unterschied zwischen seinem Nnhegehalte und dem vollen Stellengehalte sowie die Teuerungszulagen gezahlt; in einem anderen Falle entschädigte die politische Gemeinde die Shnagogengemeinde durch eine jährliche Vergütung von.200 Mk. Der auswärts erteilte Religionsunterricht wurde in fast allen Fällen bezahlt; doch bewegten sich die hierfür aufgewendeten Beträge meistens in bescheidenen Grenzen. — Stellte der Krieg auch die Lehrerschaft allerorts vor schwere Aufgaben, so unterzog sich doch jedermann denselben gern und willig in dem Bewußtsein der Erfüllung vaterländischer und religiöser Pflichten. 1. Nie Einführung in den Lehrprobenskizze von I. Blum in Brrrgpreppach. Altersstufe: Mittlere und obere Volksfchulklnsfen. V v r a u s s e tz u n g: Geläufiges Lesen der Quadratschrift; Uebersetzen der leichteren Teile des Ehumesch und der .Tefilläh; Kenntnis der wichtigsten vorgeichriebencn Segenssp üche. uw''-). I. Ziel: (I. Teilziel.st) Wir wollen -ine neue Schreibweise .kennen lernen. " Woraus bestehen die Wörter? (Buchstaben — Laute.) l) Sämtliche Zielangaben sind von den Schülern zu wiederholen.