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Der Israelit · 1920-01-29 · Heft 4 (29.1.1920) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 4 (29.1.1920)
Date
1920-01-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 10 Nr. 4 29 Januar 1920 Bemühungen fort, durch allerlei Briefe und Anregungen Hirsch als Nachfolger Rabbi Akiba Egers nach Posen oder mindestens nach seiner Heimatgemeinde Wo ll st ein zu bringen. Graetz aber fühlt sich immer unbehaglicher. „Ich bin zu lange hier, auch vielleicht zur Last. Mit ihr halbgespannt — mit ihm nicht mehr so zutraulich und mitteilend wie sonst. Ueberhaupt gefällt es mir nicht mehr --" (Schluß folgt.) Zeilschristenschau. Der Jude. Eine Monatsschrift. Herausg. von Dr. Martin Bub er. IV. Jahrg., Heft 8, Nov. 1919. R. Löwit, Verlag Wien. Aus dem Inhalt: Chronik von Nachnm Gold mann. sDehr vernünftige Kritik der zionistischen Jllnsions- und Bluffpolitik durch einen Zionisten). Die allgemein europäische und die jüdische Kulturtradition als geistige Voraussetzungen eines Sozialismus von Abraham Schwadron. jVertritt die Eigenart jüdischen Wesens gegenüber Bund und Poale Zion). Rappaport setzt seine Schilderungen des religiösen Lebens der Ostjuden fort, Helene Hanna Cohn sncht in ziemlich problematischen Gedankengangen den jüdischen „Weg zur Kunst" zu deuten. Jeschuvun. Monatsschrift für Lehre und Leben im Judentum. Herürtsg. Dr. I. Wühlgemuth. VI. Jahrg., Heft 11/12. Aus dem Inhalt: Erzieh ungs fragen von Dr. Oskar Wolfsberg. (Gegen die übertriebene „Politisierung" der gefetzestreuen Jugend — es fragt sich, ob man als solche bereits dre Erziehung zur Prtnziotenklarheit in Dingen des öffentlichen Lebens anzusehen hat). Rektor Tr, Hosfmann: lieber Frauenwahlrecht in jüdischen Gemeinden (Widerlegung des Nttter'schen Gutachtens,- Replik stellt die Redaktion in Aussicht). E. M. Lipfchütz, Jerusalem, gibt den Beginn einer größeren, äußerst gehaltreichen Arbeit über die „Mischna", aus Vorträgen an einer Mittkl- ' schule entstanden) bedauerlich ist nur, daß der Verfasser, nach dem Vorbilde Frankels, über den sinaitischen Ursprung der in der Mischna enthaltenen mündlichen Ueberlieferung völlig schweigt) hiermit hängt auch die behauptete spätere Entstehung der sogen, abstrakten Halochoth zusammen. Gegen die radikale Bibelkritik, die den Inhalt der penta« teuchischen Erzählungen in Dichtung auflöst, wendet I sich Geheimcat E. König: Die moderne Pvetisierung des althcbrätschen Schrifttums. Rabbiner Dr. I. Ho rov itz setzt seine Studien über die Josepherzählung fort (Gegen die „Mythologen"). Kleinere belletristische Arbeiten und „Talmudtsche Misrellen" von Dr. S. Schiffer, schließen das reichhaltige Doppelheft. Nene jüdische Monatshefte IV. Jahrgang, Heft 6. Aus dem Inhalt: Dr. H. Kadi sch: Nationalitätenstreit und Antisemitismns. Dr. Rudolf Kay er: Der jüdische Rcyolutionär. Ed. König: Rüben und das neuere Personifikationsdogma. (Antibibelkritische Arbeit). Ost und West. XIX. Jahrg., Heft 11/12. Herausg. von Leo Winz. Aus dem Inhalt: Dr. S. Bernfeld: Das messiamsche Reich der Zukunft. Dr. Lewkowitz: Die jüdische Auffassung vom Staate. Benjamin Segel: Schwüre und Grlübde nach jüdischer Lehre. Blätter. Herausg. vom Gruppenverband der AgudaS Jisroel und der Agudas Jjsroel-Jugendorganisation. Heft 12, Dez. 1919. Aus dem Inhalt: Lilli I r e i m a N n: Gefahr. Ignatz Rosenak: Ein Beitrag zum Verständnis unserer Gebete. Wolf S. Jacobson: Die Aufgaben unserer Jugend. Dr. Frankl: Die Männer der großen Synode. Literarische Rundschau. Nachrichten des Gruppenverbandes. Aus der Bewegung. Spendenliste. Mittcilnngkn des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Sondernummer: Christen und Juden in Deutschland. Bericht über eine Aussprache am 25. November 1919 zu Berlin. The Sinaisi. The organ of the Sinai League. Hrsg.: Leo Jung, London. Bol IV, Nr. 1. Schwat- Januar 5880/1920. Das Organ der auf streng - gesetzestreuem Boden stehenden englischen Sinai- Liga beginnt mit dieser Nummer seinen 4. Jahrgang. Aus dem Inhalt: Gesetzlichkeit im Judentum- Staat und Gesellschaft) Aus der Bewegung) Die Tannaim) Slnattmus und Wiederaufbau. (Besprechung Vorbehalten.) Horodezky, Dr. S. A., Religiöse Strömungen imJudentum. Mit besonderer BerL cksichttguug des - Chassidismus. Bern und Leipzig 1930. Ernst Rircker Verlag. Preis M. 24 Margulies, Heinrich. Zur Kritik des Zionismus. I. Teil. Wien. 1919. R. Löwit, Verlag. Kaptun-Kogan, Dr. Wla d, W., Die jüdischen Wanderbewegungen in der neuesten Zeit (1880-1914). Bonn a. Rh. 1919. A. Marcus und E. Webers Vertag. Preis M. 4.80. Kaufmann, Fritz Mordechai, Das jüdische Volkslied. Ein Merkblatt. Herausgeg. vom Ausschuß für jüd. Kulturarbeit. Berlin 1919. Jüdischer Verlag. Preis M. 1.50. Natioualkalender, Jüdischer. Almanach auf das Jahr 5980. Fünfter Jahrgang. Herausg. von Otto Abeles und Ludwig Bato. Wien 1919. Verlag „Jüdische Zeitung". EttdreS, Franz Karl, Die Ruine des Orients Türkische Städtebilder. Mit 15 Lichtdruckbtldern aufllTafeln. Geb. München und Leipzig 1919. Duncker und Hum blot. Dieneman«, Rabb. Dr. Max, Judentum und C h r i st e n t u m. 2. Auf!. Frankfurt a. M. 1919. I. Kaufsmann, Verlag. Preis M. 2.75. Wolff, Max, Lernet werden. Gedanken über Kulturenttvicklung und Kulturpolitik. Leipzig. 1919. „Der Neue Geist", Verlag. Preis M. 4.50 Central Conference of American- Rabbis, Thirtieth annual convention 2—5. April 1919. Einetnatti. HerauSgeg. von Rabbi H. E. Mareuson. Geb. Weinberg, Dr. L., Das jüdische Palästina. Berlin 1949. Jüdische Rundschau. Die Doppelberlobung. Erzählung aus dem jüdischen Kleinstadtleben von Jakob S ch e r e k. ' Leipzig, Philpp R e c l a m jr. 65 Pfg. zuzüglich Teuerungszuschlags. Zur Sinanzwirtschaft der israelitischen Religionsgemeinschaft (Landessynagoge) und der israelitischen Religio nsgegemeinden in Baden. Von Dr. rer. pol. Ezechiel Hasgall. Karlsruhe 1920. G. Braun'sche Hosbuchdruckerei uyd Verlag. Preis M. 5.40. Me-enschmidt: „Zeruscholajims Königin/'' Eine Tragödie. (Berlin, Oesterheld)/) Dieses Buch mag füglich zur Chanukkazeit Erwähnung finden, — so wenig es selbst mit Chanukka zu tun hat. Aber die Nachkommen Matisjahus erscheinen hier und lassen die ganze Kluft erkennen, die besieht zwischen den Hasmonäerhelden und ihren Nachfahren. Deren einer, SimonS Enkel, Johann Hyrkans ältester Sohn, Judr Aristobul und seine Gattin, Salome Alexandra, stehen im Mittelpunkt der Tragödie. Freilich nicht die Salome Alexandra, wie sie uns aus überlieferten Quellen entgegeniriit. Der Dichter schuf anderes aus ihr (wobei späterhin festzustellen ist, ob er dadurch des Stückes Wert erhöhte). Im übrigen knüpft Dietzenschmidt an Bekanntes an: Juda Aristobul, der königliche Hohepriester liegt totkrank in seinem Palast?, bewacht und sorgsam behütet von feinem Pagen Kaleb. Auch die Koha-im sind in der königlichen Burg, betend für den König, der sich in Schmerzen auf seinem Lager windet. Jede Erregung verschlimmert sein Leiben. Und ks fehlt nicht an solchen. Pinchas ben Motnat, der Sprecher der Priester, bohrt wie scharfes Schwert seine Anklage in die Seele des (an seiner Mutter und an seinem Bruder Alexander Jannai zum Verbrecher gewordenen) Königs' Das aber ist nur ein Vorspiel dessen, was Salome Alexandra ihm sagen wird, sagen will. Denn sie will seinen Tod. Haßt ihn, den kranken, den Muttermörder, den Feind ihres — Geliebten: Alexander Jannai, der im Kerker schmachtet. Nach ihm sehnt sich in sinnlichster Liebe Salome, bei ihm weilt sie in verborgenen Stunden) um seinetwillen beschleunigt sie des Königs Ende. Wird zur Verbrecherin, zur Mörderin des anderen, dem sie ihre Liebe schenken wvllte, der sie aber zurückstieß: Antigonus. Der krhrt am selben Tage — es ist das Sukkosfefl des Jahres 105 — vom siegreichen Feldzug heim, will Gort danken an heiliger Stätte und dem kranken König Wünsche darbringen und erflehen für seine Genesung. Da senkt die Königin das Gift des Mißtrauens in das Herz des Königs. Geschickt geht sie vorein Wort . . ., eine leise Andeutung, der König soll aufmerksam, erregt werden (sie weiß ja von Themos, dem Arzt, dem Hellenen, wie sehr es dem König schaden könnte, sich zu erregen . . .). Es gelingt ihr, den König glauben zu machen, daß Antigonus beinahe nach der Herrschaft sich sehne, des Bruders Ende erwünsche. Juda Aristobul hält ihn solcher Pläne nicht fähig, hofft, die Königin davon überzeugen zu können. Antigonus soll nur erst einmal vor ihm erscheinen — waffenlos soll er es tun, und ihr, der Königin zuliebe, soll er .der Feldherrnwürde beraubt werden. Den Wächtern befiehlt Juda Aristobul, jeden, „und sei es auch mein feldtzerrlicher Bruder", niederzumachen, der in Waffen die Schwelle *) Wegen Raummangel verspätet. I überschreitet. Daß Antigonus zuvor die Jeldherrnrüstung äblegen soll, das möge ihm Salome durch den Boten Jschbofched sagen lassen. Dem aber sagt die Königin das Gegenteil. Die Tragödie der Irrungen beginnt . . . Antigonus naht, nichts ahnend. Unheil ahnen nur andere aus der Umgebung des Königs. Die haben gehört, daß von einem alten Effäer auf diesen Tag dem Antigonus im Stratonßturm der Tod prophezeit sei. . . Antigonus naht. Die Wachen tören ihn, als er an das Lager des Königs eilen: will.. Salome Alexandra macht kein Hehl aus ihrem Empfinden. „Ich habe mich gerächt, Antigonus —! Ich habe mich gerächt". Entsetzt erkennt der König das Geschehene, begreift aber noch nicht diesen „Irrtum". Entsetzt hält ihn Pinchas ben Matnat für den Mörder Antigonus, entsetzt fleht der Knabe Kaleb, der in rührendem, kindlichen Unwiffen die Zusammenhänge nicht ahnt, um Mitleid für seinen Herrn. Der Fluch gegen den Brudermörder, von den Priestern gegen den König geschleudert, vergrößert dessen Leiden, befchleuuigt sein Ende. In derselben Stunde, in der Hasmonäerblut im Königspalast vergoffen wurde, entströmt dem sterbenden Körper Juda Aristobuls sein eigenes Lebensblut. Der Knabe Kaleb, der eS auffängt, hinwegträgt, fällt an der Stelle, an der Auiigonus starb) die Schale zerbricht: „das Blut des Mörders vermengte sich mit dem Blut deS Ermordeten"! ruft Pinchas ben Matnai aus. Der Knabe selbst berichtet es in kindlichen Worten feinem Herrn. Da bricht Judas, des Königs Leben zusammen - er sucht den Tod, die Erlösung. In grenzenloser Selbsttäuschung spricht er zuletzt nur von dem Weib, das er heiß liebte und an deren Liebe er glaubte. Nur ihr Name entflieht noch einmal den Lippen des Sterbenden. Er stirbt als ein Glücklicher, Träumender .. . Ihm, dem Toten, sagt Salome, daß sie nun ihn liebe, denn jetzt ist sie frei, sie läßt Alexander Jannai aus dem Kerker holen, ihm die Königskrone, ihm ihre Liebe zu gewähren . . . Juda Aristobul ist vergessen, und nur einer wacht und weint bitterlich. Kaleb, der Page, klagt um seinen König. Diktzenschmidr widmet das Werk seinen „jüdischen Freunden". Nicht an allem werden sie Freude haben. Die - Sprache besonders in den ersten Szenen ist oft recht trivial und ganz unnötig verzerrt (der Dichter wollte wohl hebräischen Satzbau nächahrrien). Bei manchem müßte erst üte Bühnenaufführung zeigen, welche Wirkung entsteht. So aus den eintönigen, stereotypen Fragen und Antworten der Priester) oder aus dem immer gleichen Geschwätz des Kriegsobcrsten (Typus: miles gloriosus der Plautinischen Komödie und Falstaff der Shakespeare-Dramalik). Doch das sind Nebenfiguren: Jeruschalajims Königin beherrscht das Ganze, würde es noch mehr, noch innerlicher, noch mehr den Zuschauer in atemloser Spannung haltend, wenn nicht allzusehr mit äußerlichen Mitteln der Dichter sie zum Angelpur',kt des Handelns g emacht hätte. Ihre-allzu aufdringliche Erotik, durch die sie den König beherrscht, die allzu einfache Verwicklung, die durch die Anweisung an den Boten entsteht, die allzusehr an's Sensationelle, „Theatralische" gemahnende Szene mit der Vlutschale und anderes. Mir scheint, ein tragischer Konflikt hätte (seelenerschütternd) dann geschaffen werden können, wenn die zwei sich Aug' ln Aug'. gegenübergetreten wären. Antigonus und Salome. Die Konflikte werden nur' zu sehr durch Jntrigue und Hinterhältigkeiten geschützt, wachsen nicht vor unseren Augen ans den Tiefen menschlicher Leidenschaften empor, darin beruht des Stückes Schwäche. Der Dichter hat sich bemüht, das Milieu im Innersten jüdisch zu gestalten. Manches schöne Wort sprechen die Priester. Aber die Glut des feinfühlenden jüdischen Empfindens schwingt höchstens in den — Bühnenanweisungen. Darin ist — nicht in ihrem Tun — der Charakter mancher Gestalten angedeutet. Düs muß wohl im modernen Theater so sein . . Die eingestreuten Lieder Salomes, dle sie am Lager Inda Arlstobuls singt, (sie gelten in Wahrheit dem Kerkerhäftling Alexander Jannai), lassen nuk hin und wieder lyrische Glut aufleuchten, sie wollen Wortmalerei des „Lieds der Lieder" nachahmen. Das gelingt Herrn Dietzenschmtdt am besten, wo er auf eigenes Wort verzichtet und — Schir haschirim zitiert. . . Wann „Jeruschalajims Königin" sich im Licht der Bühne beschauen läßt, ist mir noch unbekannt. Vorerst werden noch andere Schalen des Blutes vor den Augen der Zuschauer vorübergetragen: Die nur von Haßgiertger, erhitzter Menge und von zusammengebrochenem Geiste eines gemarterten Knaben geschaute Schale, der die „Lüge des Blute s"entdampft . . Oder jene andere, in die aus JaakobsundEdoms Fleisch der Lebensstrom der Blu-kbrüderschast rinnt. Seltsame Aehnlichkeit der allerdings nicht gerade jüdischen Motive. Trotzdem und trotz mancherlei Fremdem bleibt in diesen Dichtungen erfühlte Ahnung jüdischer Welt. Jaakobs Welt, die über bas uns unjüdische Anmutende hinweg immer wieder lichthell vor uns aufleuchtet, (oder in düsteren Flammen auszuckt) und unser Innerstes er-' glühen läßt. In keinem mehr als in „Jaakobs Traum". Mag H. Kienzl den Helden auch mit dem lieblichen Epitheton „Linsenschieber" bedenken. Da scheiden sich Welten. Und begreiflich erscheints, daß Viele solche Werke nur der jüdischen Bühne Vorbehalten sehen möchten ... Karl Darmstädter.

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