Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 4 (29.1.1920)
- Date
- 1920-01-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
- Hrodna 1× ep/1044655
- Minsk 1× ep/1000754
- Pinsk 1× ep/1045440
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Bett? 6 Nr. 4 Für dis GenerklhebüLte die sich dem Referat? an schließt, werden je zwei bis vier Gctterrilredttkv für jede Fraktion bestellt. K^iKnLrVstch. Sir Samus! über Sie Lage in Polen* Waris, 10. Januar. Auf der Rückreise von Warschau nach London weilte Sir Stuart Samuel in Paris und hielt eine Reihe von Beratungen mit angesehenen jüdischen Persönlichkeiten aus allen Richtungen ab. An den Sitzungen nahmen als Vertreter aus Rußland, Winaveraus Galizien Dr. Ringel, ebenso Vertreter der jüd-schen Gemeinde zu Paris teil. Samuel ist der Ansicht, daß der polnischen Judenheit noch harte Kämpfe bevorstehen, bis ihre rechtliche Lage geklärt wird. Einen Stoß ins Herz der polnischen Judenheit bedeute die Einführung der Zwangjs-Sonntagsruhe. Samuel meint jedoch, daß die Polen in ihrem eigenenen Interesse, im Interesse des ökonomischen Wiederkksvaues ihres Landes, zu dem sie die Hilfe des jüdischen Mitbürgers wie des Auslandes gebrauchen, ihren Kurs in der Judenfrage bald Indern müssen. w» OB ■ «i Rrrtzland. Ponromaoifafion in Sibirien- Irkutsk, r. Januar. Auch Sibirien, das von- Pogromen bisher verschont geblieben ist, wird jetzt von einer Jndenhetze schlimmster Art durchmühlt. Traurig und höchst bedenklich ist die Tatsache, daß die wilde Pogromliteratur, die sich wie eine reißende Flut über das Land ergießt, auf gar keine Hindernisse stoßt. Auch die Zentral-Regierung entwickelt hierin eine Geduld, die zu den größter: Befürchtungen Anlaß gibt. In etne/n Proteste des jüdischen Nationalrats in Sibirien und Ural heißt es u. a.: „Wir erwarten von der verantwortlichen Macht energisches Einschreiten gegen die Pogromaufrufe und die antistmitische Propaganda. Insbesondere darf erwartet werden, daß die Jrkutsker Stadrduma 'kein Mittel unversucht läßt, das Volk über die schamlosen Lügen der antisemitischen Agitation aufzrttlären." Auch wurde man persönlich beim Gouverneur vorstellig. Dies alles hat doch dazu geführt, daß im sibtrischm Parlamente die traurigen fe sch ein un gen zur Sprache gelangten. Im Lause der Debatte stellte sich heraus, daß im Einverständnis mit offiziellen Regierungsorganen von den Antisemiten Plakate hergestellt wurden, auf denen in Wort und Bild zu Pogromen aufgerufen wlrd. Was der sibirische Ministerpräsident dazu zu sagen hatte, ist nicht bekannt, kenn der Zensorgriffel wütet heute noch in Sibirien ganz wie anno dazumal. Immerhin wird verlautdcnt, daß die Regierung nunmehr mit starker Hand den Hetzern, die zu Nutzen ihrer eigenen Lasche Verderben über das Land bringen wollen, entgegentreten will. eine jüdiftie Konteren? in weißrußlanS. MusK, 12. Januar. Die erste Konferenz der jüdischen Gemeinden Weißrußrands nahm am S. Januar in Minsk ihren Anfang unter Beteiligung von 80 Delegierten. Den Vorsitz führte der Vorsteher der Mtnsker Kehillah, Herr H. Churg in, der die Versammlung mit einer hebräischen Rede begrüßte. Er knüpft an den bereits im Jahre 1828 gegründeten „Waad Hakhilaus" an, der die Gemeinden Brisk, Grodno, Minsk und Pinsk umfaßte. Der Verband, der seit Beginn des neunzehnten Jahrhunderts nicht mehr existiert, soll nun in Minsk seine Wiederauferstehung erleben. Es sprachen bann Redner verschiedener Parteien. Im Namen der Agudas Jisroel begrüßt Herr Kerftein die Konferenz und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der neue Verband seine gesamte Tätigkeit auf dem Boden der jüdischen Tradition entfalten ' Der Ksrseitt wird. Der GemelnderaMne? Mbbi Jizchok ge. denkt der Opfer an Ont und Blut, die die litauische Judenheit in den letzten Jahren zu bringen hatte. Ein Antrag der Agudas Jisroel, den Senior der russischen Rabbiner, Rabbi Elieser Rabbinowitz zum Ehrenvorsitzenden zu wählen, gab Anlaß zu scharfen Auseinandersetzungen, die damit endeten, daß die Vertreter der Agudas Jisroel auf die weitere Beteiligung an den Wahlen verztch eten und ostentativ den Saal verließen. Mithin ging die zionistische Wahlliste ohne Gegenvorschlag durch. Zum Vorsitzenden des Verbandes wurde Herr I. Berger, zu Vizepräsidenten die Herren Fru mktn und Astarin gewählt. Innere ßegenläße in 6re? Jisroel* Jerusalem, 20. Dez. Das Bild der inneren Zustände im Gemeinde- und Volksleben Jerusalems ist nicht besonders erhebend, wobei es wenig Trost gewährt, daß die Dinge garnicht anders kommen konnten. Der moderne und modernste Nationalismus, von den politischen Faktoren aus äußeren Rücksichten in die Höhe getragen, sucht auf allen Gebieten die Herrschaft zu erringen, und die Verbitterung der traditionstrcuen Kreise wächst mit jedem Tage mehr. Ein Teil dieser Kreise macht gute Miene zum bösen Spiel und schließt sich entweder, wie die neugebackenen Misrachisten in aller Korm dem Gegner an, oder aber sympattsiert wenigstens mit ihm wie z. B. das von brr zionistischen Kommission unterhaltene Bis Din oder wie Rabbiner Kuk- Man darf diese Anschluß- oder Sympathie Politik hier aber keineswegs als ein Nachlaffen des religiösen Ernstes bewerten — sie ist bloß eine Form der Taktik, die zwar falsch und verhängnisvoll sein mag, aber sicherlich ehrlich gemeint ist. Der überwiegende Teil der thoratreuen Bevölkerung, insbesondere der Talmide Chachamim. hält jedoch zu den RabbinenDiskin und Sonnenfeld mit ihrem Waa d ho tr, die jedes Paktieren mit der zionistischen Neologie schroff ablehnen, ja sogar auch in unverhüllte Gegnerschaft zu Rabbiner Kuk treten. So gibt es denn zwei Bothe-Dinim,zwei Waade-Hoir, zwei Ehestands, und Geburten-Mairikel, und von Gemeinde- Einheit sind wir weiter entfernt als je. Wie der Kampf ausgehen wird, hängt, soweit menschliche Faktoren dabei mitsprechen, von dem Maße der Unterstützung ab, das die u n a b h ä n g t ge Orthodoxie in den neutralen und Entente-Ländern — wenn es eine solche dort noch gibt — den hiesigen Gesinnungsgenossen auf die Dauer zuteil werden lassen wird. Auch die in Entwicklung begriffene palästinensische AgudasJisroel kann aus sich h e ra u s auf religiösem und kulturellem Gebiete (Talmud Thora-Schulen und Jeschiwos!) mit den Zionisten nicht konkurrieren, solange die amerikanischen und englischen Orthodoxen ihre Gelder ohne Vorbehalt einfach in die Kasse des zionistischen Waad hachtnuch stießen lassen. Die besondere gesetzestreue Erziehungs-Commission, die von misrachistlscher Seite in London geplant worden war, scheintnunmehr ganz aufqegeben zu sein zu Gunsten einer Vertretung von */* oder % innerhalb des Waad hachinuch. Die der „Freien Vereinigung" in Frankfurt gehörenden Nezach-Jisroel-Schulen, zu denen in den letzten Monaten noch Anstalten in Haifa und Jerusalem unter dem gleichen Namen und der gleichen Leitung getreten sind, arbeiten ebenso wie das zum selben Schulsystem gehörige Lehrerseminar und die Mädchenschule in Pethach.Tikwa mit fast dem gleichen Lehrerpersonal wie früher unter der Direktion Dr. B. Lew ins im Geiste ihrer Begründer erfolgreich weiter, und man hat auch bis jetzt, obgleich fast das ganze Budget vom Baad hachinuch gedeckt wird, ihre Unabhängigkeit (auchder Misrachi hat, entgegen manchen Zeitungsmeldungen mit diesen Schulen nicht das geringste zu tun) nicht anzutasten gewagt — aber wie Januar 1830 lange es dem tatkräftigen Dr. Lewitt gelingest wird, diese UnnWngMst zu bewahren, wer möchte dafür Garantie leisten. So hängt buchstäblich die Zukunft Crez Jtsroels — denn wer die Schule hat, der hat die Zukunft — von der Fundierung eines echtjüdischen Erziehungswesens durch die zahl'ungsfähigen Gruppen der Orthodoxie ab, mit Kronen und Mark kann man gegenwärtig in Palästina nicht arbeiten — es müssen schon Dollars, Pfund, Francs und Gulden sein. Kelsterbach a. M., 25. Han. Am 37. Teweth verstarb hier plötzlich und unerwartet Abr. Adler H im Alter von 75 Jahren. Mit ihm ist ein wahrhaft religiöser Jehubt dahingegangev, nach so recht von altem Schlag. Seit einer Reihe von Jahren Gemeind kältester und Vorstand, verstand er es in seiner Person alle edlen Vorzüge zu vereinigen, und seiner Kehilloh in allem ein Vorbild zu sein. Herr Rabbiner Dr. Marx, Darmstadt widmete dem Verstorbenen warme Worte des- Dankes im Namen seiner Gemeinde und Klall Israel. Die Familie, wie die Gemeinde verloren ihr Haupt. Möge er, der so -viel Gutes getan, in Frieden ruhen! rvaittn. Vermischtes. Frankfurt a. M., 14. Jan. Das allgemein gesteigerte Verantwortungsgefühl der Orthodoxie, ihre immer intensivere Thoraarbeit, zeitigt wie im ganzen B. I. A. auch bei uns günstige Folgen. Sowohl im Kreise unserer Verbindung als auch über diesen Rahmen hinaus ist jeder Einzelne bestrebt, im Sinne unseres Ideals, im Sinne der Thora, zu wirken. Laut Peretnöbeschlutz ist jeder Bundesbruder zur Teilnahme an einem V. I. A.-Schiur verpflichtet - außerdem beteiligen sich die Bundesbrüder noch an einem oder unschweren Privatschiurim. In unserer B. I. A. werden zurzeit zwei Gemoroh-Schiurim (Sanhedrin und Kiduschtn), zwei Mischna-Schiurim und verschiedene Kurse in jüdischen Disziplinen abgehalten, die sich regen Besuches erfreuen. Unsere wissenschaftliche Arbeit wt:d ergänzt ln den allwöchentlich stattfindenden Referatsabenden. an denen bisher über folgende Themata gesprochen wurde: „Ein Beitrag zur Systematik des Talmnds", „die Stellung der Ntchtjuden im jüdischen Staate", „die politische Sendung der jüdischen Nation", „der Zionismus im Geiste des gesetzestreuen Judentums", „Jüdische Rechtsvergleichung und Rechtsphilosophie", „Wie wollen Propheten gelesen sein"? Der Fuchsenunterricht findet regelmäßig statt. Auch der gesellige Teil kommt nicht zu kurz. Neben den alltäglichen Treffpunkten beim Stehkonvent auf der Universität und beim Effen, sowie den kleineren inoffiziellen Zusammenkünften bei alten Herren und in jüdischen Kaffees, finden alle 14 Tage in der Wohnung eines alten Herren offizielle gemütliche Zusammenkünfte statt. Während des Zwtschensemesters soll die Vereinstätigkeit ungeschmälert ihren Fortgang nehmen. Gießen, 2. Jan. Die Gietzener israelitische Religionsgesellfchaft richteten ein Anschreiben an den Magistrat, in dem sie sich über das ungezogene Benehmen der Schüler der Gießener höheren Lehranstalten gegen die jüdischen Mitschüler und die Verrohung, die sich in der Zertrümmerung der Fenster jüdischer Wohnungen und Gotteshäuser kundlut, beschweren. Der Oberbürgermeister erklärte, daß die Stadtverwaltung für die Abstellung der Mitzstände unzuständig sei, daß aber ein Einschreiten der zuständigen Stellen geboten erscheine. Wiesbaden, 9. Jan. Am w'd rav fand das 50 jährige Amisjubiläum des Rabbiners der alttsrae- Mischen Kultusgemetnde in Wiesbaden, Herrn Dr. Leo Kahn, statt. In Rücksicht des herben Verlustes, den der Jubilar durch den vor kurzem erfolgten Heimgang seiner Gattin erlitten, hatte »er Jubilar gebeten, von jeder festlichen Veranstaltung Abstand zu nehmen. Aber die dankbare Gemeinde hat es sich nicht nehmen laffen, wenn auch in geräuschloser Weise, ihren Gefühlen der Verehrung Ausdruck zu geben. Das festlich geschmückte Gotteshaus konnte die Menge der Besucher kaum faßen, welche ihrem Rabbiner ihre Treue und Anhänglichkeit bekunden wollten. Leider war eS dem Jubilar infolge einer Unpäßlichkeit nicht vergönnt, dem Gottesdienste beizuwohnen. Um s» inniger und ergreifender waren die Worte der An- . erkennung und Verehrung, welche nach Schluß der .Thoravorlesung der Vorsitzende der altisraelitischen Kulrusgemeinde, Herr Dr. med. H. Kornbum, an die Besucher des Gotteshauses richtete. In tiefer Stimmung lauschte die Gemeinde den Worten der Festpredigt des Schwiegersohnes de« Jubilars, Herrn Rabbiner Dr. A. Loeweuthal aus Berlin, »er in markanten Ausführungen die Eigenart des Jubilars, sein Forschen, Lernen und Lehren, sein vorbildliche- Wirken und seine unvergleichliche Hilfsbereitschaft kennzeichneie, Im Rabbtnerhause, das mit reichen Gaben geschmückt war, Überbrachte der Vorsitzende de» Gemeindevorstandes, Herr Dr. Kornblum, die Wünsche