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Der Israelit · 1920-01-29 · Heft 4 (29.1.1920) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 4 (29.1.1920)
Date
1920-01-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ä». Jänuär 1Ä0 in den Lehrstätten JssochorS wurzelt und reift, und wenn darum aller Ertrag, den Sewuluus Schiffe den heimischen Gestaden zu. führen, letzten Endes dem gleichen Ideale zu« wächst. Solange jedoch — wie heute — die Verhältnisse und Individualitäten ein Hohn auf ^dieses Ideal sind, gibt es kein befferes Mittel, um die »“Hin uns einem Volkskreise in wenigen Generationen gänzlich zu eliminieren, als wenn die gesamte Orthodoxie ausschließlich »"Hin lernt und dabei die politische Führung den entfremdeten Genoffen nationaljüdischen Bekenntnisses überläßt. Denn politische Führung nach außen bedeutet in unserer Zeit notwendig beherrschenden geistigen Einfluß nach innen, und eine Jugend, die erst einmal damit sich abgefunden hat, daß die öffentliche Verneinung der.jüdischen Heiligtümer geradezu zur Voraus.setzung für eine jüdische Führertättgkeit wird, ist sicherlich nicht mehr fähig, die sittlichen Wertmaßstäbe des Thoragesetzes für jüdische Menschengeltung in Wahrhaftigkeit nachzurmpfinden. So muß die W ü r d e des Gottesgejetzrs als des Alleinherrschers in Israel von Tag zu Tag sinken, ^rnd die Thora wird zur Klosterwissenschaft, nach der schließlich niemand Mehr fragt- Es ist darum natürlich, daß grade in der Slowakei selbst die außerordentlich entgegenkommenden Vorschläge des Natioualrates zu einer Vereinheitlichung der praktischen Vertretung von der Landesrepräsentanz der Orthodoxie nicht angenommen wurden. Daß es der Orthodoxie an ausreichend geschulten Führern heute noch gebricht, ist ein Geund mehr, um die Forderung nach politischer Autonomie umso nachdrücklicher zu erheben, denn nur der Zwang des Bedürfnissewird diese Führer allmählich schaffen, nimmermehr die Einschachtelung in dieareltgiös geführten Nattonalräte oder gar die Anerkennung des zionistischen Aktionskomitees als politischer Führung. Die Agudas Israel und die ostjüdischen Arbeiter. Von Rabbiner Dr. Jaeobttin Berlin. Im Herbst 1916 trat die Agudas Jtsroel an mich mit dem Vorschläge heran, die Fürsorge für einige Hundert von ihr nach Oberschlesien vermittelten polnisch-jüdischen Bergarbeiter zu übernehmen. Im November desselben Jahres reiste ich mit dem Vertrauensmann der Agudas Jisroel für Oberfchlesien nach Kattowitz, um mich an Ort und Stelle zu entscheiden. Es bedurfte keines geschulten Blickes, um zu er- Der Israelit. kennen, daß hier schwerste soziale Probleme vorlägen. Ich wollte umkehren, aber der langgehegte Wunsch, das ostjüdische Problem undIinsbesondere das Problem der ostjüdischen Arbeiter zu studieren, bestimmte mich schließlich,, das mir angebotene Amt zu übernehmen. Ich wurde ossiziell Geschäftsführer der „Arbeitervermittlung der Agudas Jisroel in Kattowitz", eine Arbeiteranwerbung und -Vermittlung hat jedoch unter, meiner Geschäftsführung nicht mehr stattgefunden) ich habe mich, unter der Zustimmung meiner Auftraggeber, allein der Fürsorge für die polnisch-jüdischen Arbeiter gewidmet.' Die Fürsorge erstreckte sich sowohl auf die materiellen wie auf die geistigen und religiösen Bedürfnisse der Arbeiter. Ich war ein halbes Jahr in Oberschlesien als die Agudas Jisroel mir mitteilte, daß sie sich veranlaßt sehe, ihre Arbettervermittlung und demgemäß auch mein Amt aufzulösen. — Drei inhaltsschwere Jahre sind seitdem vergangen. Da werde ich auf einen Artikel aufmerksam gemacht, den Julius Berger in der Wochenschrift „Volk und Land", 1. Jahrgang, Heft 27 über „Ostjüdische Arbeiter im. Kriege" veröffentlicht hat. Der Artikel enthält so schwere Angriffe gegen die Agudas Jisroel, daß ich es als eine Ehrenpflicht betrachte, aus intimer Kenntnis der Personen und Dinge mich über das Verhalten der Agudas Jisroel gegenüber den ostjüdilchen Arbeitern zu äußern. Ich bedaure, daß ich es nicht umgehen kann, dabei über meine persönliche Arbeit in Obeschlesien öffentlich zu reden. Infolge der ungeheueren Not, in die die jüdische Bevölkerung Polens durch den Krieg geraten war, war eine Anzahl Juden, insbesondere aus den Grenzbezirken, in die Bergwerke Oberschlesiens gegangen, um hier Brot und Lohn zu finden. Schon vor dem Kriege haben. Juden in den Bergwerken gearbeitet. Heuer bet dem empfindlichen Mangel an Arbeitskräften wurden sie von den Verwaltungen freudig begrüßt. Die Mehrzahl von ihnen war aber — ich begegne mich da in wesentlichen Punkten mit der Charakteristik, die Berger in seinem Aussatz von dem oftjüdischen Arbeiter entwirft — für die schwere Bergarbeit überhaupt oder zunächst ungeeignet. Es waren viel kleinbürgerliche Elemente unter ihnen; losgerissen von Weib und Kind und jüdischem Leben, in eine unjüdische und z. T. antijüdische Umgebung versetzt, fühlten sie sich noch unglücklicher als in ihrem Hungerdasein in Polen. In ihrer Not wandten sie sich um Schutz an die Agudas Jisroel. Vertrauensleute der Agudas Jisroel hatten inzwischen in Polen selber Einblick in die dortigen traurigen Verhältnisse gewonnen, die durch Endlich war für sie gekommen der Erlösung hehre Stunde — Uebermächt'ger, urgewalt'ger war nichts auf dem Erdenrunde. Da geschah's auf einmal, daß ein Sturm die Wogen brausend strich, Daß die Flut sich spaltete, das Meer scheu auseinander wich. - ». Nr. t. Seite r den Krieg ins Unerträgliche gewachsen waren, und forderten die Leitung der Agudas Jisroel auf, eine großzügige Aktion zur Verbesserung der Lage der polnischen Juden einzuleiten, d. h. ihnen zu Arbeit und Verdienst zu verhelfen. Mit schwerem Herzen entschloß sich die Leitung der Agudas Jisroel, polnische Juden als Arbeiter nach Deutschland zu vermitteln. Sie trat mit zwei großen oöerschlesischen Gruben tu Verhandlungen ein und versuchte bei der Negierung in Oppeln eine Einführungserlaubnis für polnisch-jüdische Arbeiter zu erwirken. Die Bemühungen waren von Erfolg begleitet: die . Einführungserlaubnis wurde erteilt, und die Grubenverwaltungen gingen, da sie damals Arbeiter dringend brauchten, bereitwillig auf alle Bedingungen ein, die die Agudas Jisroel stellte. Was waren das für Bedingungen gewesen? Die Aktion der Agudas Jisroel verdankte ihre Entstehung allein dem Wunsche, den unglücklichen polnischen Juden Brot zu schaffen. Ihre Vertreter forderten darum ausreichende Entlohnung und Gleichstellung mit den inländischen Arbeitern. Sie forderten zu zweit, worauf auch die Regierung in Oppeln Wert gelegt hatte, Unterbringung in eigenen Wohnhäusern. Sie forderten endlich, daß für die jüdischen Arbeiter rituelle Verpflegung rin geführt mb Sabbatruhe gewährleistet werde. Selbst der kritischste Beurteiler wird ein' räumen müssen, daß diese Regelung ihren Mo" tiven und Zielen nach einwandfrei war. Nicht aus „parteireligiöser" Engherzigkeit, sondern aus gutem Wollen, mit felner'Hsychologie und richtigem sozialen Takt war Sorge getragen für die Bedürfnisse — die materiellen wie ideellen — des kleinbürgerlichen Elements, dem in der Not der Zeit im fremden Lande eine neue, jüdische Heimat geschaffen werden mußte. Indessen, in der Rechnung der Agudas Jisroel gab es vor allem zwei unbekannte Größen, die sich aufeinander hätten einpassen müssen, aber sich nicht zueinander fanden, die jüdischen Kleinbürger als Arbeiter und die Grubenverwaltungen als Arbeitgeber dieses neuartigen Arbeitertyps. Es hat sich in einer nicht unbeträchtlichen Anzahl von Fällen in den von der Agudas Jisroel versorgten Kohlengruben und den anderen oberschlesischen Gruben, die unabhängig von der Agudas Jtsroel durch eigene Beamte Juden im besetzten Gebiet hatten anwerben lassen — gezeigt, daß die Juden, zumal die Jüngeren unter ihnen, sich allmählich an die Bergarbeit gewöhnten und tüchtige Arbeiter wurden. Aehnliche Erfahrungen hat man ja bei der keineswegs leichteren Arbeit in den Munitionsfabriken gemacht. Es wäre möglich ge- Wtld auf ihre Leichen schleudert das erzürnte Meer die Wellen- Doch Jisroels Siegsgesänge brausend auf zum Himmel schwellen. Doch bald reut' es den betörten König, daß er sie entlassen, Sie zurückzuholen, zieht er auS mit. großen Heeresmassen. Und schon sehen Israels Scharen, hingelagert an dem Meere, Wie da näher, immer näher kommen die ägyptischen Heere. Und in seinen Herzensängsten fleht Jisroel laut zu Gott, Datz Sein Volk Er gnädig retten, retten wollt' aus Not und Tod. Dann mit vorwurfsvollen Klagen wendet Israel sich an Mose, Weil aus Knechtschaft er sie führe hin zu einem härteren Lose. Doch der glaubensstarke Führer stillt den Sturm der schwachen Seelen: Fürchtet nichts! Bleibt ruhig steh'n! Ihr könnt' auf Gottes Hülse zählen! Sehen sollt ihr die Aegypter nimmermehr, nur heut' allein — Gott, der Herr, wird für euch streiten, aber ihr sollt stille sein. Als aus göttliches Geheiß, Jisroel dicht an's Meer ,,, nun zog, Mosche dann ob Flut und Welle, Stab und Hände breitend bog: Bor den Scharen unseres Herrn, die tief im Meeresbette zogen, — Hehr'steS Wunder! — siehst Du stehen wauergleich die Wasserwogen! Sieh', tief unten, flutumrauschet, geht das Gottesvolk im Trocknen — Die Aegypter schau'nS mit Augen, mit erstaunten, tieferschrocknen, Doch von Wahnwitz schwer befangen, stiegen sie nun auch in's Meer, Alle, König, Wagen, Reiter, alle hinter Israel her — DaS mit Gottes mächt'gem Arm gewonnen schon die andere Seite, Während die Aegypter wurden bald des wildsn Meeres Beute, Denn ein „Gottesblick" zerstörte ihre Wagen, ihren. Trotz — Alles stockt — „Auf, laßt uns fliehen"! spornt ein jeder den Genoß. Doch zu spät! — Schon neiget Mosche, wie gebeut das Gotteswort, Ueber's Meer die Hand — und wieder kehrt's zurück zu seluem Ort. Rauschend, donnernd, schäumend, stürzen über sie die Flutenmauern, Volk und König, Rotz und Reiter — ferner sollen ' sie nicht dauern. 12 Sätze. Von Gedaljah. 1. ES gibt Gemeinden, in denen Vielen nichts zu teuer ist an Schmuck, Luxus und Vergnügen — aber nichts daran liegt, ob ihr jüdischer Lehrer mit seinem Jammerlohn am Hungertuch nagt. 2. Es gibt Gemeinden, in denen die Parnossim höchst aufgebracht sind, wenn der Lehrer nicht standesgemäß daherkommt, nicht standesgemäße Geschäfte betreibt, — die aber sehr ruhig darüber schlafen, ob der Mann denn standesgemäß daherkvmmen und von seinem „standesgemäßen" Beruf leben kann. 3. Es gibt Gemeinden, in denen die „Leitenden", wenn sie von jüngerer Seite auf Mitzstände aufmerksam gemacht werden» die sehr Beleidigten und Mißachteten spielen —, anstatt zur Freude der Jugend sich selbst als die Besserer, die Neugestalter zu bewähren, als diejenigen, die d'jbh nant>a naw nip i'.i' o'Jijni. 4. Es gibt Gemeinden, in denen die Lehrer gar ängstlich darauf achten, daß neben ihnen ja keine

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