Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 4 (29.1.1920)
- Date
- 1920-01-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Halten Sie bestellt? Samson Raphael Hirsch’s großen PentateuchCommentar in neuer Auflage erhalten die Abonnenten des „Israelit“ (auch neu hinzutretende) als Prämie ml i. 25-unter dem Ludsupreise zu Mk. 36.— statt Mk. 60 — Lieferung in 15 Heften zu je Mk. 2.40, auf Wunsch, auch bandweise. Wir bitten um eifrige Propaganda für den „Israelit“ in Freundeskreisen. Vertreter gegen Provision überall gesucht. Frankfurta. M. Verlag des „Israelit“ G. m. b.H. ■ WochenmOscha«. Sie Neuorganisation des amerikanischen HWumks für Polen. Der Vertreter des amerikanischen Hülss- Werks in Polen, Dr. Bogen, der mehrere Monate in Amerika weilte, um Ghort die in Polen gewonnenen Erfahrungen zu verwerten, befindet sich jetzt auf der Rückreise nach Polen. Er hat vor seiner Abreise einem Mitarbeiter des New-Aorker jüdischen Blattes „Vorwärts" folgende Einzelbeiten mit geteilt: „Die Verbindung zwischen den Juden Amerikas und Polens soll organisatorisch ausgestairet werden. Da die Verkehrswege schon offen sind, ist die Möglich, keit für viele amerikanische Juden gegeben, ihren Angehörigen und Verwand en in Polen Geld und Bedarfsgegenstände zu senden. Diese Hilfe kann nur dadurch wirksam werden, daß in diese Sendungstätig, keit ein System gebracht wird. Es soll eine Agentur eingerichtet werden, welche die Sendungen annimmt und für ihre Beförderung garantiert. Polen wird in 20 Rayons geteilt, von denen jeder Rayon ein söge, nanntes Quartier als Hauptott haben wird. Die Zentrale — - unter Leitung von Dr Bogen — wird sich in Warschau besinden. Pakete ober Gelb werben in das den Verteilungsorten nächste Quartier dirigiert und von dort in Automobilen den Empfängern über» mittelt werden. In jedem Rayon wird als Hauptleiter ein Vertrauensmann von der amerikanischen Judenschast amtieren. Hundert große Automobilsia- Vom Freihellslied. o ,??* ,?rste Gesang, der in Israel ertönt, ist ein Freiheitelsed. Der erste und älteste Feind Israels war geschlagen, vernichtet und das Wort des Lobes und des Dankes steigert sich im Munde der Geretteten zum Gesänge. Doch war das Lied spontan aus der Seele des Volkes entsprungen, oder nahm man sich die Zeit, es erst sorgsam einzuüben, sang man es laut durcheinander, in Strophen, in Wechselchören oder sonstwie? Das Wort der Thora besagt darüber nichts, umsomehr und eingehender suchen unsere weisen Lehrer diese Einzelheiten zu ergründen. Nach Mechtlta zur Stelle bildete das 2*ix ivx den Beginn des Gesanges (ivx WM■rwn 'in nr am Danach gibt der erste Chor tn mächtigen, raschen harten ungebundenen Sätzen den Rachegefang der Aegypter wieder: anwt nmx, „Ich tftße, teile Beute, kühle meinen Mut an ihnen, zucke mein Schwert, usw." Der andere Chor erwidert keit. im. einzelnen erst noch zu prüfenden Nachrichten vor allem die letzte, die in dieser Fdrm p-änzlich unglaubwürdig ist, bei der vielmehr der Munsck» des Berickterstatters der Vater tionen (5 in jedem Rayon) sollen errichtet werden. So wird es möglich sein, monatlich 150 000 Sendungen, also etwa 3 Millionen jährlich zu übermitteln. Die Geldunterstützungen waren bisher nicht richtig verteilt worden, da — insbesondere durch die Indolenz der reichen Juden Polens gegenüber dem Hilfs» werk — alles den Amerikanern überlasten wurde. Das Joint Distribution Committee beschließt, wieviel Geld jedesmal noch Polen zu schick?» ist, .gleichgültig, ob es zu viel oder zu wenig ist. Dr. Bogen wird nun * in Polen dieselbe Austeilung auf Komitees durchführen, wie sie in Amerika besteht. 'Nach fernem Vorschlag sollen die Komitees aus Arbeitern, Vertretern der Orthodoxie nnd solchen bemittelten jüdischen Persönlichkeiten be-- ftehen, welche sich für die Hilfsfonds selbst besteuern. Solche Komitees sollen in allen Teilen des Landes organisiert werdendas Hauvtkvmilee wird sich in Warschau besinden. Dieses wird die Verteilung der Gelder auf die einzelnen Landestetle beschließen und den Ortskvmitees werde die Beschlußfassung über den Vertetiungsmodus der Gelder unter die Bevölkerung verbleiben. Für diese neuorgantsierte Hilfstätigkeit wurden eigene Angestellte ausgebildet und vor allem über die Lage der Juden in Polen eingehend inforyriert. Vorläufig machen 25 Angestellte mit Dr. Bogen dieUeberfahrt. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß das Htifswerk einen Stab von etwa 300 Beamten erfordern wird." Es ist erfreulich, daß man in Amerika die Mißstände bei der bisherigen einseitigen, ganz nach dem zionistischen Partei-Interesse orientierten Verteilungssyftem endlich anerkannt hat nnd anscheinend dafür Sorge tragen will, daß gemäß den Anträgen der polnischen Agnüa auch der orthodoxen Bevölkerung und ihren Institutionen Lebensrecht gesichert wird. Mchor und Sewulun. Durch die nationaljüdische Presse der Tschechoslowakei geht die Sensationsnachricht, der Muukaczer Rabbi habe soeben in einer Predigt die seine Hörer angeblich überraschende Feststellung getroffen, daß die Juden weder Magyaren, noch Tschechen, noch Slowaken, sondern schlechtweg Juden seien, und daß sie als solche vor allem ihre Sprache, die Sprache des Golus, das Jiddische, in Treue zu bewahren hätten. Anderen Tages babe der Rabbi den Präsidenten des jüdischen Nationalrates zu sich bitten lassen, um mit ihm eine politische Einheitsfront zwischen Chassidim und Nationalisten zu vereinbaren! Zwar weiß ein anderes Blatt oereits zu berichten, daß sich doch die Unmöglichkeit eines chassidffch-zionistischen Blocks sehr schnell herausgestellt habe, allein der Rabbi habe zugegeben, daß dieOrthodoxie nicht im stände sei, die politische Vertretung ihrer Massen nach außen selbständig zu führen. Uns interessiert an diesen auf ihre Richtigdes Gedankens war. Der Munkaezer Reböe bildete bekanntlich von jeher den äußersten rechten Flügel, man darf außerdem sagen die beherrschende Macht der ungarischen Orthodoxie. Wenn es aber einen Programmpunkt giebt, der grade in Ungarn und jetzt tn der slowakischen Orthodoxie tu voller Klarheit im Bewußsetn lebt, so ist es die unb eding te Notwendigkeit selbftän d'iger politischer Vertretung für die Lebenstnteressen des thoratreuen Judentums. Der Gedanke, zwischen politischen und religiösen Angelegenheiten zu scheiden, für letztere die Selbständigkeit, für jene aber die Gemeinsamkeit, mir anderen Worten die Vormundschaft der nationaljüdischen Akademiker zu proklamieren liegt an sich grade im Osten unendlich nahe. Den gänzlich in Cheder und Jeschiwa großgewordeuen, in der Atmosphäre der Thora lebenden Kreisen, denen, wie tn Rußland, die genügende Kenntnis der Landessprache oder, wi vielfach in Ungarn, mindestens die politische un technische Bildung abgeht, ist es ein verlockendes Bild, ruhig im Zelte der Thora zn verweilen nnd dem Bruder „Nationalrat" die iästigeu profanen Geschäfte politischer Verhandlung mit den nichljüdlschen Mächten überlassen zu können: Jssochor und Sewulun! So kommt, scheint es, jeder zu seinem Rechtees entsteht kein7>lk22 min, die Orthodoxie „lernt" ungestört irn Beshamidrasch, und das „öde politische Gezänk" mögen jene ruhig als ihre Domäne mit Beschlag belegen. Wir erinnern uns, dieses ganze liebliche Bild — so ungefähr, wie sich nach des Malbim geistvoller Erklärung Vater Jzchok vor seiner Enttäuschung das Jdealverhältnts Esaus zu Jakob dachte —, von einem persönlich gesetzestreuen Prager Nationalisten ausgemalt gelesen zu haben. Allein daß man nun grade inMunkacz— nach dem w?mg verlockenden Drohobycer Vorbild — auf diesen nur für gänzlich weltfremde Gemüter oder für geheime Parteigänger des politischen Nationalismus ernst zu nehmenden Traum hinetngesallen sein sollte, erscheint uns undenkbar. Jssochor und Sewulun — die Trennung der Politik von der Religion, des öffentlichen Einflusses von der religiösen Erziehung tut nur gut, wenn beide Brüder auf demselben Boden altjüdtscher Weltauffassung stehen, wenn der Geist, den Sewulun draußen aus dem Markte des Lebens vertritt, sanft: *jnro netw, „Du ließest deine Winde wehen, das Meer bedeckte fte", usw. Und nun das ganze Volk im Kehrreime verein'gt '1 '«1 w! „Wer gleicht Dir unter den Mächten, o Ewiger"!- Außer in der angeführten „Mechilta", w'.rd noch über die Art, wie das Lied am Meere gesungen wurde, auch in der „Tosesta", sowie in Talmud „Sora" 30 verhandelt. Nach Rabbi Akiba hat blos Moses die einzelnen Sätze vorgesungen, während das Volk nach jedem Satz mit den Worten einsiel: rn'PN hb, „Ich singe dem Ewigen, denn groß ist er" usw. R. 'I o ß e H a g eli l i ist hingegen der Meinung, daß das Volk Moses Worte Satz für Satz im Chore nachgesungen hatte. N. ElieserSohnAsarjas Ansicht geht dahin, daß Moses nur das Stichwort gab, so etwa, daß Moses 'iP ii'VX ansiimmte und das Volk dann den ganzen Vers oortrug. R. Nechumja sieht im Gesänge ein Wunder, würdig des Anlasses, aus dem er entstanden ist. Moses intonierte nur und das Volk sang in heiliger Begeisterung und von höherer Eingebung geleitet, das ganze Lied herunter. iDaher mag auch ein alter Brauch kommen, der bereits in |bhi nenn angeführt ist und heute noch in vielen alten Kehilaus zu Recht besteht, nach dem ni’P o'n am n'wa tsv, wie am nvd bv ’jnstp von der ganzen Gemeinde mitgesungen wird). Es fehlt auch nicht an Meinungen, die'das Wunder des Gesanges noch weiter unterstreichen, mit der Bemerkung: bbw 'x nt icxi 11X18 n^aan ivx »am bv ‘naia. Selbst der Säugling auf dem Schoße der Mutter reckte den Hals und sang: „Dies mein Gott, ich will ihn preisen".- Diesem maxi 'x 17 (nach Hirsch: „Ihm will ich Stätte sein"), hängt der Midrasch eine vielsagende Bemerkung an: „Hier.sagen sie nur einmal 'x nr, nach 5e i Erlösung der Zukunft wird aber zweimal der Gotiesname angerufen, nach dem Satze: ii ia’p7X 131 uw'a nnötwi >-Hva iP mp 'i nr bw»i )b laip. Das kann etwa so verstanden werden: In Mizrajim war des Volkes Vertrauen nicht stark genug, baß es die Erlösung gerechtfertigt hätte. Es war unverdiente Hilfe um Israels Zukunft willen. Nur einmal können sie daher Gott anrufen, unter heiligen Gelöbnissen für die Zukunft njäöiax, maxi, mit dem Vorsätze, fortan wenigstens durch doppelte Gotteshuldigung die Fehler der Vergangenheit wettzumachen. Die letzte Geula kann sich jedoch später nur aus striktes, rückhaltloses Vertrauen aufbauen, darum wird es xin*7 ItfiyP im doppelten Sinne heißen: ,17 l3'p7X iai, es ist dies der Gott, 17 )31p, dem wir schon immer vertrant, iaywi, daß er uns half, der gleiche Gott, auf den wir auch fernerhin unser Hoffen setzen ir>W2 inatpai tfa’aa )b ia'ij? 'i nt, daß wir uns seines Heiles dauernd erfreuen dürfen. Keines IeMetsn. Der Durchzug durch'- Rote Meer. Von David Pineas. Endlich war das stolze, harte Herz des Phareo bezwungen, Und er ließ Jisroel ziehen — sie „die Alten nebst den ' Jungen".