Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 4 (29.1.1920)
- Date
- 1920-01-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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61. Iskirgskig, ^rsnkkutt s m., dm 29. Januar 1920 9. Schebat 5680. ASonnewent pro Riertetjobr r Deutschland bei den Postämtenr M. 3.75, ö-.i direkter Bestellung und Rechnungserteiluug durch den Verlag M. 4.50 vierteljährlich, für Lehrer und Kulinsbeamte (nur direkt) M. 2.25 vierteljährlich. Dentsch-Oesterreich und Ungarn Kronen 12.50 Viertels.; Tschecho-Slowakei Kr. 7.50 Viertels., Holland fl. 1, Skandinavien Kr. 2, Schweiz, Frankreich und Belgien Fr. 1.50, England 1 8h. 6 p., Amerika 0.50. Doll, vierteljährlich. Durch den Buchhandel wie beim Verlag. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag Inserate: 60 Pfennig, Stellengesuche 50 Pfg. ex. lustveTenernngsznschlagiürdie sechsgesvaltene Colonel- Zeile: Rabatt nach Tarif Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. tn. b H., Frankfurt a.M., Gr. Eschenheimerstr.23 Tel. 5842, AmtHansa, sowie sämtl. Annoncen-Erped. de8 In- und Auslands. Vlahvorschriften ohne UerdindUchkett. 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Aufsätze: Rabbiner Dr) Jakobus-Berlin l Nie Agudas Atsrori und die ostMifchrn Arbeiter. — Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, (Heutralstelle für Wanderarrnenfursorge). — Berlin, (Herr vcu Delbrück und der Auilsemitismus). — Berlin, lGesaint-Organisotion der deutschen Juden). — Heibrvnn, iDie neue' jüdische Berfassung in Württembergs. — Warschau, lProduktive Arbeit ohne Hilfe der Assimilation). — Warschau, (Kriegswaisew Häuser der „Agudaö Jisroel"). — Kowllv, (Die erste Konserem des jüdisch-!ituuischeu Nationalrates).. — Paris, sSir Saniuel über die Lage in Polen) — Jrkillsk, iPogromagiral on in Sibirien). — Minsk. — Jernst'.len:. — 7. Personalien. — 8. Vermischtes. — B er e in s w es en. — Frankfurter B er i ch t e. — Familienoachvichlen — Vereinskalender. - Gebetzeittn. 9. Literarische Warte: Der junge Grätz bei Samson Raphael Hirsch. — Zeilschristcuschan — Bücher- Einlauf. — Tictzenschmidt: „Jeruscholajiirs Königin" — 10. Feuilleton-Beilage: So r>n Pech! — Eine Waldgeschichte. — Jüdische Kunst und Kultur. — 11. K i« 0e re ck s. Charniicho Osor bischa-au— Das Neujahrs-' fest Iler Bäume. — Erziehung und lehret Patfluzeu — - --0 ~ v *• * "v-'v** tu Ostpreußen — Anteil der isrüctitischen Lehrer des Regierungsbezirkes Cassel am Weltkriege. — 1. Die Einführung tu den Ri ischnoh- und Dinim-Unterricht. — Die E nlührung in den Raschi- und Aiischnah-Unt itu (Raschisch ist.) — Die Heiligbaltung des Sabbats. Aachrichten und Korrespondenzen. Zum 15. Schewat. Wohl nie noch hat die ganze Menschheit der leisen Mahnung des jüdischen Winterfefttages so sehr bedurft, der aus der Seele der Bäume draußen den Regungen des Menscheninnern Trost und Hoffnung spendet, wie in diesen Tagen winterlicher Flichernis auf Erden. Wohin der Blick sich wendet — Verzweiflung, Enttäuschung, peinigende Angst vor dem Kommenden. Von einem neuen Geiste der Selbstbestimmung, der Völkerverbrüderung hatte man geträumt — und die Macht der Kriegstechntk hat sich als gut rentierendes Mittel zur Vergrößerung und Erhöhung des eigenen, zur Versklavung frenrden Volkstums erwiesen. Eine Aera der Menschengleichheit, der sozialen Befreiung vom Druck der Arbeitshörigkett sollte erblühen — und in blutigen Orgien feiert bolschewiftischerWahn seineFreiheitsfefte aus dem Grabe der Menschenwürde. Rechtsachtung und Bruderliebe sollte aus den Jahren der Heimsuchung für die draußen und drinnen erblühen, und frecher als je heben Selbstsucht und hamsternde Gewinngier ihr Dämonenhanpt empor. Und im jüdischen Kreise — ein Bild der Zukunft für Millionen des ewigen Volkes, wie es trüber kaum je anssah, seitdem römische Gewalt uns aus der Heimat in die Fernen der Erde verstreute. Ein schmaler Lichtftrets in Südoft, von vielen Tausenden für das ausgehende Morgenrot der Erlösung gehalten, er reicht nicht aus, um das Dunkel zu erhellen, das die Golusländer im Osten deckt. Es ist Winter auf Erden. Und was schlimmer ist — gerade im Osten lichtet sich die Zahl der Treuen, der Taumel ergreift die Jugend, der Lehrstätten sind weniger geworden und beängstigend furchtbare Ernte..hat der Tod unter den Fürsten des Geistes gehalten, h\? zr; ersetzen nur der geheimnisvollen Wflltnng des möglich ist. £ Müssen wir verzweifeln? — —-Du grüßt uns ein alter vergriffener Band, mehr als sechszig Jahre ist er alt, aber die „Frühlings- Predigt im Winter", die ans seinen vergilbten Blcitrern tönt, klingt so lebendig, als'sei sie heute cesch i ben. Man sollte sich nicht schämen, den uir>n I eschurun-Artikel von S. R. Hirsch auch heute noch in einer stillen Ecke am fünfzehnten Schwat zu lesen, von Anfang bis zu End?, bis er in die Worte ausklingt: „O, geht still hinaus am “IW NEON und lernt im Winterfrost, unter Sturm und Wetter den Geburtstag des Frühlings feiern! Weinet eine Thräne nach den Abgefallenen, aber trauert nicht! Weinet darum, daß sie abfallen ko nnt en, nicht daß sie abgefallen sind! Kein frisches, grünes, lebenskräftiges Reis knickt der Sturm,' was im Sturmwind bricht, war im Innern schon längst gebrochen,- was im Sturm abfällt, war im Innern schon längst abgefallen, war dem inner» Lebensmark des Stammes abgestorben, gehörte Stamm und Wurzel und Mark schon längst nicht mehr. Was als Ast fest in dem Stamme fußet, was mit seinen Fasern aus des Stammes Wurzeln Nahrung zieht, wessen Mark mit dem Mark des Stammes innig verwachsen 8 ist, das besteht die Prüfung, das wird gebeugt und bricht nicht, das bleibt treu und fest dem >llten Stamme, dem allen Mark, der alten Wurzel, und wenn auch ringsum geknickte, dürre Aeste und Zweige widerstandlos auf den Flügeln des Sturms dnvvngetragen werden. Laß sie fallen, die Dürren! Der Stamm kann der Ab-, gefallenen entbehren. Wenn nur die gebliebenen Treuen, und wären es wenige, wenn sie nur wahrhaft treu und stark, wenn sie nur mit dem ganzen Marke ihres Innern, mit jeder Faser ihres Herzens dem Mark des alten Stammes und seiner Wurzel augehören, wenn sie nur nngkknickt und fest auf dem alten Stanime stehen! Denn siehe, nicht Halbheit besteht die Prüfung. D t e Täuschung schwinde. Der Geknickte wird brechen. Der Schwankende wird fallen. »y? fOKl Pin HiM", „Nur der Feste und Entschiedene ist Gottes", ,QVP *W "»"D DTO" „wenn wie Hagelstnrz der brechende Sturm", wenn „to pbo rnn dow d^os do dtd" wenn „wie mächtiger schwemmender Fluthrn Stömnng er gewaltsam alles zu Boden wirft". — Die Entschiedenen aller, die Festen, die Treuen fühlen die Kraft des alten Marks, fühlen den Saft des alten Lebens, fühlen den Frühling in der Brust und wenn auch ringsum noch des Winters Stürme wettern. Sie schreckt nicht der Sturm, sie bestürzt nicht die Vereinsamung, sie sind vorbereitet auf diese Z-iten des und fO*?/ der Prüfung und Läutetuno, ihnen ist es längst gesagt: tnan anps nairrn nmv wie trostlos die Verlassenh.tl aus Erden erscheinen möge, ITOTO H3 NOI Das Gottg?weihte Zehntel bleibt doch darin ISO? nrvm mt£n Und würde es auch wieder und wieder zerstört, iOKSI N782 Wir Eiche, wie Bvche, G2 roatö nrnoo Bet denen mt Blätter- und Zwichg-Abwurf der Stomm doch bleibt, — So bleibt künftigen Heiligtums Saat sein Stamm. — Das ist die Frühlingspredigt der Winterbäume am Chamischah Aßar — wer sagt „Amen" dazu?"