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Der Israelit · 1920-01-22 · Heft 3 (22.1.1920) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 3 (22.1.1920)
Date
1920-01-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Der JSraellt. Seite 9 No. 3 iS. Januar 1920 'inderecke König SabSath. Bald ziehet nun der König ein In jedes Haus und Tor- Und aus der Seele tief und rein, Steigt Dank zum Himmel empor. Wer ist der König hoch und hehr, Der jedes Herz beglückt? Wer gab ihm solche große Ehr', Wer hat ihn in die Welt geschickt? Der Sabbat ist's, der liebe Gast, Der. uns von Gott gegeben. Er spendet Ruh' nach schwerer Last, Schenkt frisches, neues Leben. Als Israel am Sinai stand, — Da hat es ihn empfangen - Und hat sich treu zu ihm bekannt Und ist ihm nachgegangen. Er wies dem Volk den sich'ren Pfad, Der führt' zum wahren Ziele - Er eifert's feurig an zur Tat Und zeigt' ihm Gottes Wille. Als Angst und Sorg' Israel plagt', Stand er mit Trost zur Seite- Und wenn e8 einmal war verzagt, Da bracht' er Lust und Freude. Drum Israel, bleib' ewig treu, Dem König, der so oft dich grüßt Er lehret dich, daß ewig neu Die Lieb' des höchsten Gottes ist. M. Sch. Liebe junge Freunde! Endlich Friede, aber ein Friede ohne 4321 nach vierjährigem 42132, der viel Leid, 4312 und Not zurückgelasscn hat. Und doch wollen wir mit froher Zuversicht in die Zukunft schauen. 423? Der Allgütige wird uns bessere Zeiten schenken. Seine 421 wird uns 213 reifen lassen, und Ihr liebe junge Freunde werdet tüchtig Hebräisch lernen, um als gute Jehudim Euch zu unserer Freude betätigen zu können. Als Zeichen, daß Ihr damit schon den Anfang gemacht habt, sendet eine Ergänzung dieses Briefchens Eurem Onkel in der Kinderecke. Anmerkung: Statt der Ziffern sind hebräische Buchstaben zu setzen und zwar für die gleiche Z ffer auch stets der gleiche Buchstabe. Man beginnt am vorteilhaftesten mit jenem Wort, das aus dem Zusammenhang am leichtesten zu erraten ist, in vorllegender Aufgabe wohl mit dem zweiten. Hat man es gesunden, so können alle übrigen Wörter ohne Schwierigkeit zusammengestellt werden, Sa- Muffe Geburtstagsgeschenk. Schlaf mein kleines Puppenkind, Schließ die Aeugletn, schlaf geschwind, Mutter deckt dich sachte zu, Schlaf in süßer, sanfter Ruh! Und auch ich will schlafen gehn, ^Mütterchen wird bet mir stehn - 7 Lächelnd singt sie mich dann ein: „Puppenmutter, schlafe fein". So sang die kleine Martha und wiegte dabei ihr Püppchen auf den Armen, sprach ihm nachher Hamalich hagauel vor und wartete bis es die Aeugletn geschlossen hatte. Dann legte sie es in sein kleines Puppenbett und verließ leise das Zimmer. Schnell war sie bet der Großmutter drüben. „Großmütterchen, darf ich noch ein bischen bei dir bleiben? Ich kann noch nicht schlafen gehen. Morgen ist ja mein Geburtstag. Jetzt sind es nur noch 12 Stunden". „Setze dich zu mir Liebling, unterbrach die Großmutter lächelnd den Redeschwall der Kleinen, ich will dir von meinem schönsten Geburtstag, den ich in meinem ganzen Leben gefeiert habe, erzählen". Kletn-Martha setzte sich zu den Füßen der alten Frau und die Großmutter begann: „Vor vielen vielen Jahren wohnten wir in dem kleinen Dorf Schwarztngen. Da war es auch um diese Zeit, datz Meine Mutter kurz vor meinem Geburtstage krank wurde. Mein Vater war die ganze Woche verreist, und ich wurde bei einer Tante untergebracht. So nahte der langersehnte Tag. Ich aber freute mich gar nicht und weinte, wenn ich mich des Abends schlafen legte und wmn ich morg'ns aufwachte. Doch war ich erstaunt, als an meinem G burtstage mein Vater an meinem Bette stand, mich lachend heraushob, mich auf meine verweinten Augen küßte und froh ausrief: „Herzlich Masseltow, Liebling, stehe schnell auf, die Mutter wartet sehnsüchtig aus dich". Ich ließ mir das nicht zweimal sagen, und bald verließen wir das Haus. Wir wohnten nur eine Straße weiter, und so hatten wir unser Ziel bald erreicht. Im Hause war alles so verändert, doch ich kümmerte mich nicht darum und lief sofort zur Mutter. Diese schloß mich bewegt in die Arme, doch bevor tch mich noch nach ihrem Wohlergehen erkundigen konnte, hatte mein Vater mich schon zu meinem kleinen weißen Bettchen geschoben. Mein Bettchen aber stand nicht leer, ich hatte das schönste Gebartstagsgeschenk erhalten, der liebe Gott hatte mir ein Schwesterchen und ein Brüderchen geschickt". Damit schloß die Großmutter ihre Erzählung. Nun brachte sie die kleine Enkelin zu Bett, und bald war ihr Liebling etngeichiummert, ob er nicht auch von einem Schwesterchen und Brüder, chen träumte? G. E. Die Lösung der letzten Rätselfrage lautet: * nplv «3 >2 D3tyt 3WX 2W tPUX «M3 rch '2 D2’2«Ö 1JH Richtige Lösungen sandten ein: Sabine Wolf. — Nanni Stern. — Henny Sulzbach. — Soahte Landau. — Lea Lang?. — Sophie Risch. — Rtna Ledermann. — Ttllt Schachnowttz — Gretel Guimann. — Leime »lumenthal. — Jetta Rosenheim. — Fanny Auerbach, Darn,stadt. — Irene Guggenhetm, AlschwU. — Abr. SulkeS. — Norbert Rose, Altenstadt. — Jsack Schönberg. . Frankfurter Kerichte. Iran Regina Seettg n"y- Eine schlichte, aber mackere Frau, die zu den Besten in unserer Israelitischen Rellgionsgesellschaft gehört hat, ist von hinnen gegangen. Sie lebte in Men und einfachen Verhältnissen, aber ihr »irren entbehrte doch einer gewissen schlichten Grötze nicht, non der die Nutzenwett allerdings nicht viel erfuhr. Die Jugendeindrücke unter denen sie ausgewachsen ist, waren bestimmend für ihre ganze Zukunft. Frau Regina Seeltg wurde zu Königsheim in Baden geboren. Ihre Angehörigen gehörten zu dem Kreise des durch feine hohe Frömmigkeit und tiefe Weisheit weltberühmten Balfchem von Mtchelstadt. Ihre Mutter hatte das Glück, in ihrer Jugend in dem Hause dieses seltenen ManneS einige Jahre leben zu dürfen und fein Leben und Lehren auf sich wirken zu lasten. Seine tiefe Lebensauffassung, deren tägliche Zeugin sie jahrelang war, hat sie auch auf die Tochter vererbt. Diese selbst hat einen Teil ihrer Jugend im Hause ihres frommen O^eirnS Lazarus Freyrich in Altona verlebt und verkehrte viel in dem Haufe deS gefeierten Jacob Ettlinger Nach ihrer Vermählung mit Herrn LozaruS Seelig siedelte sie nach Mannheim über. Die Ehe war reich mtt Kindern gesegnet, auf deren Erziehung im echt jüdischen Geiste sie im Verein mit ihrem Gatten hohe Sorgfalt verwendete. Die. Erziehungsweisheit der beiden Gatten hatgute Früchte gezeitigt, denn ihre Kinder wurden tüchtige Männer und Frauen, und die Greisin durfte dar beglückende Bewußtsein hinübernehmen, datz ihre Söhne und Töchter in Geschäft und Beruf wie auch in ihrer sittlichen und religiösen Lebensauffassung deur Beispiel des Elternhauses Ehre macken. Frau Seelig fand aber auch noch außerhalb deS Hauses ein Geld, ihre jüdische Begeisterung zu betätigen. Sie wurde in Mannheim Mitglied und dann Vorsteherin derChewra Kadischa und setzte diese Liebestätigkett später, als sie schon ziemlich betagt als Wittwe nach Frankfurt überfledelte, hier in unserer Gemeinde mit Hingebung und Selbstlosigkeit fort. Wieviel Nächte hat die Heimgegangene, nicht achtend ihrer Bequemlichkeit und Gesundheit, am Bette schwer Kranker durchwacht, wievielen entschlafenen Frauen hat sie ihre heilige Tätigke t geweiht! Im Alter von 80 Jahren siedelte sie nach Salzschlirf in das Kurhaus ihrer Tochter fBilla Waldfchlöhchen) über, wo sie, von allen Kurgästen wegen ihrer geistigen Regsamkeit und Teilnahme für weltliche und jüdische Dinge bewundert nnd verehrt, noch * Jahre lebte^ Noch yor wenigen Wochen bildete sie den Mittelpunkt einer Simchas-Tora-Feier, bei der einer der Gäste das vorbildliche Leben dieser begeisterten nhbwtift feierte, umringt von ihren Kindern die sie als ihren köstlichsten Familienschatz mit Liebe und Ehrfurcht umgaben. So ist sie 84 Jahre alt nach einem trotz ihres schlichten Verlaufs beneidenswerten Leben hetmgegangen. A. W. Karrsß atturrgrfchirke. In den Räumen der Jüdischen HaushaltungSschul« fand am Sonntag für die aüzufräh dahin^egangene Lehrerin Frl. Jenny Frank, eine eindrucksvolle Gedächtnisfeier statt. Nach einleitendem Minchagebet widmete im Namen des Vorstandes und VrrwattungSraies, Herr Rechtsanwalt H o r o v i tz, der Verblichenen warme Worte der Anerkennung und Hochschätzung. Frau Jetdel gab der Liebe und Verehrung für die Kollegin tiefempfundenen Ausdruck. AuS dem Kreise der Schülerinnen und Pensionärinnen wurden der geliebten Freundin und Lehrerin innige AbschiedSworte gewidmet. Frau Emma Mainz, die in zehnjähriger gemeinsamer Arbeit die hohen Gaben deS Geistes und ves Herzens der Dahiugeschtedeneu schätzen lernte, gab in tiefer greifenden Worten er Trauer um diese seltene Persönlichkeit beredten Ausdruck, die mit unermüdlicher Schaffensfreude und Pflichttreue ihre ganze Kraft dem W^hle der Anstalt und ihrer Fnfaffen gewidmet, an deren immer höher gesteckten Zielet» sie reichen Anteil hatte. Die Rednerln schloß mit dem Gelöbnis, daß die Anstatt da< Angedenken der Entschlafenen für alle Zetten in hohen Ähren halten werde, as Mtraawgevet beendete die einfache aber würdige Deier, die gnnz dem tiefreligiösen Sinne der Httm EZegangenen entsprach Zuzug von jluftfönfemt. Der Zentrumsabgeordnete Jaud hattr, sv schreibt das städtische Wohnungsamt, Vor einiger Zeit m einer kleinen Anfrage an die Reichsregierung behorchtet, daß in letzter Zeit 60 000 Galizier in Deuischland eirigewandert seien, davon .allein 2000 innerhalb der letzten Wochen nach Frankfurt a. M. Die Nachprüftrng dieser Behauptung hat ergeben, daß Abg. Jand offenbar sehr schlecht informiert war. wenigstens soweit Frankfurt in Betracht kommt. Nach den Feststellungen des Wohnungsamtes find vom August bis 13. Dezember ds. Js. Zuzugsgenehmigungen an Ausländer zum dauernden .Aufenthalt in Frankfurt in 241 und zum vorübergehenden Aufenthalt in 172 Fällen erteilt worden.. Die Kopfstärke. der dauernd Zugezogenen beträgt 342, der vorübergehend sich hier Aufhaltenden 198. Abgcwlesen wurden 46 Ausländer. Die Ausländer setzen sich in der Hauptsache zusammen aus Ocsterreichern. Böhmen, Ungarn, Polen, Kurländern und einigen Russen. Bemerkt sei dabei, datz dauernde Zuzugsgenehmigung nur bei Vorlage eines DringlichkeitsfcheineS oder des behördlichen Nachweises, daß der Zuziehende früher hier gewohnt hat, erteilt wird. Von dem- Zuzug einer größeren Anzahl von Galiziern ist dem Wohnungsamt nichts bekannt. Ksra-Gi'ternaöeud. VS wird nochmals auf den Elternonsspracheabend, den die Esra am Sonntag, abends 81/* Uhr, in den Räumen des Mekor Llmjim veranstaltet, aufmerksam ge ui acht. Uers«»utie«. Nach mehrjährigem Wi ken hiers.lbst verläßt Herr Mich.l Neuberger unsere Stadt, um sein Domizil in der Schweiz, woer früher schon Jahrzehnte gelebt und erfolgreich gewirkt halte, zu nehmen. Herr Neuberg.r har sich als Privattehrcr hier in einer Weise betätigt, die ihm ein dauerndes Andenken in vielen Famiien unserer Kebillah, wie in vielen jungen jüdischen Herzm sichert. Mit Liebe für die Thora wie für daS Kind, mlt Herz und Seele, mit erstaunlichem pädagogischem Takte und echtem angeborenen Lehrgeschtcke war Neuber-er an der Arbeit, ganze Jehudim heranzuziehen. Auch sonst erwarb sich der Scheider de mtt feinem bescheidenen freundlichen Wewn viele Freunde, die ihn unfern geben sehen und deren Wünsche ihn und seine ebenbürtige @att>n «■*' hfy Grenze auf ihren weiteren Lebensweg beg

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