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Der Israelit · 1920-01-22 · Heft 3 (22.1.1920) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 3 (22.1.1920)
Date
1920-01-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 Nr. 3 jLmg>TlljwrniTL--‘Tf'*~'*‘M*"m***>'1 ~ --nun i»irw r i wm nanrnnni um ,, n m —i n m ... ohne Zweifel bewußt, daß die ihnen gegenüber zu befolgende Politlk-d a z u b e st i m m t i st, e i n en t i e f en Eindruck nicht nur auf ihre Glaubensgenossen in den allierten und neutralen Ländern zu erzeugen, sondern sogar auch unter denjenigen die in feindlichen ländern wohnen. Es würde daher in unserem Interesse liegen, sie mit den größten Erwartungen zu erfüllen, hinsichtlich dessen, was die Allierren für sie auf jenem Boden zu tun beabsichtigen, dem sie durch eine tausendjährige Vergangenheit zugetan sind, und aus welchen einige von ihnen zurückzukehren wünschen, um dort Ansiedlungen zu errichten." Wenn der hiesige Jewish Chronicle das französische Schriftstück als eine Art nachträglichen Commentars zum Briefe Balsours auffatzt, der dadurch weniger heroisch aussehe als bisher, so scheint das nicht berechtigt. Man hat in England von scher ein viel idealeres Palästina-Interesse gehabt als in Frankreich, und der Akt Balsours war zweifellos, ob auch selbstverständlich von politischen Beweggründen mitbestimmt, ein Ausfluß jenes idealen Interesses am Lande und Volke der Bibel. Weizmann ist aus Palästina zurückgekehrter äußert sich ohne besonderen Enthusiasmus relativ zuversichtlich über die Aussichten der jüdischen Arbeit — freilich nicht in dem Sinne der heute wohl von ihm selbst bedauerten Phrase, daß Palästina jüdisch.werden müsse, wie „England englisch" sei, sondern nach der Richtung langsamer Einwanderung, wirtschaftlicher Durchdringung, kultureller Autonomie und politischen Ausgleichs mit d en Arabern. Emrr Faisul hat — ein neuer Schachzug des arabischen Talleyrand — in einem Briefe an Herbert Samuel sein berühmt gewordenes uyd recht unzweideutiges Interview mit Herrn Greenberg als „Mißverständnis" widerrufen,' er will also augenblicklich offenbarem jeden Preis in Frieden und Freundschaft mit den Juden leben. Orttiöööxe Konferenz in Rmeriha. Ilew-YorL, 3. Dez. Eine orthodoxe Konferenz, an der über 500 Delegierte teilnahmen, befaßte sich mit Erziehungsfragen, Kuschrusangelegenhetten und vornehmlich mit dem Plane zur Bildung einer umfassenden orthodoxen Organisation in Amerika. Aus amerikanischen Zeitungen geht hervor, daß die Verhandlungen zu guten Resultaten führten. Es wurde ein ständiges Komitee gewählt und mehrere Resolutionen von großer Bedeutung angenommen. In den Debatten war man sich darüber einig, daß die religiösen Angelegenheiten fortan in Händen der Orthodoxen selbst, besonders in denen der Rabbiner alten Schlages liegen müßten. Eine zehngliedrige Kommission wird sich die Ordnung der rituellen Dinge angelegen sein lassen. Es wurde fernerbeschlossen, bet den Unterstützungsgesellschaften darauf zu dringen, daß die Orthodoxie bei den Aktionen für die Notleidenden in den Kriegsländern entsprechend vertreten ist. Allen Institutionen, die in jüdischem Geiste geleitet werden, soll öffentlicher Dank ausgesprochen werden. Dagegen soll in den Anstalten, die das jüdische Gesetz vernachlässigen, auf Besserung hingewtrkt werden. kmenkaniscke Hilfe. Wew Kork, 20. Dezember. Ein Konsortium von wohlhabenden jüdischen Emigranten aus Polen und Litauen in Amerika hat beschlossen, deren Verwandten in der Heimat sowie überhaupt denen Glaubensgenossen in den früheren Heimatsstätten wirksam zur Hilfe zu kommen. Große Geldsummen werden gesammelt und es ist geplant, ein eigenes großes Transportschiff tnPacht zu nehmen, um auf direktem Wege Viktualten und Gegen, stände des täglichen Bedarfes nach dem Kontinent -u überführen. Dieser grandiose Plan wird von «.er Oeffentlichkett in Amerika sehr wohlgefällig ausgenommen, und es ist zu hoffen, daß die Erlangung der Erlaubnis bet der Regierung keine Schwierigkeiten finden wird. Bis zum Juni 1920 soll die ganze Aktion durchgeführt sein. In den nächsten Tagen wird nach Warschau eine Delegation der großen Emigrattsnsgesellschaften in New Aork abreisen, die die Ausgabe hat, in Polen hinterlassene Familienglieder von Emigranten zu ihren Familienvätern nach Amerika zu überführen. Bis jetzt haben sich in New Aork, Canada und anderen Teilen Amerikas mehr als 50000 Juden gemeldet, die von der diesmaligen Vermittlung Gebrauch machen wollen. Die Delegierten sind con Setten der Regierung und der Schiffsgesellschasten mit weitgehendsten Befugnissen ausgestattet. Personalien. Rabbi Miklischandöki Warschau. 12. Jan. i In noch jungen Jahren starb Rabbi Abadhajim M i k l t s ch a n d s k i, der mehrere Jahre in der sogen. Mosikschul als Rabbiner und Prediger gewirkt hat. Rabbi Miklischandski war durch große Gelehrsamkeit, tiefe Frömmigkeit, goldreinen Charakter und unermüdliche Tatkraft ausgezeichnet. Seine Rednergabe war allgeschätzt und war feine Aufnahme in das Rabbtnerkollegium der Stadt Warschau nur noch eine Frage der Zeit. Man durfte auch sonst in jeder Beziehung große Hoffnungen auf den Mann setzen, denen nun der Tod ein jähes Ende bereitet hat. Seine Bestattung fand unter großer Beteiligung statt. rvsattn. Mainz. 14. Jan. In dem Nachrufe auf Rabbiner Dr. Michael Cahn s. A, ist der mannigfachen Beziehungen nicht gedacht worden, die den Dahingeschiedenen mit dem Begründer und langjährigen Herausgeber Ihres Blattes, Dr. Lrümann verknüpften. Denn nicht nur bet dem damals bereits hochbetagten Rabbi Samuel Bondi lernte der Heimgegangene bei seinem mehr denn zehnjährigen Aufenthalte in Mainz, Mindestens ebensoviel bereicherte er sein talmudisches Wtffen bei dem damals noch in jugendlicher Kraft stehenden Rabbiner Dr. Lehmann, dcr eine Jeschiwah unterhielt, an der Michael Cahn einer der hervorragendsten Schüler gewesen ist. Auch war es Dr. Lehmann oft genug, der den Schüler immer wieder aus dem engsten Kreise seines Provinzialrabbinates herauszuheben und ihm den Blick für die großen jüdischen Fragen zu öffnen verstand. Rabbiner Dr. Cahn hat denn auch keine Gelegenheit verpaßt, diesen Tatsachen dankbarsten Ausdruck zu verleihen, so in seinem Hesped auf Dr. Lehmann und bei der Jubiläumsfeier der Israelitischen Relegionsgesellschaft. Dr. Lahn bezeichnete Dr. Lehmann als seinen hervorragendsten Lehrer, deffen unvergleichlich weisen Rat er bei jeder Gelegenheit einholte, den er seit dem Ablebens des großen Mannes auf das Schmerzlichste vermisse. Mühlheim a. M-, 19. Jan. Am 24. Teweth verstarb hier nuch längerer Krankheit Herr Liebmann Isaak im Aller von 66 Jahren. Mit ihm ist ein wahrhaft religiöser Jehudi aus diesem Leben gegangen. Zahlreich, ohne Unterschied der Konfession, war die Beteiligung bei der Levaje. Herr Lehrer Oppenheimer, Groß-Steinheim, widmete ihm am Grabe warme Worte des Dankes. 33 Jahre lang hatte der körperlich immer kranke Mann an der Spitze der Israelitischen Gemeinde gestanden. Sein Verdienst war es, daß heute die Gemeinde überhaupt existiert. Er legte einen Göttesacker an,' er baute mit Hilfe mildtätiger Glaubensgenoffen, die schöne kleine Synagoge, die noch kurz vor dem Kriege ihrer Bestimmung zugeführt werden konnte und versah persönlich ohne Entgelt 33 Jahre lang den Vorbeterdienst, bis ihn eine tückische Krankheit niederzwang. Die Familie, wie die Gemeinde verloren ihr Haupt. Möge er, der so viel Gutes getan, im Frieden ruhen! Basel, 11. Jan. In der hiesigen Synagoge hielt heute Herr Rabbiner Mr. Cohn eine Trauerfeier ab zu Ehren seines Lehrers und Freundes, des verstorbenen Provinzialrabdiners, Dr. M. Cahn Er knüpfte an die Mtschna in nxa (7. Perek) an, nach welcher vom Gesetz der Vergeffenheit (nrDP) angenommen ist ein Oelbaum, der ausgezeichnet ist durch einen Namen, durch seine Früchte und den Ort, an dem er steht pfipffla, an dem Ritz in der Mauer. Tief ergriffen, lauschte die zahlreiche Zuhörerschaft den Ausführungen des Redners, der die einzigartige Persönlichkeit des teuren Loten in feierlicher Weise zu schildern wußte. Mit dem von Herrn Kantor M. Löb innig vorgetragenen a*tjm 'k schloß die würdige Feier zur Erinnerung an einen VN2. Vermischtes. Berlin, 17. Jan. Der „Verband jüdischer Frontsoldaten" erläßt folgenden Aufruf: Gewiflenlose Hetzer versuchen durch angeblich amtliche Zahlen uns, die für 22 Januar 1920 das deutsche Vaterland mit Gut und Btup genau so gekämpft haben wie unsere christlichen Kameraden, als Drückeberger vor der Oeffentlichkrit hinzustellen. Wir brauchen daher als Gegenbeweis wahrheitsgemäße Zahlen, die allein für sich sprechen. Es ist somit Ehrenpflicht eines jeden Juden, der an der Front gekämpft hat, zur Verteidigung seiner Ehre und des Antenkens unserer gefallenon jüdischen Kameraden unverzüglich seine genaue Adreffe nebst Angaben über feine Fronttätigkeit dem Vaterländischen Bund jüdischer Frontsoldaten, Berlin W., Motzstr. 69, einzufeuden und möglichst auch dem Bund als Mitglied beizutreten. Der Bund kann seine Aufgabe, unsere Ehre zu verteidigen, nur erfüllen, wenn wir Alle ihm als Mitglied zur Seite stehen und ihm durch unsere Zahlen die zur Abwehr nötigen Waffen geben. Berlin. 5t. Dez. Beim Verband der Ostjuden in Deutschland ist ein besonderer EmigrationS-Ausschuß gebildet worden, dem folgende Herren ongehören: Moritz Brenner, Redakteur Dr. Hellmann, Dr. N. Katzenelsohn, Mar Lewit, Josef Lin, Paul SachS, E. Scalit, T. Scalit, Davis Trietsch und Ingenieur Warschawsktz. Der Ausschuß soll durch Hinzuziehung anderer auf dem Gebiete der jüdischen EmtgrationSfragen kompetenter Persönlichkeiten erweitert werden und mit den in Betracht konimenden Organisationen nn den großen schweren Ausgaben der Regulierung der jüdischen Emigration gemeinsam arbeiten. Die Geschäftsstelle des Emtgraltons AuSschuffe» ist: E. Scalit, Berlin W., Knesebeckstr. 96 Bremen, 20. Dez. Wegen eines anonymen Briefes stand der Kaufmann HanS Pf. vor dem hiesigen Schöffengericht. Der Angeklagte hatte dem Rabbiner Dr. Rosenack durch eure Mittelperson einen Brief überreichen lassen, der den Satz enthält: „Die Juden sind einem Lande so nützlich, wie die Mäuse auf einem Getreideboden oder die Motten in einem Kleide" (Zitat von Sutor)." Der Angeklagte gab in der Verhandlung zu, Urheber des Brieses zu sein, bestritt aber, damit eine Beleidigung habe aussprechen zu wollen. Das Gericht war jedoch einer anderen Meinung und verurteilte den Angeklagten dem Antrag des Staatsanwaltes gemäß zu 800 Mk. Geldstrafe. München, 28. Nov. Die Polizeidirektion teilt mit: Fanatische Mitläufer der. antisemitischen Bewegung haben, um ihre politische Ueberzeugung noch weiter in die Oeffentlichkeit zu tragen, auch zu dem Mittel gegriffen, auf Papiergeld, Darkehenkassenscheinen usw., mit Schreibmaschine oder Gummtstempelu gehässige Aeutzerungen über das Judentum aufzudrucken. Diese Form des Kampfes wird zweifellos von den allerweitesten Kreisen auf das Schärfste mißbilligt. Sie schädigt aber auch den Verkehr, weil die für den Geldumlauf zur Verfügung stehenden Zahlungsmittel an Umlaussfähigkeit verlieren, da die Bevölkerung nicht bereit sein wied, derart verunzierte, gelegentlich auch mit unflätigen Bemerkungen versehene Papiere anzunehmen. Die Papiere verlieren selbstverständlich in ihrem Wert durch solche Aufdrucke nicht. Die Banken sind indes bereit, solches Papiergeld in einwandfreies Geld umzuwandeln. (Reichsgeld bei der Reichsbank, Bayerisches Geld bei der Staatsbank usw) Trotzdem wird die Bevölkerung zur Bekämpfung des Unfugs aufgesordert, solche Scheine im Verkehr nach Möglichkeit zurückzuwetsen. Halbevstadt, 9. Jan. Herr Hermann Schwab in Halberstadt, der verdienstvolle Begründer und Förderer der Kricgswaisenasyle in Polen und Litauen, die die Agudas Jisroel aus eigenen Mitteln unterhält, hat vom Kalischer Raw die w-as-Würde erhalten. Britzdach, 14. Jan. Die kleine Gemeinde Butzbach (Oberbcssen) ist gezwungen, eine Synagoge zu bauen und bittet edeldenkende Glaubensgenossen um Ueberweisung von Geldspenden. (Siehe Inserat). Treuchtttrrge«, 12. Jan. Am 6. Tebet hielt hier Herr Referendar Lichtigfeld einen mit grotzöm Beifall aufgenommenen Vorttog über „Wesen uud Ziele der Aguda". Es wurde gleich eine Ortsgruppe der Aguda ins Leben gerufen, der bis dato 24 GemeindeangehörigL^beitraten. In der stattgefundenen Versammlung wMden Herr Hauptlehrer Fulder als 1. Vorstand und Frl. Lina Oppenheimer als 2. Vorstand und Kassiererin gewählt. Herr Hauptlehrer Fulder übernahm die Leitung der Lernkursr. Rostock, 11. Dez. Daß die Universitäten gerade in der Gegenwart Hochburgen der Reaktion sind, konnten wir schon öfter feststellen. Daß. demgemäß auch von dort der neuerwachte Antisemitismus seine stärkste Förderung erfährt, ist ebenfalls bekannt. Man braucht nur aitf den Fall LemMer in Marburg hinzuweisen. In seiner schönsten Blüte zeigte sich dieser unter dem Protektorat eines großen Teils der Professoren stehende akademische Antisemitismus bei der Fünft Hundertjahrfeier der Rostocker Universität. Zu dem feierlichen Umzug, an dem auch die jüdische Studentenverbindung „Hanseata" teilnahm, hatte« dir „teutschen" Jünger 14—16 jährige Gymnasiasten geworben, die die Juden mit Spott-, Schimpft und Drohworten Überschütteten. Auch hatte man im Zuge zwischen sich und der jüdische» Gruppe eine» künstlichen Abstand geschaffen, um auch hier den gesellschaftlichen Boykott, den die jüdische Stndrnteuveroindung genießt, zum Ausdruck kommen i« lassen mmf» aaiMt »te ftrsche« Herrchen ifj*

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