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Der Israelit · 1920-01-22 · Heft 3 (22.1.1920) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 3 (22.1.1920)
Date
1920-01-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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32. Januar ife2f De; rrr. 3 tu 5 Kapitalisten und Lodzer Fabrikanten auf folgender Grundige getroffen: Die Letzteren erhalten aus Amerika genügend Rohmaterial, dafür haben die Lodzer' Fabriken ein Drittel ihrer Produktion an Amerika abzugeben, die übrigen zwei Drittel werden für das Land und für den Auslands- Handel verwendet. Man hofft, daß infolge dieser günstigen Abmachung sich auch die polnische Valuta bald bessern wird. Die Mazzossorgen lasten auf allen Gemütern. Nach einem telegraphischen Bericht aus Amerika an den Vorsitzenden der Much-amerikanischen Hilftkommission ist matt zwar in New Hort ernstlich bemüht, die Juden in Polen dieses Jahr mit Mazzos zu versorgen, es ist jedoch infolge der PreiSsteigerungLn in Amerika und nach drm Staude der Valuta zu befürchten, daß im günstigsten Falle ein Pfund Mazzo ans Mk. 10.— Zu stehen kommen wird.!m Kampf um 9en Sabbat Warschau, 10. Jan. Das im polnischen Landtage zum Gesetze erhobene Projekt auf Einführung der absoluten Sonntagsruhe, wird hier in den treugebliebenen jüdischen Kreisen als Katastrophe empfunden, oeren erschütternde Tragik aus einem Aufrufe ersichtlich ist, der dieser Tage im „Jud" ^erschienen ist.?,ßu allen anderen Leiden, die über die polnische Judenheit ergangen sind, so heißt es darin, kommt nun noch das Verhängnis der Sonntagsruhe, die im Parlament beschlossen wurde. Ist auch dieses Gesetz nicht direkt gegen Juden und Judentum gerichtet, so wird doch seine ruinöse Wirkung auf die ökonomische Lage der jüdischen Bevölkerung nicht ausbleibm. Das Gesetz legt den jüdischen Kausteuten auf wirtschaftlichem Gebiete ein Martyrium auf, das sie, getreu den Traditionen unsere große Geschichte, ole von Helden erzählt, welche durch Feuer und Wasser für ihr Judentum gegangen sind, auf sich nehmen werden. Liegt nun die Sache so, daß gegen das Gesetz nicht mehr anzukämpfen ist, so bleibt nichts anderes übrig, als diese Prüfung wie gesiunur gsftarke Juden zu bestehen, die mit ganzer Seele und ganzem Vermögen im Dienste ihres Gottes stehen und ihre Heiligtümer verteidigen. Zur Abwehr der mit dem neuen Gesetze heranziehenden Gefahren muß in i bin Kreisen der Gesetzet treuen eine Aktion nn-! teruommen werden aus folgender Grundlage: j 1. bleberall in Stadt und Land müssen an! Hand der Aguda, Gruppen gegründet werden, ' denen speziell die Verbreitung der Sabbatidee obliegt. 2. Jeder Jehudi erachte es als hrillge Pflicht, nur solche Arbeiter und Angestellte in seine Dienste zu nehmen und insbesondere die Geschäftsleute zu berücksichtigen, die den Sabbat halten, 3. Jed?r der es in der Macht hat, sich in seinem Kreise durch Wort und für die Sabbatheiligung einZutreten. 4. In Synagogen nutz Lehrhäusern müßten überall . D-nimkurse eingeführt werden, unter spezieller Berücksichtigung der Sabbatvorschriften. Dies sind wohl fürs erste öie einzigen uns zu Gebote stehenden Abwehrmittel. Aber sie sind stark genug, um uns gesund zu erhalten und heil durch alle Drangsale und Verhängnisse der Zeit zu führen." (Siehe Wochenrnndschau.) bemühe Schrift Oer Kampf gegen Sie LbaSarim- Lodz, 7. Januar. Tief beschämend ist es, daß von jüdischer Seite im Lodzer Stadtrat die Anregung ergangen ist, alle Chederschulerr zu schließen. Dem Bundisten Lichtenstein war es Vorbehalten, auf diese Weise seinen eigenen Glaubensgenossen den Herzftoß zu versetzen und zwar mit dem Argumente, es gehe nicht an, aus dem Stadtsäckel religiöse Schulen zu unterhalten. Der gesetzestreue Ratmann und Vertreter der „Schlaume emuneh Jisroel", Herr Minzberg, trat ihm zwar sehr energisch entgegen und wies unter Hervorhebung aller rechtlichen und ethischen Gesichtspunkte auf , Misrachi hoffe jetzt mit amerikanischer Hülfe ein die Tragweite dieses Beschlusses hin, und auf * ' ... .... - seine Gefahren für da? jüdische Geistesleben in Polen. Diesen Ausführungen, zum Trotze und entgegen dem eingelegten formellen Proiest der Gesetzestreueu wurde jedoch bei der Abstimmung der bundistische Antrag angenommen. Gegen ihn stimmten nur dir Orthodoxen, während die so genannte jüdische Fraktion sich der Abstimmung enthielt. Wie nachträglich bekannt wird, beabsichtigt die „Kommission für. allgemeine Schulbildung", den Chedarimbesitzein die Möglichkeit zu geben, Konzessionen zur Eröffnung von Privaischalm unter Maßgabe des Normallehrplaues für Volksschulen zu erlangen. Daß dieses Pflästerchen die von Juden ftiöst d^n polnischen Judentum geschlagene Wunde heilen könnte, wird rr-olst ft in Mensch ernstlich annehmeu. Krauen. Erde Capung 8es jü3ifcft~lifauifchen Manalrafs. (Telegraphischer Vor bericht. ) Kowno, 18. Januar. Ter Kongreß war von 139 Abgeordneten beschickt, von denen 56 der organisierten Orthodoxie (Achdus), 55 der zionistischen Partei, 22 der Linken angehörien. Im engeren Nationalrat sind die Parteien mit 14, 14 und 6 Mandaten vertreten. Vorsitzender wurde Dr. Rosenbaumj Stellvertreter Dr. Nachmilewitsch, Sekretär Schereschewsky. Verlaus erhebend. Besonderen Beifall fand das Referat des Leiters der orthodoxen Organisation Rabb. K ahnm an n- Poniwesch. Die" Misrachisten stimmten trotz entgegengesetzter Abmachung ständig gegen die Orthodoxie, deren Erfolg rrotzdem unbestreitbar ist. Erkenntnis allgemein, daß Vernachlässigung religiöser Momente'Autonomie zerstören muß. vis NguSa in Litauen- Wikn-r, 10. Januar. Ende Dezember fand hier die Gründungsversammlung der Azudas Jisroel statt, an welcher 60 Rabbiner und Mitglieder der Wilnaer Gemeinde sowie Vertreter aus der Provinz sich beteiligten. Der Vorsitzende, Rabbiner Grodsenski, sagte in s?m?r B?grüßmMr?^L, Hotz eine solch? Organisation in Litauen bereits bestanden hatte, sich aber infolge der Kriegszustands nicht entfalten konnte. Es gilt nun, bin abgebrochenen Faden wieder uufzunehmen und die Organisatian wieder in Funktion zu setzen, besonders aber den Connex zwischen Litauen und der Zentrallrituug in Zürich herzustellen. In der Diskussion sprachen sich mehrere Rabbiner über die Notwendigkeit der Aguda aus und über ihre Aufgaben in Litauen. Die Versammlung schließt mit der Gründung eines Zenlraleonntees für ganz Litauen, in welches außer Naböt Grodssuskl noch die Rabbiner Bassin und Topp gewühlt werden. In seinem Ausruf werden alle Rabbiner der Provinz aufgefordert, Ortsgruppen in ihren Gemeinden zu gründen. Holland. MiLracsti-Konferen). «Amsterdam» 19. Januar. Nach eitler Begrüßungs-Sitzung am Dienstag wurden Mittwoch die Beratungen der hierher einberufenen Wellkonferenz des Misrachi unter Vorsitz von R. Meter Berlin aus New Aork eröffnet. Ehrenvorsitzender ist u. a. der Ehacham- Baschi Usiel von Jaffa. Rabb. Fischmann- Jaffa referierte über die Lage im heiligen Lande. In Jerusalem besuchten von 6400 Schulkindern 4000 nichtreltgiöft Schulen. Der Einfluß des Misrachi sei in starkem Steigener besitze in Jerusalem 1000 organisierte Anhänger. Das Zentrum des Misrachi sei jedoch Jaffa und selbst in Tel.l-Awiw, der Hochburg der Linken, besitze er mehr als 150 Mitglieder. Die Tachkemoni-Schule habe etwa 500 Schüler. Der jnt provisorischen Comitee (Wand hasmani), der jüdischen- Verwaltungsbehörde, befinde sich jedoch nur ein Misrachist. In geheimer Sitzung berichtete Dr. Schönseld über die politischen Aussichten, H. Struck über die deutsche Landsmannschaft, Meier Berlin über den amerikanischen Misrachi, der 30000 Mitglieder besitze und beim amerikanisch-jüdischen Kongreß eine große Rolle gespielt habe. Das Verhältnis zur zionistischen Organisation von Amerika war unbefriedigend, da die Mehrheit nicht geneigt ist, der misrachiftifchen Minderheit gebührend Rechnung zu träger-.. Dagegen habe man durch energische Betonung der gesetzestreuen Interessen in Amerika selbst das Vertrauen des größten orthodoxer! Rabbiuerverbnnds gewonnen. Es folgten dann noch Berichte für Holland, England und Frankreich, womit die erste Sitzung schloß. Kaag, 12. Januar. Hier weilt Oberrabbiner CHajes aus WirZ, um eine HülfZaktion f zur Beschaffung von Mazzos für die jüdische \ Bevölkerung Wiens einzuletten. Die holländische 1 Regierung Hut die Genehmigung zur Ausfuhr erteilt, sodaß die Hauptschm'erigkew in der gewaltigen Differenz zwischen der holländischen und österreichischen Valuta liegt. Frankreich. 3U3i(cftg nJelfhülfsfionterenj. Waris, 10. Jan. Die von den Delegationen der Nationalräte ins Auge gefaßte internationale Konferenz her jüdischen Hülfsorganisatiouen aller Länder ist auf den 7. März nach Zürich einberufen worden. ©«flltmi*. Die flgu3a-Seroegung in £nglan3- London, 10. Januar. Eins Gruppe der Agudas Jisroel wurde auch in Nord-London gegründet. Rabb.Ra b i.nowitz begrüßte die Versammlung und erörtert? Zas Knrtowitzsr Programm, indem er noch besonders die Palästinaarbeit der Agudas Jisroel betonte. Oberrasbwer Dr. Jung sagte, Saß über Sen hych'öedentrndeu Aufgaben in Palästina die Gegenwartsaufgaben tu den Gslusländern nicht ver° gegen werden dürfen, wo es heute gilt, viel Bauarbeit zu leisten. Das heutige Palästina könne leider nur einige Tausende ausnehmen, während in der Diaspora Millionen bleiben, deren Interessen wahrgenommen werden müssen. Die Orthodoxie hat vor dem Kriege etwa 5 Millionen Francs im Jahre für Palästina aufgebracht, soviel wie für Sen zionistischen NF. in zwanzig Jahren gesammelt wurde. Es müßte der Orthodoxie gelingen, all ihre Kräfte zu vereinigen. Nach ausgiebiger Diskussion wurde folgend? Resolution angenommen.' „Die Versammlung' nimmt die Verpflichtung auf sich, die Aguda in ihrem religiösen wie in ihrem Erziehungsprogrcrmm mir allen gegebenen Mitteln zu unterstützen." Zionistica. London, 12. Januar Der„Manchester Guardian" veröffentlicht eine Instruktion, die der französiche Minister des Auswärtigen im April 1917, also dreiviertel Jahre vor dem Balfour-Briefe, an den französichen Commssiar in Syrien, Georges Pieot, gerichtet hat. Darin heißt es bezüglich Palästinas: „Beim Betreten Palästinas werden Sie mit zahlreichen jüdischen Kolonien in Berührung kommen. ES ist wünschenswert, ihnen von Anfang an ein großes Maß von Schutz zu gewahren, und die neue Lage zu unterstreichen, dadurch, daß man ihnen die Berwallung ihrer Gemeinschaften und eine Anteilnahme an der Regierung des Landes anvertrautdenn es ist Ihnen

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