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Der Israelit · 1920-01-22 · Heft 3 (22.1.1920) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 3 (22.1.1920)
Date
1920-01-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der Sfitaelii. Nr. 3. Teile 8 SS Januar 1620 Denn" zu Böhmen gehört heute ein großer Teil von Ungarn (Slovakei) mit der berühmten Jeschinohstadt Preßburg, ferner wird stark mit dem Gebiete von Rattbor gerechnet, das ebenfalls zu Böhmen gehören wird, also lauter Gemeinden, in denen ein ausgiebiges Arbeitsfeld sich für die Aguda bietet. Die neuen Gebiete der czechoslovakischen Republik werden sich über kurz oder lang mit den böhmischen Gemeinden verschmelzen und sich aufs innigste vereinigen. Es kommt nur darauf an, wie dieser Verschmelzungsprozeß vor sich gehen werde, auf den Einfluß, den die Gemeinden aufeinander ausüben werden. Es wäre zu wünschen und zu hoffen, daß die „alten" Gemeinden von den neu hlnzugekommenden lernen, daß diese von jenen Ln religiöser Beziehung be einffußt werden. Oh es übet nicht ein frommer Wunsch bleibe — wer will es heute voraursagen? Jedenfalls eröffnet sich da der Aguda ein neues und dankbares Arbeitsfeld. Es gilt das „Alte" zu gewinnen und das „Neue" zu erhalten, dafür zu sorgen, daß beide Teile dem Judentum erhalten werden. Wo die Aguda mit ihrer Tätigkeit emzusetzen hätte, braucht an dieser Stelle nicht erst gesagt zu werden, jedenfalls dort, wo sich der Aguya-Getst, wenn auch anfangs langsam' und zögernd zu regen beginnt, also in erster Linie in Prag und Brünn. Auf die Frage Litauen oder Böhmen, Kawno oder Prag wäre demnach unschwer die Antwort zu finden. Daß aber die Wahl trotzdem aus Mauen fiel, ist eine Frage öle wir uns an die Agudaleitung zu richten uns erlauben. Me Frage des Herrn Berfaffers dürfte nicht schwer zu öesutwörrru ssiu: bei hm großen SchirüerigkeiteN, sie Zee Ugrrssieitrrrrg sie feBifföige Beschaffung geeigneter propagandistischer Kräfte und der erforderlichen finanziellen Mittel bereitet wendet sie natürgemüß ihre Aufmerksümkeit vvr allem denjenigen Gebieten zu, in denen bereits gesetzestreue Juden in dichter Siedlung wohnen. Denn nur von dort können ihr die moralischen und materiellen Kräfte Zuwachsen, deren sie bedarf, um Neuland urbar zu machen. Jetzt endlich — nach sieben Jahren des Harrens und Berhandelns — hat die ehemals ungarische, jetzt slovakrsche orthodoxe Judenhett ihren Anschluß an die AgudaS Jtsroel vollzogen, nun kann und wird es Aufgabe dieser slovakischen Agudas Jisroel werden, den imgleickemStaatsverbande befindlichen mährischen Brüdern die Hand zu reichen und dort für den Wiederaufbau wehrhaften jüdischen Lebens im Sinne der Orthodoxie zu wirken. Red.) resn Sie Revision -er israelitischen Kirchenverfaffung in Württemberg. Man schreibt uns aus Württemberg: Die Würtiembergische Gesetzgebung hat zwar erst im Jahre 1912 oer Israelitischen Religionsgemeinschaft des Landes eine Kirchenverfassung gegeben, die auch in diesen Blättern in zahlreichen Aufsätzen besprochen worden ist. Bon Seiten der Angehörigen der Jsr. Religionsgemeinschaft ist kein Ruf nach Aenderung oder Umgestaltung der Kirchenve.faffung erhoben worden. Diese Frage ist vielmchr v^n dem ehemaligen der soztuldemokratischm Partei angehörenden Kultusminister Heyrnünn augeregt worden, dessen Aufgabe es war, die Forderung der Lrennrrng von Kirche tmb Staat in die Wirklichkeit umzufetzrn. Ebenso wie die Israelitische RrligtonSqemriusch-ft erhielten auch die beiden christlichen Kirchen die Aufforderung, aus sich heraus neue, den Forderungen der Staaisverfaffung und den Anschauungen der Zeit Rechnung' tragende Kirchenverfassungen auszuarbeiten. Während das evangelische Kirchenregiment von sich aus ein Wahlgesetz für die versaffungsgebendeLandrMrchettversümmLuugaufstellte und darnach di? Versammlung, die bereits schon auf eine Tagung zurücksieht/ wählen ließ, hat die Israelitische Oberkirchenbehörde in ihrer vollen Besetzung d. h. die Gesamtheit ihrer „ernannten" und ihrer dam „Volke gewählten Abgeordneten" erst dem „Entwurf einer Verordnung betreffend di? Einberufung einer isru- Mffchsn ZsndeZ^Kirchenverfaffnng" 'ansZearbeiLet! Md Hn Gemeinden zur Belutscht un§ usrgelkßt, ulfs ein sl§ dkmokrsLifch anznerkennendes Brrfshren eingefchlagerr. Ter Entwurf ordnet die Einberufung einer verfassunggebend? Versammlung cm, indem er erklärend und begründend ausführt, daß zwar die Oberktrchenbehörde berechtigt gewesen wäre, die Verfassung selbst auszuarbetten und zn beschließen, daß sie eS aber vorziehe, der allgemeinen Auffassung von der Bedeutung der bevorstehenden Verfassungsänderung zu entsprechen und eine größere aus allgemeinen und unmittelbaren Wahlen hervorgehende Versammlung mit dieser Angelegenheit zu betrauen. Während die israelitische Bevölkerung bereits seit 1912 sieben Abgeordnete, gewählt von allen über 25 Jahre alten Männern, und einen von den Rabbinern des Landes gewählten Rabbiner in die Oberkirchenbehörde entsendet, soll die Landesversammlung aus 15 Abgeordneten der Bevölkerung, einem Abgeordneten der Rabbiner und einem Abgeordneten der Lehrer bestehen. Gewählt sollen dir Volksabgeordneten nach dem | allgemeinen, gleichen und direkten Wahlvrrfahrrn, kommt. „Kultur", doziert eine Siebzehnjährige mit der Sicherheit eines mit fünfzig Dtenfljahren pensionierten UniversitätSprofcfforS, ist ein Geschenk, das sich das Volk selbst macht. Kultur ist Produkt des VolkSgeistes, aus der freien Entwicklung hei vorgegangen." „Anderswo S t e l l e t ch t", wage ich einzuwenden, „aber nicht bei unS". „Ja, sind wir denn ander swtedieAn deren"? sekundiert ihr der Jüngling, der vorhin auf der Straße ganz „anders" sein wollte: „Wir sind eben anders wie die Anderen". Und dennoch: „Sind wir denn anders wie die Anderen"? Elfteres gilt für dsn Einzelnen. Letzteres, wenn von der Nation als solcher die Rede ist. Und doch will man es nie wahr haben, wenn von der Gegenseite auf dieses widerspruchsvolle Bekenntnis hingewiesen wird. (König und Rabbiner). Oberrabbiuer Kuk hat nach seiner Ankunft in Jerusalem folgendes Schreiben an den König von England gerichtet: „Majestät! Bei meiner glücklichen Ankunft in Jerusalem, nachdem ich drei Jahre in angenehmster Weise die Gastfreundschaft der englischen Residenz genossen habe, ist es mir Herzensbedürfnis, Euren Majestät heißen Dank dafür auszudrücken, daß mir die Möglichkeit gegeben wurde, in mein Heimatland zurückzukehren, dessen Luft mit Licht und Heiligkeit angefüllt ist. Zum Gotte, der Zion erwählt hat. hoffe - JÜet.e daß er Euch lange Jahre der Ruhe und des Glückes gewährt, in denen Ihr die frohe Erfüllung dessen erlebt, was Ihr dem jüd schen Volke im Lande der Propheten in Aussicht gestellt habt. Mögen alle Segnungen der Propheten sich an Euerem Haupte und an Euerer Krone erfüllen". l „(Genug vom Krieg). Folgende nette Anekdote erzählt Ernst Go th in der Nationalze-tung: Es war in der Zeit der schwersten Kämpfe gegen Italien und! Erzherzog Joseph, der die Honvedlruppen komn-an-! dierte, war von diesen geliebt urd verehrt, wie kein zweiter Heerführer im ganzen Kriege. Einen Teil dieser Volkstümlichkeit hatte er freilich schon mitgebracht: Er war eben oer einzige ungarische Erz- Herzog — seine Wiener Verwandten. König Karl nicht ausgenommen, machten sich stets lächerlich, wenn sie ungarisch zu sprechen versuchten — und er pflegte diese familären, gemütlichen Beziehungen zur Mannschaft sehr sorgfältig, indem er häufig in die Schützengräben stieg und die L'Ute der Reihe nach um ihre Wünsche und Beschwerden befragte. Die meisten dieser Wünsche waren mit einer Zehnkronennote zu befriedigen und der Erzherzog Hai, das fei wahrheitsgemäß verzeichnet, wett mehr als seine MarschallSgage aus diese Weise verteilt. Einmal nun ging er wieder so durch einen Graben, wobei die Honveds längst nicht mehr warteten, biS er sie anfpräche, sondern iyn unter Eljenrufen umringten und sofort loslegten: Der eine bat um Urlaub, der andere um Geld, der dritte um Tabak, der vierte hatte seine Pfeife verloren, der fünfte brauchte neue Stiesel — der Erz- Herzog zog unermüdlich die Brieftasche, notierte sich Namen, versprach überall Abhilfe und dabei fiel ihm ein kleiner jüdischer Soldat auf, der offenbar ans der Gegend stammte, wo Ungarn schon in Galizien übergeht, und der bescheiden abseits stand. Der Erzherzog sprach ihn freundsich an: „Nun, und du mein Sohn, du hast gar keinen Wunsch"? Der Kleine grinste verlegen und meinte endlich: „Ich hätt' schon einen, königliche Hoheit, aber ich trau' mich nicht . . ." werden von Männern und Frauen über 21 Jahre. Neu/ abweichend von dem bisherigen Wahlrecht ist nur das geringere Alter — vorher 25 Jahre — und die Telnahme der weiblichen Rkligtonsaenossen. Einzige Aufgabe der LandeSklrchenverfammlung ist die Ausarbeitung der Kirchei-Verfassung. Die Obrrkirchenvcrsammlung in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung und mit ihren bisherigen Befugnissen, Rechten und Pflichten besteht zwar noch weiter, hat aber bei der Ausarbeitung der Verfassung nur insofern mitzuarbeiten, als sie Vertreter aus ihrer Mitte in dieselbe entsendet, denen aber nur beratende aber nicht beschlußfaffende Stimme zusteht. Also die Landesktrchenverfaffung ist vollständig unabhängig und selbstständig gegenüber dem „Kirchenxtqlrmnt", wenn mm so sagen kann. Es handelt sich also noch lange nicht um eine Kirchmversaffnng selber, sondern um das Wahlverfahren zur Gewinnung einer verfaffungsgebenden Versammlung. Wir versagen uns deshalb eine Aussprache darüber, ob nicht das proportionale Vahlverfahren besser gewesen wäre, wir bezweifeln dies, denn die Gesamtzahl der Israeliten de- Landes beträgt nicht viel über elftausend Köpfe, und die verschiedenen Richtungen innerhalb dieser kleinen Anzahl sind durchaus nicht so scharf von einander geschieden, daß «au von ausgesprochenen partetartig ausgebtldeten, in sich gleichartig seienden Gruppen sprechen könnte. Darum ist das proportionale Wahlverfahren nicht am Platze. Van orthodoxem Stündpunkte aus gesehen, ist such bei sügemerne, gleiche Wahlrecht verfffrechench freilich nur, wrnn bis OktysbsM? ihre. Pflicht tut und regr arbeitet. BiZ aber schläft sie ä^N ^chlcff Exerchten und hofft^daß ihr die gebratenen Tauven in drnMund stiegen. Seitdem z.B. der Verein zur Wahrung der religiösen Interessen seine Pesachpaketchen an die Soldaten verschickte, hat er nichts von seiner Exstinz mehr hören lassen. Er soll aber keine Wohltätigkeitskonftitution sein, sondern etne rellgiös-polttifche Vereintznng zumZwecke der Beeinflussung deS öffentlichen Lebens und zum Zwrcke des Vorgehens bei den Behörden. < Im August v. I. hat in Crailsheim, etnberufen von einigen Glaubensgenossen daselbst, eine Versammlung stattgefunden, auf welcher zahlreiche Gemetndegenoffen, Rabbiner und Lehrer des israelitischen Kreises anwesend waren, und man über den erstgenannten Entwurf und alle Dinge (ds omnibus rebus et quibusdam aliis) debattierte. Man nahm auch, aber natürlich gegen eine diffentterende Minderheit, die Beschlüsse an, ln denen man den Gemeinden empfahl, einige Punkte des Entwurfes der Oberktrchenbehörde als ■ 1 1 *" um!^mmmmm^ssssamasssBBta „Nur immer heraus mit der Sprache"! ermunterte ihn der Erzherzog. „Wenn ich ihn erfüllen kann .. „Königliche Hoheit", faßte sich der andere ein Herz, „ich möcht' haben die Erlaubnis, zu verkaufen ein neues Mützenabzetchen". „Ein neues Mützenabzekchen"? meinte der Erz- Herzogs nun darüber läßt sich ja red.n. Was soll denn das für ein Abzeichen sein"? Nun verlor her Mann alle Schüchternheit Er sah sich bereits am Ziele feines SehnenS. Und er antwortete: „Königliche Hoheit, melde gehorsamst, ich möcht' gern verkaufen dürfen Mützenabzetchen mit der Aufschrift: „Genug vom Krieg". Da aber kam der Erzherzog in Verlegenheit. Er schüttelte lächelnd den Kops und ging wortlos weiter. Diesen Wunsch konnte er nichterfüllen. Sahkat-Ansanß und Ausgang. row 0 R Ti Anfang Datum AuSgang USr lMtn.!lv»0i 5680 Uhr >Mi,r. Frankfurt a. M. 4 40 23. ' Jan. 3. Schebat 5 56 Bern« .... 4 SS S 32 München . . . 4 BO 5 44 Etraßburg . . — — — Stuttgart. . . — — Pose« .... — — Nürnberg. . . 4 4i 5 41 Hamburg . . . — - S 35

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