Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 2 (15.1.1920)
- Date
- 1920-01-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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15. Januar i*>20 Der Israelit fix. 2 Selie 5 DenLsttzss Ketrtz. öfljüdifche einroanderuno- Werkiu, 3. Januar. Das Berliner Wohnungsamt hat vorgeschlagen, die große Zahl neuerdings eingewanderter polnischen Flüchtlinge inBaracken lagern unterzubringen, da die derzeitigen Unterkunftsstätten absolut menschenunwürdig sind. In manchen Straßen Hausen zehn bis zwölf Personen in einem einzigen Raum. Die deutsche Yolhsparfei und die Juden. Berlin, 7. Januar. Ein hiesiges antisemitisches Blatt bringt zu der Behauptung, daß die Leitung der Deutschen Volkspariei sich zur Bekämpfung jeder antisemitischen Regung in der Partei entschlossen Habe, folgendes Dementi eines Berliner Ortsgruppen-Vorfitzenden: „Der Vorsitzende der Deutschen Volkspariei, Abgeordneter Dr. Stresemann, hat mich ermächtigt, dieser unwahren Behauptung zu widersprechen. Eine derartige Erklärung ist vom Vorstand der'Deutschen Volkspartei niemals abgegeben worden, würde auch mit dem Programm dieser Partei im krassesten Widerspruch stehen. Nach dem Programm wird in unserer Partei als besonders notwendig anerkannt, daß das deutsche Volk sich seiner völkischen Eigenart wieder bewußt werde, daß alle Zersetzungsbestrebungen, die an Stelle des Bekenntnisies zum nationalen Staat und zum deutschen Volkstum das Weltbürgertum setzen wollen, zu bekämpfen sind, daß alle Bestrebungen, die unser deutsches Empfinden zmückdrängen wollen zugunsten internationaler, uns wesensfremder Auffassungen, verworfen werden. In der Bekämpfung und Zurückdrängung des jüdischen Einflusses, der unser Vaterland in den Abgründ gebracht hat, stehen beide Rechtsparteien auf ein und demselben Standpunktund fechten gemeinsam. Hierzu bemerkt das „Tageblatt": Es wäre interessant zu erfahren, ob diese Berichtigung, die H rr Stresemann erteilt hat, lediglich formaler Natur ist, weil nicht der Vorstand der Deutschen Volkspartet sondern der Vorsitzende der Fraktion oder eine andere Instanz eine solche Erklärung abgegeben hat, oder ob sich die Berichtigung auch gegen den Inhalt jener Behauptung wendet. Trifft die zweite Alternative zu, so würde es des weiteren von großem Interesse fein, die persönliche Stellungnahme der Führer der Deutschen Volkspartei, insbesondere der Herren Stresemann, Kahl und Heinz?, zu dieser Frage zu vernehmen. Und auch Geheimrat Rießer, der Sohn des, „Rechtsanwalt der deutschen Juden", wie der Ehrentitel seines Vaters lautet, wäre zu der Erörterung der Rechtsfrage, als die die willen darüber Ausdruck, daß man das aktive Wahlrecht von einer dreijährigen Zugehörigkeit zur Gemeinde und das passive von einer sechsjährigen abhängig gemWt habe. Nach einer langen lebhaften Aussprache wurde folgende Entschließung mit allen gegen 3 Stimmen angenommen: „Die im überfüllten Elisabethsaale auf Einladung des demokratischen Gemeindevereins versammelten Gemeindemitglteder legen schärfste Verwahrung ein gegen die Absicht der von einer liberalen Mehrheit beherrschten Repräsentanten- Versammlung volljährige und politische mündige Gemeindkmitglieder vom Wahlrecht auszuschließen. Die Versammlung protestiert des weiteren gegen die Festsetzung einer nrehrjährigen Karenzzeit und gkgen die Verweigerung des passiven Wahlrechts an die Beamten. Sie Protestiert ferner entschieden gegen den Versuch, die aus dem Osten zugewanderten Stammesgenossen zu Gemeinde- Mitgliedern zweiten Ranges herabzuwürdigen und bekennt ihren Willen, für oie schleunige"Durchführung ' eines wahrhaft demokratischen Wahlrechtes mit allen Mitteln zu wirken." Oestevreirh. Die Regelung der Hechte der Juden in Rumänien- Wien, 26. Dez. Der Israelitischen Allianz zu Wien ist vom „Joint Foreign Kommittee" in London die Nachricht zugegangen, daß die vollen Rechte der Juden sowohl im alten Rumänien, wie in den neuerworbenen Gebieten durch der Friedensvertrag gesichert erscheinen, ferner daß die Kontrolle des Völkerbundes hinsichtlich des Schutzes der Minoritäten ganz in derselben Weise wie im Vertrage mit Polen gesichert wurde und daß der rumänische Vertrag noch eine besondere Klausel enthält, wonach die Juden in Rumänien ohne besondere Formalitäten in den Besitz 1>er politischen und bürgerlichen Rechte gelangen sollten. ' (Das letztere wird wohl richtig sein, dagegen haben wir Grund daran zu zwefeln, daß der rumänische Vertrag dem polnischen nachgebildet ist. Red.) Ts rherho-MorrraKei. Her Anschluß der ehemals ungarischen Orthodoxie an die Raudas Jisroel- Bratislava, 1. Januar. Wie bereits kurz gemeldet, hat die Landesversammlung der stovaktschen Orthodoxie den Anschluß an die Agudas Jisroel beschlossen/ aus diesem Anlaß richtete der Präses der Landeskanzlei, Oöerraboiner Koloman Weber, an den Vorsitzenden des Zentralbüros der „Agudas Jtsrocl"- Dr. Lewenstein, folgendes Schreiben: „Für die innige Begrüßung seitens der Aguda anläßlich meiner Wahl zum Präses der Landeszentrale der orthodoxen Judenheit der Slowakei, empfangen Sie in meinem Namen wte in dem meiner Mitarbeiter unseren aufrichtigster Dank mit der Versicherung, daß Stellung der Juten in Deutschland behandelt I unter den vielen Beglückwünschungen aus diesem Anlaß werden muß, komvetent; bic ^rlfle uns besonders wohlgetan, denn die Bestreci-ucu muß, ryluperenN— buriAn der Aguda, die orthodoxen Gruppen der Weit Um die Wahlrechtsreform. Köln, 9. Januar. Der demokratisch-jüdische Oemeindeverein veranstaltete im Elisabethsaal eine außerordentlich stark besuchte Etnspruchversammlung gegen die letzten ^Beschlüsse des Repräsentavten-Kollegiums der Jüdischen Gemeinde in der Wahlrechtsfrage. Der Referent, Herr R.-A. Jonas hob die Punkte hervor, die am meisten zu Beanstandungen Anlaß gaben. Er rügte, daß man in dem neuen Wahlrechtsentwurf den Gemeindebeamten das Wahlrecht versage, tadelte dann vor allem die Heraufsetzung des aktiven Wahlrechts von 21 auf 24 Jahre und des passiven von 25 auf 30 Jahre gegenüber den Kommissionsbeschlüssen. Dies seien reakttonare Bestimmungen, die um so unverständlicher seien, als die Mehrheit der Repräsenm politischen Leben sich als liberal bezeichneten, Besonders aber 'gab er seinem Un° zu einer großen Gemeinschaft, zu gemeinsamer Arbeit zusammenzufaffen, ist den Zielen unserer Organisation kongruent, welche die orthodoxen Gemeinden unseres Landes zu einem einheitlichen Ganzen zusammenfaßt. In dem Maße, wie wir jedes Zusammengehen mit nicht orthodoxen Elementen im Rahmen unseres Landes entschieden perhorreszieren, ebenso denken wir uns den Zusammenschluß der Weltorthodoxie mit Ausschluß jeder anderen Organisation. Mit nachdrücklicher Betonung dieses unseres Standpunktes haben wir in der jüngst abgehaltenen Landesrcpräsentantensitzung einhellig den Anschluß an die Aguda ausgesprochen. Ich darf es Ihnen nicht verhehlen, daß bei jeder Stellungnahme zu Fragen, welche die Orthodoxie berühren, auf den. orthodoxen Rabbinen der Slowakei große und schwere Verantwortung lastet. Wir haben ein heiliges Erbe von unseren Allvorderen übernommen. 270 große Rabbinen haben zur Z-it der Hochflut der modernen Richtung, welche die Grundsäulen der heiligen Thora zu unterwaschen drohte, mit geradezu prophetischer Voraussicht die Richtlinien sestgesiellt, die den festen Damm bildeten, an dem sich die hochgehenden Wogen der unjüdischen Zeitsirömungen brachen. Die Erfahrungen der letzten fünfzig Jahre haben diese Großen nur zu sehr gelechtfertigt, daher rönnen und werden auch wir in aller Zukunft von diesen als heiliges Vermächtnis übernommenen Grundsätzen unter keinen Umständen um Haaresbreite abweichen. Die erste Voraussetzung unseres Anschlusses an die orthodoxe Weltorganisation ist, daß die Erhaltung, Kräftigung und der Ausbau der Orihodoxie in der Slowakei ausschließlich den maßgebenden Rabbinen Vorbehalten bleibe, ferner darf keine nichtorlhodoxe Gruppe der Slowakei der Organisation angehören. Eine weitere Voraussetzung unseres Anschlusses hängt mit palästinensischen Fragen zusammen. Erez Jisroel bildet den Gegenstand der Sehnsucht und Verehrung jedes thoratreuen Juden, selbstredend ein Erez Jisroel, indem das ganze Volksleben, wte auch sämtliche Institutionen vom Geiste der uuverfälschteu Jüdischkeit erfüllt sind. Daher erachten wir es als erste und wichtigste Aufgabe der Aguda, das religionsfeindltche Treiben anderer Organikattoncn zu verhindern, alles zu tun, daß ein wahrhaft jüdisches auf der Grundlage unserer heiligen Lehre basierendes, des heiligen Bilden würdiges Leben dort heimisch werdel Die Landesrepläsentanz hat Oder-Rabbiner Schreiber, Ober-Rabbiner Jun greis (Kassa) und Rabbiner A. Katz (Neutra) mit weitestgehender Vollmacht ausgestattet, um diese unsere Tendenz, die sicherllch bei Ihnen vollstes Verständnis finden wird, im großen rabbinischen Rate der Aguda zur vollen Geltung zu bringen." Es wird nun darauf ankommen, durch eifrige Propaganda dis orthodoxen Massen auch innerlich für die Auguda zu gewinnen, was an sich nicht zu schwer fallen kann. Molen. IDilnaer-Brief. Wilna, 3. Januar. Die „amerikanische Unterstützung" ist auch in Wilna — ganz wie in Warschau — ein Instrument in den Händen der Zionisten im Kampfe gegen die Orthodoxie, die es wagt, in religiösen und Gemeindedingen ein Wort mitzureden. Die Herren waren zeitig und rührig an der Arbeit, die Gelder und das Mandat zur Verteilung derselben in Händen zu bekommen und die Leidtragenden sind die religiösen Institutionen, die Talmudthoras und Jeschiwos, die so gut wie gar nichts erhalten, während gewissen Schulen jetzt der Goldsegcn aus dem Dollarlande liebevoll zügelest et wird. Die Campagne, die hier jetzt gegen Rabbi Grodsenskt unternommen wird, ist aus folgender Ursache entstanden: In Anbetracht der.ewigen Nichtberücksichtigung der gesetzestreuen Interessen vonsetten derKomitees hat sich Grodsenskt direkt nach New Aork gewendet, mit dem Erfolge, daß ihm 15000 Dollar für die Zwecke der notleidenden Rabbiner, und religiösen Institutionen zugingen. Die Verteilung soll durch eine von der Rabbinerkonsereuz zu wählende Kommission vor sich lgehen. Nun beginnt ein Kesseltreiben gegen Grodsenskt, das an die Vorgänge in Warschau erinnert, bet Anlaß der Englandreise des Rabb. Perlmutter. Ein „Attentat auf das Recht des Komitees", nennt es der„Wilnaer Tag". Man ging sogar soweit, „zur Strafe" das Gehalt des Rabb. Grodsenskt zu kürzen, wegegen allerdings geharnischter Protest Vonseiten sämtlicher Wtlnaer Rabbiner eingelegt wurde. Man darf gespannt sein, wte weit die Wilnaer Machthaber in ihrer Selbstemwürdigung gehen werden. Das baminenunalttdt in Davos- Zürich, 2. Januar. Nach weiteren Berichten aus Davos ist von den Patienten und den Angestellten des Sanatoriums „Etania" glücklicherweise niemand ernstlich beschädigt worden. Doch kamen leider zwei Arbeiter, die sich vor der Lawine in das Sanatorium von der Straße geflüchtet hatten, ums Leben. Der materielle Schaden beträgt etwa hunderttausend Franken, zu dessen Deckung der Gesamtvorstand einen Ausruf erläßt. Das hiesige Jsr. Wochenblatt veröffentlicht den Brief einer Patientin aus Davos, dem wir folgendes entnehmen: . . Wir können alle bon einem großen Glücke sprechen und dem lieben Gott dankbar ftin, daß er uns