Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 2 (15.1.1920)
- Date
- 1920-01-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette « Nr. L errettet hat. Ich habe schon viel von Lawinen gelesen und mir das schrecklichste vvrgestellt, aber wenn man es selbst erlebt, dann stützt man erst das richtige. — Die „Etania" liegt sehr schön, gerade am Waldabhang. Ein anderes Sanatorium in derselben Lage hat jedoch noch m-chr gelitten als sie.- ^Beiui ersten Sturz wurde schon unser Küchenmädchen im Saal begraben. Herr Dr. Oeri, die Schwester und Herr Jurowitsch hatten sie gerade ausgegraben, sie und sich selbst in die Südzimmer des Hauses gerettet, als schon die zweite Lawine kam. Es wurde ganz dunkel. Irl. L. sah bei mir auf dem Bette und sagte: „Wir wollen doch zusammen sterben!" — Als dann alles vorbei war, muhten sich die Hilfsmannschafteu erst einen Weg bahnen. Die Nordzimmer sind eingestürzt und die Treppen auch. Dr. Oeri ist vom dritten Stocke den Terrassen entlang auf die Straße hinunter geklettert und mußte unten vor dem Hause erst die Verschütteten ausgrabev^' Dann sind alle, die gehen konnten, durch die geschaffene Bahn gerutscht und sind zum Teil in einem Hotel und im „Neuen Sanatorium Davos-Dorf" untergebracht. Wir waren drei Personen, die man tragen, vielmehr ziehen niuhie. Sinn, wir sind auch hinausgekommen. „Wie" ist ja gan; egal, die Hauptsache ist, dah wir in Sicherheit sind. Wir waren dann bis 10 Uhr abends in einem Hotel, wo man uns sehr freundlich ausgenommen hatte. Um 10 Uhr wurden wir mit Schwester Rosa, die am ganzen Körper blaue Flecken hat, und bis zuletzt aufopferungsvoll auf dem Platze arbeitete, nach dem neuen Sanatorium gebracht. Wir waren so glücklich, als wir endlich in ein Belt kamen. Die anderen Patienten waren schon seit 7 Uhr in diesem Sanatorium. Am anderen Morgen kamen auch alle Jnsaffen der „Erania" in mein Zimmer, und Ihr könnt Euch kaum denken, wie glücklich wir alle waren, uns gesund wtederzuschen . . . ScklweirerWe Landesorganifation 9er „flgüdas Jisroel". Zürich, 2. Januar. Der Gesamtvorstand der Schweizerischen Landksorganisation hielt am 25. Dezember seine Jahresversammlung hier ab. Namens der Aguda- Leitung erstattete Herr Braun ein zweistündiges, hochtnterefs rntes Referat über den Stond der Aguda-Bewegung in allen Ländern, insbesondere in England, Frankreich, Deutschland, Polen, Littauen, Tschecho-Slovalien und Palästina. Es sei an der Zeit, Bor bereit ungen für die Kenessio Gedaulo zu treffen. In der Diskussion interpellierte Herr Tempelhof wegen des Mißerfolges in der Frage der Sonntagsruh e in Polen, woraus Herr Braun die Ursachen darlegte, die hierfür maßgebend waren. Im Verlaufe der Verhandlungen wurde eineKommission ernannt, welche die Schaffung eines agudistischen Presse-Organs in der Schweiz in die Wege leiten soll. Ein Verband fradiflonell-gefefeesfreuer Zugen in England- London, i. Jan. Der Plan zur Errichtung eines großen Kriegsertnnerungssonds, dessen Mittel bekanntlich in größtem Stile der jüdischen Wissenschaft und dem jüdischen Gemeindeleben zugute kommen sollen, har bereits eine Reihe von höchst interessanten Nebenwirkungen gezeitigt. Hierzu ist in erster Reihe die markante Haltung der um Montefiore gruppierten liberalen Kreise zu zählen, die neuerdings durch den Mund ihres geistlichen Vertreters wörtlich folgendes erklären ließen: „Wir sind von der orthodox-jüdischen Gemeinde nicht nur durch einen abweichenden Kultus — dies ist eine verhältnismäßig unbedeutende Sache — sondern durch abweichende Glaubenslehren unterschieden, welche bis tief in die Wurzeln des geistigen Lebens reichen." Es ist nur natürlich, daß wenn die liberale Seite solcher Gestalt offen Farbe bekennt, auch diejenigen nicht zurück bleiben, die sich zum überlieferten Judentum bekennen. Zwar wäre es viel ersprießlicher und natürlicher, wenn diese Kreise sich einheitlich um den britischen Landesverband der Agudas Jisroel sammelten, allein auch die Gründung eines selbständigen englischen Verbandes traditionell gesitzkstreuer Juden, die am Sonntag hier stattgefunden hat, muß man begrüßenvielleicht wird eine Verein- \ Der J-meltt heitlichung, oder mindestens ein enges Zusammenwirken nicht ausbleiben. Der Vorsitzende der Versammlung M. Wachmann erklärte es als nächste Aufgabe des Verbandes, die moralischen Kräfte der gesetzestrMen Judenheit in ihrem vollen Gewichte bet der Ausführung des großen Kriegsgedächtnisplanes zur Geltung zu bringenaber darüber hinaus solle der Verband alle das religiöse Leben berührende Problem der englischen Judenheit im gesetzestreuen Sinn behandeln. In der angeregten Aussprache wurde zwar eine Opposition von zionistischer Seite rege, die jedoch nicht durchdrang. Mancherseirs wurde der Wunsch ausgesprochen, das Wort „gesetzestreu" durch „orthodox" zu ersetzen, schließlich gelangte die Gründungsresolution mit allen gegen zwei Stmmen zur Annahme. In der Behandlung der mit dem Kriegserinnerungsfond in Verbindung stehenden Fragen zeigte es sich, daß der Verband offen vom Jews College abrückt, das keineswegs das Vertrauen der orthodoxen Juden in England genieße und für sie keine Rabbiner und Lehrer ausbilden könne. Man denkt sich die Ausbildung der Rabbiner auf der Jeschiwa, während für die weltliche Bildung eine besondere Institution unter der Leitung gesetzestreuer Führer geschaffen werden müßte. Der Kriegserinnerungsfond dürfe sich nicht einseitig ans Jews College iestlegen, sondern müsse auch die weiter rechts stehenden Kreise berücksichtigen, wenn er auf eeren Mitarbeit und Unterstützung Wert lege. M. L. L- Cohen versicherte, daß die Leitung des Krtkgsertrmerur.g.-fonds den Wünschen der Versammlung Rechnung zu tragen bereit sei. flgudas Jisroel in England' London, 1 Januar. Tie Agudazentrale entfaltet eine rührige Werbetätigkeit. Am Sonntag wurde eine neue Gruppe in West-London gebildet, bei der eine Reihe von Synagogen des Westens von Delegierten vertreten waren. Ein Vertreter der Holländischen Agudas Jisroel nahm an der Versammlung ebenfalls teil. Nach einem einleitenden Referat des Herrn M. Jung ries Rabbiner Ferber das Interesse der Versammlung für die Kulturinstitutionen der Orthodoxie im heiligen Lande und in Polen wach. In einer besonderen Resolution protestiert die Versammlung ge^en die unerfreuliche Presse-Campagne die man gegen den ehrwürdigen Rabbiner Perlmutter, während er noch Gast der englischen Judenheit war, in Polen unternommen hat. Zum Vorsitzenden der West- Londoner Agudagruppe wurde Rabbiner Ferber gewählt, dem ein zwölfgliederiger Vorstand zur Seite steht. Holland. Ksag, 1. Januar. In Do rd recht fand Ende Dezember die Jahresversammlung des holländischen- Zionisten - Verbandes statt, der 2500 Mitglieder zählt. Julius Simon aus London referierte vertraulich namens der engeren Leitung. Dann folgten Referate über die verschiedenen Gebieteder inneren Arbeit. Prof. Orn stein teilte mit, daß der holländische zionistisch? Landesverband in Zukunft mit Ntchtzionisten in allgemeinen jüdischen Angelegenheiten nicht mehr zusammenaröeiten werde. Im Marz soll eine Tagung zwecks Besprechung der Golusarbett stattstnden. Palästina. Die beberrctniffel-Ceurung. — Baufäfigheif. getußfern, 11. Dezember. Der furchtbaren Teuerung aller Lebensmittel soll kurch eine R ihe besonderer Maßnahmen entgegengewirkt werden. Dazu gehören tnsbe, sondere der Ankauf von Getreide aus erster Hand, Erleichterung der Einfuhr, Bildung von Konsumgenossenschaften, bare Zuschüsse zwecks PreisverbiLigung. — Die in London gegründete jüdische Akttenbaugesellschast „Habone" hat ihre Tätigkeit bereits begonnen, sie baut zur Zell ein IS. Januar 1920 Wohnhaus in Jaffa, ein Hotel ln Tell-Awiw ist im Begriff, ein europäisches Hotel im Haifa nahe dem Technikum zu errichten. — Die Jaffaer- Agudas Jisroel Gruppe hat die Anlage eines Stadtviertels unter dem Namen „Nachalas Jakauw" beschlossen. Iugrr-Ktcrrrierr.1 Judenausroeifungen aus Jugo-SIaoien. Baris, 4- Januar. Zuverlässigen Nachrichten zufolge werden seit einiger Zeit jüdische Staatsbürger aus jugoslavischem Gebiete rücksichtslos ausgew lesen, darunter sogar Eltern aktiver Soldaten. Es herrscht Panik. Die Delegation der Nationalräte überreicht der Friedenskonferenz ein Memorandum über die Vorgänge. Personalien. Nördlingen, 7. Jan. In der Frühe des Sabbat- Rüsttags wurde unser Gememdemilgtted Jakob Ascher nach kurzem Krankenlager im erst 41.Lebensjahre uns durch den Tod entrissen. Mit ihm ist ein sich einer allgemeinen Beliebtheit erfreuender guter Jehudi beimgeganaen, deffen Streben und Trachten stets aufGemtlus Chesed gerichtet war. Ein Vater den Armen und ein Helfer den Ratlosen zu sein, war seine Gewdhnheit. Reges Jntereffe zeigte der Heimgegangene an den Einrichtungen der Kultusgemeindc, die er jederzeit tatkräftig unterstützte. Au der Bahre widmeten ihm der diesige Lehrer Herr S t r a U tz und ein Verwandter des Verblichenen, Herr Hauptlehrer Fulder aus Treuchtlingen, Worte des Dankes und der Anerkennung. . ML««. London, 2. Jan. Hochbetagt ist hier Herr- Michael Levy, der Schwiegersohn Samson Rafael Hirschs in ein besseres Leben abberufen worden. Michael Levy war eine Persönlichkeit, wie sie sogar in Deutschland, geschweige denn im modernen England äußerst selten zu finden sein dürfte. Er vereinigte ein tiefes, auSgebreitetes Thorawiffen mit abgerundeter wissenschaftlicher Bildung und einer Gewissenhaftigkeit auf allen Gebieten der jüdischen Pflichterfüllung, die vorbildlich für seinen ganzen Kreis wirkte. Bon glühender Begeisterung für das gesetzestreue Judentum durchdrungen, wußte er seine Kinder in gleichem Geiste zu erziehen. Sein Tod läßt eine Lücke, die nicht sobald wird ausgefüllt werden können. <T2«n. Bojanowo, 31. Dez. Am 38. Dezember feierte der jüdische Gelehrte Rabbiner Dr. Theodor in Bojanowo seinen 70. Geburtstag. Am 28. Dezember 19*9 zu Schmalleuinpken in Ostpreußen geboren, erhielt er seine rabbintsche Vorbildung auf dem Bres. lauer Seminar und wurde später nach kurzem Amtieren in Bromberg und Bereut Robbiner in Boja.iowo, wo er seit langen Jahren wirkt. Theodors HaupLarbeitsgebiet ist der Midrasch und man kann wohl sagen, daß seine Arbeiten auf diesem Gebiete bahnbrechend geworden sind. Wichtiger noch als seine wissenschaftlichen Arbeiten über den Midrasch, die vornehmlich in der Braun'schen Monatsschrift erschienen sind, ist die Ausgabe von Bereschit Rabba, welche er selbständig unternommen hat. Zwar ist er von jüdischen Gesellschaften unterstützt worden, einen Verlag hat er aber für dieses so wichtige Werk nicht finden können. Seine Ausgabe des Bereschit Rabba, welche bis zur neunten Lieferung gediehen ist, stellt nun nach dem übereinstimmenden Urteil der gesamten Fachkriiik eine wissenschaftliche Tat dar. Ist sie doch der erste altrabbinifche Text, der in wahrhaft wissenschaftlicher Weise mit Heranziehung aller literarischen und kritischen Hilfsmittel hrrauSg-geben worden ist Ebenso wertvoll ist auch der Kommentar, d:n Theodor in klassischem Hebräisch »erfaßt hat, in welchem er seine Person ' und seine Meinungen bescheiden zurttckireten läßt, und den Midrasch durch den Midrasch selber erklärt. Möge Theodor, der in den Kreisen seiner Kollegen und Freunde die größte Verehrung genießt, in voller Rüstigkeit deK Körpers und bcS Geistes noch lange Jahre Trost in seiner Arbeit für die jüdische Wissenschaft finden. Vermischtes. Berlin, 88. Dez. Der Verein Tifereth Jisroel hat eine von dem Thoraschreiber CH. S. Wetsende x fl in Berlin hergestellte Sefer-Thora dieser Tage feierlich eingeweiht. Berlin, 18. Dezbr. Die verheerenden Wirkungen de? Krieges in den Ostgebieten haben unzählige jüdische Kinder ihrer Eltern und Ernährer beraubt. Biele dieser unglücklichen Kinder find durch die Zeitwirrnisse nach Deutschland verschlagen worden, wo sie sich häufig in trostloser Lage befinden. Diesen elenden Waisenkindern Hilfe und Rettung zu bringen, ist heiligste Pflicht. Wir richten daher an unsere Brüder, die imstande sin» einem Waisenkinds bei sich für