Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 2 (15.1.1920)
- Date
- 1920-01-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 No. 2 Ster JSraelit. 1&. Januar 1924 zionistischen Monopolwirtschaft geltend macht, und daß man in diesen Kreisen, zn denen jetzt noch die organisierte rschecho-slowakische Orthodorie tritt, mit der zurückhaltenden, von der Rücksicht auf den Zionismus diktierten Politik der Züricher Weltkonferenz im höchsten Grade unzufrieden ist. Heute kann, nachdem ein Jahr verflossen ist, kaum ein Zweifel mehr bestehen, daß die zionistische Leitung gutwillig nicht auf den vollen Alleingenuß der politischen Rechte zu verzichten gewillt ist, den sie sich durch einige Jahrzehnte OrganisationSarbeit und durch eine geschickte Ausnutzung der Kriegskonjunktur verdient zu haben glaubt. Die thoratreue Judenheit aber, der weder einige Dezennien Propaganda noch die wechselnden Konjunkturen einer vergänglichen Zeit imponieren, darf es unter kein en Umständen dahin kommen lassen, daß wegen mangelnder Sachkenntnis der Staatslenker das Schicksal des jüdischen Erez Jisroel, als sei es eine Privatangelegenheit der Herren Wetzmann, Sokolow und Genoffen oder ihrer Partei, auf Jahrzehnte ohne Mitwirkung des Kernes des jüdischen Volkes bestimmt wird. Die Verantwortung dafür ruht auf den Schultern der Orthodoxie in den neutralen und den Entente- Landern. Der Zug zur Lan-wirlffhasi unter den Juden. Von Abr. Soschihky in Helmstedt. Der Taumel, der eine zeitlang alle jüdischen Gemüter erfaßt hatte, „Palästina wird jüdisch!" hat nachgelassen. Nicht nachgelassen hat der Zuzug der jüdischen Jugend zur Landwirtschaft. Und das ist gust so. Aber diese Jugend sieht nicht, daß sie einer Katastrophe entgegengeht, daß sie einst den Tag verwünschen wird, an dem sie — nicht etwa in die Landwirtschaft eingetreten ist, sondern die Ausbildung vorzeitig abgebrochen hat, in der Meinung sie habe genug an praktischem und theoretischem Wissen. Wenn es irgend einen Beruf gibt, in dem man an diesen zwei Dingen nie genug haben kann, so ist es die Landwirtschaft. Mancher Unbeteiligte wird sich hier wohl sagen, das sei doch ein Unding, einen Beruf zu wählen, ohne sich vorher über dessen Lehrgang und Aussichten zu unterrichten. Nach meinen Erfahrungen will es mich fast bedünken, — als ob die Tanten das besorgten. Die Wenigsten haben nämlich den Landwirtschaftsberuf erwählt — oder er ist ihnen erwählt worden aus purem Idealismus für Erez Jisroel, sondern wohl eher aus der Erkenntnis heraus, daß der Kaufmich nicht"? Zur rechten Zeit habe ich gefaxt. Kaffee und Kuchen bekomme ich am ScherouauS. Wein zum Geber, ein Stückchen Geflügel am Erew Jom-Kivpur von den Kl?ppores, Kreppchen am Purim und einige Gänfegrteben zu Chanuka. — „Und das ganze Jahr"? Nu, hungert man sich mit GoiteShilfe durch. (Der Kaiser und der englische Rothschild). In den von Kautsky herausgegebenen Aktenstücken befindet sich folgender Brief, den Baron Alfred de Rothschild am 1. August 1914 an KaiserWilhel m gerichtet hat: „Sr. kaiserl. Majestät dem Deutschen Kaiser, Berlin. Ich bin mir - bewußt, daß Euere Majestät jeden Nerv zu Gunsten des Friedens anftrengen und weil ich dies weiß und weil ich immer ein Bewunderer der Politik Euerer Majestät war, wage ich Euere Masestät in diesem kritischen Augenblicke anzureden, da die Segnungen des Friedens und die Schrecken des Krieges wie das Zünglein einer Wage balanzieren. Wollen Euere Majestät mir daher einen Vorschlag senden, den ich sofort meinen Freunden vorlegen könnte und der geeignet wäre, sowohl in Petersburg wie in Wien günstig ausgenommen zu werden, unterstützt von meinen Freunden? Ich wage ernstlich zu hoffen, daß Euere Majestät mir gütigst antworten werden". Auf dieses Schriftstück hat der Kaiser die Worte geschrieben: „Eine meiner alten und sehr achtungswerten Bekanntschaften, ungefähr 75—80 Jahre alt". Während das Auswärtize Amt das Telegramm mit der Notiz versah, daß die Antwort nicht abgehen konnte, weil das Kabel mit England bereitunterbrochen war! mann keine rosigen Aussichten habe. Na, das wäre ja weiter kein Verbrechen, auch kann nicht jeder ein Freund von Idealismus sein. Aber manche wurden von ihren Eltern oder ihren Erziehern einfach deshalb in die Landwirtschaft gestopft, weil der junge Mann gelinde gesagt keine „Anlagen" zu einem arideren Beruf hatte. Diese Erzieher scheinen noch an das Wort des alten Bauern zu denken: „mein ältester Sohn, der klügste, wird Rechtsanwalt, der zweite Kaufmann und der dritte, der dümmste wird Bauer." Ja, das war einmal. Heute muß man das Ding auf den Kopf stellen! Heute mutz der kleine Landwirt, noch mehr der Gutsleiier über eine ziemliche Portion Scharfsinn und ausgebrettetste Fachkenntniffe besitzen, will er, dem Boden einen Ertrag abringen. Wir wollen nicht vergessen, daß mancher sich die Landwirtschaft etwa so vorstellt: um 8 Uhr morgens ausstehen und das Reitpferd bestiegen, um sich an der frischen Luft Appetit für das Mittagbrot zu machen. O jo,-.der Apprtit kommt schon, aber auf etwas andere Weise! Wir alle müssen mit Schärfe den Kampf führen gegen all die, die der neuerwachenden jüdischen Landwirtschaft Spott und Hohn in der Welt einbringen wollen, und noch mehr müssen wir uns hüten vor nutzloser Vergeudung an Zeit und Geld, die durch mangelhafte Aus bildung später eintreten wird und eintreten muß. Jedem, der irgend etwas mit jungen jüd. Landwirten zu tun hat und ehrlich ihr Bestes will, möchte ich ein sehr gutes Buch empfehlen, aus dem er ersehen kann, wie ein junger Mann ein tüchtiger Landwirt werden kann. Es heißt: „Der Landwirtschaftslehrling" von Dr. Phil. Gustav Böhme, Oekonomierat und Direktor der LandwtrtschaftSschule zu Görlitz. Paul Parey, Berlin. Für die Erzieher hat nur der erste Teil Interesse, der zweite Teil befaßt sich mit landwirtschaftlichen Dingen. Auch jedem jungen Mann, der Landwirt werden will, möchte ich obiges Buch dringend zur gründlichen Bekannt machung, empfth'en. Man stelle sich einmal vor. Die Ausbildung in der Landwirtschaft soll mindestens 2 volle Jahre nur für Praxis dauern. Ich sage mindestens, denn man muß doch eigentlich mit solchen jungen Leuten rechnen, die noch keine Ahnung von der Landwirtschaft haben und sich erst gründlich mit ihr vertraut machen sollen, aber nicht mit solchen, die infolge großer Geschicklichkeit, Reife und Begabung die nötigen Kenntnisse für das theoretische Studium in kürzerer Zeit erwerben können. Für Städter müßte als Minimum der praktischen Ausbildung 3 Jahre, sage und schreibe drei Jahre, angesetzt werden, ganz egal ob sie das „Einjährige" oder gar Abitur haben oder nicht. Dann kommt die theoretische Ausbildung. Da wird mancher staunen, wenn er steht was er alles lernen muß. Manche traute Gesichter aus der Schulzeit Lauchen wieder auf und wollen wieder mit uns Freundschaft schließen. Und mancher wird mit bittersüßem Lächeln in hie dargebotene Hand schlagen. Hilft alles nicht, ein moderner Landwirt, muß auch Wurzeln — nicht nur Baumwurzeln — ziehen können und Pyramiden und Flächen berechnen können. Das ist nur ein kleiner Teil. Und da gehe man auf eine Ackerbau- oder Wtnterschule, oder Landwirtschaftsschule, aber nicht gar auf eine Hochschule oder Universität. Solche Dinge kommen nur für ältere Landwirte, die 6—8 Jihre Praxis hinter sich haben in Betracht, und die sich ein Diplom oder sonstwas holen wollen. Wenn es nicht gar so traurig wäre, man müßte herzlich lachen, wenn man hört, daß junge jüdische Landwirte, die höchstens vom Frühjahr bis Mitte Herbst auf einem Gute gearbeitet haben und noch nicht h der wichtigsten Arbeiten, wie Pflügen, Säen, Mähen rc. gelernt haben, wenn solche jungen Leute — man höre und staune —- die landwirtschaftliche Hochschule in Berlin oder sonstwo ber ziehen! Da müßte der Herr Papa. oder, dessen. Stellvertreter seinen Herrn „Landwirt" bet den Ohren nehmen und da hinschassen, wo er noch hingehört. Es ist genau so, als ob ich anfange, die höhere Mathematik zu studieren und kann noch nicht ein gleichseitiges Dreieck konstruieren. Wer nur eine kleine Ahnung hat von der Qualifikation eines zukünftigen Landwirtes und die schwankenden Gestalten kennt, die zum Teil heute die Zukunft der jüdischen Landwirtschafts- Vertreter darstellen, dem wird es traurig zu Mute. Wohl kann nicht jeder ein Athlet sein und braucht es auch nicht zum Landwirt, aber wo sind die frommen und kräftigen jungen Leute? Können heute nur die Schwachen und Zarten den Mut der Tat aufbringen? Noch viel trauriger zu Mute wird es einem, wenn man die praktische „Ausbildung" der jungen jüdischen Landwirte sieht und weiß wie sie sein soll. Wie gut haben es doch unsere nichijüdischen Kollegen. Die berühmte D. L, G. (Deutsche Landwirtschaftliche Gesellschaft) in Berlin weift ihnen gute Lehrstellen nach und läßt nach erfolgter, von ihr vorgeschriebenen Ausbildung die jungen Landwirte durch Fachmänner prüfen. Da gibt es keine Arbeit, die der junge Mann nicht vormachen müßte. Aber wer kümmert sich um uns, wir müsten uns selber durchbeißen. Ist ja auch gar keiner da, der uns nützliche Winke geben könnte. Wenn wir Juden schon einmal die Landwirtschaft erlernen wollen, dann sollen aber auch unsere Feinde Hochachtung vor unseren Leistungen haben. Aber solche können wir nur liefern,' wenn die Ausbildung eine entsprechende war. Allerdings darf man den jungen jüdischen Landwirten nicht alle Schuld an der Ausbildung in die Schuhe schieben, sondern zum großen Teil der Gutsleitung. Aber wenn jeder Landwirt nach der ersten Unzufriedenheit, die ja sein Perus in Hülle und Fülle gewährt, die Flinte küs Korn werfen wollte, dann könnte man bald die ganze Landwirtschaft an den Nagel hängen. Nein,. da heißt es die Zähne aufeinanderbeißen und ausharren. Schließlich bleibt einem ja auch gar nichts übrig, denn eine Auswahl der Lerngelegenheit ist ja gar nicht da. Wie leicht aber wäre es, solche in genügender Anzahl zu schaffen, wenn die Alten nur wollten. Denn das viele schöne Geld nimmt ihnen der große Matthias doch weg,' da wäre es doch viel gescheuter, man bringt einen gewaltigen Fonds zusammen, kauft einige kleine Güter am besten in Süddeutschland, setzt tüchtige christliche Inspektoren hinein und läßt jun^e Juden zn tüchtigen Landwirren heranwachsen. — Noch eins. Alle Eltern und Pflegeeltern, die ihre Söhne bezw. Pflegesöhne der Landwirtschaft widmen wollen, unh denen es Voraussetzung ist, daß diese der Tauroh erhalten werden sollen, möchte ich auf eine Sache aufmerksam machen. Die jungen Leute müssen Gelegenheit haben in der freien Zeit, wenn sie nicht übermüdet sind, 'Tauroh zu lernen, noch mehr, sie' müssen dazu angehalten werden. Denn junge unerfahrene Menschen geraten leicht in der Landwirtschaft durch den unvermeidlichen Verkehr aus Rand und Band und lassen sich gehen. Vor allem das tägliche Beten! das geht reicht zum Teufel und damtt aber auch alles andere Jüdische. — O ft Ti Anfang Datu« Ausgang Mr iMiu. 1930\ 5680 Uhr,Mn. 16! 25' Tebet Frankfnrt rr. M. 4 so Jan. » 45 Berlin ... 4 26 5 11 München . . 4 40 6 82 Stratzburg . . — — — — Stuttgart. . . — — — — Pose« .... — — — — Nürnberg. . 4 85 1 81 Hamburg . . . — — 4 24