Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 1 (8.1.1920)
- Date
- 1920-01-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 8 No. 1 Der Israelit. b. Januar 1620 Namenlose Erschütterung läßt die Stimme heS alten grauhaarigen Mannes Umschlägen, „Wozu die vielen Phrasen? . . . Ihr habt Vs in der Hand. . . Mein Wort, daß heute nichts mehr gegen Euch unternommen wird . . . Ihr kennt den Preis . , . Der derbknochige, rotblonde Niese tritt auf Mirjam zu. Das schmale, perlfarbene Oval.ihres Antlitzes, die mandelförmigen, träumerischen Augen, die blasse, durch ein schwarzes Sammetband geteilte Stirn,-ihre ganze junge Schönheit, welche in der vom Fenster her lohenden Helle wie mit einent Heiligenschein umstrahlt wird, wirkt so überwältigend, daß sogar der brutale Russe, davon gepackt, seine Schritte hemmt. „Lud morgen? Lud stte anderen Eage?" Mst drohend reK hie seinschultrige, schmale Ke.-- fmtt Mirjams sich auf. Der alt? Mann ‘Im seidenen Kaftan hebt wimmernd die Hanse, grau§Z Patriarchen^ Naht /.acht und zittert. .rErbarmench Sie Lippen farme« fet« MßSS er- :MWLMrW . i ««§ iiiisee peiep «rci«S Sie Träiem <aes<p§ MZ laden, die Buchstaben dieses Briefchens vom ' Schluffe nach dem Anfang zu umzusetzen, zu Wörtern znsammenznstelten, mit Vokalen zu versehen und ins Deutsche zu übertragen. Sie werden alsdann die „Merkwürdigkeit" dieses Briefchens entdecken. Die Namen der Einsender und eine der Antworten werden wir veröffent^ lichsn. H. E. Aus den Lehren unserer Weifen. Wähle Dir Deinen Platz Wetter unten, als Dir zukommt. Man wird dann zu Dlr sprechen: „Nücke hinauf!'' Setze Dich aber nicht obenan, auf daß man Dir nicht znrnfts „Geh hlnah s" W ist besser, wer.» man Dich hinanfrnfeu mnj, als daß ruau sich veranlaßt steht. Dich hinnnterzuLkisen. — Gtrehe niemals nach einer Ehrung^ die bik Beschämung eineZ Anderen zur Folg? haben würde. Zorn nnh Mh snsspringende Wollust slam-- men aus Sen gedrungenen, blnürnterlaustncn Zügen des Polizeimeisters. „Ich Narr! Was verhandle ich da mit Euch Pack? Wer hätte euch übrigens ein Wort zu geben?" Und während ein namenloses Granen die alsoU vom Schicksal Verstoßenen würgt, reißt er die Türe auf: „Herein, Soldaten! Und das Mädchen da unversehrt zu mir gebracht! Wer sich in den Weg stellt, wird niedergeknallt..." Ein ohrenbetäubender einziger Schrei aus allen Kehlen, ein Drängen, Zurückweichen, in panischem Schrecken bis zur äußersten Ecke hes Zimmers. Ihnen nach das Gewimmel trunkener, wutschnaubender Soldaten, deren Gesichter jede Menschenähnlichkeit verloren haben . f Nicht einmal das ehrfurchtgebietende graue Haupt des Hausherrn vermag sie zu sich zu bringen, ihren Blutrausch zu bändigen. . . Der Ring, welcher das Mädchen barmherzig umklammert hielt, lockerte sich . . . Sie erblickt das Entsetzliche . . . Ein Fenster klirrt . . Unten auf der Straße läuft Volk zusammen. Zwischen zerstörtem Gerümpel, schwelenden, feuchten Holzstücken, auf schmutzigen Steinen breitet sich ein lichtgraues Frauengewand aus, und ein im Todessturz unversehrt gebliebenes Mädchenantlitz leuchtet,-eine fremdländische Blüte aus schönerer Welt,-über alle die Verwüstung und Häßlichkeit ringsum hinweg. W MeßWö- WMk Mf MEMZM iß | «OtltfSje SsG§«|ii«i«cr &e§ paapaaaas cScagr ppps | ssttZ« §e?«fl§eöl ««? Sc« <i£Scc«c« Chä««s | MMZMM LM ggf §gf tttttrc. ' GÄrSMk f baachea. schürz ist FSUz Mil ° Mit \ öäs nnschstnönss Hölzdiog, rrod ex will gexsde eine I spöttisch? Bemerkung mache», da öffnet sich die Türe j und herein tritt h?r älteste Sohn des Hauses mit j seinem Schwesterchen Martha. 5>U Kleine bemerkt | sofort das Hützbrettchen und sic fragt den grohsn k Bruder r „8lber sage mir, Arnold, warum hat denn die Mutter nicht deinen schönen Leuchter hierhergestellt, den du zur BarmiMoh erhalten hast?" „Warum die Awtter das nicht getan hat, Liebling", antwortete der große Bruder, „das will ich dir gleich erzählen: Vor zwei Jahren konnte ich dag Ehamickahseft nicht Mit Euch feiern. Da hatten wir noch Krieg und ich war weit fort fit einem fremden Lande unter fremden Menschen. Gerade um die Ehannckahzett herum tobte die Schlacht furchtbar. Ich hatte damals Glück, denn ich kam einen Lag vor Chaiiuckah in Nutzestcllung. Mein bester Freund aber mußte dagegen in die erste Linie bor. Kurz vor Abmarsch schnitzte er sich dieses Holzbrettchen, damit er wenigstens im Schützengraben entzünden konnte. Zweimal führte er sein Vorhaben aus. Am dritten Tage wurde letzter Nummer) an den Gemeindevorstand gerichtet er schwer verwundet und starb kurz darauf. Bei seinen { wurden. Es ist daraus zu erwähnen, daß die Her- Sachen fand ich später dies kleine Brett wieder. , ftelluna ' ‘ ' jahreS auf rund 250000 Mk. und es ist ausgeschlossen^ einen solchen Betrag wiederum husch eine Sammlung z» decken. Der Vorstand beabsichtigt daher, sämtliche Gemeindemitglieder in eingeschriebenen Brief anfzu. fordern, durch Bewilligung eines Ergänznngsbcitrages pro 1920 ihre Beiträge zur Kultus- und Schuklasse auf mindestens 1»/, des im Steuerjahr I9i9/l920 veranlagten Einkommens zu dringen. Die Gemeinde erwartet, daß trotz Fehlend dos staatlichen Sleuerzwanges die absolute Verpflichtung jedes einzelnen Mitgliedes diese minimalen Beiträge im Verhältnis zu seinem Einkommen zu zahlen, allseitig anerkannt werden und daß es auf diesem Wege gelingen wird, das Budget ins Gleichgewicht zu bringen. Sollte nach dieses Mittel versagen, so müßte die Gemeinde sich notgedrungen entschließen, von dem durch die neue Reichsnersassaag allen Sssentlich-rechttichen Religtonsgescllschasten gewährlea Besteuerungsrecht Gebrauch zu machen. Eine weitere Maßnahme zur ErhähUNä der Einnahmen mär die am i, Tischri d, H, IN Kraft Mlrekene ZZieigernng der Sesselnrieien in des Smragögr, Sie einen Mehreingang Lön 29000 Mk. hkinK. MMttlch?rg?wVsllich größe Zahl NSN Zumenönntzen. und Silstungen der GemeindsMikglisdLx fax W serj schieöensten Amecke des GemslnhsksöMS mstß ssx t Bericht sOszrrzöhie«-. 8n erfreulich alle diese Aumeae! i*HnߣHr äiiaüßÜlhi f8 können Oe döch nur tn minimälcm £§ü£ §0$¥3§§Sc DM DZWuMsItrserr Mr«s«Kn8tc |ä «rüder« H«rerepa«r M die i|55Se snr Sie St«;«äage mir einer« aersiegette« 8e- TlÄtschMM?0r IZK ZE s«r VeHschsep peüspret raardsii s«§, Marme Uaerkaanung zaSx HZx UsEt HMkN D?. Siegfried Hppenheimsr mb feines tzawrlie für big km anderer Stelle dieses Blattes erwätznre grotze Haus-- stiftung. Der zweite Teil des Berichtes beschäftigt sich mir den Leistungen der verschiedenen Gemeindeanstalten unv weist nochmals ans die erfreuliche Tatsache hin, daß die Ltzvralehranstalt iutmer größere Anerkennung stndct und die Ueberzeugung von dem ansschlüggebenden Werte der Heranbildung tüchtiger min für dio ganze Zukunft der Gemeinde immer weitere Kreise durchdringe. Nach Erwähnung der im abgelaufenen Tahrc dahin gegangenen Mitglieder, soweit sie an der Gemeindeverwaltung mittel- oder unmittelbar beteiligt wareth zählt der Bericht die Namen non 47 jungen Leuten auf, die tut Kriege fortgerafft wurden . . Ihre Narnen sollen zur dauernden Erinnerung für die späteren Geschlechter von Gemeinöewegen in das Memorbuch der Synagoge eingetragen werden. Im Anschluß an den Jahresbericht verlas dcrVorsitzcndevAnfra gendie von der Leitung der am Donnerstag, vorher stattgehabten Wählerversammlung (f. Bericht in und das habe ich mir mitgenommen als Andenken an ihn, dessen letzte Freude es gewesen iü." Bewegt schloß der junge Mann seine Erzählung. Das kleine Mädchen hatte ernst zugehört. Doch jetzt glitt es leise von seinem Schoße und strich liebkosend über das unscheinbare kleine Holzbrett. G. E. Sin merkwürdiger Brief. Im zwölften Jahrhundert lebte in Spanien der große Gelehrte Abraham ben Meir Jbn Esra, meistens kurz Jbn Esra genannt. Er erklärte fast die ganze Bibel und handhabte die hebräische Sprache mit seltener Meisterschaft. Sehr häufig befand er sich auf Reisen. Als er wieder einmal der Heimat fern war, sandte er den Seinigen folgenden Brief: WSKB 1JH Wö Kn 'n nn'vK ni^K niw, tznnK tznn Kn 'n Wir möchten unsere jungen Freunde einstellung der Mazzos voraussichtlich trotz der enormen Schrvierigkeiten doch wiederum in eigener Regie der Gemeinde stattfinden wird. Die technischen Schwierigkeiten, welche sich der Ausführung des vom Rabbinat tracierten Er uw entgegenstellen, seien noch nicht überwunden, doch werde die Angelegenheit weiter behandelt. Der Vorstand ist bereit, eine Kommission von Gemeindemitgliedern zu ernennen, die gemeinsam mit ihm die Frage prüfen sollen, ob eine A en d erun 9. der Satzungen zweckmäßig ist und in welcher Richtung. Bis zur Prüfung dieser Frage hält die Gemeindeverwaltung es nicht für zweckmäßig, der Anregung der Interpellanten zur Einsetzung einer Art von Repräsentantenkörperschaft zu entsprechen da eine solche Institution an sich satzungswidrig sei und auch nicht die erhofften Wirkungen zeitigen werde. Nachdem Herr Joseph B a m b er g e r den Standpunkt der Jnterj:ellanten begründet hatte, beschloß die Versammlung zunächst in eine Finanzdebatte ernzutreten, an der sich die Herren Herman L ev i, S.tiebel, Rechtsanwalt Dr. Breuer, Dr. N. E. W eill u. a. m. beteiligtem Sämtliche Redner waren darin einig, daß Maßregeln ergriffen werden müssen, um die heute lächerlich geringen laufenden Jahresbeiträge der Mitglieder aus - eine der finanziellen Leistungsföhigkeit der Steuerzahler - entsprechende Htihe zu bringen. Herr Dr. Breuer sprach sich gegen die Einführung des staatlichen Steuerzwanges aus.' Es genüge, auf die religionsgesetzlich durchaus begründete Steuerpflicht hinzurveisen, diese praktisch, durchführen und Mitglieder, die sich diesem „Gotteszwange" nicht fügen' wollen, auszuschließen. Vom Vorstärldstisch wurde daraushiugewieseu, daß die Verwaltung das Drängen der Gemeindemitglieder auf Steigerung der Steuerleistungen freudig und dankbar begrüßt. Immerhin darf bei der ganzen Frage nicht unberücksichtigt bleiben, daß zahlreiche Mitglieder durch^ Schenkungen und Stiftungen der Gemeinde das Vielfache dessen zu wenden, was ihre Steuerbeittäge ausmachen würden. Diese Mitglieder vergessen nur, daß sich auf solchen Zuwendungen kein regelmäßiges Budget keine gesunde Finanzwirtschaft aufbauen laffen. Frankfurter Kerrchte. Generatversammtung der Synagogen-Gememde „Israelitische Ketigiousgeseü'schafL." Aus dem Jahresbericht, der in der Generalversammlung vom - 28. Dezember erstattet würde, sei folgendes mitgeteilt: Die Gemeindeverwaltung hatte einen guten Tril ihrer Tätigkeit der Beschaffung der notwendigen Lebensmittel für die Gemeindemitglieder zuzuwenden. Der Bericht dankt in dieser Beziehung der Kriegskommission für rituelle Lebensmittel und der Zentrale für Mazzosversorgung. Auf dem Gebiete des Unterrichtswesens wurde an der Schule einL ehrerrat sowie ein Elternbeirat geschaffen, die erstere Einrichtung auch an der israelitischen Volksschule. Eine bedeutsame Ausgestaltung hat die T h 0 r a l e h r a n st a l t Jeschiwa erfahren. An denk dvlt eingerichteten Kurs für Kinder beteiligten sich sofort mehr als 80 Schüler die sich auf 7 Gruppen verteilen und Unterricht in Bibel und Talmud empfangen. Der Bericht erwähnt die Schenkung des der Synagoge benachbarten Hauses .und Grundstücks für die Zwecke des Jeschiwa und der Rabbiner-Wohnung und grht alsdann zu dein anläßlich der Zcitereigniffe stattgehabten besonderen gottesdienstlichen Feierlichkeiten über. Das vorjährige Defizit von rund 29000 Mk. ist durch freiwillige Beiträge der "Mitglieder gedeckt worden. Der Kriegsfürsörgefonds, aus dem insgesamt etwa 300 OÖO Mk. verteilt wurden, hat eine neue Sammlung nicht mehr veranstaltet. Ein schweres Problem bildet die Beschaffung \ und „ , w , .. der notwendigen finanziellen Mittel zur Zahlung von; Auch sei es nicht angebracht, daß die Beamten bei Teuerungszulagen an die Beamten der Gemeinde, jj Bezug ihrer Teuerungszulagen auf Ertrag von ftei- Durch eine Sondersamrnlung waren für diesen Zweck j willigen Sammlungen angewiesen sind. Nachdem die 150 000 Mk. aufgebracht, die für 2 Jahre reichen sollten j Diskussion in vorgerückter Zeit geschlossen war, fanden die jedoch angesichts der ungeahnten Preissteigerung! die Wahlen statt, über deren Ergebnis bereits berichtet auf allen Gebieten fast gänzlich im abgelaufenen f ist. Der Vorsitzende der Wählerversammlung. der von Rechnungsjahr aufgebraucht werden mußten. Durch! seiner Gruppe der offiziellen Liste gegenübergestellt war, diesen Umstand ist^der Gemeindehaushalt im Ganzen I blieb mit fünf Stimmen in der Minderheit, in eine überaus ernste Lage geraten. Die Weri Mit den üblichen Dankesworten schloß der Vo^ waltung schätzt den Fehlbetrag des laufenden Rechnungssitzende die Versmnmlung.