Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1920-01-08 · Heft 1 (8.1.1920) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 1 (8.1.1920)
Date
1920-01-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2450088-2450089--67972-2525045
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

8. Januar 1920 Dxr JSraetts. *Kt. 1 ©et. e 5 So darf man sich nicht wundern, daß der Trieb zur Ausw an der un g stetig wächst. Nicht nur das benachbarte Deutschland, sondern auch Frankreich wird als Wanderziel gewählt. Man spricht in Paris von 20000 polnisch-jüdischen Einwanderern, während der letzten Monate/ zu dieser Auswanderung tritt nun noch die groß? Masse jüdischer Arbeiter, welche dem Werbernf der Regierung zur Beteiligung an den Wiede ranfbau-Arbeiten in Frankreich folgen. Leider scheint bisher dabei noch kein Mensch an die religiösen Bedürfnisse gedacht zn haben/ es wäre eine dankbare Aufgabe, den Arbeitern rituelle Verpflegung und für geschlossene Gruppen Sabbatruh'e zu sichern. Mit Spannung harrt man der Verwirklichung der von Stuart Samuel zugesagten wirtschaftlichen Unternehmungen (Fabriken mit englischem Kapital und englischen Ingenieuren) zur Beschäftigung jüdischer Arbeiter innerhalb Polens. Für die Vertretung der jüdischen Interessen in den Kommunen wird^dte geplante Versammlung der jüdischen Stadtverordneten (Ratmänner) aus ganz Polen wichtig sein/ auch hier stehen sich jedoch die jüdischen Parteien schroff gegenüber, sodaß wohl getrennte Zusammenkünfte der orthodoxen zionistischen und sozialistischen Ratmänner unvermeidlich sein werden. Die Ass im ila nten haben einen Landesverband mit dem Sitze in Lemberg und Dr. Schleicher als Präses gegründet. Pogrom in Kecshemet Budapest, 19. Dez. Der nach Keeskcmet eutsaudte Sonderberichterstatter des „Az Eft" sendet seinem Blatt einen langen Brricht über die Judenmorde, die in der Stadt Kecskemet von einer Bande, die unter der Führung des Oberleutnants Hejjas, des Kommandanten der Stadt, stand, verübr wurden. Hejjas organisierte eine bewaffnete Antisemitenbande, ließ von dieser die im Gefängnis sitzenden Kommunisten, 31 Personen, von denen 23 Juden sind, holen und verschleppte mit ihnen noch weitere 28 Juden aus der Stadt. Von diesen Personen sind bisher 22 bereits ermordet aufgesunden worden, die anderen sind spurlos verschwunden, und es besteht der dringende Verdacht, daß auch diese ermordet worden sind. Die Ermordeten wurden vollkommen ausgeraubt. Einige Tage nach der Verschleppung dieser Personen griff die Pogrombande den von Lajosmitse nach Budapest fahrenden Zug an und zwang fünf jüdische Passagiere abzusteigen, die erschossen und ausgeraubt wurden. Kervien. Sonntagsruhe in Serbien. Belgrad, 19. Dez. Den orthodoxen Juden in Uesküb ist dank der Befürwortung durch den Präfekten die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb am Sonntag nach vollständiger Sabbatruhe erteilt worden. NrrMrrrrv« övilüiswiZmuZ contra 5iomsmus- Woskan, 22. Dez. Das Kommissariat für israLiitisch-nationals Angelegenheiten und der Hauptverboud der jüdischen Kommunisten wenden sich in einem Aufruf an alle Juden der Erde, sich nicht der zionistischen Partei anzuschließeu, welche mit der Entente Hand in Hand arbeite, keine Frerheiis-, sondern imperialistische Politik betreibe, die eingesessenen Araber aus Palästina auswetsen wolle und zur Aufstellung jüdischer Legionen ihre Zustimmung gegeben habe, die in Kleinasien gegen das Selbstbestiwmungsrecht des türkischen Volkes kämpfen. Im zaristischen Rußland seien die | Juden jahrzehntelang geknechtet worden und nie- I mals hätten sich die führenden Zionisten um! das Schicksal der Juden ernstlich angenommen, weil es nicht in die englische Politik paßte, welche damals wie heute hinter dem Zionismus stehe. Die russische Revolution habe die Juden gleichberechtigt gemacht, sie könnten sich jetzt als Bürger des Landes fühlen wie die anderen Völker Rußlands. Dies fei aber nicht durch den Zionismus, sondern nur den Sozialismus zu erreichen gewesen. Schweden. NguSss Jisreel in SckiwsSen Stockholm, 3. Dez. Am Sonntag sprach in einer stark besuchten Versammlung Herr Julius Holländer aus Kopenhagen über das Programm und die Tätigkeit der „Agudas Israel". Es trat im Anschluß an den Vortrag eine Ortsgruppe ins Leben, die auch die Propaganda in den übrigen in Betracht kommenden schwedischen Genreinden in die Hand nehmen wird. Das vorbereitende Komitee besteht aus den Herren Nathan, Tabakowitz, Schidorsky, Levy, Nawitzky und Lehmann. gvankxziify* Menermoröung in Kursk Baris, 5. Dez. Nach einer Depesche des „Temps" aus Odessa sollen die Bolschewisten fast die gesamte jüdische Bevölkerung der Stadt Kursk ermordet haben. Di? jüdischen nmiboischewistischen JnLLÜekLueüen sowie die begüterten Bürgersleute seien vor ein ^evolutionäres Gericht gestellt und nach einem kurzen Verfahren füsiliert worden. Gnsland. Stuart Samuel aus Polen fieimgehehrf. London, 21. Dez. Der aus Polen heimgekehrte Stuart Samuel hat in einem Interview erklärt, daß die polnische Regierung die ehrliche Absicht habe, sich an die Bestimmungen über den Minderheitsschutz zu halten, aber Parlament und Presse seien ausgesprochen antisemitisch. Am schlimmsten sei der wirtschaftliche Druck, der durch staatliche Etnschränkungsmaßnahmert gegen die Juden diesen nahezu unerträglich wird. Einen amtlichen ausführlichen Bericht wird Samuel feiner Regierung noch erstatten. Hflmiral Koltfchafo über Öen „iüöiftfien" Bolffheroismus. London, 12. Dez. Im „Daily Telegraph" wird eine Erklärung wiedergegeben, die Admiral Koltschak, der relativ erfolgreichste Bekämpfer der Bolschewisten, etnenN amerikanischen Jnterwtewer gegenüber abgegeben hat und die in einem großen sibirischen Blatte vom 21. September 1819 abgedruckt war. Koltschak sagte u. a.: „Die Anschuldigung des Bolschewismus gegen die Juden ist absurd. Die Masse der Juden ist in höherem Maße bürgerlich und konservativ gesinnt als die russischen Massen- Wenn die Juden verantwortlich zu - machen sein sollten für Trotzky, Sverdloff, Joffe?c., so müßte man auch das russische Volk für Lettin, Krylenko, Lumacharsky rc. verantwortlich machen." Wenn selbst ein Koltschak dies anerkennt, so sollte mindestens hinsichtlich Rußlands die Legende vom jüdischen Bolschewismus für alle objektiv Urteilenden erledigt sein. London, 28. Dez. Die auf Mitte Januar nach Basel einberufene zionistische Konferenz ist verschoben worden, weil man für Ende Januar die Entscheidung über das Mandat erwartet. Die Pro?entnorm in Indien. London, 12. Dez. Im Jewish Chroniele weist ein Korrespondent aus die für die Oeffentlichkeit einigermaßen überraschende Tatsache hin, daß in Indien die jüdischen Kinder aus den allgemeinen Schulen Praktisch ausgeschlossen sind. Dtese Schulen nehmen bestimniuugögewäß nur I5pl§t. nichteuropäischeKinder auf, und die Juden gelten nun — gleichgültig, ob sie m Calcutta, London oder Paris geboren sind — neben den einheimischen Vö kerstämmen als Nicht-Europaer. Düse Kuriosität, die den Asiatismus gewisser modern-zionistischer Kreise politisch vorwcgnimmt, hat aber leider bisher die reiche jüdische Gemeinde in Kalkutta nicht veranlaßt, für ein gutes jüdisches Schulwesen zu sorgen. Es wäre höchste Zeit, dies nachzuholen. &mcv\ka+ eine amerihanifdie Kommission für Sie Ukraine. Wew-^ork, 12. Dez. Eine Kommission ukrainischer Juden in New-Aork begiebt sich nach der Ukratre, um dort ein umfassendes Nnterftützungswerk zu organisieren. Segen Sie ukralniscken Metzeleien London, 30. NoV. In New-Aork fanden Riesen demonstrattonen der jüdischen und uichtjüdischen Bevölkerung gegen die Pogrome in der Ukraine statt. Hunderttausend Juden zogen unter Borantritt von zehntausend jüdischen Soldaten, die den Feldzug mitgemacht haben, durch die Straßen. Führende nichtjüdische und jüdische Politiker sprächet! in den gewaltigen Massenversammlungen, die gleichlautende Resolutionen an die Adresse der Mächte und des Präsidenten Wilson beschlossen. Personalien. Berlin, 24. Dez. Nahezu 70 jährig ist Bankier Oskar Loewenberg dieser Tage gcstorben. Loewenberg hat lange Jahre als Vertreter der konservativen Richtung der Repräsentanrenversannnlung der jüdischen Gemeinde angehvrt, bis er 1017 mit seinen Gesinnungsgenossen als Zeichen des Protestes gegen die Vergewaltigung durch die Liberalen ausschied. Rabbiner Dr, Petuchowski hielt' dem Heimgegangenen eine warm empfundene Gedächtnisrede. Tann, 28. Dezbr. Am vergangenen Freitag, 18. Teweih, feierte unser verehrter Herr Lehrer Hecht seinen 70. Geburtstag in körperlicher und geistiger Frische nach einer segensreichen nahezu 48 jährigen Tätigkeit in unserer Gemeinde. Leid u, d Freud' mit seiner Gemeinde teilend, ist das Band der Hochachtung und Verehrung mit demselben auf das innigste verknüpft und gestaltete diesen Tag zu einem Ehren- und Jreudentag in unserer Gemeinde. Nach beendetem Frühgottesdienst fand die herzlichste Gratulation der Gemeinde und der Jeschiba statt, zahlreiche Geschenke, sinnige Verehrungen, zeugten von der Hochachtung und Liebe, die bttfer treffliche Mann ln seiner Gemeinde genießt. anpjn nxe ny. Hann Münden, 21. Dezbr. Eine wahre Zierde ihres Hauses und unserer Gemeinde ist am 24. Kislew zu Grabe getragen worden. Ein großes Trauergefolge ans Nah' und Fk2w begleitete Frau Sara Hammerschlag auf ihrem letzten Wege zur Ruhestätte. Am Grab hob Herr Lehrer Wertheim in tiefempfundener Red? di« Verdienste dieser frommen, tugendhaften Frau hervor. Ihr Haus war ein kleines Heiligtum und galt als das gastfreieste Haus der Stadt, denn ihre größte Freude wtix nur, andere zu erfreuen pub LM Mensestes Gsttueriranen hielt sie aufrecht ms zum letzten Arenrznge im 78. Lebensjahre. 28. Dezbr. Am i. Januar kann der in Breslau, Rehdtgcnplatz 3, wohnhafte Waisenhausdirektor Adolf S ch e y e, sein 60 jähriges Diens.jubiläum feiern. Der trotz seiner säst siebzig Jahre sehr rüstige alte Herr leitet nun schon zirka 10 Jahre das Erziehungsheim für hilfsbedürftige israelitische Kinder mit vorbildlichem Eifer und erfreut sich in weitesten Kreisen großer Sympathieen. Nördlingen, 29. Dez. Am vergangenen Freitag, rc* % verstarb nach kurzer Krankheit der Kaufmann Jakob Ascher dahier, wenige Tage nach vvUendetem 41. Lebensjahre. Mit ihm ist ein wackerer, rechts schafsener, mildtätiger Mann, ein echter Jehrrdi ans f dem Leben geschieden, der allezett opferwillig und - opferbereit war, wenn es galt, mSö auszuüben und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.