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Der Israelit · 1920-01-08 · Heft 1 (8.1.1920) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 1 (8.1.1920)
Date
1920-01-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der JSraeM. Nr. 1. «eite * 3. Januar 1920 entfernten Friedhöfe, wo die Hefpedlm im Fv-eien staitfanden. Der Sohn und Nachfolger des Ver» siorbenen, Provinzialrabbiner Dr. Leo Cahn, den der Vater zu seiner innigen Befriedigung noch in sein heiliges Amt vor wenigen Monaten hatte einfiihren können, rang seinem Schmerze erschütternde Worte ab, Worte, die sich über das Einzeltet) zur Höhe des Gesamtheits-Bewußtseins emporhoben und den Gemeinden das heilige Vermächtnis des Vaters ans Herz zu reden versuchten. Dann riß Rabb. Dr. Munk-Berltn die Hörer noch einmal durch einen packenden Abschiedsgruß an den Mann mir dem Elitz jahu-Geiste, Wi&l hxiL" 22N, mit sich forter sprach namens der „Adatz Jisroel" in Berlin, des Rabbiner-Seminars und des Bundes jüdischer Akademiker. Ferner sprachen noch die Herren Dr. Nathan Cahn, Lehrer Gaus-Niederau!a für die Lehrer des Rabbinatsdezirkes und Lehrer Hirschberg-Frankfurt a. M. für den „Bund jüdischer Akademiker". Der Tag neigie sich, als die Erdschollen über die Bahre und über das Srser Thora . in irdener Umhüllung htnabrollien, das man der zur Erde heimkehrenden Hülle Michael CahnS milgegeben hatte: Ni2 tnrsw nv m D«p,', Wvchemmidschau. Irlede! Wenn diese Nummer tu die Hände der Leser kommt, ist der Friede aller Voraussicht nach verbrieft und versiegelt. Eine geraume Rekonvaleszenten zeit hat er vom tatsächlichen Abbruch des Krieges bis zu seiner Wiederherstellung gebraucht. Ob nun dem Weltkriege wirklich ein Weltfrieden gefolgt ist, wird sich zeigen. Noch blutet die Welt aus tausend Wunden, denen mit dem letzten Federstriche in Paris noch keine Heilung geworden ist. Was Feuer imo Eisen in bald fünf Jahren zerstört haben, werden papierne Abkommen nicht über Nacht Mieder aufbauen. Für Deutschland sind die Bedingungen, unter denen es fernerhin mit den Nachbarn „in Frieden" leben soll hart und jeder Einzelne in Stadt und Land wird diese Härte für lange Jahrzehnte hinaus am eigenen Leibe zu verspüren haben. Dennoch klingt das Wort wie Himmelsbotschaft! Friede der Welt und den Menschen. Und mit ihm ist die Grundlage wiedergeschaffen, auf der sich Tapferkeit, Tüchtigkeit und Treue bei allen Schwierigkeiten und natürlichen Hemmungen durchsetzen können. Für uns Juden eröffnet der endgiltige Friede vor allem die Wege zur Lösung alter und neuer Aufgaben. Möge er denn auch für uns Ausgangspunkt einer neuen, besseren Zeit werden, in der Haß von außen ebenso verstummt wie im Innern der Wille zum Judentum der Thora erstarkt. Welt, auf Recht, Wahrheit und Frieden"- das Recht sorgt für die Unterlassung des Bösen und die Bestrafung der Uebcliätcr und deckt sich mit der Regel, vom Bösen zu weichen, die Wahrheit ist das wirklich Gute, die Erfüllung der Gebote, das Forschen in der Thora und stete Selbstläuterung, und der Frieden, bas ist das Streben nach Frieden und Menschenliebe. Friede beseligt den Menschen, er ist das letzte Wort des Pricstersegens, er gebe ber scheidenden Seele das Geleite, und Engelscharen empfangen sic mit dem Friedensgrnß. Nach diesem System also, den sieben Lichtern des heiligen Leuchters entsprechend, habe ich mein Buch geordnet- Was wir an der Ausgabe vermissen, das ist das Hebräische Wort. Uns härte es eher zugesagt, wenn nnS der Uebersetzer das Werk in zwei oder drei Bänden mit ^hebräischem Texte an der Seite geboten hätte, waS besonders auf dem Lande dazu hätte führen können, an Hand der Übersetzung aus dem Urtexte zu lesen oder yorzulernen. Denn die Kraft des heiligen hebräischen Wortes darf als Mitfaktor zur Einwirkung auf das jüdische Gemüt und Erhebung der jüdischen Herzen nicht unterschätzt wenden. Vielleicht Netze sich mit der Zeit auch noch eine solche Ausgabe bewerkstelligen. Für's erste wird auch dieses prächtige Buch mit seinen vielgestaltigen und vielfarbigen Ab, Handlungen über alle Anliegen unseres täglichen Lebens und nns allen Gebieten mensHlichen Denkens uns Hasdelns seinen Zweck erfüllen, Es sollte in keinem Hause fehlen, wo ans jüdische Belehrung und Erbauung Wert gelegt wird. Das -amtliche" Material. Bekanntlich hat das Musische Kriegsministerium 1916 eine Art jüdische Kriegsteil'- nehmer-S tatistik ausgenommen, deren Ergebnisse bisher nicht bekanntgegeben wurden. Nun herrscht großer Jubel im Lager der Antisemiten. Sie haben das amtliche Material auf irgend eine Weise „erlangt" und danach rechnet die „Kreuzzeiiung" heraus, daß sich von den 566999 in Deutschland ansässiger Juden Anfang 1917 zusammen 62272 im Heeresdienst befunden haben, deren- 27515 tm Feldheere. Das ergibt nach dem genannten Blatte einschließlich der etwa 16000 bereits Ausgemustrrten einen Prozentsatz von 117°, während von jüdischer Seite behauptet worden war, 20'/° der jüdischen Bevölkerung hätten im Kriege gestanden.- Dazu liefert der «Z?ntralverein Deutscher Staatsbürger" einige Richtigstellungen, die die antisemitische Rechnung völlig durchlochen. Zunächst ergibt sich selbst aus den von den Autrsemiten entwendeten Unterlagen nicht ein Prozentsatz von 11°/°, sondern ein solcher von 14 7°. Dann stimmen auch die Grundzahlen nicht. Anfang 1919 hat eine sorgfältige statistische Erhebung aus Grund von für 1914/15 abgeschlossenen, für die späteren Jahre noch nicht ganz vollständigen Person alkarten durch Vermittlung der jüdischen Kultusgemeinden ergeben, daß 96,838 deutsche Juden Heeresdienste geleistet haben. Diese Zahl hat sich nach dem inzwischen fast vervollständigten Material auf über 100,000 erhöht. Danach beträgt der Prozentsatz der jüdischen Kriegsfreiwilligen über 20 Prozent. Tie Zahl der jüdischen Frontkämpfer entspricht der ihrer christlichen Kameradenso waren z. B. in Ostpreußen 1412 Feldzugsteilnehmer — 74,32 7« an der Front. Die Zahl der mit dem E. K. I. ausgezeichneten jüdischen Kämpfer beträgt nach den bisherigen Ermitielnngen 696 die der zu Offizieren beförderten zwischen 2000 und 2291. Ferner müssen bei der von den Antisemiten genannten Zahl von 566,999 Juden in Deutschland —- in Wirklichkeit wauen es nach der letzten Zählung 1910 sogar 615,021 die jüdischen ReichsanSländer — in Preußen 38,144, in Deutschland über 70,000 — in Abgang gebracht werden, da diese nicht von Deutschland, sondern von ihren nichtdrutschen Hrimatstaaten zum Heeresdienst einberufen wurden. ES ergibt sich sonach, daß von den deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens — unter 540,000 — beträchtlich über 100,000 d. h. alsa etwa 207. der gesamten deutschen Juden an dem gegenwärtigen Kriege teilgenommen haben, ein Ergebnis, das in allen Ehren vor der breiten » Oeffentlichkeit wird bestehen können. Keines WAeten. «n rfßu\* Makkabäus als Oper). Im großen Musikvereinssffttl in Wien ist am 14. Dezember die LräNdüw-Nochowenski'sche Makkabäer-Oper zur Aufführung gelangt. Die Handlung setzt ein, wo Otty Ludwigs Makkabäer schließen, mit dem Einzug Judas ins befreite Heiligtum, und schließt mit Judas Tod. Das Werk fand starken Beifall und es wird wohl seinen Weg vom Konzertsaal aus die Bühne finden fZuv Geschichte von Chpern.) Bekanntlich ist von jüdischer ^eite vor etlichen Jahren die Beworden. Die Insel, welche in alten Zeiten eitle Insel Chpern mit Mischen Kolonisten befürwortet stcdlung der vorwiegend von Griechen bewohnten sehr zahlreiche jüdische Bevölkerung aufwies, wird gegenwärtig von kaum mehr als 100 Judeit bl> wohnt. Interessant ist, daß Cypcru, welches irr den ersten Monaten des Weltkrieges von England an- Hcfticrt wurde, das schon seit 188 die Insel im faktischen Besitz hatte, durch die Wirksamkeit eines Juden Zn türkischen Besitz kam sowie cs anderer, mte toie&ß? ein Jude war, de? die Insel den Tltrken adnahn!, Iw Jahre 1576 stachelte der Herzog Jases iit deren Besitz sie fast drei Jahrhunderte blieb, bis durch Beschluß de§ Berliner Kongresses die Jnfrl in den Besitz Von England kam. decken Nnüenvoliti? Die Erhaltung der jüdischen Landgemeinden. Von I. Lebermann in Darmstadt. Mit Recht hat der Verfasser des Artikel- „Ein Hilsswerk für Deutschlands jüdische Bevölkerung" den Verfall der jüdischen Landgemeinden als einen Schaden für die gesamte gesetzestreue Judenheit bezeichnet. Die Wirklichkeit redet eine noch viel erschreckendere Sprache. Wer in den letzten Jahrzehnten die betrübenden Erscheinungen beobachtete, daß ehemals blühende Landgemeinden, darunter solche, die noch vor 30 Jahren ein treffliches Schulwesen mit 4 Lehrkräften besaßen oder eine weit über Deutschland hinaus bekannte höhere Schule hatten, aus der hervorragende Männer hervorgegangen sind oder über mehr als viermal pSD verfügten, heute zu unbedeutenden Landgemeinden geworden sind, wo die Schule ein kümmerliches Dasein führt, und die Synagoge nur an geöffnet wird, dem blutet daS Herz ob solch ersterbenden GemeindelebenS- Die der Stadt zuströmenden Glieder der Landgemeinden gehen aber nicht nur diesen, sondern größtenteils dem gesetzestreuen Judentum überhaupt verloren. Inzwischen hat unter dem Einfluß der Not und schweren Lebensmittelversorgung die Landflucht nachgelassen, und auch von neologer Sette wird teils o.us hygienischen, teils aus politischen Gründen die Bodenständigkeit fouf dem Lande befürwortet. Nach wie vor bleibt aber die traurige Lage der Landgemeinden bestehen. Die Not ist eine materielle und geistige. Unter dem Einfluß der Krtegskonjuüktur ist allerdings die Finanzkraft der vorher durch die Abwanderung leistungsfähiger Familien geschwächten Glieder erheblich gewachsen. Aber nur in den wenigsten Fällen verwendet man den Segen für ideale Zwecke, für Hebung des Gemetndelebens oder für Schule und Lehrer. Wohl gibt es ungenügend dotierte Stellen, die gezwungen sind, sich einer größeren Gemeinde anzaschließen, andrerseits existieren viele Gemeinden, die sich als Filialgemetnde mit zwei obligaten «ochenftunden Religionsunsunterricht begnügen, ihre Synagogen nur sporadisch öffnen, und wohl in der Lage wären, einen tüchtigen Lehrer zu halten, wenn ste tiefer in die Tasche greifen und Opfer bringen würden. Aber der religiöse Niedergang und' die bedauerliche Unwissenheit und Gleichgiltigkeit in religiösen Dingen vermögen keine Opferfreudigkeit zu erzeugen. So kommen wir zu der anderen wesentlichen Ursache des Elendder Landgemeinden, zur geistigen Not. Diese entspringt in erster Linie der tief traurtgen ökonomischen Lage der Lehrer, Es scheint übrigens, daß der Herzog von Naxos daran gedacht hat, sich zum König von Cypern zu proklamieren und in dieses An Reich einen Teil der ans Spanien vertriebenen Juden zu verpflanz«». (Die jüdischen Katakomben in -tom.) In der „Gesellschaft für Sammlung von Kunst? und historischen Denkmälern" zu Wien hielt Qberrabbiner Dr. H. P. Eh a j es .einen höchst interessanten Bortrag über „Die jüdischen Katakomben in Rom als Geschichtsquelle". Ausgehend bon dem Nachweise der Kontinuität einer Judeusiedlung seit 63 vor d. st. Ztr. in Rom als hervorragender Diasporagemeindverbreitete sich der Redner nach enier Beurteilung des hohen Wertes der Katakomben als Geschichtsquelle und nach einem kurzen Rückblick auf die schon in» 17. Jahrhundert beginnende Geschichte der Jüdischen Katakombenforschung über die ans den Inschriften erhellende Organisation der einezlnen römischen Gemeinden jener Tage, die in gewisser Hinsicht mit der gegenwärtig in Amerika (New-Uork) geltenden Ordnung zu vergleichen ist. Die Inschriften der biShe» entdeckten fünf Katakomben mit ihren identifizierten elf, respektive zwölf Gemeinden erweisen neben teiliveisem Aufschluß über die damaligen Berufs- und Erwerbsverhältuisfe den jüdischen Einfluß auf di» heidnische Welt, was dadurch gekennzeichnet ist, daß in den Katakomben eine ksrößere Anzahl bon Richtz. Men, darunter solchen aus Höhen Ständen, bm DollptBselyien, sogenannten „Gomsnirchtitztn"!*• erdigt, erscheinen.

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