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Der Israelit · 1919-12-30 · Heft 51 (30.12.1919) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
60 (1919)
Issue
Heft 51 (30.12.1919)
Date
1919-12-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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zur Sünde, wenn er nicht selbst ein Interesse an besten Fehltritt hat. Mit Recht fällt ihnen auf, daß Adam nicht nur nicht angeredet wird, sondern, daß er gar nicht anwesend ist und von dem Versuch der Schlange erst durch Mitteilung der Frau erfährt. Er war auch kein Augen- und Ohrenzeuge des Gespräches. (Midr. Rabb. 2'tPx22 19,3). Ein dem nicht guten Zweck entsprechend listig gewählter Augenblick des Alleinseins der Frau legt es daher nahe, welches die unlauteren Absichten der damals noch über ganz andere Gaben der äußeren Erscheinung verfügenden Schlange waren. Sie stand offenbar dem Menschen an Körperbeschaffenheit am nächsten, wie ihr bezeugt wird, daß sie das klügste Tier gewesen ist. Deutet doch auch p,x darauf hin, daß bereits eine andere Zumutung irgend welcher Art die Schlange an die Frau gerichtet und diese dieselbe zurückgewiesen hatte, indem sie sich dabet auf ein göttliches Wort be« rief. Der Midrasch Rabbah führt dafür die Belege an (n'tt?X22 19,2). Sehr geschickt weiß sie nun den strikten Befehl. 1D1 2,16 als bloße freundliche Empfehlung (22x) erscheinen zu lassen (Malbim), um dann nach Verschiebung des Grundprinzips leichteres Spiel zu haben. Das Weib hatte offenbar weiter darauf hingewiesen, daß das Menfchenpaar keine Gemeinschaft mit den-andern Wesen haben dürfe, und die Schlange meinte, es seien doch wohl Ausnahmen gestattet. So seien doch z. B. nicht alle Bäume dem Genuß des Menschen entzogen, auch hier seien Ausnahmen bestimmt. Es ist bemerkenswert, daß in der Rede der Schlange und in der in ihrem Sinne erfolgten Antwort der Frau 2'?irr genannt ist. Wo '2 vorkommt, ist stets die Bezeichnung mit Rücksicht auf den Menschen gebraucht. 2. Die Frau weist diesen Vergleich zunächst als unhaltbar zurückdenn hier läge das Verhältnis umgekehrt. Die verbotenen Früchte bildeten hier gerade die Ausnahme. 3. War dieser Einwurf richtig, so begeht die Frau in der weiteren Darstellung Fehler nach zwei Setten hin. Anstatt eine sachliche Darstellung des Befehls zu geben, die an sich nach der völlig ausreichenden Entgegnung des Y. 2 überflüssig wäre, sagt sie einmal zu wenig, indem sie auf den Schwindel der Schlange hineiufällt und 22X statt des kategorischen 211L gebraucht und sie sagt zuvlel, indem sie 1212 x2l 12 hinzufügt. Damit hatte sie der Schlange, für diese unverhofft, einen wettern Anknüpfungspunkt an die Hand gegeben. War zudem die Grundlage des Gottesgebotes gefallen, so war der Hinderungsgruttd, der dann noch blieb, in der Tat leicht wegzuräumen. 3. War das Verbot nur ein wohlgemeinter Rat, dann würde ja der Tod auch nicht emtreten. Zudem hält sich die Schlange den Rücken frei. Sie gibt keine Todesursache an und kann jederzeit glauben macken, sie hätte das 12122 212 X2 auf 12 Win X21 bezogen und nicht auf das Genuß-Verbot. 5. Da drückt die nackte Tierweisheit denn schon die Kluft aus, die zwischen Hndentum und dem reinen Menschentum besteht. Das Heidentum kennt nur den Neid der Götter. Es und sein Nachfolger, der Naturalismus, sieht im Menschen auch nur das Tier und das ist dem Gott in den Lüften gleich, da ihrer Brust gewaltige Lüste das Naturgebot zähmt. Doch des reinen Menschen Gott ist ein V12? ein Gott der Sittlichkeit, dessen Wesen nachzuftreben die Freiheit und Macht des Menschen ausmacht. 6. X221 nicht die Frau erkennt nicht wirklich auf Grund gewissenhafter Prüfung und geistig-sittlicher Erkenntnis, sondern ihr äußerliches Sehen ist ihr genügende Erkenntnis. Ihre „Vernunft" steckt im Auge der Begehrlichkeit und das bildet nachgerade ihre Philosophie. Sie sieht nichts anderes, als was sie immer geschaut hatte, aber sie sieht es anders an. II. 9 heißt es 2X222 hier aber 2'2V,22. Dort steht zuerst Aefthettk, dann Gesundheit genannt, hier umgekehrt. Dort handelt es sich um die Erscheinung, hier um den Genuß. Sie sieht, daß 1) der Gaumen und der Magen darüber zu entscheiden haben, was gut ist, 2) daß die Aesthetik des körperlichen Auges befriedigt wird, und daß schließlich auch 3) objektiv genommen, der Baum ein Gegenstand ist, an dem man nicht 21?2 wahre Erkenntnis, sondern vor allem 22V Menschenverstand beweisen kann. 2'2V2 Hi in inchoativer Bedeutung, wie D'iX2 ,!'2^2 weiß oder rot werden d. h. nicht weiß od^r rot sein, sondern weiße oder rote Farbe zeigen. Sie steht, es gilt als Btldungs-- zeichen, man gilt als „vernünftig", wenn man was man sieht auch ohne Bedenken sich aneignet. Diesen Gedanken haben und darnach handeln ist eins. [221 .22X711 .2P21 malt die Schnelligkeit, mit der sie ihren Entschluß in die Tat umsetzt. Sie pflückt — nicht er — und teilt vom Gepflückten mit, um eilends „Propapanda" für die neueste Errungenschaft zu machen. Sie hält es sogar nicht unter ihrer Würde, außer ihrem ihr gletchstehenden ,221? Mann auch DJ die Tierwelt und deren Gesichtskreis zu gewinnen — auch die Tiervernunft ist ja D'P2X2 konsequenterweise für sie nur gradmäßig, nicht mehr wesentlich vom Menschen unterschieden! Ist der Mensch Tier, dann ist das Tier auch Mensch. 7. Nun wohl, es öffnen sich ihre Augen und ihre erste Erfahrung ist wenigstens das Bewußtsein und die wenigstens vorhandene Scheu vor der Nacktheit. 11-2^1 Diese Erkenntnis ist ihnen jetzt geworden, da das Gottesgebot ihnen nicht mehr unantastbar heilig galt. Sie empfinden aber doch die Leere, die ein befriedigter Genuß fühlen läßt. Es heißt D'212'£ und nicht D'212£ wie II. 25 und wir wissen aus Jecheskeel 16. 7. daß Q1T1? nicht von der körperlichen, sondern von der sittlichen Blöße gebraucht wird. Aber ganz merkwürdig berührt es uns, wenn das Menfchenpaar dann hingeht, und sich Feigenblätter zu Schürzen näht. Als wenn sich jemand die Hände vor die Augen hält und meint, auch andere könnten ihn nicht sehen. Der HitP. .22 2'1 ist die Form, die ein Simulieren ausdrückt. (Spr. 13,7). Es scheint uns das Gegenteil erzählt zu sein von dem, was in Jona 3,10 von den Leuten in Ninive berichtet wird. Nicht von einer äußerlichen Bedeckung, sondern von einer inneren Reue erwarteten wir ein Wort zu hören. Ebenso wirkt auch der Bericht, daß sie sich versteckt hätten im folgenden Vers. 8. Es soll wohl der Versuch, sich zu verbergen mit dem törichten Beginnen, die Blöße mit einem Feigenblatt, das das sündige Menschenpaar ja gerade verrät, zusammen genannt werden, um auf beides erst den Anruf folgen zu lassen. Sonst erwarteten wir sofort im Anschluß an V. 7. die Gottesrede. - Darum dürste wohl mit Gerschajim versehen sein als Zeichen dafür, daß der ganze Vers 8 als Pa-! renthese zu denken ist. Wir wollen nicht erj wähnen, "was man alles — man verzeihe — | an Blasphemieen in die erste Vershälfte hinein-! gelesen hat und er scheint doch so einfach zu 8 verstehen zu sein. “12222 erkennt Hirsch z. St. schon als sich „zurückziehen". Die Gottessttmme, die beim Menschen tm Garten weilte — man lese Hirsch z. St. — zog sich zurück, blieb aber im Garten. Nur der Mensch muß aus dem Garten entfernt werden. Der Mensch war ja nicht im Garten erschaffen. Er wird II. 8 D2P2 in den Garten ei,« geführt und (Y. 24 dieses Kap.) es werden die Cherubim hmgelagert, um so lange dem Menschen den Wiedereintritt in den Garten zu verwehren, als bis er sich dessen würdig gemacht hätte. Kann ai\2 2122 die „Tagesseite" etwas anderes als den Osten bedeuten? 22W zieht sich nach dieser Seite zurück, bis es In der Menschheit wieder tagt, sie bleibt aber fia am Eingang des Erdenparadieses, den Menschen zu erwarten. Das Verhältnis Gottes zur Menschheit wiederholt sich im Verhältnisses engeren Kreises des jüdischen Volkes zu Ihm. 2X222 px und das EHpan jv»2 sind das zweite Hl? ]jj auf Erden. Jesaja 6,1 we'cht auch die 21'2V, da die Wirklichkeit dem Ideal nicht mehr entspricht, bis sie dereinst wieder dorthin X21 „heimkehrt" (Sechar. 14,5). Kein Wort der Reue, sondern X2222 (s. oben). Es steht die Einzahl, weil den D2X mehr als sein Weib der Vorwurf des Ungehorsams trifft, da ihm das Gebot, das jetzt übertreten war, gegeben wurde (II. 16). '122 „aus Scheu vor" — nicht '122 das nur räumlich vorkommt. 9. Da nur eine rein äußerliche „Korrektur" der geübten Handlung erfolgt war, sv verstehen wir den Ruf 22'X, der mit 22'X nicht identisch ist. (Malbim). I. 37.16 erkundigt sich Joseph mit 22'X nach dem Ort, an dem seine Brüder weiden. Er weiß überhaupt nicht, wo sie sich aufhalten. 1.18,9 wird Awrodom gefragt, warum seine Frau, die doch am Orte anwesend ist, nicht zur Stelle sei. Daß Gott den Adam nicht sucht, beweist die erste Vershälfte, in der Gott den Adam anruft. Er fragt ihn hier nur, „wohin bist Du geraten?" Zum gefallenen Menschen spricht aber Gott nicht mehr direkt. Darum hier 12, nicht 1'2X» Nascht macht an mehreren Stellen auf den Unterschied zwischen mb 22X und *?x 22X aufmerksam, “b 22X steht wohl in drei Fällen: 1) Wenn nicht eine angeredete Person, sondern eine dritte Person gemeint ist, 2) wenn zu mehreren Personen gesprochen wird, 3) in feindlichem Sinne. Letzterer Fall liegt hier vor- Wenn Adam aber trotzdem, obwohl Gott nicht mehr direkt mlt ihm verkehrt, ihn erst anruft, bevor er spricht, dann kann man mit Recht aus dieser Stelle im Besonderen folgern, daß es px “s22 sei, zuerst jemanden anzureden, bevor man Wortean ihn richtet, damit er nicht erschrickt, (px *]22 '22 Y.) Vielleicht heißt es auch aus dem Grunde 12 weil Adam nicht in der Erscheinung gegenwärtig ist, da er sich verborgen hält. 10. 22X2 mit versehen. Hatte er sich selbst durch ein Feigenblatt täuschen zu können geglaubt, so wagt er auch hier eine laute, Selbst- und Remhertsbewußtsem markierende Antwort. Die erste Vershälfte zeigt mit '21-2V die Perfekt Form, die zweite Hälfte Imperfekt mit Waw convers. Auch, später Yv. 12 und 13 stehen sich diese Formen einander gegenüber — 2121 22X1 und 22X1 — '1X'V2. Man dürfte Ivohl dari« nicht fehl gehen, wenn man in der Persektform die Begründung sieht: „weil ich deine Stimme gehört habe." Es erhebt sich natürlich die Frage, wieso Adam die Stimme jetzt erst — bei ihrem Scheiden hört. — Es dürste das aber wohl psychologisch verständlich sein. Man würdigt einen Besitz immer erst dann, wenn man seinen Verlust fürchtet oder ihn zu beklagen hat. Es war dem reinen Menschen natürlich, auch die Gottesstimme in seiner Nähe zu wissen, so natürlich und gewohnt, daß er sie gar nicht „hörte". Erft bet ihrem We:zug wird er ihrer Gegenwart inne. Seine in angenommenem Reinheitsbewußtsein gesprochenen Worte verraten ihn doch dadurch, daß er als Begründung den Zusatz unwillkürlich macht '2lx 2121- ‘’D- Hier wird Ni. X22X1 gebraucht, während oben X222^1 (Y. 8) der Hittp. stand. V. 8 erzählt die Schrift selbst. Sie kann nicht sagen, der Mensch'habe sich vor Gott verborgen, weil das unmöglich ist. Sie kann nur berichten, er stellte sich, als ob er sich verberge. Hier aber spricht der Mensch selbst, der glaubt oder doch sagt, er habe sich in der Tat versteckt. (L?1 *12 2212). 11. Dem Selbstbewußtsetn tritt verweisend die Stimme ebenfalls mit 22X2 das ein zeigt, entgegen. T12 St. 211 wer hat dir zum Bewußtsein gebracht? j?J?22 zeigt ein : Es dürfte somit nicht möglich sein, bas 2VX als Relativ so einfach anzuschließen, wie es m der gewöhnlichen Uebersetzung geschieht.

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