Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 60 (1919)
- Issue
- Heft 51 (30.12.1919)
- Date
- 1919-12-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Erscheint mit Erlaubnis der britischen Militärbehörde. P. C. 1711. *" No. 8. 30. Dezember 1919 ' 15. Jabrganq. üäitäisr Volkskrsunä Monats-Beilage zum „Israelit" Verantwortliche Redaktion: Rabbiner Dr. Wolf in Köln. MUH Zum Shanukohseste. Von SVillY Wolf in Cöltt. Unti% &tkn bk Bsrbmtxng bei bezwrckerrderr ^a^uttgett htt&fytt fftUü* eine in fslcherrr Maß? den äexppimU der Gsdanken, als die Vorschrift, die Lichter üllüöendlich zwar von rechts nach links zu ordnen, sie aber dann von links nach rechts zu entzünden. Der mit dieser umgekehrten Reihenfolge des Ordnens und Anzündens beabsichtigte. Zweck besteht darin, daß die Mizwoh stets an dem neu hinzugefügten Lichte beginne und dieser Vorgang ist aus dem Grunde bedeutsam, weil das neu htnzugetretene Licht auf das Wunder hinweist, das sich im Tempel an dem aufgefundenen Krügletn reinen Oeis siebenmal auss neue zeigte. Im Schulchon Oruch ist die erwähnte Vorschrift mit den für die Chanukohlichter angeordneten Segenssprüchm in einem Abschnitt zusammengefaßt, nnd es drängt sich leicht die Frage auf, welcher Gedanke wohl diesen Zusammenhang begründe. Die hierauf zutreffende Antwort läßt sich vielleicht aus dem der 712*12’ VTlTlff gewidmeten Passus gewinnen. Derselbe lautet: „Hat man in der ersten Nacht die OTliW 22*0 nicht gesprochen, so verrichte man sie in der zweiten Nacht oder in derjenigen, in welcher man sich deffen bewußt wird." Diese Bestimmung erscheint auf den ersten Blick auffällig. Sollte man doch meinen, es läge im Wesen der 11"n.*07 22*0/ daß sie jeweils nur bet der erstmaligen Hebung'Aner Mizwoh angängig sei und daß infolgedessen ihre Unterlassung nicht nachgeholt werden könne. Der Tlts erklärt die Auffälligkeit im Namen feines Vaters, des t27*K*v durch einen Vergleich mit Für D"l' haben bekanntlich die Weisen ebenfalls die 11"2707 2222 angeordnet. Erscheint sie hier sinngemäß im Anschluß an Kiddufch, so kann sie gleichwohl in dem Falle gesprochen werden, daß aus irgend einem Anlaß Kiddusch nicht stattfinden vermag. Denn die Berochoh gilt dem 2"1’/ sie ist dem Kiddusch beigesellt, aber von ihm ganz nvabhängig. Daraus ergiebt sich die gesetzliche Möglichkeit, die etwa am ersten Festabend versäumte Berochoh während des ganzen Festes nachzuholen. Der 212 dehnt nun diese für Dl' getroffene Bestimmung aus die ^Chanukohlichter aus und erledigt damit die oben geschilderte Schwierigkett. Der Vergleich von Jaum Tauw und Chanukoh ist aber nicht ohne weiteres klar. Es begreift sich leicht, daß die Berochoh in jedem Augenblicke des D"V angezeigt erscheint,' ist sie doch dem 2"l' selbst gewidmet und so sehr auf ihn allein gestimmt, daß sie jedes Sinnbildes der 2"1'-Wethe entraten kann und daher ohne Kiddusch, dem Symbol der häuslichen Festesweihe, wie der Ausdruck lautet, „auf der Straße" statthaft ist. Was Wunder, daß sie in jedem Augenblicke ihre Berechtigung besitzt, in welchem man deffen eingedenk wird, daß man sie noch nicht zur Feier des Festes verkündet. Es zieht ja der D"V> vom Beginne bis zum Ausgange in gleichmäßiger Heiligkeit dahin, so daß die gottergebene Freude über sein Erleben jeden Augenblick des Festes in gleicher Weise zum Bewußtsein und Ausdruck zu gelangen vermag. Zufolge her uugeieilteu EiuheMchkrit der und Zeit ist eben die Berochoh am letzten Tuge des Festes begreiflich so zutreffend wie am erfitm Wenn mir sie somit am in jedem Momente nachzuholen imstande sind, so geschieht^, weil wir in ihr den gottgewethten Dank für einen Zustand aussprechen, auchwenn wir ihn persönlich durch keine Weihehandlung begangen, für den Zustand der Heiligkeit, die uns mit Eintritt des Festes umfängt, selbst wenn wir ihr gegenüber untätig verharren. Da gestaltet sich der Augenblick der Erinnerung, daß man 11"2»227 2222 vergessen, gleichsam zu einem neuen Erlebnis, als träte 2"V erst jetzt in unser Bewußtsein. Anders am Chanukoh, wo die Berochoh so wenig dem Feste selbst geweiht ist, daß sie nur in Verbindung mit den Lichtern erscheint. Hier betrifft sie ledlgkjch die Mizwoh, die nach Jahresfrist wieder an uns herangetreten. Sie gilt nicht der Chanukozeit, vielmehr ihrem Symbole, den Lichter-n, an welchen wir eine Mizwoh-Handlung l der Wahrnehmung üben. Ist aber die Tat einmal geschehen, so bleibt an einem spätern Abende eigentlich kein Anlaß mehr für 11"2.2L7 712*0, denn der Handlung, auf die sie sich bezieht, haftet nicht mehr das Merkzeichen einer erstmaligen Gelegenheit an. Wenn gleichwohl die verabsäumte Berochoh in einer der folgenden Nächte noch zum Ausdruck zu gelangen vermag, so wohnt dieser Anordnung ein ganz besonderer Grund inne, und es ist, wie wir vermuten, ein Grund, der aus dem tiefen Wesen des Chanukohwunders hervorgeht. Es ist der Hinweis aus die Wahrheit, daß sich das Wunder am Tempelleuchter jeden Abend aufs neue zeigte, dergestalt, daß allabendlich in der Mizwoh der Lichter gleichsam etwas Neues, erst heute abend Verwirklichtes, enthalten ist. Versetzen wir uns im Geiste in die Cbanukohwoche der Makabäer, so gedenken wir der Tatsache, daß sie nicht etwa eine für die Anforderung von acht Nächten genügende Menge vorfand, sondern daß der aufgefundene Vorrat nur für eine einzige Nacht reichte und dieses eine Maß sieben mal für je eine Nacht zur Verfügung blieb. Wir fühlen mit ihnen, wie sie jede Nacht der Zweifel beherrschte, ob am nächsten Abende der Leuchter wohl in seinem Lichte strahlen werde und wie dann der kommende Abend mit seinem Lichte ein neues Wunder darbot. Wir fühlen mit ihnen, wie sie jeden Abend aufs neue von der Stimmung beseelt waren, welche die 11"2.2V 712*12 in so inhaltsreiche Worte kleidet, und wir begreifen es, daß zum Gedächtnis jener Zeit auch in unfern Tagen die Berochoh sinngemäß für jeden Abend paßt, an welchem man sich ihrer bisherigen Unterlaffung bewußt wird. — Damit sind wir zu unserm Ausgangspunkte zurückgelangt. Unser Abschnitt des Schulchon Oruch stellt die Vorschrift über die Reihenfolge des Ordnens und Anzündens der Chanukohlichter mit den Segenssprüchen aus dem Grunde zusammen, well folgerichtig die Segenssprüche vorzüglich dem neu hinzugesügten Lichte zelten, j wslchrs in besonderen; Maß? nns Hß Wnnder hin reutet, nnd dieser ZusüMmenhavg ist so tief-; gehend, dntz er sich noch Ln inLereffanter Weife! Ln der EinzeröeftLnrrnnng über Sie W'nnv? 712*53 äußert. Es ist ein schlichter Passus, die der Schulchon Oruch ihr in einem Nebensatze widmet, aber er ist, wie es scheint, aus dem Kern des Chanukohwunders hervorgegangen. —. Nie Sünde H Benschen. Cap. III. 1. 21*117 ist nicht 2271- Letzteres ist keine Bezeichnung für blos logische Denkweise. Menschliche Wahrheit enthält auch einen Einschlag von Ethik. 2 28 nö» 227p (Prov. 22,21) S. Hirsch zu Ps. 60,6. So wird im '2272 Buche 222 12 als „geratener" Sohn aufzufassen sein, da es immer im Gegensatz zu Wörtern sich findet, die einen sittlichen Tiefstand bedeuten. 21*117 bedeutet List ll. 21 14. Ihre Anwenx düng ist keine sittliche Handlung. Das Tier kann also 21*117 sein, aber nicht 22N- Es handelt im Instinkt und nicht nach sittlichen Grundsätzen, da :s nt: vor einem Dilemma zwischen gut und bös steht. Ein gewisses Prädikat 21*117 verdienen alle Tiere. Die Schlange war nur noch listiger, als die andern. Sind doch alle Tiere gerade ans dem Grund 21*117 geschaffen, weil sie mit dieser Eigenschaft dem Menschen nützen sollen. Denn 2'p^rr '2 hat sie so gestaltet, und erst des Menschen wegen erscheint der 'Name '*7. Wenn wir verstehen wollen, wieso die Schlange es wagt, den Menschen zu beeinstuffen, dann müssen wir das 122 1,28 nur im Sinne des Schutzes des Menschen vor körperlicher Vergewaltigung auffaffen. Bei dem ganzen Vorgang dürfen wir uns nicht auf den heutigen Standpunkt stellen und die Wesen betrachten, wie sie heute sind. Wir. haben ja gerade infolge der Menschensünde, deren Erzählung hier eingeleitet wird, eine Veränderung in der Natur zu beobachten, die durch den Fluch, der in den V. 14—19 enthalten ist, bewirkt wurde. (Wessely) Nicht nur die Schlange hatte vordem eine andere Gestalt, wie aus V. 14 b hervorgeht. Das 2'2 2221 7127071 222 71*0771 des Y. 14a beweist, daß auch die anderen Tiere in Mitleidenschaft gezogen wurden. Hat doch auch der Erdboden eine Veränderung erfahren (V. 17—19) und auch die Beschwerden des weiblichen Geschlechts gehen auf diesen Fluch zurück. (V. 16) Aber auch an d:r Wiedergewinnung der früheren Eigenschaften in der Zukunft (Jesajas 11,6—8) können wir, wie beim Licht (oben 1,3), den ehemaligen Zustand ermessen. Es hatte daher die Schlange früher die Fähigkeit zu sprechen, während bei Bileams Eselin das Sprechen nut ein Wunder für den augenblicklichen Zweck gewesen ist. Daß die Midraschweisen (,22JK 27222 z. St.) ein Motiv für die Schlange suchen, ist völlig berechtigt. Es verleitet niemand einen andern