Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 60 (1919)
- Issue
- Heft 49-50 (18.12.1919)
- Date
- 1919-12-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 No. 49 u. 50 Der JSraelit. 18. Dezember 1919 inentS. Das Unternehmen veröffentlicht eigene Mitteilungen", von denen jetzt zwer Barrde abgeschlmien vo'-lie-'en. Cs soll jetzt mit oer Vero^entlichung einer Handausgabe der Septuaginta begonnen wergroßen Ausgaben unmöglich machen. So ..grerfeu^ Krieg und Zitsnmmenbruch tief tti die g.ningen Interessen und ihre Wahrung c-tit. LtterarisA Aotiz. '3H fÄm'»». Blätter für die heranwachseade jüdische ^ugend , kerausgegeben von C. K. Klötzel, Welt-Berlag, Berlin NW. 7, drosch. 2 Mk. Dieses 32 Seiten starke, sehr schön ausgestatteie Heft bringt außer einer Einleitung und einem längeren Auszug aus den „Makkabäerbüchern" Chanukaerzählungen, Gedichte, die Noten des „Moaus zur" und eine Reihe anderer Beiträge, die alle im Zusammenhang mit dem Chanukasest stehen. Das Heftchen ist geschmückt mit zahlreichen Bildern nach Zeichnungen von Budko, Lotte Baerwald und Ludwig Wronker, sowie Bildern aus dem Leben Palästinas. Personalien. Leopold Silberberg b"to. Breslau, 10. Dez. Mit Rabbi Jehuda Silberberg — Leopold Silberberg Ys* —, der am 20. swn von seinem schweren Leiden erlöst wurde, hat Breslau einen seiner fahrenden n"7i verloren, dessen Heimgang für das orthodoxe Judentum schier unersetzlich ist. Am 7. Adar S6l9 in Kempen geboren, hatte ec es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Tradition des angesehenen Elternhauses sortzusetzen. So widmete er sich, in jungen Jahren nach BreSlau übergesledelt, ausschließlich dem Thorastudium, ohne jedoch profanes Wissen zu vernachlässigen. Sein Wirken machte sich gar.bald, zunächst im kleinen Kreise, geltend. Er richtete, obwohl in jcner Zeit allgemeine regelmäßige anw in Breslau noch nicht modern waren, solche in seinem Hause ein und wer einmal an diesen „Montage und Mittwoch Abenden" teilgenommen, der weiß, welches Feuer und welch' sprühender Geist von diesen gemütlichen Zusammenkünfieck ausgtng. Uno wie minutiös genau nahm er es mit der Ausübung jeder, auch der scheinbar kl.insten msra! Silberberg nahm, obwohl er mit Glücksgütern nicht gesegnet war, weder für sein „Lernen", noch für die Verrichtung irgend einer N',Lv, sei es ais pn oder oder wo noch immer irgend ein Entgelt, oder auch nur den Schein eines Entgeltes. — Und man konnte, wir dürfen sagen, yon jedem Zusammensein mit ihm, etwas ins Leben mir hinaus nehmen. Wie er auf mm selbst sein Leben aufbaute, so legte er großen Wert darauf, mit den Führern der Judenheit tm Osten immer in Fühlung zu fein, Inständigem Briefwechsel stand er Mlt den unserer Zeit und erfreute sich größter Wertschätzung ln diesen Kreisen. Der Leücnlung etveS solchen Mannes entsprach auch die!" 'V?, die rrotz^des für chlbaren Schneeweilers eine ungewöhnlich groge Beteiligung aufwtes. Es ist vielleicht bezeichnend und bedarf kaum eines Kommentars, wenn bemerkt wurde, daß nur verhällntsmäßtg wenige „Wagen" und „Autos' am Friedhof ln Cosel zu sehen waren, wahrend ein unübersehbarer Strom von Fußgängern mühsam durch den fußuohen Schnee der Lanostraße vorwärts stampfte, um Leopold Stlberberg den letzten Gruß zu spenden. In der Leichenhalle schilderten die Herren Rabbiner Dr. Rosenrhal und Dr. Silberberg (Posen), der Schwager des Verewigten, tn ergreifenden Worten dessen Persönlichkeit und Wirken. An der Seite seines ihm tm Tode vorangegangenen Sohnes Bruno, nach dessen He.mgange sein eigenes Leben gebrochen war, wurde Leopold Silberberg zur letzten Ruhe bestattet. Jur Trauerhause fand während der ny-tP, eine vom Verein „Mactzsike Thora", zu dessen ehrenamtlichen Dozenten der Lahingrschiedeue gehörte, eine Trauerfeier statt, die Herr Rabbiner Dr. S i m o n s o h n leitete, in der Synagoge der Fuchs'schen Stiftung, deren Besucher Silberberg war, hielt Herr Rabbiner Dr. Krakauer die Gedenkrede. n"23»n. Königsberg i Pr., 9 Dezbr. Plötzlich und unerwa>tet durcheilt die Trauerkunde unsere Stadt: Abraham Jsak Lew in ist nicht mehr unter den Lebenden. Nach kurzer Krankheit wurde er im Alter von 73 Jahren mitten aus seiner arbeits- und segensreichen Tätigkeit herausgerissen. Durch seinen Tod hat unsere Gemeinde 7.NH2” rnv einen ttesschmerzlichen Verlust erlitten. Wir verlieren einen musterhaften Führer, einen treuen, mettsüchtigen Berater, einen '°wr alten Schlages, einen prächtigen, liebevollen Menschen, der Herz. Sinn und stets offene Hand hatte für alles Schöne, Gute, Edle. Er gehörte zu den Begründern unserer Gemeinde, Jahrzehnte war er im Vorstände, die Synagoge und die anderen Gemeindeinstiiuiionen waren seine stete Sorge, feine 7*ntP' rny stand ihm nahe wie ein Kind, für das er väterlich sorgte. Sein biederes, aufrechtes und doch so bescheidenes Wesen, sein reiner, lamerer Charakter, seine wahre und innige Frömmigkeit fanden tr weitesten Mreisen Anerkennung. So war er tm Borstande der verschiedensten wohltätigen Vereine, des Israelitischen Waisenhauses, Hachnossatb-Ochjm, Bikkur Cholim, der Wohltätigen Gesellschaft u. a. Aber weit über den Kreis seiner Glaubensgenossen, erfreute er sich bei Berm'sgenoffen und Mitbürgern einer seltenen Beliebtheit und eines unbegrenzten Vertrauens. Davon legte das heutige Leichenbegängnis beredtes Zeugnis ab. Namens der Familie sprach der Schwiegersohn des Verstorbenen, Herr Mendel H o f f m a n n, Breslau, herzliche, ergreifende Worte des Abschieds. Herr Rabbiner Dr. Jakobowttz gab in herzergreifenden Worten dem allgemeinen Schmerze Ausdruck. Ein Hoffnungsstrahl in dem bitteren. Schmerze bilde die Gewißheit, daß seine Kinder, die er zu braven B'in' erzogen hat, das Werk des geliebten Vaters fortsetzen werden. Möge Gott der tiefgebeugten Gattin und den trauernden Kindern Trost mu Kraft verleihen, den schweren Verlust zu ertragen. pnx fi\“P Der Gerechte bleibt zum ewigen Angedenken. Vermischtes. Berlin, 27. Nov. Aus eine Anfrage des Vorsitzenden des Bürgerrats von Groß Berlin, wie sich der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu dem auffallenden Ueberwregen jüdischer Elemente tn der Führung der kommunistischen Bewegung stellt, ist, wie der „Bund" das Nachrichtenblatt des Bürgerrats von Groß-Berlin, mitteilt, eine Antwort eingegangen, in der es he tzt, „daß der Zentralverein deutscher' Staatsbürger jüdischen Glaubens, der mehr als 200000 deutsche Juden vertritt, grundsätzlich auf dem Standpunkte steht, daß seine Mitglieder national-deutsch orientiert sind. In den über fünfundzwanzig Jahren seines Bestehens hat der Zentralverein im besten Sinne des Wortes nationale Politik getrieben, indem er entsprechend d:r Vorschrift des § 1 seiner Satzungen seine Mitglieder in der unbeirrien Pflege deutscher Gesinnung bestärkte. Ein ausdrückliches Äbrücken von dem Bolschewismus erscheint ihm ebenso unwürdig, als wenn Man vom Volksverein für das katholische Deutschland oder vom Evangelischen Bund ein Abrücken von dieser Bewegung verlangen würde. Der Zentralverein bat oft genug erklärt, daß sich die jüdischen Deutschen jede Vermengung mit bolschewistischen Elementen verbitten, gleichviel, ob diese Juden oder Nichtjuden sind" I Berlin, 28. Nov. Die bürgerliche Fraktion der Schöneberger Stadiverordnetenversammlung hat zwecks Verhinderung der Einwanderung von Ausländern und Abschiebung lästiger Ausländer folgenden Antrag gestellt: „Der Magistrat ist f.u ersuchen, angesichts der großen Wohnungsnot bei der Reichsregierung auf die sofortige Einbringung eines Gesetzentwurfes in der Nationalversammlung zu dringen, durch den eine unerwünschte Einwanderung in das Reichsgebiet verhindert, eine wirksame Grenzkontrolle durchgeführt, der Einbürgerung der aus Polen, Gall ien und Nutz, land stammenden Personen ins deutsche Reichsgebiet entgegen wirkt m 5 die Abschiebung lästiger Ausländer bester als bisher erreicht wird".. Halle a. S>, 6. Dez. Bei einem Einbruch in die Synagoge des Vereins Machasikei Hadas in Halle a. S., wurden 30—35 Talleisim gestohlen. Die ' verehrlichen Vorstände werden hierdurch gebeten, in ihren Gemeinden vor Ankauf von Talleisim zu warneü und in ihren Gemeinden eventuell übrige Talleisim gegen Bezahlung dem Verein Machasikei Hadas (Adressen: Paul Lehmann, Neue Promenade la, Dr. Th. Baer, Große Steinstratze 54/55) zur Verfügung zu stellen. München, 6. Dez. Auf die Anfrage Ulrich (Soz), betr. Mißbrauch der Mittelschulen zu nationalistischantisemitischer Propaganda antwortete das Ministerium: Solche Fälle sind uns beiannt worden. Ein Fall, in dem Anschuldigung erhoben wurde, ist zur Untersuchung &rm Disziplinargerichtshof übergeben. Das Kultusministerium wird jedem derartigen Mißbrauch des Lehramtes entgegentreten. Dagegen haben in jüngster Zeit bedauerliche'weise mehrmals Schüler anrisemittsche Anschläge an Anstaltsgebäuden angebracht und sich auch an einer Anstalt in einem deutschnationalen Jugendbund zusamckengeschlofscn, der den Ausschluß jüdischer Mitschüler zur Voraussetzung hat. Im erfteren Fall ist gegen die Schuldigen eingeschritten worden, im letzteren Fall wird die Teilnahme an dem Jugendbund verboten werden. München, 25. Nov. Am Sonntag mittag kam es nach der Parademusik an der Feldherrnhalle zu Kundgebungen. Etwa 300 Personen, meist Studenten, sangen deutschpatriotische Lieder wie Deutschland über alles, die Wacht am Rhein, Deuftchlmnd hoch in Ehren. Reichswehrsoldaten drängten die Demonstranten langsam in die Thealinerstraße zurück. Es kam auch zu antisemitischen und monarchistischen Kundgebungen. Es wurden Ruse laut gegen die Berliner Judenregierung. Dazwischen klangen Hochrufe aus den früheren Deutschen Kaiser und Kronprinzen Rupprecht. Die umlaufenden Gerüchte, daß sich nachmittags an der Feldherrnhalle Kundgebungen wiederholen würden, bestätigen sich nicht. Breslau, 8. Dez. Am Dienstag, den 2. Dezember, fand hier ein Sijum auf Tr. Megillo tn der neuen Talmud ThdrastiftUttg statt. Diese ist im vorigen Jahre mit der Bestimmung gegründet worden, das Thorastudium in Breslau zu heben. Seitdem wurde täglich unter großer Beteiligung in den ersten Monaten bei Herrn Rabbiner Dr. Batzfreund dann bei Herrn Oberkautar Weiß gelernt. Bon den zahlreichen Ansprachen, mit denen das Mahl gewürzt wurde, seien neben dem s-n.i des Schiur-Leiiers die Worte der Herren Rabbiner Dr. Rosenthal, Dr.Simonsohn und Dnjan Mugdan hervorgehoben. Der verdienstvolle Vorsitzpnde der Stiftung, Herr Aron Kober, dankte den Gönnern und allen denen, die sich um die Hebung des Lernens in Breslau große Verdienste erworben haben. F. Wien, 5. Dez. . Wir lesen in einem von Dr. Fester in Dr. Blochs Wochenschrift an den Oberrobbiner Dr. Chajes gerichteten Brief Folgendes: Ein besonders symptomatischer, faü skandalöser Vorfall kann und darf der breiten jüdischen Oeffentlichkeit nicht ve. schwiegen werden. Bekanntlich bestand unter der Leitung des jüdischen Ausspeisungsvereines „Einheit" eine jVlenga acaäemica juclaics, in welcher nur koscher und auch koscher essende Studenten (die leider in große'- Anzahl vorhandenen, auf keinen Fall koscher essenden wp2.-i^ n:lv-Typen gehören in ein anderes Knpitel) rituelle Speisen verabreicht wurden. Im Monat Oktober dieses Jahres trat der jüdische Hochschulausschutz an den Studentenausschuß der rituellen Mensa mit dem Vorschlag heran, diese aufzulösen und mit der vom jüdt chen Hochschulausschuß zu gründenden rituellen allgemeinen jüdischen Mensa zu vereinigen. Gesagt, getan! Das heißt: die alte rituelle Mensa wurde aufgelöst, doch die neue war alles andere, nur nicht rituell. Als nun die dem Verhungern ausgesetzten religiös gesinnten Studenten Läur schlugen, bei dem jüdtschen«Hochschulausschusse protestierten und — trotzdem nichts ausrichten konnten, wendeten sie sich in ihrer Not an dcn Oberrabbiner, der ihnen bindend versprach, die jüdische Mensa werde nach einigen Tagen streng koscher werden, sie könnten sich darauf verlassen. Dies geschah auch, doch die Herrlichkeit sollte nicht lange währen. Die große Masse derMdischnationalen Studentenschaft, deren jüdischer Patriotisn us nicht einmal zum Verzicht auf die „besseren" tretfenen Speisen sich ausraffen kann, murrte und verlangte, wie seinerzeit das heidnische Israel, nach den „Fleischtöpfen Aegyptens". Und siehe, eines schönen Freitags wurde N2L> nravv Trefe Fleisch etngekauft und — schändlich genug — ohne die religiös gesinnten Studenten durch Tafelanschlag auch nur zu warnen, mit größter Seelenruhe aufgetischr. Hiermit war ein kait accompli geschaffen, der „Putsch" war gelungen! Von nun ab halsen weder Bitten und Proteste seitens der religiös gesinnten Studenten, noch der vielleicht vorhandene gute Wille des Präsidenten des Hochschulausschuffes und — merkwürdig genug! — auch der sicherlich vorhanden gewesene gute Wille des Oberrabbiners kanr diesmal nicht zum Vorschein. Das und so ist der trockene Tatsachenbestand, wie er mir von glaubwürdiger Seite geschildert wurde. Wien, 1. Dez. Hier hat sich eine „Gesellschaft zur Erforschung und Förderung jüdischer Musik" gebildet, die international wirken will. Budapest, 21. Nov. Auf die Begrüßungsansprache einer Deputation des Ungarischen jüdischen Verbandes erklärte der Oberkommandierende der Narkonalarmee, Nikolaus von Horthy, er nehme mit aufrichtiger Befriedigung die Bereitwilligkeit des ungarischen Judentums zur Kenntnis, an der Arbeit der nationalen Wiedergeburt im patriotischen Sinne witzuwirken. Die Armee stehe jeder Parteipolitik fernes aus diesem Grunde würde' sie jede aniinationale, umstürzlerlsche Tendenz im Keime ersticken und alle jene schützen, .welche mit ehrlicher Arbeit und tu patriotischen Sinne i^cn Interessen der Nation dienen. Bern, 27. Nov. Auf der Durchreise von Paris erstattete Herr Dr. Krämer, Mitglied der Nationalrats-Delegation, einen Bericht über die geleistete Arbeit und über die Schwierigkeiien, die zu überwinden waren. Besonders bedeutungsvoll sei es gewesen, daß die Delegationen der Nationalräte, die garnicht rechtmäßig gewählt waren, sondern im Augenblick der revolutionären Not von einzelnen Gruppen aus den Ländern des Ostens abgesandt wurden, in Paris anerkannt wurden und gemeinschaftlich mit den anderen Faktoren arbeiten durften. In der Debatte erklärten sich die meisten Redner höchst unzufrieden mit den erzielten Resultaten. Ihnen trat Aork- Steiner in längerer Rede entgegen. Sabdal-Ansang und Ausgang. pp» row O R Ti Anfang Datum AuSgang Ubr iMin 1919\ 5680 Uhr (Min. 20. 28. Kislew Feaukfurt ff* M 4 — Dez. 5 15 Berlin .... 3 40 4 43 München . . . 4 15 5 10 Ltraßburg . . — — — — Stuttgart. . . — — — — Posen .... — — — — *Jlikxttbev& . 4 05 5 05 Hamburg . . . — — 4 SS