Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 60 (1919)
- Issue
- Heft 49-50 (18.12.1919)
- Date
- 1919-12-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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18. Dezember iU$ neiteix ffiegmung Mi des' %'dtbmBt}^ \ frageg bccjlöt&fgi. Diese? Beschluß U such m| radiotelegraphischem Wege nach Paris mitöetetft worden. (Siehe Wochenschau.) England. kongruier Brlef. Lo«d«n- 5. Dezbr. «Ktt Sirnes»5?clba«a Segen die Jttdpn. — AgudaS JiSroel-Bersammlung. — Das Fremden - Gesetz. — Zionistisches. Dis Northeliffe-Preffe macht aus ihrin avtisemit!schen Instinkten kaum ein Hehl mehr. Die Juden als Träger des Bolschewismus sind § im England van heutzutage eln allzu dankbares Sttchblait, als daß man es sich entgehen lassen könnte. So veröffentlicht die „Times" fortgesetzt Anklage-Artikel gegen Juden und Jud?rnum, die berechtigte Entrüstung in jüdischen Kreisen erregen und auch eine energische Erwiderung deS Chief Rabbi in den Spalten des BlntteS veranlaßt haben. Vorgestern hielt dis neugegrsiudete Ortsgruppe der „AgudaS Israel/ welche die Geschäfte der britischen LandesorganisnLHn führt, eine interne Versammlung ab, in der Dr. Jung über den Stand der Aguda-Bewegung in den einzelnen Ländern, insbesondere in Palästina und Polen, berichtete und auf die Notwendigkeit htnwtes, daß die'Orthodoxie in starker yrgantffn dem Werke des Wiederanfbaues in Erez Jsrsel wie in der PiffSpora witmtrke. Aguds-Brnpp?n stnd bisher iuMasgownud Lrner- Pool gegründet, an an deren englischen Orten in Bildung degristen. Ein ständiges BMftn der britischen TandrKyrganlsatton ist in §8hitechape1 Raad L79, eröffnet worden. Nach einem Referat? des Sekretärs über die erfolgreiche Intervention h?r Agndä in Küchen des Warschauer Diist» komikees Wurde eine Wonderkomknisstsn sstrpßilautropisch e Angelegenheiten Zebüdet. Eine plan? müßige Propaganda für die «lgudss ^srpel so8 in ganz Euglsnd einfetzen. Dss Fremyaugesetz hak nunmehr das Oberhaus psfßK^ und f§ gereichl HM? KSrperfchsst MösnfsM zstr Uhrr, daß mau sich hmt rrtchc Sö% Sie MZ8M nng her frEM8Enftln81i§M E?skHMZ?r M wÜHblZZK Mmtm p gÄfe«. %m MMK8M M?8 S§- hnrch aklerSlNgZ rrlHkS g?§N8k?kl Der Hensrstchsnds AioiNstenksngrkß in Basel wirst seine Schütten in die zahlreichen zionistischen Versammlungen, die hier Woche für Woche stattstnden, voraus. In gewohnt scharfer Kritik hat jetzt nach Zangwill auch Joseph C o we n die geheime Diplomatie der Zionistischen Führer aufs Korn genommen und dabei eine Art Exegese deS Balfourbriefes geliefert. „Stift nationales Heim in Palästina sei nicht „das" nationale Heim und könne ebensogut eine nationale Heimstätte auch für die Araber in sich begreifen. Dazu aber sei Palästina nicht groß genug. Man müsse offen mit den Arabern sprechen, für die Palästina keine nationale Notwendigkeit sei. — Es scheint uns, daß diese wie alle ähnlichen Kritiken die Tatsache vergißt, daß man Machtfragen nicht durch Ueberredung lösen kann. DoUand. Amsterdam, 4. 'Dez. Der Jerusalemer Korrespondent des „Mgemeen Handelsblad", de H a an, verteidigt sich in seinem neuesten Briefe gegen den ihm gemachten Vorwurf, daß er dem ,Mnfluß klerikaler Antizionisten" unterliege. Er sei Misrachist, aber ihn erfülle nun einmal die Ueberzeugung, daß man über die Parteischranken hinweg nach Einheit und Zusammenwirken, auch mit „Agudas 'Israel", streben müsse. Er lehne es ab, irgendwie Propaganda auf Kosten ver Wahrheit zu 'treiben. Cssa „Ler Iff?«W Der junge Grätz hei Samson WWrJ SK£':£? Das böse Wort vom „ketzerriechenden Klause ner", das der vom eigenen Ruhm wohl schon berauschte Geschichtschreiber Grätz gegen den ehemals so hoch verehrten Lehrer und Meister als Nezensenten geschleudert hat (Vorwort zum vierten Band von Grätz, Geschichte der Juden), blieb bis heute denn doch eigentlich ein psychologisches Rätsel. Wenn man bedenkt/daß Hirschs Rezension bei aller Schärfe und Ironie doch vom tiefsten sachlichen Ernste getragen war und dem Autor niemals persönlich zu nahe trat, war Grätzens Schimpfwort unvereinbar mit jenem Rest von stiller Achtung, die der sittlich nicht gänzlich verrohte Charakter auch seinen überwundenen Idealen noch entgegenzubringen pflegt. Es ist darum ' ttöit hohem psychologischem Interesse, darüber hinaus aber auch zur Biographie Hirschs von Bedeutung, daß wir jetzt durch die Veröfftntlichung von Grätzens Tagebüchern in Branns ,Msönatsschrisk für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" ein genaues Bild von jener Zeit erhalten, da der junge Grätz, ein von StnrM und Drang erfüllter Suchender, im Hause Ben 11 f i e IS wellte, um dort eine Thauru zu lernen, „die das Lob Dawidi im Id. Psalm verdient, aber nicht ein? Klellllgkeitsgrübelei und Dis^ putütionsflitkerware ist". So charakterisiert der Jüngling in seinem ersten Bcwcrbuugsbriefe au Heu Lättdrabbiuer von Oldenburg vom Iß. Dez. iSM seine Absichten. „Ja, ich bin?i gewiß, der große Wann Md der echteste Jude unserer Geueratiau wird sich eines nach Mahrßeit dürstenden Jünglings' nnnehmen MH mir auch eiueu Strahl Mrer Erleuchtung nergsnnen-" Ben MM „NennZehn MW" tzntW deu! ist sHmarLu MUKW Aämpfen sich DerHehrendZn MsMErMst ®r hazüfzcz fsfgeUfiefiE : Heils Ißimbf §SSf« IsTpErl 1S3&1 j gj«g cictf SfEsüSiEEäg tfE NkgllW 88?: Mk! ich ESmt Set Stt? |tE SlklSW ZZMKk, 8KZN : ZKLlMk Zkll- Ist M ÄT IÜ!2wE£( GrMchl^ | LerWesenk Mmmm samt Erru Tuffernnnge« h«« den Aösichten ihres Stifters kerrn-rc geierrrst da empörten mich nicht allein verschieven^ Stellen in der Thora, vie bei Mangel an Einsicht ich für ungereimt und der Vernunft zuwider hielt, sondern vorzüglich die entgegengesetzte Weise, wie meine Religiönrgenossen die Gesetze und die ganze Thauroh halten. Nur das machte mich de.m Talmud, den ich bald für nichts nützende Spitzfindigkeiten und Sophistereien, bald für die Vernunft schärfendes Mittel angesehen, abgeneigt. Schriften atheistischer Autoren und das Beypiel leichtsinniger, nur das Oberflächliche liebender Personen trugen nicht wenig bei, (in) dieser. Abgeneigthert sowie (in der) Meinung, dre Thauroh sei nur, wie andere Gesetze, von Menschen gegeben, mich zu bestärken. Oft sprach ich mit- Bsenzion) B(ehrend) davon. Denn nur diesem konnte ich über solche Dinge meine Meinung äußern. Dann brachte er vor, wie sehr eine Reform bei dem allmählichen Verfall der Religion nötig sei. Ich wußte aber, dah eine Reform, d. h. Auslassungen einiger mit dem Ganzen verflochtener Gesetze, das ganze Gesetz aufheben würden. Wie angenehm mußte mir also ein neuer Buch: fEtt mx, Neunzehn Briefe über Judentum, anonym sein, worin ich eine noch nie gehörte und geahnte Idee des Judentums mit überzeugenden Argumenten, wie dieses die beste Religion und zum Heil der Menschen notwendig ist, fand. Mit gierigen Blicken sog ich die Sätze darin >^in, und so abtrünnig ich dem Talmud vorher gewesen, so söhnte dieses Buch mich mit ihm aus, und ich Itehrte zu ihm wie zu einer untreu gehaltenen, aber treu gefundenen Geliebten zurück, nahm mir vor, ihn womöglich zu ergründen, ihn philosophisch zu lernen und .... dessen Wahrheit und Nützlichkeit allen zn zeigen." Trotzdem entschloß er sich erst näch 1% Zähren, an Hirsch heranzutreten. Dieser antwortet» sofort zustimmend wie folgt. „Mein lieber junger Freuno! Ihren gegen mich auSgssProchenr« Wunsch erfla. 49 u. oö SEE b fülle ich gerne Md Mit FrkUdeN HBÖ} ÄÄIH. <M kennen hm Spruch de? WMrr üö)! j^c \mv { »«rn sgg?f, k?w ich nach Ihrer« r Briefe gerne boraussetze, die dort üitsgesprocheue Gesinnung nicht nur nngenhllckliche Stimntutt^ sondern es wirklich Ihr lebendiger Entschluss ist, Thauroh um ihrer selbst willen zu lernen, so sind 'Sie Mir von Herzen willkommen, und ich werde Si.^ nach ^'»2.-7 nv» gern bei mir sehen. Eine Bitte habe ich doch vorauszuschicken. Sie haben Sich im Feuer des Gksützies ei» Hdesl vsrn VWssre der Briefe enttvorfen, das weit über die Wirklichkeit ragt. Rcdidziere» Sie daher dieses Bild auf die Hälfte, ja auf das Viertel Ihres Ideals, und Prüfen Sir sich, ob Sie auch dann noch zu ihm sich hingezoaen fühlen; erwarten.Sie keinen schon vollendeten Meister, soirdern einen selbst noch'in Forschen, begriffenen Mann, und sagt anch dann Ihr Inneres noch „Ja", so kommen Sie. Gerne würde ich ss aber sobald aiS möglich wissen, oö ich Sie nach Peßach zn erwarten habe, weil ich "danach ein anderes Verhältnis zu ordnen haben würde- Thcilcn Sie mir auch, wenn Sie nichts dagegen haben, gefälligst mit, aus welch» Weise Sie hier sich Ihre Existenz zn sichern beabsichtigen, Sie werden mir diese Frage, hoffe ich, weder verargen, noch mißdeuten. Sic geschieht nur deshalb, weil ich gerne bereit bin, wenn Sie vielleicht dessen bedürfen, zur Erleichterung derselben während Ihres hiesigen Aufenthaltes nach Kräften beizntragen. Sprechen Sie sich daher so offen nnd ohne Scheu gegen mich aus, wie ich sS offen gewagt, diese Frage an Sie zu richten. Es grut,r Sir freundlirhst — Oldenburg, 26. Dezemb. 33." Grätz war hingerissen. Er notiert in sein Tagebuch: „Welche, Klarheit des Ausdrucks, welche himmlische Bescheidenhert, welche Philantropie und welch» Bereitwilligkeit herrscht in diesem Briefe! Die schönsten Hoffnungen nmgaukeln meine Phantasie, und Bilder einer Söldnen Zukunft schweben Mt? wie leicht geflügelte Amoretten vor- Jedoch mein Haupiwunsch gÄt dahin, mein?» Glanbensbrndern (bei der) Nell urgung ih?K abstgNnbifcheu WchmntzkZ, Und Berbsnnnng chrech ungeheuren Eigennutzes, der Triebfeder ihrer sämilichen HändlnNgeö, sns ihrem SkkrSU, nützlich zn sehn." Diese wssfligerr Worte Zeigen eigetttlich schvtt den verhängnisvollen Gegensatz, in den der Fünfling gegen seine Umgebung gernftn war und dessen Spitze sich schließlich gättZ naturgemäß nicht — wie ei bei Hirsch der Fall war gegen die Zerstörer, sondern^gegen d-ie TrLger der TradiliöN richten MikDte. Am Mpntag, den 27. Mürz trat Grütz blt Reift ng| Oldenburg Ln^ »a er hm =B, Wai i M dem „Mlndermann^ erntrast fei Imti stUM?W DEM «ne §srschw??Eeft bgrüber,?b bft ftiftn wicksinnrEnde« dicken Dchelelnnb Hslbschekrlrn6nßcn dem Ülia Maccabäuö zuzuteilen sind, also im Jahre 139—134 vor der gew. ZeiLrechnung geprägt worden sind oder erst zur Zeit des römischen Aufstandes 63—70 n. Zur Entscheidung dieser s-raae hat deH frankfurter Numismatiker Carl Nathan Mayer an Hand seiner reichen Sammlung gründliche Untersuchungen angestellt, die in einem hochinteressanten Hefte (erschienen bei I. Ka uffma n n-Frankfurt a. M., Preis Mk. 5,50) vorliegen. Mahrr kommt zu dem Ergebnis, daß es sich ohne Zweifel um m a k k a b ä i s ch e Münzen handelt, die von Simon auf Grund der chm von Anttochus VII. im Jahre,133 erteilten Münzhoheit (I. Makkabäerbuch Kap. '15, B. 10) geprägt worden sind. Mayer zieht m seiner Beweisführung das gesamte jüdische Gewichts- und Münzshstem, wie es in Pentateuch uno Mischna in durchaus lückenloser Kontinuität sich darstellt, heran und liefert w, insbesondere durch dir veigegebenen vergleichenden Münz-, Gewichts- und Schriftzeichen- Tabellen, ein Material, das über den Kreis der numismatischen Fachgelehrten hinaus, jedem um ernste- Verstündnis der talmudischen Realien bemühten Lernbeflissenen außerordentlich diel Anregung bieten wird. Das Septuaginta-Aüiernehmen der Göttinger Akademie. Auf Anregung LagardeS hat die Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften seit 1908 in systematischer Weise begonrren, eine kritische Textausgabe der Septuaginta (der griechischen Bibelübersetzung der 70 Gelehrten) hyrznbereiten- Es sollte daneben eine Sammlung aller Ueberreste der nach der Seplltügitlla entstandenen griechischen Bibelübersetzungen veranstaltet werden. Begonnen hat man mit der Inventarisierung sämtlicher Handschriften deS griechischen Alten Testa- **) KeF. foL 112 b.