Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 60 (1919)
- Issue
- Heft 49-50 (18.12.1919)
- Date
- 1919-12-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1s. Dezember 1919 Der Asraettt. Nr. 49 u. 5V. Seite 8 Der bürgerlichen Aeieriage Halber erscheint die nächste Wnmmer Dienstag, den 20. Dezember, die darauffolgende Donnerstag, den 8. Januar. 1. Ankündigung. — 8. Homiletik: E. Wertheimer, Hardhcim i. B.: Vetwundrr. — 3. Kleines Feuilleton: Wkolsvnrg. — Die Bibel in 85 neuen Sprachen. — Die Entdeckung eines altjüdischen Mosaiks. — DK Sendung Semaels auf der Neuen Wiener Bühne. — Vom Leben der Juddn in Japan. 4. Leitartikel: Die Kriegsftrlr der Makkabäer. ----- 6. Wochenrundschau: Landflucht. — Der Kampf gegen die ostjüdische Einwanderung. — Enttäuschung. — 6. Aufsätze: Heinrich Einstädter, Frankfurt a. M.: Gin Kttfsurerk für Deutschlands jüdische Kandbrvötkerung. — Dr. Nathan Birnbaum, Zürich: Notizen. — Der Ueberfaü am Sabbat. — 7. Kor resp ondenz en und Nachrichten: Berlin (Eine preußische Ministerialverfügung zur ostjüdischen Einwanderung. — Wien Gegen die Ostjuden). — Budapest (Harte Maßnahmen in Ungarn). — Budapest (Antisemitische Krawalle in Budapest). — Warschau (Sabbatruhe und Minderheitsschutz). — Warschau (Stuart Samuel und die Sonntagsruhe). — Wilna (Rabbinerkonferenz in Wilna). — Berlin (Rigas Martyrium). — Klausenburg (Rumäniens Sieg über die Friedenskonferenz). — London (Londoner Briel). — Amsterdam. — 8. Litterarische Warte: Der junge Grätz bei Samson Raphael Hirsch. — Makkabäische Münzen. — DaS Septuaginta-Unternehmen der Göttinger Akademie. — Litterarische Notiz. 9. Personalien: Breslau. — Königsberg. — 10. Vermisch teS: Berlin. — Berlin. — Halle a. S. — München. — München. — BreSlau. — Wien. — Wien. — Budapest. — Bern. 1. Beilage: Grztrtznng und Kehrs: Wie man jüdischer Lehrer wirb und was mm als solcher erleben kann. — I. Straus, Volksschuflehrer, Westheiin; Die Neuordnung der Volksschule in Bayern und iin Reich. — Vcrsamm- Uttg des Z-Meigbereins Rheinland des Bundes gesttzesreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. --- 12. Feuilleton-Beilage: Chanuka im sibirischen Wald. — Endlich erlöst — Iw Lande der Zufriedenen. — Emmh Ficus, Frankfurt a. M.: Die Welt ohne Licht. ----- 13. K;n de recke: Gott wird streiten! — „Aus dem Munde der Kinder ..." — 14. Frankfurts r Berichte: Städtische Snbbentidn. — Amerikanisches Pökelfleisch. — Protestversammlung. — Sabbat Chanuka in der Agudas Jtsroel-Jugend gruppe. — Vereinskalender. — Gebezeiten. Me Krregziele der Makkabäer. , * „Ein wahres' Judentum, ein nationales und örtginelles, in Beibehaltung seines Eigenwertes und seiner Eigenart ist nur in Palästina denkbar, wo der Jude, unbeeinflußt von der Golusumgebung, sich in einem rein jüdischen Milieu als Jude ausleben kann. Dort, wo die Juden nicht mehr in der Minorität sind, schwindet auch die Gefahr der Assimilation, die hier über uns allen schwebt und unser jüdisches Gesicht verzerrt." Das ist der Grundton aller Erörterungen in der nationalen Presse über den in Sicht gekommenen Judenstaat in Palästina. Es ist an sich wahr, daß ein gutjüdisches Leben nur auf dem heiligen Boden Erez Jsroels in absoluter Reinheit und V 0 l l e n d u n g m ö g l i ch ist. Wer auch nur mög lich. Wer da aber glaubt, daß die Palästinalust von vornherein immun gegen jede Art von Assimilation macht, der hat entweder keine Geschichte gelernt oder nichts aus ihr gelernt. Vor allem zeigt uns die Chanukkageschichte in ihren historischen Hintergründen, daß die Tatsache, daß das Gros des Volkes auf dem Väterboden seit über dreihundert Jahren ansässig war und ein mehr oder weniger selbständiges Staatsleben führte, es nicht verhindern b)nnte,' daß in der Zeit, die den Makkabäerkampf nötig machten, das öffentliche und Staatsleben von der hellenistischen Assimilation geradezu verseucht war. Ist es doch dem Kenner der Geschichte ohne weiteres klar, daß der Hellenismus in Judäa nicht etwa von den Syriern einem gewissen schwachen Teil des Volkes aufgezwungen wurde, sondern daß im Gegenteil die jüdisch-- hellenistische Bewegung erst die Zustände geschaffen hat, die dazu * führten, daß Juda Makkabi mit eisernem Besen hineinfegte. Nicht Antiochus hat den Hellenismus in Judäa erfunden, sondern die jüdischen Hellenisten waren es, welche die syrische Fremdherrschaft ins Land riefen. Die hellenistische Assimilation zeigt uns mit erschreckender Deutlichkeit, was es mit einer Volksassimilation — im Gegensätze zur individuellen des Einzelnen — aus sich hat. Die Assimilation des Golus führt dazu, daß einzelne schwache Naturen den Lockungen der großen Kultur erliegen uud den Weg zu ihr nehmen, der aus dem Judentum hinausführt. Die jüdische Gemeinschaft als solche bleibt davon unberührt, und ihre Pforten bleiben weit geöffnet auch denjenigen, die sie äußerlich oder auch innerlich verlassen haben, so sie den Weg zu ihr wieder suchen. Die Assimilation des Volkes, wie sie die Hellenisten erstrebten, die das Volk als solches im geeinten nationalen Rahmen an die Seite aller anderen Völker stellt, führt zur Vernichtung des jüdischen Geistes, zur vollkommenen Verzerrung des jüdischen Gesichtes, mit anderen Worten, zum völligen Untergang. Für diese Art von nationaler Assimilation mitten im Staatsleben auf dem eigenen Heimatboden ist eben der Hellenismus in der Makkabäerzeit ein Schulbeispiel. — — — Freilich gibt es Richtungen innerhalb der nationalen Bewegung, die sich von diesem Gespenste nicht schrecken lassen. Auf dem Boden der freien geistigen Entwicklung stehend, sehen sie die nationales Werte am besten in der Kultur gewahrt, die sich das Volk, den jeweiligen Zeitumständen und seinen jeweiligen Bedürfnissen entsprechend, selbst geschaffen hat. Und hätte diese neue Kultur auch' nicht die mindesten Berührungspunkte mit der alten aufzuweisen, sie müßte dennoch als die wahre jüdische Kultur geheiligt sein. Unter diesem Gesichtspunkte ist für diese Kulturzionisten eine Assimilation in Palästina garnicht im Bereiche der Möglichkeit, sofern das Volk selbst aus seinem Leben heraus ftd$ mit den neuen Formen auch die neuen Grundlagen seines Seins — und wäre es auch in enger Anlehnung an die anderer Völker — flfc* schassen hat. So mögen vielleicht auch die Hellenisten unter Josef dem Pächter und den würdigen Sachwaltern seines Erbes gedacht haben, . wenn wir nicht reine Geldgier und Machthunger als Triebfeder ihrer Handlungen annehmen wollen. Als stichhaltig kann diese Anschauung auch denjenigen nicht erscheinen, die nicht wie wir auf dem Boden der ununterbrochenen Tradition von Moses bis zur Gegenwart stehen. Man bedenke: Es hat Zeiten in Israel gegeben, da das Volk in seinen großen Massen im Dienste des Baal und der Astarte sein religiöses Genüge fand. Gab es darum irgendwo und irgendwann jemand, der die Behauptung wagte, dieser Götzendienst sei nun die gegebene Form des nationalen Lebens des jüdischen Volkes und als solche geheiligt? Haben sich nicht vielmehr alle Denkenden und Besseren, um die Propheten geschaart, uns diesem Zustande des Verfalls stets heransgesehnt und haben nicht die Irregeleiteten selbst immer und immer wieder, sobald sie zur Vernunft erwacht sind, den fremden Kult als zeitweilige Verirrung mit Abscheu von sich geworfen? Einen schlagenderen Beweis dafür, daß Judentum, jüdische Kultur und jüdisch-nationales Leben etwas Höheres bedeuten als bloße Konventionen oder , Konzessionen an Zeit und Welt, daß nicht im 'Judentum „alles was ist, gut ist," hätte uns Unsere Geschichte wahrlich nicht liefern können! Uebrigens schlagen sich die Vertreter dieser Kulturanschauung mit der von ihnen heute in Palästina betriebenen Politik selbst so ins Gesicht, wie es kräftiger ihre schlimmsten Gegner nicht hätten tun können. Denken wir nur an den wütenden Kampf gegen die jüdische Umgangssprache. Er geht soweit, daß man sogar denjenigen, die nur Jüdisch und kein Hebräisch sprechen, das Wahlrecht entziehen will. Wir haben kein Interesse daran, eine Lanze für das Jüdische zu brechen, und' die hebräische Sprache ist uns so heilig und lieb wie keiner anderen Richtung im Judentum. Aber logischer Weise müßten sich doch die Herren sagen, daß, was auf der einen Seite recht, auf der anderen Seite billig ist. Steht nun die Sache so, daß das Volk sich selbst die Kulmes in Nord-Rhodesien. Kono wird von etwa 50 000 Negern in dem „Eisenbahngebiet" von Sierra Leone gesprochen. Donga ist der Dialekt der Junkun. eines afrikanischen Stammes, der in dem Tale des Benne-Flusses wohnt. Fula, ebenfalls eitte Sprache. Nomadenstämmcn gesprochen, die ein weiÄs Gebiet in der die Bibel erschienen ist, wird von zahlreichen am Senegal in der Nähe von Darfur bewohnen. Adamawa ist wieder ein Dialekt der Fula-Sprache. Im Dehwali verständigen sich die Bheli, ein Stamm von etwa einer Million Köpfe, der zwischen den Hügeln und Dschungeln von Rayputana und Gujarat 'wohnt. Wukingfu wird von den Hakka gesprochen, einem Volk von 15 Millionen im Süden Chinas. (Tie Entdeckung eines altjüvischen Mosaiks.) Eine türkische Granate, die während der Kämpfe in Palästina in der Nähe der englischen Schützengräben ausschlug, explodierte gerade an einer Stelle, wo seit uralter Zeit ein KunjAverk dem Auge verborgen war und legte zum Teil ein Mosaik von ungewöhnlich nn Interesse frei. Die Resultate Weser unfreiwilligen Ausgrabungsarbeit der türkischen Granate werden von dem bekannten französischen OrieutalistLn Clermont-Ganueau in einem längeren Aussatz der „Times" eingehend besprochen und in ihrer künstlerischen wie geschichtlichen Bedeutung beleuchtet. Der Ort, an dem dieser Mosaikboden entdeckt wurde, heißt Arn Duk, einige Kilometer nordwestlich Jericho, am Fuße des sogenannten Quarantana- oder Karantal- Gebirges. Die durch die Granate begonnene 8luSgrabung wurde von den englischen Soldaten fortgesetzt und das ganze große Mosaik srergelegt, das eine längere Inschrift zeigte. Eine von einem britischen Offizier aufgenommene Photographie wurde an dm Pariser Akademie gesandt, und von dieser ®0«3niORfc» Ganneau zur Beurteilung übergeben. Die Inschrift ist in eckigen hebräischen Kursivbuchstaben geschrieben und in der jüdisch-aramäischen Sprache verfaßt; sie hat eine große Aehnlichkeit mit Mosaikinschristcn, wie sie in den galiläischen Synagogen von Keser Kenna, dem Kana, der Bibel, und Sefurihe, dem griechischen Sephuris, entdeckt wurden. Trotz mancher Verstümmelungen ließ sich die Inschrift gut entziffern; sie hat folgenden Wortlaut: „Geehrt sei das Andenken Binhamrns (BenjamenS), des Parnas (Gemeindeverwalter), d)cS Sohnes Joseph (Joseph). Geehrt sei das Andenken aller derer, welche Hilfe leisten, und eines;eden, der gegeben hat oder geben wird dieser heiligen Stätte, es sei Gold oder Silber oder etwas Wertvolles. Sei nicht läpig im Spenden für diesen heiligen Platz! Amen!" Es ist also eine Aufforderung zur Wohltätigkcii. Elermont-Ganneau vertritt die Ansicht, daß man das Datum der Inschrift so spät wie nur Möglich ansetzen muß, den»! es ist durchaus unwahrschein-- lich,, daß die Synagogen zu Beginn der christlichen ZeiL^ bereits -Mosaikfußböden hatten; vielmehr bestanden alle Fußböden, soweit bisher bekannt ist, aus dicken Steinftießen. An der Stelle, an der das Mosaik entdeckt wurde, lag der Ort, der bei FladiuS JoüphuS Noara heißt. Bon hier leitete der Tetrarch ArchelauS, der Sohn des Herodes, das Wasser nacb Jericho, um die Palmeuhaine zu speien. CS ist das Ncsiaran des Talmud. (Die Sendung SemarlS auf der Reuen Wiener^ Bühne.) Arnold Zweigs, unter dem Namen „Ni tu a lmo rd in Ungarn" bekannte? Drama ist am 18. Oktober in Wien über die Bretter gegangen, nachdem das Stück zunächst, obgleich ihm der Dichter den neuen Titel „Die Sendung Semaels" gegeben hatte, von der Polizei verboten worden war. Das Drama, in dem zwei Handlungen, sine irdische auf dieser trüben Erde und eine himmlische, in hem die Gottheit und der Satan, die Erzväter und der Baalubem auftreten, nebeneinander herlaufeu, übte be: ausgezeichneter Darstellung eine starke Wirkung aus. Allerdings hatte die Regie, offenbar aus Unkenntnis jüdischer Art, an vielen Stellen versagt. (Vom Leben der Juden in Japan) „The Chicago Jsraelite" vom 21., Mai 1919 veröffentlicht einen Bericht über das jüdische Leben in Japan, in dem bereits alle Schattierungen vrtreten sind. Die meisten Juden kamen mährend des Krieges auf ihrer Flucht aus den russischen Wohnorten nach Japan und haben sich hauptsächlich in Zjokohama niedergelassen. In der dort neu entstandenen Gemeinde wird im Augenblick heftig über die Fragen des Nationalismus und Sozialismus debattiert. Yokohama besitzt auch eine Synagoge. Eine ältere jüdische Gemeinde befindet sich in Nagasaki, die aus polnischen und litauischen Juden besteht, die während des russischjapanischen Krieges in Gefangenschaft gerieten. Viele vcn ihnen hüben sich ihre Familien Nachkommen lassen, einige haben auch j ipanischeFrauen geheiratet,(7) die sich bemühen, möglichst getreu daS Gesetz zu befolgen. Die Japaner behandeln die Juden mit Achtung. Es gibt auch Juden, die nur japanisch sprechen und sich wie echte Japaner gebärden. Die jüdische Gemeinde in Nagasaki zählt 150 Familiensie besitzt einen jüdischen Friedhof, auf dem auch viele im russisch-japanischen Krieg Gefallene ruhen. AlS hauptsächlichstes Gewerbe üben die japanischen Juden das Schneider- und Gchuhgmcherhandwerk aus, und da sie die einzigen sind, die europäische Kleidung anfertigen, erfreuen sie sich großer Sympathienihre Geschäfte gehen infolgedessen glänzend. Außer Yokohama und Nagasaki gibt es noch andere kleinere jüdische Gemeinde« in Japan.