Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 60 (1919)
- Issue
- Heft 1 (9.1.1919)
- Date
- 1919-01-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Der HSraettr. ». Aannür M S ginnt eine größere Arbeit über den Anteil der jüdischen Wissenschaft an der Palästina-Kunde, Dr. A. Slftoni schreibt über die Beziehungen der Juden Aegyptens zum palästinensischen Zentrum, M. D. Groß über den Namen „Erez Jtsroel", Lunez selbst über Betar. Sehr interessant ist ein Aufsatz Mich lins über Tempelberg und rpfitt vre- Zu nennen wäre ferner I. S. Horwitz' Untersuchung über die Lage von „Aram Naharajim" „Padan Aram", Haran re. (siehe die Erörterungen des Namban zum Ende von N2 "S.) sowie neben kleineren Aufsätzen Rivlins objektive und klare Jahresrundschau. Hoffentlich wird das „Jahrbuch" berufene Fortsetz :r finden. Der Krieg, der Menschen und Völker vuseinanderführte, auf der anderen Seite sie aber auch nahe aneinanderbringt, hat von Anfang an einen zünftigen Beobachter von fremdem Land und fremdem Leben, Sven Hedin, auf den Plan gerufen. Er hat uns bereits manch' gutes Buch über Ost und West und Palästina gegeben. Diesen reiht sich würdig sein großes Werk über Jerusalem an. *) In seiner eigenen beschaulichen fließenden Art beschreibt Hedin nach Auslassungen über Englands Kriegszlel im Orient, das Land des hohen Liedes, allerlei Sehenswürdigkeit in Damaskus, Jerusalem und anderwärts auf historisch heiligem Boden. Schön sind dir Schilderungen der Wüstenfahrt und einer Mekkakarawane. " Bringt auch das Buch dem Leser, der Palästina aus eigener Anschauung oder einschlägiger Literatur kennt, uicht viel Neues, so bietet es ihm doch eine angenehme Lektüre über Bekanntes und Liebvertrautes. Das Buch eignet sich infolge seiner schönen Ausstattung auch zu Geschenkzwecken. In das ältere Palästina, seine Geschichte und Kultur, soweit sie sich uns durch die neuesten Ausgrabungen und Forschungen eröffnen, fführt uns A. Sch echt er zurück?) Von den ältesten Forschungen ausgehend, leitet SÄechter auf die neue Aera der systematischen Erforschung über, alles streifend und berücksichtigend, was die Wissenschaft in den letzten Jahren auf diesem Gebiete an's Licht gefördert hat. Der Verfasser ging bet der soviel ernste tiefe Studien beanspruchenden Abfassung seines Werkes von dem ganz richtigen Gedanken aus, daß trotzdem die heiligen Schriften der Bibel bei allen einschlägigen Untersuchungen die Hauptquelle sind und vteiben für Israels Geschichte und Religion, es dennoch sehr wichtig ist hervorzuheben, daß auch die Ausgrabungen uns hier wertvolle Hilfsdienste leisten. Unge meinwichtig, möchten wir noch unterstreichen, besonders für die gebildete und studierende Jugend, die sich an einer Wissenschaft vollsaugt, die nicht aus Tradition und alter Urkunde, sondern aus Kritikluft und willkürlicher Hypothese oft nur gewonnen ist. Auch der Kenntnis des heiligen Landes und seiner Geschichte wollte der Verfasser dienen und wer die 1Y3 Seiten starke Schrift gelesen, wird anerkennen, daß sie mit wissenschaftlichem Ernste nach diesen beiden Seiten hin ihrer Ausgabe vollauf gerecht wird. Zn den Männern, vor deren Lehren unsere Jugend wehrhaft zu machen, Pflicht und Aufgabe jüdischer Gelehrter und Forscher ist, gehört bekanntlich auch Rudolf Kittel. Seine bibetkritischen Spekulationen fanden leider als beliebter Importartikel sogar den Weg in die nationalen Schulen des heiligen Landes. Seia letztes Werkchen über die biblischen Kriege^) mutet in dieser Beziehung ziemlich harmlos an. Es stellt die Niederschrift eines Vortrages mit Lichtbildern (auch die Bilder sind in guter Zeichnung wtedergegeben) dar, den der Leipziger belehrte in Dresden und Leipzig gehalten hat, *} poti @ce« Hedin. Verlag A. A- «rarkLssr, 342 Serien mit a) „UsMirra^, f«ine Gefchichrs »ab Kairar yan s. Hchechter. Mit «irrer KartrüMzs. Laut» Lamm, Berlin. Preis 4 Mt. «} „Kriege in biblischen Landen" v»n Rudolf Kittet. Verlag L A. PertheS, A..G. Eotha. zu einer Zeit, da der Sinn und doS Interesse für Krieg und Strategie — auch der alten — noch sehr wach waren. Kittel erzählt, in der Hauptsache auf Grund der biblischen Berichte, von den Kämpfen in Kanaan, vom Festungsbau und Festungskampf der Alten, von Gefangenenbehanölung und Ansätzen des Völkerrechtes. Durch eine besondere Liebe zum Judentum wie wir es verstehen, zeichnet sich, wie nicht anders zu erwarten, auch diese Schrrft nicht ans, am wenigsten da, wo Kittet in seiner Art, Jesajas und andere Propheten in höchsten Tönen feiert. Es seien dies Geistesheroen, die nicht aus dem Judentum, sondern trotz desselben hervorgegangen sind, um dieses nach der Seite der Menschlichkeit zu reformieren. Für jüdische Leser bedarf diese schiefe und irreführende Darstellung keiner langen sachlichen Widerlegung und Richtigstellung. Svmfponvenzen und Aachrichten. DeMsÄzes Reirtz» Internationale Konferenz 9er fhorafreuen Organisationen. (Telegr.) Zürich, 3. Jan. Das Schweizerische Zentralbüro der „Agudas Jisroel" beruft soeben die aus tradtttonell-gesetzestreuem Boden stehenden jüdischen Organisationen aller Länder auf den 18. Februar nach Zürich zu einer Konferenz ein, in der alle gegenwärtig im Brennpunkt des Interesses stehenden Fragen besprochen werden sollen. Insbesondere werden die jüdischen Forderungen zum Friedenskongreß und die praktische Palästina-Arbeit Gegenstand der Beratungen bilden. Die genauere Tagesordnung wird noch bekannt gegeben. *f~v- Die öenfrumsparfei unö 9ie 3u9en- Acrkirr, 3. Januar. In Ergänzung unserer Mitteilung in der jüngsten Nummer über die an einem Beratungsabende erörterte Stellungnahme der deutschen politischen Parteien zur Judenfrage, sei aus der Äußerung des Zentrumsvertreters, Geheimrat Dr. Jtschert, noch folgendes nachgetragen: „Die Zentrumspartei lehnt grundsätzlich und programmäßig den Antisemitismus ab. Sie hat dieser Anschauung wiederholt im Parlament Ausdruck gegeben und bei den gegebenen Anlassen, wie bei dem geplanten Schächtverbot, auch praktisch betätigt. Das Zentrum lehnt es ab, eins kLns?sß0n?lle Partei zu sein und nimmt jeden Bürger ohne Unterschied der Nasse oder Religion auf, der sich zu seinem wirtschaftlichen Programm bekennt. Wenn sich ein Jude zu den ethischen Grundsätzen der Zentrumspartei bekennt, so steht ihm eine führende Stelle in der Partei ebenso gut offen wie einem Katholiken oder Protestanten. Das Zentrum hatte immer viel mit den Juden gemein; denn war eine Minderheit, die wegen ihrer Überzeugung angegriffen wurde. Wir fordern für den neuen Staat positive religiöse Grundsätze und sind deshalb g?gen die Trennung von Staat und Kirche. Wir glauben, daß auch das Judentum diese ethischen Forderungen sufstellen muß nnd sind deshalb überzeugt, haß wir uns über die wirtschaftlichen Fragen dann reicht verständigen können-^? Die Lage in Polen- Wofett, i. Die in den Berliner Zeitungen gebrachten Nachrichten über Judenverfolgungen in Posen sind stark übertrieben und großenteils unrichtig. Insbesondere ist die in das Berliner Tageblatt übernommene Nachricht unrichtig, daß in Posen ein Judenpogrom stattgefunden hat, bei dem es zahlreiche Tote gegeben habe. Richtig ist, daß bet den Haussuchungen nach Waffen durch nicht legitimierte Soldatentrupps Mißgriffe und auch Angriffe auf Personen und Sachen vorgekommen sind,, usw. gegenüber der gesamten nichtpolnischen Bevölkerung. Es ist insbesondere unrichtig, daß während des Gottesdienstes ein Trommelfeuer auf die Synagoge erfolgt ist. Richtig ist nur, daß Soldaten in der Meinung, es sei von der Synagoge aus ein Schuß gefallen, mit einem Maschinengewehr auf die Synagoge geschossen haben. Der Vorfall spielte sich nicht während des Gottesdienstes ab, von der jüdischen Bevölkerung ist hierbei niemand verletzt worden. Den Uebergriffen bei den Haussuchungen ist leider ein Glaubensgenosse, Herr Dr. Georg Mathias, znm Opfer gefallen. Ein paar bewaffnete polnische Soldaten waren unter dem Borwand, daß aus seinem Hause geschaffen worden sei, in§ seine Wohnung gedrungen, um nach Waffen zu suchen. Einer der Soldaten hat hierbei Wertgegenstände geraubt. Herr Mathias, der eben aus der Synagoge gekommen war, wandte sich an die vor seinem Hause stehenden Posten und beschwerte sich in begreiflicher Erregung über den Raub. Hierbei wurde er von einem der Soldaten einfach niedergeknallt. Er war aus der Stelle tot. Die Beerdigung fand unter außerordentlich starker Beteiligung statt. Polnische Behörden waren nicht vertreten.. Es sei noch daraus hingewiesen, daß die Stimmung eines großen Teiles der Polen uns gegenüber durchaus feindselig ist. Diese feindselige Stimmung tritt oft in recht unangenehmer Weise zu Tage. Insbesondere wird von den Polen das Gerücht verbreitet, daß Juden aus polnische Soldaten geschaffen haben, was auch nicht in einem einzigen Falle etnwandsfrei festgeftellt worden ist. Wir hoffen aber bestimmt, daß es dem Einstuß der maßgebenden polnischen Persönlichkeiten, die uns wiederholt ihre loyale Gesinnung versichert haben, gelingen wird, auf ihre Landsleute in friedlichem Sinne einzuwirken. Insbesondere erwarten wir, daß die polnischen Führer den vielen unbegründeten Gerüchten, die unter den polnischen Massen in Umlauf sind, energisch entgegentreten werden. Gesteweirh. €re? 3isroel*Flrbeif 9er wiener Orfho9oxie. Wie«, 81. Dez» In einer.großen Versammlung wurde nach Ansprachen und Referaten der Herren Rabbiner Fürst, Dr. med. Reiniger, Wolf Pappender m, Dr. M. W. Rappsport-Zürich, Dr. Ralhan Birnbaum u. s. m. Me Llgliedrige Jschuw - Ere; -- Jisroel - Kommission der Wiener Orthodoxie gewählt, die mit gleichgesinnten Organisationen zur Förderung der Besiedlung Palästinas mit gesetzestreuen Juden in Verbindung treten soll. 3ü9iftfies öenfralhilfshomifee. Men, 21. Dez. Rach den furchtbaren Leiden des jahrelangen Frontdienstes kommen jüdische Soldaten erschöpft, verhungert, in ihrer Gesundheit erschüttert, aus der Front zurück, ohne Kleidung, ohne Schuhe und Wäsche, ohne Nahrung, oft selbst ohne Mittel, die Heimreise svktzns?tz?a, sller Not und ollem Elend hilflos arrsgesetzk. Luter Ut |&- bischen Bevölkerung Wiens haben die lange« Äriegsjahrr vernichtend gewütet. Hunderte von KrmtltenuLLern, die früher ihr Auskommen fan-