Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 60 (1919)
- Issue
- Heft 1 (9.1.1919)
- Date
- 1919-01-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Ux, l 8 S Janur LM . n mummwtmmihkmww^wm»-« —' f) Mitarbeit am PalLfttnabüro der Agudas Iiöwel und dein Berlng „Arzenu" in Zürich. -5. Betonung der prinzipiellen Verschiedenheit Zwischen dem religiösen Nationalismus der Agudas Iisroel und jedem anderen Nationalismus. 6. Hinbebungsbolle Mitarbeit an, allen Aufgaben der Mischen Gesamtheit soll anerzogen und dadurch der Arewus-Gedante vertieft werden. 7, Der Gegensatz, der im Geiste der Lauro gesrslcgten und jeder anderen Wissenschaft sali mit aller Deutlichkeit erkennbar gemacht drcrdcn. Dieser Eiitiiiürs NrürSc rriit grsHer c}Jlc^n ß?ii in mmznttitfm Wfämmm a»%? r tt ö m nt t n. Das große messianische Progranlur Breuer soll, nach einem weiteren Beschlüsse, der einstimmige Annahme fand, sämtlichen Gruppen zur Erörterung und geistigen Durcharbeitung überwiesen und alsdann durch eine vom G. A. zu berufende Kommission hinsichtlich seiner praktischen Eignung in den Einzelheiten durchberaten werden. Ausführlicher Bericht über die Jugendtagungl folgt. Aeugestaltung des Gememdewefens. N erlitt, 12. Dezember. Der „Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums" veranstaltete am 9. Dezember eine öffentliche Versammlung mit der Tagesordnung: „Was wird aus der Berliner Jüdischen Gemeinde bet Trennung von Staat und Kirche?" Den Vorsitz führte Herr Rechtsanwalt Dr. Jsi Kahn. Das Referat selbst erstattete Herr Moritz A. Loeb, der zunächst in eingehender historischer Darstellung die unheilvollen Wirkungen des Judengesetzes von 1847, die Kämpfe um die Gewissensfreiheit bis zum Austrtttsgesetz von 1876 und alsdann die neuen inneren Gegensätze und Streitigkeiten im preußischen Judentum, die sich an die Bestrebungen auf Schaffung einer Zwangsorgantsation knüpfen, schilderte. Dann führte der Referent etwa folgendes aus: Dieser historische Rückblick gibt uns die Antwort auf die Frage, welche Einrichtungen wir zu treffen haben, wenn jetzt durch die kommende Trennung von Staat und Kirche, das Zwangsgesetz von 1847 in Wegfall kommen wird. Der Streit innerhalb der deutschen Judenheit resultiert aus der Verschiedenheit der Anschauungen in Bezug auf Kultus und Ritus. Jeder Zwang, der hier von einer Seite auf die andere auszuüben versucht wurde, hat, wenn nicht andere Umstände es verhinderten, zur Sprengung der inneren Einheit der Gemeinden beigetragen. Wollen wir also ein neues uns besseres an die Stelle des wegfallenden Gesetzes von 1847 setzen, jo muß eine Einrichtung geschaffen werden, die die Einheit der Gemeinde nach außen wahrt, ohne die alten Streitobjekte Kräften sieht, danach zu streben, daß neben den vielen Wohllättgkeitstnstitutionen unseres Judentums nun. mehr als wichtigste Aufgabe die geeignete Unter» brtngung jüdischer Nervenkranker ermöglicht wird. Wie viel stilles ungeahntes Leid würde dadurch gemildert werden können. . . .!" Von Ort zu Ort. (Bsoüachtungcn eines Hausierers.) Sehr geehrter RedM?«r! Wis ich höre, har der letzte Brief Anklang nvfnnh?» und ztzig; sich bald, daß die Leser merken, daß nur gute Absichten meinem „Verzählen" zugrunde liegen. So kam ich kürzlich auch wieder mal in eine Stabt-Krhiüoh. Sind die Landkillaus infolge des Krieges znskrmmengeschmolzen, so kann ich das von der Otadr.K^hiüyß »rchr sage». Zwar; „Zch sah auch da viele, die nicht da sin Schm) war?»" (hach war zwar schon eine Friedens-Erscheinungl), aber auch umgekehrt! — ES waren jetzt auch viele da, die sonst nicht da waren. Ja, ja, waS der Krieg nicht Alles mit sich, auch itt der Städt-Kchrüoh brachte! Sogar die Eröffnung einer rituell geführten Volksküche ~ alle Hochachtung I Was da nicht alles zu treffen ist: Zivilisten und Soldaten, Männlein und Weiblein, junge und alte» Bedürftige und (was mich besonders freut), „Bekowsde", Heimische und Fremde, solche, die die „goldene" Freiheit ausnutzten, und wieder solche, die stch nicht aufzuheben wtffen, für die dann diese Stadtkehilloh — trotz der Volksküche — beinahe ein „Bes f oassu im" ist: was mir da aufsiel, ist, daß in dieser ehlüoh die Ausübung der Gastfreundschaft, — eine Erbschaft von Awrohom owinu — anscheinend so ganz durch den Krieg in» Hintertreffen kam. Man sollte Der Israelit. wieder einzuführen. Eine solche Fassung ist möglich, wenn wir die Gemeinde der Zukunft beschränken aus die Pflege sozialer, wirtschaftlicher Aufgaben. Die f ürforge für Kultus und RituS wäre vollständig den ultusverbänden oder Synagogcnverbändett zu Überlassen, die sich innerhalb der Gemeinden zu bilden hätten. Jedem Bemeindemttglied muß es natürlich vollständig frei stehen, zu welchem dieser Verbände er stch bekennen will. Wie bisse Orgunisakts» gebucht ist, Skgjb! stch i» gr?tz?» Z8g?» U»4 folgenden Zeirsatzen. üsltfntzs^ i. Dir mmmz mms mmU SS? Fsss», bis stch m ch? bekenn?» snb im Welch, bilde Groß-Berlins ihren Wohnsitz haben. Die Aufgaben der Gemeinde find lediglich sozialwirtschaftlicher Natur. Es fallen darunter: Steuerwesen, Armenwesen, Krankenhäuser, Fried» Höfe, Stiftungen, Gemetndeschuien(? Red.) usw. 2. Die Regelung aller kultuellen und rituellen Angelegenheiten erfolgt durch Kultusverbände (Synagogenverbände). Ihre Kompetenz erstreckt sich auf die Re» gelung des Kultus und Ritus, Einrichtung und Beaufsichtigung der Religionsschule, Anstellung der Rabbiner usw. 3. Jedem Gemeindemitglied steht die Wahl des Kultusverbandes, dem er beirreten will, frei. 4. Zur Deckung der Ausgaben der Kultusverbände stellt die Gemeinde alljährlich eine Quote der von den Mitgliedern des betr. Kultusverbandes bet ihr eingehenden Steuerbeträge zur Verfügung, Die Verwendung erfolgt unter Kontrolle der Gemeindeverwaltung. 5. Zur Leitung und zum Ausbau des Gemündeschulrvesens (Volksschule»') wird ein eigener Ausschaß gebildet, an dem die Gemeindeverwaltung, die Kulrusverbäude und ein zn bildender Elternrat zu ein- Drittel beteiligt sind. Die Verwirklichung dieser Leitsätze dürfte für die Großgemeinden keine Schwierigkeiten bieten, denn in ihnen hat jede Richtung genügend Anhänger, um lebens» fähige Gebilde für jeden Ritus schassen zu können. Die Lösung der Frage wäre aber unvollkommen, wenn stch dies Prinzip nicht auch auf die kleinen und kleinsten Gemeinden übertragen ließe. Auch dies ist möglich. Es muß nur an die Stelle der Etnzelgemeinden die Provinzialgemeinde treten. Hier bietet die Praxis Vorbilder, die stch seit langen Jahren bewährt haben. Es sind dies die Provinzialrabbinate, wie sie in dem bisherigen Großherzogtum Hessen, in den Provinzen Starkenburg und Oberheffen bestehen. In Gießen bezw. in Darmstadt besteht;e ein Provinzialrabbinat der überlieferten und neologen Richtung. Die Gemeinden schließen sich je einem dieser Rabbtnate nach ihrer freien Wahl an. Diese Einrichtung funktioniert zur völligen Zufriedenheit aller Beteiligten. Denken wir uns die Leitsätze innerhalb der Grvtzgemetude Berlins verwirklicht, so dürfte damit für die Zukunft jeder Streit und Hader zwischen den Parteien entfüllett. Innerhalb der Gemeinde gemeinsames, brüderliches (Wirken für die Erfüllung der sozialen Aufgaben, inaerüalb der einzelnen Kultusverbände betätige sich jede Richtung nach besten Kräften. Dafür, daß in der gemeinsamen Gemeindeverwaltung alle Richtungen nach ihrer Stärke vertreten sind, bürgt das Berhältniswahlrccht, dessen sofortige Einführung das erste Erfordernis für eine friedliche Umgestaltung ist. In den schweren Zeiten, denen Deutschland eutgegengehi; ist es für die deutschen Juden umso dringender doch auch da nicht vergessen, daß nur das „Lew", die Familie, die Gelegenheit, auch auswärts am „Familienleben", wenn auch nur stundenweise, teilnehmen zu können, denen draußen (In dpr Fremde leben, heißt immer „draußen") und besonders dem jungen Manne einen moralischen und religiösen Rückhalt gibt. Wenn aber die Gastfreundschaft schon jetzt bei den „Alten" nachläßt, wie wird es erst später Sei den Kindern damit aussehen? Da kann es dann wirklich passieren, „daß einett der Jizchock am Freitag Abend in Schul einladet zum Essen, aber nicht zu stch, sondern zum Schmu! 1" Nun, Sf? Krieg ist js bsld ganz aus -- hassen wir, daß bis ich wieder mal in die Ketziüsh komme, auch da weder eia «»derer Nlgan herrscht — wvdei «oyr gegen den Nrgaa des Chasse» -= chas vefcholsum — beileibe nld)t& gesagt fein soll. Ihr Ploni. SaSdai-Mfans und Ausgang. ** rat» ORTl Anfang I Datum Ausgang Uhr Mi». 1 10. s. Frankfurt a. M 4 20 Sen. Sch,»at 5 35 Berli« .... 4 ' 18 S 03 München . . . 4; 36 5 36 Gtraftbnrg . . — j — — — Stuttgart. . . „ j _ - Pos« .... _ j _ — — «ürnh-r«. . . 4 30 S *24 &«»£«?« . . — i — — — geboten, alle inneren Kämpfe zu vermeiden, wenn sie auch unter den veränderten Verhältnissen ihre Ge» meinden zu gedeihlicher Entwicklung führen wollen. In der Debatte sprachen die Herren Rabbiner Dr. Fink, Rechtsanwalt Dr. Lob der aus das Beispiel der Großgemetnde Hamburg hinwtes, in der Einrichtungen bestehen, wie sie die Leitsätze fordern und dte dadurch im Gegensätze zur GrößZesrernde Berlin eine friedliche Ent. wickinnZ ftetZ gmsmmm hat, fswis^Hskr Rsßö, z rrrr§ aüHixt- Fslgende Resolution wurde ungensrnMen: „Die heutige von dem Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums etnberufene zahlreich besuchte Versammlung von Gemeindemitgliedern ist der Ueberzeugvng, daß unter den veränderten Verhältnissen eine sofortige Neuwahl der gesamten R epräsen tantenver sa mmlungund zwar nach d e r V erhältnis w ahl zu erfolgen hat. Sie beauftragt den Vorsitzenden, in diesem Sinne bei den» Gemeindevorstand wie bet der Repräsentantenversammlung vorstellig zu werden." Palästina-Literatur. Verleger und Uebersetzer haben, als sie im ersten Kriegsjahre Disraelts Palästina-Roman „Tariered"Z in einer neuen schönen Ausgabe auf den Büchermarkt brachten, gewiß nicht vorausgesehen, welch ganz besondere Aktualität die alte literarische Perle nach wenig Jahren erlang m würde. Heute wird man daS romantische Bekenntnis des größten jüdisch-englischen Staatsmanns, der nicht nur Politiker war, sondern ein starker Denker und Dichter, mit dem Gefühle zur Hand nehmen, daß dichterische Träume und politisch-geschichtliches Wirken im Großen näher bet einander wohnen als man gemeinhin annimmt, und man glaubt die geistigen Fäden zu ahnen, die von Disraelt zu Balfour führen. Aus dem heiligen Land, der Geburtsstätte der religiösen Menschheits-Offenbarung der Ver- . gangenheit, muß der verrotteten westeuropäischen Kulturwelt aufs neue Heilung und, Wiederbelebung werden — das ist die Losung, mit der Dtsraelis Held, Tancred, der Sohn der vornehmsten Londoner Aristokratie seine Pilgerfahrt nach „Arabien" antritt. In buntem Erleben, dessen Mittelpunkt die erlösende Bekanntschaft mit der geistig hochstehenden jüdischen Bankierstochter in Jerusalem bildet, enthüllt sich dem Suchenden die geheimnisvolle Welt des Orients. Und auch seinem religiösen Sehnen wird Erfüllung. Am Sinai empfängt er eine Vision voll ewiger Wahrheit: „denn die Macht ist weder das Schwert, noch das Schild, die wie Wind vergehen, nein, die Macht sind die Gedanken, denn diese sind göttlich." --„Die Gleichheit der Menschen kann nur unter der Führung und Herrschaft Gottes durchgeführt werden. Die Sehnsucht nach Brüderlichkeit wird niemals ihre Befriedigung finden, außer unter Leitung eines gemeinschaftlichen Vaters. Das Band zwischen Gott und Menschen ist zerrissen, darum ist alles moderne Elend und Unbehagen entstanden. dqxpm aus, in einer eitten Philnsophie die Lösung Ser sozialen Probleme zu suchen, di? dich zu veruirren drohen. Verkünde die tröste volle und erhabene Lehr? der Gleichheit unter Gottes Führung. Fürchte nicht, wanke nicht, verzage picht! Gehorche dem Antriebe deines eigenen Geistes rrnö Sn wirst in \tbm. menschlichen Wesen eine Widerhall erwecken," Einen Nachhall von Tancrebs neuer Sinai- Offenbarung möchte man dem englischen Palästiua wünschen! Als letzten Gruß hat uns der unermüdliche Gelehrte A. M. L u n c z in Jerusalem kurz vor seinem Ableben, den 11. und 12. Band seine- Palästina-Jahrbuchs gereicht, der wie gewohnt, eine große Zahl wertvoller wiffenschaftlicher Arbeiten enthält. Der Herausgeber be- ') Tanered, oder der neue Kreuzzug. Bon Lord BeaeonSfield (Bemjamin Disravli) 1914. München. Seorg M All er.