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Der Israelit · 1919-01-09 · Heft 1 (9.1.1919) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
60 (1919)
Issue
Heft 1 (9.1.1919)
Date
1919-01-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sex *5Mho*n: %f<* a m. 1 i 9 Januar 9 «mißen guten MktsMSee in solcher Leit chaotischen «Ordens. Allein unnütze öffentliche Demonstrationen ansgerechnet heute veranstalten, Demonstrationen, die im Augenblick schwerster Sorge und tiefster Erregung der gesamten deutschen BedMcruug um die eigene StaatseMenz eine Kwecklöse Schaustellung südisch-pölitifcher Ztrxhnngcn - zum Gegkustsud' staben/ bäS scheiuk ms eine uu8e?sntKF?rliche Kesshrdung j&a discher Gesamtin teressen zu sein, die wir ablehnen. Gerade in Amerika, dessen jüdische Verhältnisse zu einer starken Vorherrschaft des Zionismus geführt haben, ist man ängstlich bemüht, bei aller zionistischen Außenpolitik doch das amerikanischeNationalgefühlder Juden des Landes kräftig zu betonen. Dieselben Juden, die an führender Stelle für die nationale Heimstätte in Palästina und die Autonomie im Osten eintreten, bekennen sich mit bewußter Entschiedenheit als V o l l -- A m e r i - kan er und lohnen sogar jedes Bindestrich-Volkstum ab; sind sie ja gegenwärtig in der glücklichen Lage, ihre jüdisch-nationalen Forderungen als Bestandteil der amerikanischen Politik vertreten zu können. Bei uns in Deutschland aber erleben lutr das wenig erbauliche Schauspiel, just beim Beginn der Kongreß-Agitation das führende zionistische Blatt in so radikaler Weise das altüberlieferte T]?n D'SiP ns ItZTH negieren zu sehen (Jüd. Rundschau vom 24. Dezember), daß schon darum allein alle toratreuen Kreise die Gerneinschaft mit diesem — gewiß auch von vernünftigen Zionisten verurteilten — egoistischerr Hypernationalismus ablehnen müssen. Wir wisserl im Augenblick nicht, welche Stellung die berufenen Instanzen der deutschen Orthodoxie zur Kongreßfrage einnehmen. Sie vor öffentlicher Festlegung des Kongresses um ihre Meinung zu befragen, hat die zionistische Partei nicht für nötig erachtet. Sie wird den Kongreß notfalls auch ohue Orthodoxe und Liberale abhalten und baut gewiß daraus, daß vor dem von ihr verhängten Bannstrahl der „Ausschließung aus der jüdischen Gesamtheit" manche warm fühlende Juden in alle n Lagern Furcht empfinden und sich aus Furcht vor dem zionistischen Terror der Kongreß-Demonstration anschließen werden. Mag diese Rechnung richtig oder falsch sein, die Orthodoxie als solche wird sich solchem Terrorismus nimmermehr fügen dürfen, sondern bei treuester Festhaltung ihres Bekenntnisses zur Einheit des Gottes Volkes ans Erden ihre Politik nach den bewährten Grundsätzen der Vernunft, der religiSsen ®ttue und der von den 'Mktzsr'rr Äbsrkommenen demonstvationslosen national«: Würde orientieren müssen. Tagungen der Agudas Zisrorl S.' Januar, Mm Dienstag und Mjftwoch dieser Woche lest die (Befämilcitüng bei S§8staK f?t§£ rsel M einer gründlichen Beratung de? Loge und der aktuellen Aufgaben der Organisation zusammen. Trotz der schwierigen Verkehrsverhültnisse waren mehr als zwanzig Herren anwesend. Nach Entgegennahme des durch den Vorsitzenden erstatteten Berichtes wurde der F i - n a n z a b s ch l u ß für das abgelaufene Jahre und der Voranschlag für das kommende genehmigt. In organisatorischer Hinsicht wurde beschlossen, die zentrale Leitung der „Agudas Jisroel" nunmehr auch offiziell bis zur Keneffto Gedaulo, die so rasch als möglich zusammentreteu soll, nach Zürich zu verlegen. Der Vorstand der „Schweizerisch e n Lande s o r g a n i s a t i o n ", der als Zentralko mite die Geschäfte selbständig führt, soll nach Bedarf durch Sachverständige für Einzelfragen ergänzt werden. Die wichtigsten Aufgaben des Zentralkomi tees sind die sofortige Einberufung einerinternationalen Ko nfe renz der to rate e u e n O r g a n i s a t i o n e n, die letzten V o rarbeiten für die Friedenskonferenz, die Vorbereitung der Kenessio gedaulo und die Organisation der praktischen E r e z I i s r o e l - A r b e i t in allen Ländern. Die eingehende Aussprache über die P r ogrammfragen und die Forderungen des jüdischen Volkes an die Mächte ergab nach manchem Meinungsstreit die einmütige Annahme der vom Vorsitzenden vorgelegten, in Nr. 49 des „Israelit" veröffentlichten Leitsätze für die Tagespolitik mit der Maßgabe jedoch, daß die religiöse Eigenart des jüdischen Volkstum-Begriffs gegenüber dem rein politischen Nationalismus noch entschiedener als dies in den einleitenden Sätzen geschehen, zum Ausdruck gebracht werden soll. Hiermit wurde eine Redaktionskommission betraut. Eingehende Beratungen waren den inneren Erez Iisroel-Fragen und der praktischen Erez Jisroel-Arbeit gewidmet, an der die toratreue Judenheit unter allen Umständen tatkräftig teilzunehmen gewillt ist. Die Agudas Jisroel-Leitung hatte sämtliche am Dienstag bereits anwesenden Jugend- Kleines Feuilleton. Sie Rervenkranke. Don Heer». Secköckeh. ladbar nachmittag ist es — draußen naßkaltes Winrsrrverrer, Der Sturm heult ums Haus üsrum, als yy er uns den stü mischen Wellenschlag der Zeit recht eindringlich vorsülften möchte. Doppelt wohktuenb berührt da Sie SaSbatrnhe. In Gedanken versanken sitze ich im Zimmer und überhöre beinahe ein Klopfen an der Türe. Zwei Damen treten ein, -- die eine mittelgroße gesetzten Alters mir ernstem, abgehärmtem Gesichisausdruck. Die andere schlank gebaut, eine jugendlich schöne Erscheinung, doch der Blick ist lieftraurig und wirkt wie ein Schatten auf dem sonnigen Antlitz. Beide sind einfach dunkel gekleidet, jeglicher Schmuck fehlt. Ich bat die Damen Platz z» nehmen. „Meine Schwester und ich kommen zu Ihnen", begann dann die Aeltere, „weil uns bekannt ist, daß Sie sich für die Unterbringung jüdischer Nervenkranker interessieren." — Meinen erstaunten Blick auffangend, suh^ sie fort, „Sie wundern sich gewiß, was wir damit zu run haben. Leider fügte es das Schicksal, daß meine Schwester von einer Nervenerkrankung brtroffen wurde. Wie Sie dieselbe hier vor sich sehen, werden Sie gewiß nicht glauben, wieviel Schmerz und Kummer sie ln den letzten Jahren erdulden muffte." Lebhaft interessiert sah ich die junge Frau an. „Ist eS möglich", fragte ich mich, „daß diese gesund aussehende Frau so Schweres bereits durchgemacht hat?" Und die Antwort hierauf ward mir. Mit einer melodischen, sanften Stimme erzählte die junge Frau ihre Leidensgeschichte: „Ich war ein glückliches Menschenkind", begann sie-, „vom Elternhaus her in echt jüdischem Sinne erzogen, hielt ich es nach meiner Verheiratung für meine höchste Aufgabe, all das Edle und Schöne, das ich im Elternhause in mich aufnahm, in meine eigene Häuslichkeit zu verpflanzen. So lebten mir — wem Gatte und ich — zufrieden dahin, bis der Krieg ausbrach. Mein Mgnn mußte hinaus/ und ich blieb in einem hilfsbedürftigen Zuständ zurück. Im Anfang ging alles gut, wir schrieben uns täglich, und diessr stete Gedankenaustausch brachte uns di? Trennung nicht so sehr zum Bewußtsein. Doch nicht äll zu lange währte diese bescheiden? Freude; eines Tages brachte der Postbote den Brief zurück mit dem Vermerk:?«Bermißt!" Ich warf kaum einen Blick äUs dies Unglück* bringende Wort, dü fiel ich bewußtlos hin. — Kurz danach kam unser kleiner Joseph zur Welt, Mein durch die Ereignisse schon vorher geschwächter Körper brach nun vollends zusammen. In heftigem Fieber, delirium kam die unstillbare Sehnsucht nach meinem Gatten zum Ausdruck; ich verfiel schließlich einer Ge. rnütserkrankung und mußte in eine Irrenanstalt verbracht werden. Es ergreift mich Entsetzen, wenn ich heute dieses Wort aussprechen mutz. Mein Geist war wohl über das auf mich Hereingestürmte in Verwirrung geraten, aber doch gab es Stunden, entsetzliche Stunden, in denen mir bewußt wurde, wo ich mich befand. Da kam der seelische Schmerz hinzu, wenn ich empfinden muffte, daß ich mich in einem nichftüdischen Hause befand. Vor Scham wollte ich vergehen, als mir der Scheitel vom Kopfe entfernt wurde und der Wahnsinn packte mich beinahe, wenn ich hungernd mich auf die Bertrater zu einer gemeinsamen freien Absprache eingeladen, di« sich von 9 bis 11 Uhr abends erstreckte und zur Klärung und Vereinheitlichung der Anschauungen ein bedeutendes beitrug. * * * Der Delegier reu tag der Jug endorgautsarisn begann am *Mittwoch Msrgen. Ex fogr ühcräils stark besucht und bst ein ezfjcBcnbeB BW fEchsT KssMkkMs- WÄk LLN prsgrnMM«sijchcü AsitrsZerr Vsid teten Entwürfen der verschiedenen größeren Angendgruppen fanden die Teilnehmer vor, und es galt die endgültigen Richtlinien für die Arbeit der nächsten Zeit festzustellen. Im Mittelpunkte des Interesses stand ein vom Verfasser der „Messiasspuren" ausgearbeiteter Entwurf, der, weit über ein Organisationsprogramm hinausgehend, eine auf dem Gedankeninhalt jenes Buches aufgebaute vollständige Ideologie der toratreuen Jugendbewegung im palästinozentrischen Sinne enthält und vermöge seiner inneren (Geschlossenheit und seines hinreißenden Schwunges auf den gesamten Delegiertentag unleugbar tiefen Eindruck machte. Die bald gewählte Programnr-Kommission legte als Ergebnis ihrer mehrstündigen Beratungen eine auf dem Berliner Entwurf fußende Fassung der Richtlinien für die Arbeit vor, den sie zur Annahme empfahl. Er lautet: Hauptrichtlinien für d i e Arbeit in den Agudas I isroel-Jugen dg r uppen. A. Grundlegende: 1. vA? UJ3 mm mo^rt. Forschungen in pan D'pDie: v"L>. sowie die Vertiefung in die jüdische Geisteswelt ist Aufgabe der Gruppen. 2. Ihr Ziel ist die Erziehung zur Tat, dadurch, daß sie die jüdische Jugend mit Begeisterung und' Freude an der Ausübung der überlieferten mXö erfüllt. 3. Agudas Jisroel erklärt ausnahmslos alle Juden als zum jüdischen Volke gehörig, erachtet dieses als existenzberechtiat aber nur dann, wenn es Lehre und Gesetz der Gottesoffenbarung verwirklicht. Dre Mitgliedschaft bei den Jugendgruppen verlangt daher Anerkennung der Judenheit als Taurv- Nation. 8. Ausführende: 4. Unter allen Mizwaus werde besonders Verständnis und Erfüllung der bxvffi' pK 2W* TlXO berbeigeführt durch a) Einrichtung von SchNkrim in allen einschlä. gigcn Vorschriften, M Vortrage über Land und Leute in Erez Jiv' rvel durch landeskundige Gesinnungsgenossen, c) landwirtschaftliche Vorbereitung für Erez Jisroel, d) Erlernen der hebräischen Sprache als UmqangSsprache, e) Beschaffung finanzieller Mittel für die zur Besiedelung des Heiligen Landes und für das dortige Schulwerk erttchteten Fonds der Agudas Jisroel, , ntchtrituelle Nahrung stürz, n mußte. Kein Angehöriger konnte zu mir, denn ich gehörte zu den Jsolierkrarken. Und wie kann ich Ihnen den unsagbaren Schmerz schildern, den ich an den Freitagabenden empfand, da gab es Augenblicke, wo mich nur das Gottvertrauen darüber hinwegbringen konnte. Wie ein Traum kam mir alles vor. Ganzins Nebelhafte verhüllt, sah ich die Sabbatlichter stehen und mein armer Kopf verlor sich dann. — Als meine Gedanken wieder klarer wurden, sagte ich mir, daß ich mich in das Unabänderliche fügen mutzte. Wer uött all den Menschen, die mich pflegten, konnte im entferntesten auch nur ahnen, Müs eins jüdische Frau empfindet, wenn ihr die religiöse Weihe genommen wird.?" . „ k «sichtlich erregt hielt die Sprechende inne. "nd mich erschütterte diese Erzählung derartig, baß mir nicht ein Wort über die Lippen kam, „Lassen Sie mich Ihnen nur noch das glückliche Ende meiner Leidenszeit erzählen: Meiner trsufür-- sorgenden Schwester gelang es, nachdem sie erfuhr, daß mein Mann in Gefangenschaft geraien war, den Aufenthalt desselben zu ermitteln. Bald hierauf konnte sie mir das erste Lebenszeichen von ihm aushändigen. Aufs günstigste hrerburch in meinem Zustand beeilt, stutzt, war ich bald aus dem Wege vollkommenster Genesung und konnte in mein Helm zurückkehren. Dank der liebevollen unermüdlichen Fürsorge meiner Schwester fand ich hier meinen Jungen prächtig gediehen vor, und so wa'ld mir reichlich Entschädigung für all das Durchgemachre. . Voll war aber erst mein Glück, als mein Mann aus der Gefangenschaft eutlaffen wurde und ich ihn glückstrahlend empfangen konnte. Als wir dann den ersten Freitagabend in unaussprechlicher Freude vereint waren, da nahm ich mir vor. soweit es in meinen

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