Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 28-29 (9.4.1903)
- Date
- 1903-04-09
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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genanntem Lande. -6r Kbt den rumänischen Juden den Vorzug vor den galizifchen und in mancher Hinsicht auch vor den russischen. Sie seien vortreffliche Landarbeiter und würden, zum Ackerbau zugelassen, ein wahrhafter Segen für die brachliegende Landwirthschast werden. Gleich tüchtige, arbeitswillige Handwerker, seien sie durch die Machenschaften einer ebenso böswilligen, wie thörichten Regierung in wenige Städte , zusammengedrängt und zur Erwerbslosigkeit verurtheilt. Wer sich von der Geneigtheit und Fähigkeit der Juden, schwere körperliche Arbeiten auszuführen, überzeugen wolle, der gehe nach Rumänien, wo sie nahezu sämmtlich (auch die lebensgefährlichsten, wie die Dachdeckerei) von Juden geleistet werden. Mt flammenden Worten geißelte Major Gordon das treulose Gebühren der rumänischen Gewalthaber, welche unter perfidem Bruch des Artikels 44 des Berliner Vertrages, in oreiundzwanzig Jahren nur 85 Juden naturalisirt und die wenigen Rechte noch mehr beschränkt haben. Das einzige Mttel, Rumänien zur Nachgiebigkeit zu zwingen, sei die allgemeine Creditverweitzerung, welche schon durch die trostlosen ökonomischen Verhältnisse de§ verrotteten Landes ausreichend begründet erscheine. Kein Wunder, daß die Auswanderung stetig fortdaure. Allwöchentlich verlassen im Durchschnitt 275 Personen das Land; die Emigration gehe planmäßig, wohlgeordnet vor sich und sei „erfreulicherweise" nur zu einem geringen Theile nach England gerichtet. Die Freude darüber, daß die von ihm so arbeitswillig und arbeitstüchtig gerühmten rumänischen Juden von den englischen Küsten fernbleiben, bewies, daß Major Gordon nicht diejenigen Konsequenzen aus seinen Wahrnehmungen zog, welche erwartet werden durften, daß er ein Antialienist saus phrase geblieben ist. Der Rest jÄnes Berichtes galt denn auch den Vorschlägen, wie der Einwanderung in England vorgebeugt werden könne. Diese Vorschläge gipfelten darin, daß mit allen Mitteln auf die Beseitigung der Ursachen der Emigration hrngearbeiket werden müsse, und da nach dieser Richtung weder die Tiraden des Major Gordon Wandel schaffen können, noch in absehbarer Zukunft eine Aenderüng eintreten wird, so lohnt es sich nicht, auf die akademischen Deklamationen rinzugehen. Lieg! ja auch die Bedeutung seines Berichtes nicht in seinem Urtheil, sondern in der Schilderung dessen, was er wahrgenommen, und diese wird bei allen Minderbefangenen Mitgliedern der Fcemden-Kommission und darüber hinaus ihre heilsame Wirkung thun. Rumänien. Bukarest, 30. März. Der „Adeverul" bringt folgende Mittheilungen: „Einige politische Männer haben ernstlich die Judenfrage studiri. haben zahlreiche Schriftstücke gesammelt und sich für eine mögliche öffentliche Besprechung 643 vorbereitet. Im Lande haben fremde Publizisten, französische und deutsche, welche sich Mit der Regierung und mit unseren politischen Persönlichkeiten in Verbindung gesetzt haben, ihr Herz ausgeschuttet. In geheimen Sitzungen wurde die Judenfrage von den verschiedenen Parteien besprochen. Wahrscheinlich hat Niemand das ganz gesagt, was er denkt, und hat sich Jeder sehr zurückhaltend gezeigt. Die Frage de: leichteren Naturalisation der Juden ist,, wie wir vernehmen, in einem Ministerrath unter der Leitung des Königs besprochen worden. Herr Sturdza meinte, daß, um die Geister von auswärts zu beruhigen und die inländischen nicht zu erregen, man zu einer sofortigen, ausführbaren Lösung schreiten müsse, man stimme für die Naturalisation derjenigen Juden, welche bis jetzt darum nachgesucht haben, und zwar nacheinander in der Kammer und im Senat, ohne Widersprüche wer Mehrheiten. Der König selbst erkundigte sich nach der Gesammtzahl der Juden, welche die NakuraÜsakion beantragt haben. Andererseits hat der König in der letzten Zeit mit den Herren Sturdza und Lascari gearbeitet, um die Lage der Juden des Landes zu prüfen. Endlich wurde von der Regierung in Uebereinstimwung mit den Präsidenten der gesetzgebenden Korporationen der Beschluß gefaßt, ein Verzeichniß derjenigen Juden anzufertigen, welchen man die Naturalisation in dieser Session ohne Schwierigkeit gewähren könnte. Alle diese Anzeichen sind indessen keine ernsten Vorbedeutungen einer günstigen Lösung der Judenfrage. Es ist wahrscheinlicher, daß es Versuche sind, die eine Ablenkung in der öffentlichen Meinung und der fremden Presse zum Zwecke haben, und man erklärt sich auch die Thatsache, daß sofort eine, amtliche Note in das Ausland geschickt wurde, daß die Regierung selbst die Naturalisation der Juden unterstützt, und daß die Vorbereitungen schon beschlossen worden sind. Der König insbesondere, so viel man weiß, interessirt sich für diese Frage und beschäftigt sich mit ihr — wann und wie sie gelöst werden wird, darüber läßt sich jetzt noch nichts sagen." Trotzdem hat der Senat erst vor wenigen Tagen die Naturalisationsgesuche von Juden, welche die Regierung befürwortete, aus nichtigen Gründen abgelehnt. Wenn Rumänien nicht von Außen angehalten wird, Artikel 44 des Berliner Vertrags durchzuführen — von Innen geschieht es nicht. . R u tz l a n d. Petersburg, o. April. (Der räthselhafte Mord in Dabossary.) Diese mysteriöse Angelegenheit beschäftigt fortgesetzt die hiesige Presse, ohne daß. es bisher geluchsen wäre, wirklich Zuverlässiges über den Vorgang zu ermitteln. Heute veröffentlicht die „Now.Wr." d'ie Zuschrift eines Herrn Gorodetzki, wonach der Großväter des Knaben Rydalenko seinerzeit keineswegs als der Urheber der Legende vom Ritualmord erscheint. Er hat den Behör-