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Der Israelit · 1903-04-09 · Heft 28-29 (9.4.1903) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 28-29 (9.4.1903)
Date
1903-04-09
Page
– (sequence 19)
Language
German
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So zeigt die Thora auch bezüglich der Leibesstrasen eine dicht im Einzelnen hervortretende Unterscheidung vom Hammurabigesetz, sondern sie ist grundsätzlich durch das Streben davon getrennt, die gerichtlichen Strafen s i t t i g e n d und veredelnd wirken zu lassen. ~ ' (Fortsetzung folgt.) Zettrmgsttach richten uvv Eorrespsnverrzerr. Deutschland. Bamberg. In dem Maße, wie fast durchweg die jüdischen Gemeinden auf dein Lande kleiner und schwächer.werden, wächst die Zahl der Israeliten in den Städten. Städte, die vor wenigen Dezennien kaum einige jüdische Einwohner zählten, haben heute blühende Kultusgemeinden. Die jüdische Gemeinde in Bamberg, die allerdings schon auf ein ehrwürdiges Alter zuriickblicken kann, ist in den jüngsten Jahren an Mitgliederzahl ebenfalls mächtig in die Höhr gegangen, uno die Kultusverwaltung konnte sich der Erkenntniß nicht verschließen, daß das Bedürfniß zur Erbauung einer neuen Synagoge unabweisbar sei. Der Neubau erfordert natürlich bedeutende Mittel und die Kultusumlagen werden wesentlich erhöht werden müssen. Die Kultusverwaltung hat sich.nun an die Stadtverwaltung Bamberg gewandt mit dem Ersuchen um unentgeltliche Abgabe eines entsprechenden Bauplatzes, und zwar hat man einen solchen gegenüber dem katholischen Vereinshause an der Herzog Max- und Urbanstraße in's Auge gefaßt. Von der Loyalität des Stadtmatzistrats Bamberg darf man wohl erwarten, daß das Gesuch der Kultusgemeinde wohlwollende Verbescheidung finden werde; vorerst würde der Antrag an die Finanzkommission überwiesen. Selbstverständlich werden die gesetzestreuen Mitglieder der israelitischen Gemeinde darauf bedacht sein, daß bei der Ausführung eines Synagogenneubaues die religiösen Vorschriften gebührende Beachtung finden und religionswrdrige Neuerungen vermieden tverden. A. Oesterreich. Prag. (Israel in der Geschichte.) In einer Publikation der böhmischen graphischen Gesellschaft „Unie" über die Geschichte des Prager Ghettos findet sich eine charakteristische Episode. Es ist begreiflich, daß 'in der Zeit des dreißigjährigen Krieges die Juden des Ghetto noch mehr als sonst von Gefahren bedroht waren? Was sich der Söldner der verschiedenen Kriegsheere, die Prag überzogen, auf der Straße,-im' -Dorß--in-der Kirche durch Äiebstahl'und Näub angeeignet hatte, das brachte er den Juden in's Ghetto und bot es zum Kauf an. Im Jahre 1621 verbot Albrrch! Wenzel Eusebius von Waldstein, der oberste Krirgsbesehlshaber, Gubernator von Böhmen, bei Todesstrafe, keiner der Soldaten möge ohne Genehmigung der Hauptleute etwas verkaufen. Er wollte dadurch den. Diebstäblcn der Soldaten Vorbeugen. Kurz darauf brachte ein Soldat Wandofehänge aus Goldbrokat, die er im Liechtenstein-Palast entwendet hatte, •$« dem Juden Joseph ben Jekusela Thein, .der sie kaufte. Der Verwalter des ausgeraubten Palastes ließ die gestohlenen Gegenstände ansrusen. Joseph brachte sie, um sie zurückzuerstatten. Damit wäre die Sache, in geregelten Verhältnissen abgethan gewesen. Aber Waldstein wollte den Juden bestrafen. Die Judenältesten erklärten dem Waldstein, das gestohlene Objekt werde dem Eigenthümer ausgefolgt, aber der Käufer werde nicht genannt. Statt der Antwort gebot Waldstein, sofort einen Galgen für die Stadtältesten zu errichten, denen nichts weiter übrig blieb, als Joseph auszuliefern. Sie thaten es, erflehten aber zugleich von den Jesuiten Fürsprache. Doch diese mochten ihnen gestanden haben, daß sich Waldstein in Sachen der Kriegsvorschriften von ihnen kaum würde beeinflussen lassen; sie sagten, er habe vor Kurzem einen Soldaten, der mit einem Ordensmitglied verschwägert war, hinrichten lassen, wobei er den Fürbittenden zugerusen haben soll: „Gehet in Eure Kirchen und betet dort! Wer für den Soldaten bitten wird, soll neben ihm aufgehängt werden!" — Während sich Joseph zum Sterben gefaßt machte, legten die Aeltcsten bei anderen Machthabern Fürsprache ein. So gelang es, Waldstein zu überzeugen, daß „der Tod eines Juden nicht von Belang sei," und daß zehntausend rheinische Gulden, welche Summe die Prager Judenschaft zu entrichten gelobte, ein schöner Ersatz für den Juden sei.- Aber Waldstein gab Joseph nicht so leicht frei. Er gebot, den Juden mit ztvtt Hunden auf den Richtp'latz zu führen, wo er auf dem nach dem Ghetto gelegenen Moldau-Ufer neben dem Hause des Scharfrichters unter dem Galgen so lange sitzend verharren möge, bis die Juden das Lösegeld erlegen würden. Es wird erzählt, daß sie mit goldener Münze bezahlen wollten; Waldstein aber trieb sie mit der Weisung davon, sie sollten das Gold gegen zehn mit Silbergeld gefüllte Beutel eintauschen. Sir bemühten sich die Nacht hindurch, im Ghetto Silbermünzen aüfzutreiben, die um diese Zeit, dank dem Münzkonsortium (Baffewi, Liechtenstein und andere), von schlechtem Korn waren. Das wußte Waldstein sehr wohl, denn er gehörte mit zu der Mllnzgesellschaft und nahm an dem Betrug theil; aber er legte mehr Gewicht auf die Qualität, als aüf das Korn. Als ihm die Juden die zehn Beutel brachten, trieb er sie abermals-aus dem Hause, weil die Beutel .zugedeckt wckren?^-Ersoll gesch'rleen-habettr^Veödänslnte Hunde,'warum deckt Ihr das Zeug nicht zu? wohl gär. damit die Leute von mir denken sollen, daß ich mich be-

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