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Der Israelit · 1903-04-09 · Heft 28-29 (9.4.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 28-29 (9.4.1903)
Date
1903-04-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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dann mehr beim je, denn wir werben eben in vollständiger Konzentration für die seelische unb örtliche Einigung unb Vereinigung des Judenvolkes arbeiten können, ohne burch antisemitische Ausbruche jeben Augenblick abgelenkt zu werben. Ob es die „Anbern" auch bleiben werben, ist zum minbesten fraglich..." Wir haben dem nichts hinzuzufügen. .vnnrr Twvz c*p2 psnj hsrv'vz Berlin, 6. April. Von einem schweren Unglücksfall ist, wie bereits kurz berichtet, ber Begründer unb Leiter bes „Israelitischen Heimathhauses unb Volksküche", Herr Hermann Abraham. leiber betroffen worben. Die Vorsttzenbe ber Frauengruppe bes ebenfalls von ihm begrünbeten „Vereins für Kinder-Volksküchen", Excellenz Frau Kultusminister Studt. hatte bie Vorsteherinnen unb Ehrenba'men sammtlicher Küchen zu einer Besprechung nach dem Oberlichtsaal ber Philharmonie, Vernburgerstraße. eingelaben. In derselben wollte ber Vorsttzenbe über bie Thätigkeit bes Vereins währenb bes verflossenen Winterhalbjahres ausführlichen Bericht erstatten. Kurz vor ber Sitzung trat Herr Abraham burch eine offtnstehende Thür nach ber neben bem Saal sich befindenden Garberobe. Letztere war bunkel, unb ba leiber sich bort eine offene Fallthüre befanb, bie ohne jebe Schutzvorrichtung verschen. war im nächsten Augenblick bas Unglück geschehen. Herr Abraham stürzte mehrere Meter tief in die Versenkung unb blieb bort mit zerschmetterten Beinen liegen. Man kann sich bie Aufregung unb ben Jammer ber aus 160 Damen bestehenden Versammlung benken, als dieselben von bem Unglück erfuhren. Der zufällig anwesenbe Arzt, Herr Dr. Lorenz, leistete die erste Hilfe. Es wurde ber Krankenwagen ber Rettungsgesellschaft requirirt unb der Verunglückte nach der kgl. Universitätsklinik, Ziegelstraße, bei Herrn Prof. Bergmann, gebracht; dort wurden zwei Oberschenkelbrüche des linken Beines und eine schwere Verrenkung des rechten Beines konstatirt. Wenngleich die Verletzungen als schwere zu betrachten sind, so hofft man doch mit Gottes unb ber Aerzte Hilfe, eine baldige Wiederherstellung des Patienten erwarten zu können. Die Theilnahme für den schwergeprüften Herrn Abraham und seine Gattin ist eine allgemeine und überwältigende. Mögen ihm seine guten Thaten, seine Hoffnung auf Gott, Trost in seinen schweren Stunden sein. Affaktrach, 6. April. In Nr. 26 des „Israelit" b. I. wird aus Ellwangen die erfreuliche Thatsache belichtet, daß auch beim dortigen Schwurgericht ein Jsraelite ausgeloost wurde. Jüdische Seschiobttne sind übrigens im toleranten Württemberg keine Seltenheit. Für das Heilbrrmser Schwurgericht werden fast in jeder Saison jüdische Geschworene beigezogen. Ganz besonders zeichnet sich in; der Hinsicht der Bezirk Weinsberg aus. Kaufmann und j Kirchenvorsteheramts - Mitglied Moritz Lindau und Kaufmann Albert Grünwald, beide in Affaltrach, waren mehrmals Geschworene. Zur Zeit üben Kaufmann unb Kirchenvorsteheramts-Mitgkieb Karl Bamberger von hier und das Kirchenvorsteheramts-Mitglied unserer Nachbargemeinde Lehrensteinsfeld, Handelsmann Marx Falk, dieses Ehrenamt in Heilbronn aus. Tchncidemühl, 6. April. Am 19. v. Mts. fand die Beerdigung unseres Herrn Rabb. Brann unter großartiger Betheiligung Hierselbst statt und zeugte von der großen Liebe und Verehrung, die der Heimgegangene nicht nur bei seiner Gemeinde, sondern weit über deren Grenzen hinaus, genoß. Um 10 Uhr Vormittags war die Leiche nach der Synagoge überführt worden, wo Nachmittags um 3 Uhr eine imposante Trauerfeier stattfand. Außer den Gemeickdeimtgliedern waren die Vertreter der städtischen Behörden, der gesammte Lehrkörper des Gymnasiums und ber Töchterschule. Rabbiner und Vertreter vieler Rachbargemeinden und zahlreiche Verehrer des Verblichenen von Nah und Fern erschienen. Das Gotteshaus war stimmungsvoll drapirt. der Sarg stand auf der Estrade vor der heil. Lade. Nach den ergreifenden Trauergesängen, die Herr Kantor Helischkowski wirkungsvoll vortrug, bestieg der Sohn des Entschlafenen, Semrnardozent Dr. M. B r a n n, die Kanzel. In von Herzen kommenden schlichten Worten gab er seinem Schmerz über den Verlust, der die ganze Gemeinde, insbesondere aber die Familie getroffen, rührenden Ausdruck. In markanten Zügen entwarf er ein anschauliches Lebensbild des Dahingegangenen und hob mit Recht hervor, daß der Zauber seiner Persönlichkeit und der reiche Segen seiner Wirksamkeit ihre Erklärung finden durch die Thatsache der Uebereinstimmung, die zwischen seinein Lehren und Handeln bestand. Mit Worten des Dankes an den Allerhöchsten, der ihm befchieden habe, den geliebten Vater so lange zu besitzen, schloß die Rede. Rabbiner Dr. Eschelbacher, Berlin, der dem Verstorbenen als Freund besonders nahe gestanden, ergriff das Wort und schilderte in innigen Worten das Wesen und Wirken des Dahingegangenen, d'as sich vergleichen lasse mit dem, dessen Namen er getragen: Er sei ein Salomon gewesen in Weisheit, Milde und Frömmigkeit. Rabbiner Dr. Walter- Bromberg sprach sodann im Namen des Rabbiner-Verbandes, worauf ein Chorgesang die erhebende Feier schloß. Darauf ordnete sich draußen der imposante LÄchenzug. Vor dem Leichenwagen schritten die Schüler und Schülerinnen des Verstorbenen; hinter dem Sarge die Herren Rabbiner, Familienangehörigen, die Gemeinde- Vertreter, die jüdischen Vereine, deren stets förderndes Mitglied der Dahingeschiedene gewesen, zum Schluß das übrige Gefolge. Auf dem Friedhofe sprachen noch die Herren Rabbiner Dr. Richter- Filehne, Dr.

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