Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 28-29 (9.4.1903)
- Date
- 1903-04-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Ros enthal - Pr. Stargard und Dr. W e y l - Könitz, worauf nach einem tief empfundenen Gebet des Herrn Dr. Lewkowitz, der seit etwa einem Jahre den Verstorbenen in seiner Lehrthätigkeit vertritt, der Sarg zu Grabe getragen wurde. Nachdem noch der erste Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde. Herr Herz Berliner, dem dahingeschiedenen „Vater der Gemeinde" einige herzliche Worte nach'zerufen, wurde der Sarg der Erde übergeben. Das Andenken des Entschlafenen wird noch lange segensreich in der Gemeinde wirken! Rußland. Minsk. (Ausweisung von Juden aus Rußland.) Die Provinzialbehörden von Minsk haben plötzlich die Ausweisung von 50 jüdischen Familien, bestehend aus mehr als 150 Personen, angeordnet. Diese Familien haben seit ungefähr 12 Jahren in dem Gebiete von Stary-Dorogak gewohnt, wo sie ihre Synagoge,' ihre Schule und ihr Schlachthaus besitzen^ die alle mit Erlaubniß der Behörden erbaut worden sind. Die meisten der ausgewiesenen Juden sind Arbeiter, die in Glasfabriken und Sagemühlen angefiellt waren. Da die unerwartete Ausweisung sie mit völligem Ruin bedroht, so haben sie eine Deputation an den Gouverneur von Minsk, den . Grafen Mussin- Puschkin, gesandt, der versprochen Hai, die Ausführung des Befehls zu verschieben. Literarische Notiz. Gerade zur rechten Zeit, vor Beginn des neuen Schuljahres, ist die spärliche Zahl brauchbarer Hülfsmittel für den talmudischen Anfangsunterricht um ein sprachliches . Merkchen rmn m wesn vxv vermehrt worden. Dem in Ihrer gesch. Zeitschrift (Nr.- 63 v. I.) besprochenen „Vokabularium zum Mischna - Traktat hat der rührige Verfasser, Herr Rabbiner Dr. M. Silberberg, Königsberg i. Pr., als Fortsetzung ein „Vokabularium zum Mischna-Traktat nd'Ä folgen lassen. Mit vollem Recht ist jetzt auch diese «.122L für den Schulgeörauch bearbeitet worden, die neben jener sich sprachlich wie inhaltlich ganz besonders zum Anfangsunterricht eignet. Die Bearbeitung hat der gelehrte Verfasser hier ganz wie beim ersten Theil, mit derselben liebevollen. Gründlichkeit und dem gleichen gewissenhaften' Fleiß sorgfältig ausgeführt. Besonders sei auf die sprachlich allein korrekte Uebersetzung von rrm'Lirrv ui2prr (4,9) hingewiesen (vergl. s. v.); ein glücklicher Griff ist auch die Vokalisation *8*° (4,6); ist hier richtiger erklärt, als in '212 11. Wünschenswerth wäre vielleicht bei den einzelnen gesetzlichen Handlungen ein kurzer Hinweis auf die Schriftstelle z. B. no'rrv (III, 1,4) u. s. w.; ferner, daß die Nebenbedeutungen in Klammern gesetzt würden. 1.3 ebenso 1.8 2,6 wohl richtiger mit Baer bunen S. 207. Im klebrigen sei das Merkchen als wichtiges Hülfsmittel für den Mischna- Unterricht bei Anfängern warm empfohlen. Wer es dem Unterrichte zu Grunde 'legt, wird die Förderung der Schüler mit Freude wahrnehmen; der Verfasser möge in dem Bewußtsein, zur Hebung des talmudischen Unterrichts sein Scherflein beigetragen zu haben, sich für seine Mühe belohnt finden -V "icyn trmn ri'2n. . vermischtes. Czarrrika«, 5. April. In der am 2. d. Mts. stattgcfundenen Stadtverordneten-Sitzung wurde der praktische Arzt Tr. Oskar Michelsohn als Stadtarzt a-iaestellt; er ist neben vier christlichen, der einzige jüdische Arzt hier. Ferner wurde in derselben Stadtverordneten-Sitzung der Kaufmann Meier Simonsohn als Rathmann gewählt. Stuttgart. Se. Maj. der König hat dem Mitglied der Israelitischen Oberkirchenbehörde Kommerztenrath Benzinger das Ritterkreuz 1. Klasse des Friedrichsordens verlieben. Ti?VnYB*lhlT!nagn © Zu den mannigfachen Anregungen. id_ Wü LMMeÄ 9 hie angewendet werden, um in die Eintönigkeit des täglichen Lebens Abwechselung zu bringen, gehört unbestreitbar auch das Lotteriespiel. Die sich dadurch eröffnende Möglichkeit eines Glückfalls gewährt eine Hoffnung und ist das Vorhandensein einer solchen bekanntlich eine der wesentlichsten Voraussetzungen für die Erträglichkeit des Lebens in sehr zahlreichen Fällen. Wo es aber sonst an Hoffnung nicht fehlt, bildet die Möglichkeit eines Glücksfalls doch mindestens die Unterlage zur Ausführung dieses oder jenes. Lieblingswunsches, alsy in jedem Falle den Anlaß in allerhand angenehmem Phantasiespiel. Dies ist der Grund, weßhalb die Lust zum Lotteriespiel gerade bei dem deutschen mit einem reichen Gefühls¬ und Phantasicleben ausgestatteten Volke gleichsam unerschöpflich vorhanden ist. Die 100.000 Loose unserer Hessisch-Thüringischen-Lotterie sind, wie uns mitgetheilt wird, von der Lotterie-Direktion an die Kolleklörschast bereits ausverkauft worden. Wir beziehen uns noch aus die in heutiger Auflage gemachte Publication des Haupt-Kollectörs I. B. Heim fr., Hoflieferant, Mainz a Rh. und können genannte Firma nicht warm genug zum Ankauf von Staats-Loosen empfehlen. n der französischen Kammer der Abgeordneten, hielt der Abg-Jaures, Freitag, den 23. Januar 1903, eine Rede, die um ihrer Bedeutung und Wirkung willen wett über die Grenzen seines Vaterlandes Aufsehen erregte. Er rechnete mit den Chauvinisten ab, die ihn und seine Partei, wegen ihres Eintretens für die Friedensidee des Vaterlandsverraths beschuldigten. Aber nicht nnr für Frankreich, sondern auch für Deutschland ist diese Rede von großer Bedeutung. ES ist dcßbalb freudig zu begrüßen, daß auf Wunsch deS Verlags FelixFreudenberger (WürzburgsHerr Reichstagsabgeordncter Dr. A. S ü d e k u m eine musterhafte liebersetzung angefertigt hat. die von obengenanntem Vsrlag zu beziehen ist. Briefkasten der Redaktion. G. F. in W.r Ja. C- B : I. Grünrbaum in Crumstadt. Briefkasten der Expedition. T. H. in Nfrdensteirr: M. 9.38 dankend empfangen.