Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-04-09 · Heft 28-29 (9.4.1903) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 28-29 (9.4.1903)
Date
1903-04-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449918--58012-2524924
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Betrachtung bereits auf bas Anregende hirkgewiesen worden, das der ganzen Form der Darstellung eigen* thumkchlst. - : Wir sehen hier jedoch von allen Einzelheiten ab, um lediglich die Thatsache zu betonen, daß unsere ganze Haggadah dem Bestreben dient, den zu übenden Pflichten dieses Abends, düs deutende Wort zum Verständniß auch für das schlichte Kindergemüth beizugeben. Datz dieses Wort so oft ungrsprochen bleibt, daß Schüler und Kinder nur zu geistloser Uebung und stummer Gewöhnung vielfach angehalten werden, ' ist gewiß nicht die letzte Ursache aller der betrübenden Erscheinungen, welche zeigen, wie wenig tief Thora und Mzwa in den Geistern und Gemüthern Wurzel geschlagen haben. Es ist ein vielfach ^verbreiteter Jrrthum, daß es lediglich an der ungenügenden jüdischwissenschaftlichen Ausbildung vieler Eltern gebricht, um dieses, unsere Geschichte und unser Pflichtleben deutende, erklärende und verklärende Wort zu sprechen. So nothwendig diese Kenntniß auch ist, so könnte sie sich doch jeder Vater leicht aneignen durch die mannigfachen trefflichen Uebersetzungen und Erklärungen der Peßach-Hagadah, an welchen wir ja keinen Mangel haben. Es fehlt an dem guten Willen. an der rechten Einsicht, in das Fest und seinen Gegenstand mit der ganzen Innigkeit und Hingebung sich zu vertiefen, wenn man anregend und befruchtend auf seine Umgebung wirken will. Nicht so sehr am Wissen, als an der Gewissenhaftigkeit fehlt es. Wenn die letztere vorhanden ist. so kann sie bis zu einem gewissen Grade das erstere ersetzen; aber nicht umgekehrt. Das zeigt sich durch die ganze Art und Weise, durch den freudigen Ernst und die heilige Begeisterung, mit welcher die Pflichten dieser Abende erfüllt oder nicht erfüllt werden. Wenn z. B. der erste Theil der Haggadah vorgetragen ist und nun der vorgeschriebene Genuß von Mazzo und Bitterkraut als die nächste Nummer in der Festordnuntz folgt, so äußert sich auch hier in der Art und Weise, mit welcher dies erfolgt, die ganze vorhandene oder fehlende Gewissenhaftigkeit des väterlichen Festordners, der heute die Würde des Vaters, Lehrers, Priesters und Königs vereinigt. Das ungegohrene Brod und die Vitterkräuter genießen alle, die um den Sedertisch sitzen, aber daß es auch in dem rechten, vorgeschriebencn Quantum erfolgt, das mindestens der Größe einer Olive oder dem Volumen eines halben Hühnereies entspricht, das wird von den Gleichgiltigen, die das Fest nur gedankenlos als ein altes Herkommen feiern, vielfach nicht beachtet. Dieselben Leute, welche sorgfältig die Tropfen zählen und die Gramm abwägen, die der Arzt siir seine Medizin anordnet, damit sie nicht mehr und nicht weniger nehmen, als die ärztliche Vorschrift verlangt, dieselben Leute finden es kleinlich,, finden es unbegreiflich, daß wo nevb nvbn pw, daß. wenn Gott den Genuß eines Gegenstandes vorgeschrieben, er auch die Quantität des zu Genießenden normirt hat.— . \ Diese auf alle Details sich erstreckende Gewissenhaftigkeit adelt selbst den sinnlichen Genuß, wenn sich, die Festgenossen nun zuM Mahle verÄnigen. Sie zählen heute alle zu den dune" ys d'2rr zur Elite der Kinder Israels, die selbst essend und trinkend, den Blick Nicht von ihrem himmlischen Vater abwenden 'an nx wm uwi dvun. Sie schließen ihr Mahl mit Afikomen, mit dem Symbol ihres Peßach-Opfers, dessen Darbringung ihnen in der Zerstreuung und während der Zerstörung ihres Nationalheiligthums versagt ist, und singen ihr Halle! in die Nacht hinaus, das die Zeit feiert, in welcher alle Völker in den Huldigungsjubel. cinsirmMen werden, den heutd noch Israel allein seinem. Gott, entgegenjauchzt. Wer will den sittigenden Einfluß ermessen, den die so verlebten Sederabende weit über die kurze Spanne ihrer Dauer auf das Pflichtleben des ganzen Jahres zu. üben geeignet sind. Die ganze Ordnung des Festes, die vielseitige Uebung der verschiedenen an diese Abende sich knüpfenden Pflichten sind im Grunde genommen doch nur eine große symbolische Handlung, deren richtige Anwendung sich erst im Leben 'des Jahres zu verwirklichen, zu bewähren hat. Nicht auf die Sederabende und ihre Festordnung, sondern weit darüber hinaus, blickt daher der Schlußakt des ganzen Festes — rwru —der um das Glück bittet, das, was heute Abend in symbolischer Festordnung hier gefeiert wurde, nun in der praktischen That des frisch pulsirenden Lebens seine Verwirklichung finden möge! M2b.i2 nvv irre bcr, mpm ltflBPD b» WK Y1DV M'2T -IVN2 ♦Tinpy? rp» p ZettungsnachriHten rmd Gsrresponvenz-n. D e u t f ch l a » d. Berlin, 6. April. Am 30. des vorigen Monats fand eine Veranstaltung ihr Ende, die es wohl verdient, Nachahmung zu finden: der vom hiesigen „Talmud- Verein" eingerichtete „Cyklus populärer Vorträge über jüdische Geschichte und Litteratür". Ich habe Ihren Lesern vor einigen Monaten den Beginn dieser Vorträge geschildert und versprach, am Schlüsse derselben noch einmal aus die treffliche Einrichtung des Talmud- Vereins zurückzukommen. In dreizehn Vorträgen führte der Leiter derselben, Herr Dr. I. BI c i dj - rode, den Zuhörern den Zeitraum von Esra an bis zur Zerstörung Jerusalems vor. Er stellte in den Mittelpunkt seiner Darstellung eine Gestalt oder stets -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.