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Der Israelit · 1903-04-06 · Heft 27 (6.4.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 27 (6.4.1903)
Date
1903-04-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Irl« möglich ist. Zum Schluffe widmete Frl. Lina David. Namens aller Heiminsassinnen Worte tiefempfundenen Dankes dm Gönnern und Wohlthätcrn des Heims. Dann erfolgte die.Besichtigung des Hauses. Die schönen hellen Zimmer, vor allem die den Anforderungen der Neuzeit entsprechende Einrichtung der Küche und Wirthschaftsräume, fand ungeteilten Beifall der Gäste. Der Verein sieht der Zukunft hoffnungsvoll ent-, gegen. Immer größer werde sein Gönner- und Freundeskreis, immer reick)er die zufließenden Drittel, bannt die für dreißig Insassinnen bestimmten Zimmer bald ihrem Zweck übergeben werden können. EmS, 3. März. Der Vorstand des „Hilfsvereins für unbemittelte, jüdische Nerven- und Geisteskranke" (Vorsitzender Herr Bezirksrabbiner Dr. Werngarten- Ems) versendet nachstehenden Aufruf, beim wir den besten Erfolg wünschen: „Auf allen Gebieten regt sich jüdische Wohlthäkigkeit und Menschenliebe, um den Bedürftigen, den Kranken, den Bedrückten und Verfolgten zu Hilfe zu eilen. Es gibt aber ein Feld der Fürsorge, für das von jüdischer Seite noch gar nichts gethan ist, obwohl berufene Männer die Aufmerksamkeit auf diesen Nothstand gerade in letzter Zeit mehrfach hingelenkt haben. Es gilt die Fürsorge für die Aermsten der Armen, für die unbemittelten Nerven- und Geisteskranken. Die wenigen, zur Zeit vorhandenen jüdischen Privat-' anstalten sind nicht im Stande, gegen so geringe Entschädigung, wie sie unbemittelte Familien leisten können, Aufnahme zu gewähren, so daß »tan sich bisher, in fast allen Fällen genöthigt sah. die jüdischen Neroen- und Geisteskranken in den staatlichen Anstalten unterzubringen. Der Aufenthalt daselbst ist aber für alle derartigen Kranke mit großen Nachtheilen verknüpft. Denn nicht nur die Nerven- und Gemllths-, sondern auch die wirklich Geisteskranken haben ja sehr oft noch religiöses Gefühl genug, um sich in der ihrer ganzen Denk- und Empsindungsweise fremden Umgebung recht unglücklich zu fühlen, und'in vielen Fällen auch sich die größten Gewissensbisse über den Genuß nicht rituell zubereiteter Speisen zu machen. Ost sogar kommt es, wie wir aus zahlreichen Fällen lviffen, zu konfessionellen Reibereien und Hänseleien seitens des Anstaltspersonals und der christlichen Patienten, io daß der Zweck des Aufenthalts illusorisch, ja, statt der erhofften Besserung, geradezu eine Verschlechterung des Leidens herbeigefllhrt werden kann. Nur in spezifisch jüdischen Anstalten kann der jüdische Geisteskranke vor allen derartigen ihm besonders schädlichen seelischen Erregungen bewahrt bleiben, und nur in solchen ist es ihm möglich, seine gewohnte Lebensweise unverändert fortzuführen: denn hier befindet er sich in einer ihm vertrauten Umgebung, die allen seinen religiösen Bedürfnissen liebevolles Verständniß ent gegenbringt. . ,1; Nicht minder dringend ist das Bedürfniß, jüdisch idiotische Kinder in jüdischen Anstalten zu erziehen. Da die Errichtung einer eigenen Anstalt vorerj wegen der enormen Kosten eines so'lchen Unternehme»! noch nicht in Betracht kommen kann, so haben »vir di Absicht, die betr. Kranken in bereits vorhandenen, gut geleiteten, jüdischen Anstalten unterzubringen. Es ist uns gelungen, die bewährte Anstalt zi Sayn zu weitgehendem Entgegenkommen zu bestimmen indem sie sich bereit erklärt hat, die von uns empfohlene! Kranken zu bedeutend ermäßigten Pflegesätzen aufzu nehmen. Sobald es nur unsere Mittel gestatten werden wollen wir auch dahin wirken, daß dieser Anstalt ein besondere Abtheilung für idiotische Kinder angeglieder werde. .: , Sich der Aexmsten und Armen anzunehmen, ha sich der Verein entschlossen. Es bedarf hierzu der Mit Wirkung aller edlen Menschfreunde. Wer im eigener Glücke, in der Freude an dem Gedeihen seiner Unter nehmungen und der Seinigen sich ein mitleidiges Her^ bewahrt hat, der trockne mit uns die Thranen, linda die Noth und das Unglück seiner Glaubensbrüder uni Schwestern! Jede Spende ist uns willkommen Viele Wenig geben ein Viel, Vereinte Kräfte führen zum Ziel. Geldsendungen bitte gefl. zu richten: An Rheinisch Diskonto-Gesellschaft. Coblenz. München, 1. April. Mit Befriedigung kann dei „Verein jüdischer Studenten München" auf das abgelaufene sechste Semester (W.-S. 1902—1903) seine! Thätigkcit zurückblicken. Nach außen eine gesicherte unk ehrenvolle Stellung, hauptsächlich aber nach innen ein« weitgehende Kräftigung des Vereinslebens und eim immer fortschreitende Erziehung der Mitglieder in jüdischem Sinne, das sind die Erfolge, die unsere Arbeit krönen. Vielfach waren die Wege, die uns zu weitere! Ausbildung unserer Kenntnisse führten; vor aller Dingen waren die allwöchentlichen Vorträge mit dev sich stets anknupfenden Diskussionen ein wesentlicher Faktor zur Belehrung. Es sprachen: Am 28. Olt. Bdr. Weigert: „Die Juden in der deutschen Kriminalistik;" 4. Nov.: Herr Dr. Th. Lessing: „Spinozas Theorie der Affekte;" 11. Nov.: Bdr. Gillis: „Dü Juden in England;" 18. Nov.: Bdr. Jacobson: „Das jüdische Eherecht;" 25. Nov.: Bdr. Hertz: Referat über Leo Wieners: „Das Jüdisch-Deutsche;" 2. Dez.: Bdr. Stahl: „Bar Kochba und feine Zeit"; 9. Dez.: Bdr. Bloch: Referat über Nahida Nemys: „Das jüdische Weib;" 20. Jan.: Bdr. Perlis: „Die jüdischen Ackerbauko7onien;" 29. Jan.: Se. Ehriv. Rabbiner Dr. Ehrentreu: „Das jüdische Haus;" 3. Februar: Bdr. Kirschner: „Reformen im Judenthum;" 12. Febr.' Se.

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