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Der Israelit · 1903-04-06 · Heft 27 (6.4.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 27 (6.4.1903)
Date
1903-04-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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'; : Rumänien. Bukarest, 30. März. Anläßlich des siebzigsten Geburtstages des Ministerpräsidenten Demeter Stourdza wurde im Saale des Bukarester Nationaltheakers ein Bankett veranstaltet, an welchem sämmtliche Minister, die Mehrzahl der Deputirten und Senatoren, sowie die hervorragendsten Mitglieder der nütionalliberalen Partei, im Ganzen 480 Personen, theilnahme,.. Das Bankett gestaltete sich zu einer Kundgebung der liberalen Partei für ihren, greisen Führer, dessen Thaten und Verdienste m überschwenglichster Weise gefeiert wurden. - Man muß thatsächlich zugestehen, daß Demeter Stourdza, schon an der Schwelle des Greisenalters angelangt, eine erstaunliche Wandlung durchgemacht hat. Es gab eine Zeit, schreibt das „Verl. Tagebl.", wo er, der ehemalige Staat-minister Carols I., unter dem Namen eines Barons v. Hahn antidynastische Broschüren veröffentlichte, in denen er seinen Herrscher als „preußischen Spion" denunzierte. Es sind nur wenige Jahre her, daß er im Parlamente und in öffentlichen Versammlungen den Haß gegen Ungarn predigte und den damaligen Minister des Aeußern, Al. Lahovary, einen Nichtswürdigen nannte, welcher auf nicht diplomatischem Wege zu. Gunsten der unterdrückten Stammesbrüder' in Transsylvanien inkervenire. Als im November 1898 d'er Bukarester Pöbel die Häuser und GeschaffslädUr Juden verwüstete, da fandet als Ministerpräsident.bloß Worte der Nachsicht für den „explosiven Ausbruch des nationalen Unwillens." Das von Brdtianu inaugurirte System, das Ausgabenbüdget des Staates in's Ungemessene zu steigern und auf Kosten des Staatssäckels immer neue Anhänger zu werben, fand in ihm einen Eifrigen Adepten, und als im Jahre 1899 sein Ministerium stürzte, da hinterließ er nach dreijähriger, unter normalen Verhältnissen verlaufener Regierung eine schwebende Schuld von 63 Millionen und ungedeckte Engagements von weiteren 63 Millionen. Heute ist Stourdza streng dynastisch gesinnt. Die Frage der Siebenbürger Rumänen stellt für ihn eine innere Angelegenheit Ungarns dar, in die er sich jeder Einmischung sorgsam enthält, und er, d'er eingefleischte Antisemit, tritt im Parlamente für die Naturalisation jüdischer Petenten ein.' Selbstverständlich ändert die Naturalisation einiger Dutzend reicher Juden. Journalisten, Faiseure und ministerieller Agenten nichts, aber auch gar nichts an der Lage des jüdischen Volkes. Die verbesserte Lage des Staatsschatzes hat keineswegs auch eine Besserung der ökonomischen Verhältnisse zur Folge gehabt, und die wirtschaftliche Depression ist'"inv Rumänien heute fühlbarer als je. Die Land- Wirtschaft mit ihrer extensiven Produktionsweise hat ihre Rentabilität verloren, und die überschuldeten Grundbesitzer sind nicht einmal im Stande, die Zinsraten ihrer Schulden zu bezahlen.: Zu dem traditio nellen Elend des Bauernstandes gesellt sich die Noth läge eines stetig anwachsenden städtischen Proletariats der Handel liegt darnieder, die mit großen Opfern ge schaffenen Anfänge einer heimischen Industrie sind den Untergange Nahe, und in einem Lande, dessen überreich natürliche Hilfsmittel einer dreifach so großen Bev'ölke rung Nahrung gewähren,, müssen Tausende von fleißi gen Menschen hungern, weil es ihnen an Arbeit fehlt Stourdza und seine Partei können nicht begreiffn daß Rumänien, welches seine politischen und sozialer Institutionen, seine ganze kulturelle Entwicklung den Auslande entliehen hat, für die Ausbeutung seiner natürlichen Hilfsquellen des fremden Lehrmeisters, fremder Unternehmungslust und fremden Kapitals bedarf, . daß es in seinem eigensten Interesse alle nützlichen und produktiven Elemente mit offenen Armen aufnehmen MUß. , ' ' •. -• . : - ' Feuilleton. - ' Mer Mindling. Won Wobevt Känkein. [3t „So ist es auch in Wahrheit, edle Mutter!" erwiderte gerührt der Pflegesohn. „Wenn ich Euch mein ganzes Vermögen hingäbe, so hättet Ihr mir immer doch noch mehr gegeben, denn nächst Gott verdanke ich Euch doch mein bloßes Leben. Ich bin Euch zu größerem Danke verpflichtet, als ein Kind seinen wirklichen Eltern. Diese folgen mit dem Guten, das sie ihrem Kinde erweisen, dem Trieb der Natur, den Gott in das Elternherz gelegt hat. Aber was Ihr mir gethan, das hätten Hunderte — —" Bei diesen Worten trat Feiwel Schick in's Zimmer. Abraham ließ die Mutter gar nicht zu Worte kommen, sondern sagte dem Vater, daß er schon lange einen Verwalter für sein Schloßgut nöthig habe, daß er aber nicht gewagt habe, dem Vater diesen Posten anzubieten. Er habe daher erst mit der Mutter gesprochen, und als diese ihn ermuthigt habe, erlaube er sich, diesen Wünsch ihm vorzubringen. Feiwel hörte seinen Pflegesohn ruhig an, bliese bevor er antwortete, einige kräftige Rauchwolken aus seiner langen Pfeife und sagte dann: „Ich bin Dir gewiß gerne behilflich, wie und wo ich kann; aber wird es Dich nicht stören. Deine jüdischen Pflegeeltern in so unmittelbarer Nähe zu haben? Deine Frau'weiß doch nichts über Deine Herkunft und Deine

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