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Der Israelit · 1903-04-06 · Heft 27 (6.4.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 27 (6.4.1903)
Date
1903-04-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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nuten für die Ochsen und ihren sanften Tod ist so heiß, daß es für sie keine wichtigere Staatsaktion, als ein Schachtverbot gibt. Leute, welche der Sache etwas kühler gegenüberstehen, nehmen dagegen die Folgen einer solchen Klage nicht sehr tragisch. Es verlohnte sich daher nicht, über diesen neuen antisemitischen Vorstoß viel Worte zu verlieren, wenn er nicht, benützt worden wäre, durch Vorspiegelung falscher Thatsachen das Schächten zu discreditiren. Es sind zwar nur die alten längst widerlegten Paradezitate, aber die eiserne Hartnäckigkeit, mit der antisemitische Wiederkäuer sie fort und fort produziven, als wenn sie eben eine nagelneue Entdeckung gewacht hätten, nöthigt die mit so dreister Stimme vorgetragenen Unterstellungen immer wieder auf's neue zu widerlegen. Zunächst wird dem Magistrat unterstellt, daß er ganz gut wisse, das Schächten sei eine entsetzliche Tierquälerei. Da unsere Magistratsmitglieder in der Jugend lesen gelernt haben, und ihnen die gesammelten Gutachten von Hunderten von Professoren, Thierärzten, Metzgern und Metzgerinnungen zugänglich sind, welche alle das Schächten nicht nur als keine Thierquälerei, sondern sogar als eine überaus humane Schlachtart empfohlen, die nach dem Votum einiger der hervorragendsten Fachmänner allgemein eingeführt werden sollte, so wird Herr Fröhlich damit nicht viel Eindruck machen, auch wenn er Gutachten von einigen Veterinären in der Tasche hat, die von diesem Votum der angesehensten Fachautoritäten abweichen. Potsdam ist zudem eine Mlitärstadt, und man weiß daselbst ganz gut, daß die für die Militär-Konserven-Fäbriken verwendeten Schlachtthiere sämmtlich durch Schächtschnitt getödtet werden. Ebenso lächerlich ist, was über die religiöse Seite der Angelegenheit hier gesagt wird. Religiöse Bedenken, meint der Stadtverordnete Fröhlich, liegen nicht vor, denn er habe eine große Anzahl von Aussprüchen der ersten Rabbiner zur Hand, die alle besagen, daß von mosaischem Ritual keine Rede sein könne, vielmehr nur der Talmud dieses „Ritual" vorschreibe. Es ist von einem Antisemiten schon viel, wenn er Rabbinern das Recht einräumt, zu bestimmen, was bei den Juden Religion und Ritual ist, und was nicht. Wenn er unter seinen ersten Rabbinern auch nur einen einzigen jetzt lebenden und in Deutschland amtirenden hat. so möge er ihn gefälligst nennen. So lange er das nicht thut, verfangen seine Behauptungen nicht. Herr Fröhlich und seine theologischen Räthe werden die Thatsache nicht aus der Welt schassen, daß das Schächten einige und vierzigm'al in der Bibel erwähnt ist, was, wie eine den Gegenstand nach allen Seiten bin beleuchtende Schrift zutreffend bemerkt, christlichen Bibellehrcrn leicht deßhalb entgeht, weil das hebräisch; Verbum „schachat" in deutscher Bibelübersetzung einfach mit „Schlachten" wiedergegegen wird. (Es ist die Broschüre: „Thierschütz und Menschentrutz" von Rabbiner Dr. Ehrmann. Verlag von I. Kaufsmann. Frankfurt a. M. In derselben sind alle für und gegen das Schächten geltend gemachten Momente eingehend behandelt^. . Herr Fröhlich ist, wo feine Ochsen nicht in Fragen kommen, vielleicht auch Juden gegenüber tolerant. Er würde es vielleicht für einen intoleranten Eingriff in die Religions- und Gewissensfreiheit der Potsdamer Juden ansehen. wenn man z. B. ihre Synagoge schließen wollte. Und doch wurde er sich vergeblich nach einem Satze in der Bibel umsehen, welcher die Erbauung. den Besitz und Besuch einer Synagoge als religionsgesetzkiche Pflicht bezeichnet. Vielleicht steht's daraufhin auch Herr Fröhlich ein, daß die Erwähnung einer religiösen Satzung in der Bibel kein Kriterium ihrer Verbindlichkeit ist. ' ' " Herr Fröhlich meint nun.wenn der TalMud und sein Ritual maßgebend sein sollte, dann müßte man auch die jüdischen Fleisch-Besudelungen in Kleve, Köln, Stockheim, Nordheim u. s. w. als „Ritual" . gelten lassen. Dagegen sei zu bemerken gestattet, daß alle Behauptungen von jüdischen Fleisch-Besudelungen niederträchtige Lugen sind, deren Urheber, wo sie gerichtlich faßbar waren, disziplinarisch in einer Weise bestraft wurden, die ihnen das Lügen für die Folge recht ver-, leiden dürste. Wenn Herr Fröhlich aber diese Fleischbesudelung gar als ein Ritual des Talmud hinstellen möchte, so ist er in den Augen eines jeden anständigen Menschen als Lugner und Verleumder geächtet, wenn er nicht vermag, die Stelle und den Wortlaut dieses Besudelungs-Ritual im Talmud anzugeben. Das wird er nicht können, denn sie existirt nicht. Diese Lugen haben kurze Beine. Wenn unsere Antisemiten keine besseren Gründe gegen das jüdische Schlachtverfahren vorzübringen haben, so kann man es begreifen, wenn anständige Menschen keinen sonderlichen Drang verspüren, diesen Störern des konfessionellen Friedens zu Willen zu sein. Friedberg b. Frkf. a. M. Die Gewerbe-Akademie zu Fnedberg in Qberhessen versendet soeben ihr diesjähriges Programm nebst Lehrplänen. Das reich mit Abbildungen und Plänen ausgestattete Groß-Oktav- Heft enthält genaue Angaben über den Zweck und die Ziele der Anstalt. Ein sehr instruktiver Aufsatz „Reformen und neue Ziele des höheren, technischen Unterrichtswesens" folgt auf die Ausführung der Aufnahmebedingungen, des Prüfungswesens und der Honorarforderunqen. Die Lebrfächer und ihr Umfang sind danach sehr eingeh'nd behandelt und aus diesem Theile des Programms kann man ersehen, welch' vielseitig« Bildung auf gewerblichem und technischen Gebiet die Schule ihren Beft'.chern angedeihen läßt. Das (neue) Sommer-Semester nimmt am 13. April c. seinen Anfang. :

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